Gehirnjogging – Die Intelligenz steigern … und dabei dümmer werden

Gehirnjogging - Kann es die Intelligenz steigern?

Der Markt für Gehirnjogging ist in den letzten Jahren rapide gewachsen. Die Anbieter von Apps zum Gehirntraining teilen sich einen Kuchen von über einer Milliarde US-$.

Ist Gehirnjogging nur eine neue Form des Zeitvertreibs, oder macht es Sinn, das eigene Gehirn mit Hilfe von Apps zu trainieren?

Im Zug sitzen sich zwei Männer gegenüber – der eine kaut ständig Apfelkerne.

„Warum machen sie das?“ will der andere wissen.

„Weil die schlau machen!“ antwortet der erste und bietet ihm einige Kerne für jeweils einen Euro zum Kauf an.

Dieser kauft ihm fünf Kerne ab und fängt ebenfalls an zu kauen.

Nach einer Weile meint er: „Für fünf Euro bekomme ich ja mindestens zwei Kilo Äpfel, da sind ja weit mehr als nur fünf Kerne drin!“

„Sehen sie“, meint der erste. „Es wirkt schon!“

Warum wird Gehirnjogging betrieben?

René Descartes stellte einmal fest, dass die Intelligenz das einzige ist, das gerecht unter den Menschen verteilt ist – jeder glaubt er habe genug davon.

Obwohl sich fast alle Menschen (insgeheim) für überdurchschnittlich intelligent halten, erfreut sich das Gehirnjogging einer wachsenden Beliebtheit.

Da drängt sich die Frage auf: Warum wollen Menschen, die sich bereits für sehr intelligent halten, ihren IQ noch weiter steigern?

Mein Auto – mein Haus – mein IQ

Ein hoher IQ gilt als einer der zuverlässigsten Indikatoren für den beruflichen Erfolg und wirkt sich damit indirekt positiv auf die Partnerwahl aus.

Ein hoher IQ ist ein Statussymbol. Sein Besitzer kann der Zukunft gelassener entgegenblicken.

Also einfach den IQ mit Gehirnjogging-Apps steigern und alles im Leben wird besser?

Früher war die Intelligenz nur einer von mehreren Erfolgsfaktoren

Bis vor kurzem galten andere Eigenschaften als ebenso wichtig wie die Intelligenz:

  • Der Charakter
  • Die innere Einstellung

Erst seit die Intelligenz über den IQ gemessen werden kann, gewann diese an Bedeutung.

Dabei ist die Messung der Intelligenz bei weitem nicht so einfach und eindeutig, wie viele Menschen glauben.

Die Experten sind sich nicht einmal in der Frage einig, was Intelligenz überhaupt ist.

Intelligenz ist ein Sammelbegriff für verschiedene kognitive Fähigkeiten

Intelligenz ist nicht eine einzige klar definierte Sache; es gibt viele verschiedene Intelligenztheorien.

Die meisten Intelligenzforscher lehnen sich mit ihren Aussagen und Versprechungen übrigens nicht annähernd so weit aus dem Fenster, wie jene, die uns ihre Produkte zur Steigerung der Intelligenz verkaufen wollen.

Warum sich die Menschen wirklich für Gehirnjogging interessieren

Sehr wahrscheinlich gibt es nicht den einen Grund für das stetig steigende Interesse an Gehirntraining.

Neben der Intelligenzsteigerung machen auch diese Motive Sinn:

  • Dem befürchteten kognitiven Verfall vorbeugen. Einige Anbieter werben damit, dass ihre Produkte Demenz und Alzheimer vorbeugen können
  • Für einige dürfte das Gehirnjogging ein Vorwand sein, um ohne schlechtes Gewissen Computerspiele zu spielen

Effektives Gehirntraining macht per Definition keinen Spaß

Einige Anbieter von Gehirnjogging-Apps werben damit, dass ihre Spielchen Spaß machen, doch wahrscheinlich ist dieses Versprechen mit der Wirksamkeit ihrer Produkte nicht vereinbar.

Kognitives Training ist nur am Rande der Überforderung effektiv – man muss ständig an seine Grenzen stoßen.

Ständig überfordert zu sein, macht aber keinen Spaß. Wir Menschen empfinden nur Spaß an Tätigkeiten, die wir einigermaßen gut beherrschen.

(Effektives Muskeltraining macht auch keinen Spaß – und wenn man die Übungen so durchführt, dass sie Spaß machen, gibt es kaum einen Trainingseffekt.)

Kann man das Gehirn überhaupt wie einen Muskel trainieren?

Schon immer haben die Menschen das Gehirn mit den jeweils neuesten technischen Geräten verglichen. Erst war es die Dampfmaschine und dann der Computer.

Im Zuge dieser Vergleiche übertragen wir still und heimlich bestimmte Eigenschaften der technischen Geräte auf das Gehirn.

Gehirn = Computer?

Auf einem Computer, der aus einem Haufen Hardware besteht, kann ich viele verschiedene Softwareprogramme installieren. Wenn ich eine bessere Hardware einsetze, dann laufen sämtliche Softwareprogramme schneller.

Wenn ich das Gehirn als einen Computer betrachte, dann erscheint es mir logisch, dass ich die Gehirn-Software schneller laufen lassen kann, indem ich die Hardware verbessere.

Das Gehirn ist aber keine Hardware, auf der Software läuft. Die Hardware und die Software sind ein und dasselbe. Man kann nicht einfach nur die Hardware ändern, ohne gleichzeitig die Software zu verändern.

Gehirn = Muskel?

Wenn ich meine Muskulatur trainiere, gewinne ich an Körperkraft. Diese dazugewonnene Körperkraft kann ich universell für alle möglichen körperlichen Aktivitäten einsetzen.

Wenn ich das Gehirn mit einem Muskel vergleiche, dann erscheint es mir logisch, dass ich das Gehirn mit einer bestimmten Übung trainieren kann, und dass ich die dadurch gewonnene höhere Leistungsfähigkeit für viele andere geistige Aufgaben nutzen kann.

Das Gehirn ist aber kein Muskel, und deswegen ist es nicht selbstverständlich, dass sich die durch Training verbesserten Funktionen auch auf andere Funktionen übertragen lassen.

Einfach ein paar unterhaltsame Computerspiele spielen, um das Gehirn zu ölen, damit es wieder rund läuft – so funktioniert das (sehr wahrscheinlich) nicht!

Ist ein hoher IQ wirklich erstrebenswert?

Für viele Menschen ist ein hoher IQ etwas magisches. Sie gehen davon aus, dass die Hochintelligenten automatisch Zugang zu völlig anderen Welten haben.

Stimmt das wirklich?

Was intelligente Menschen besser können

Hochintelligente kochen auch nur mit Wasser. Das hier können Menschen umso besser, je intelligenter sie sind:

  • Benötigtes (Wissen) kann schneller aus dem Gedächtnis abgerufen werden
  • Das Arbeitsgedächtnis kann mehr Informationen gleichzeitig verarbeiten
  • Wichtiges kann besser von Unwichtigem unterschieden werden
  • Handlungsalternativen können schneller gegeneinander abgewogen werden

Klingt verlockend, aber wozu das alles?

Wozu braucht man Intelligenz?

Aristoteles sagte (über das Ziel im Leben):

Das Ziel menschlichen Handelns ist das im guten Leben verwirklichte Glück

Intelligenz nützt uns nur dann etwas, wenn sie uns diesem Ziel näherbringt.

Intelligente sind tatsächlich erfolgreicher und glücklicher

Der IQ sagt den allgemeinen Lebenserfolg mit einer gewissen Sicherheit voraus.

Intelligente Menschen sind im Durchschnitt außerdem glücklicher, als weniger intelligente Menschen (Quelle).

Ein hoher IQ hilft, aber die Zusammenhänge sind nicht streng deterministisch

Auch weniger intelligente Menschen können glücklich und erfolgreich sein, und ein hochintelligenter Mensch ist nicht zwangsweise erfolgreicher und glücklicher.

Warren Buffett, einer der reichsten und intelligentesten Menschen des Planeten, sagte einmal, dass man alle IQ Punkte oberhalb von 130 getrost verschenken könne – sie bringen einem im Leben keine Vorteile mehr.

Unter der Annahme, dass das gute Leben erstrebenswerter ist, als ein möglichst hoher IQ, macht eine IQ Steigerung durch Gehirnjogging nur dann Sinn, wenn man durch einen zu niedrigen IQ daran gehindert wird, ein gutes Leben zu führen.

Wenn der IQ nicht der Engpass ist, warum dann Ressourcen verschwenden, um ihn aus Eitelkeit zu verbessern?

Das eigentliche Ziel ist nicht Intelligenz, sondern intelligentes Handeln

Was uns im Leben weiterbringt, ist nicht die Intelligenz an sich, sondern intelligentes Handeln.

Das intelligente Handeln wird neben einem gesteigerten IQ auch noch von weiteren Faktoren begünstigt.

  • Eine scharfer Fokus und eine gute Konzentrationsfähigkeit haben eine ebenso hohe Vorhersagekraft für den Lebenserfolg wie der IQ
  • Jeder Mensch kann innerhalb kürzester Zeit Techniken erlernen, mit deren Hilfe sich Termine, Namen, Pins, Passwörter und Vokabeln um ein Vielfaches schneller und einfacher merken lassen. (Sie dazu meinen Artikel über Gedächtnistraining.)

Und intelligentes Handeln kann seinen Ursprung sogar außerhalb des eigenen Kopfes haben (mehr dazu später).

Was ist Intelligenz?

Wie schon gesagt, gibt es verschiedene Modelle und Theorien über Intelligenz.

Ein Modell mit dem ich persönlich sehr viel anfangen kann, wird in dem folgenden Video von Vera F. Birkenbihl erklärt:

Nach diesem Modell hängt die Intelligenz von drei Faktoren ab:

  1. Die Geschwindigkeit der Signalübertragung zwischen den einzelnen Neuronen im Gehirn
  2. Der Menge des bereits im Gedächtnis gespeicherten relevanten Wissens (Birkenbihl spricht von einem Wissensnetz)
  3. Erlernbaren Methoden, Strategie und Techniken (Birkenbihl spricht von reflexiver Intelligenz)

Eine Stärke bei einem der drei Faktoren kann eine Schwäche bei einem anderen Faktor ausgleichen.

Intelligenz ist effektive Kommunikation

Und da Kommunikation nicht nur innerhalb eines Gehirns stattfindet, sondern auch zwischen verschiedenen Gehirnen, besitzt ein (soziales) Personen-Netzwerk auch eine Intelligenz (kollektive Intelligenz).

Ein intelligentes Netzwerkt hilft mir dabei, intelligenter zu handeln

Wenn ich mich mit intelligenten Menschen verbinde, kann ich meine effektive Intelligenz steigern, ohne meinen IQ verbessern zu müssen.

Die Intelligenz meines Personen-Netzwerkes kann ich darüber hinaus steigern, indem ich an meinen kommunikativen Fähigkeiten arbeite.

Wo sitzt die Intelligenz im Gehirn?

Im Gehirn lässt sich die Intelligenz weder einer einzelnen Region zuordnen, noch befindet sich sie sich überall.

Das Modell vom dezentralen Netzwerk der Intelligenz ist das aktuell beste Modell der Intelligenz.

(Quelle und weitere Infos)

Wovon hängt ab, wie intelligent ein Mensch wird?

Das Potential der Intelligenz (der Maximalwert) ist genetisch bedingt. Im Gegensatz zu anderen Merkmalen, wie zum Beispiel der Augenfarbe, wird Intelligenz aber nicht dominant vererbt.

Die Intelligenz wird nicht von einem einzigen Mastergen vererbt, sie hängt von einer Vielzahl verschiedener Gene ab, die jeweils nur einen minimalen Beitrag zur Intelligenz leisten.

Das Intelligenz-Potential wird nur unter optimalen Bedingungen voll ausgeschöpft

Je schlechter die Bedingungen sind, mit umso höherer Wahrscheinlichkeit bleibt ein Kind unter seinen Möglichkeiten. (Um das vererbte genetische Potential voll ausschöpfen zu können, bleibt nur bis etwa zum zwölften Lebensjahr Zeit.)

Kinder von Eltern mit warmherzigem und demokratischem Erziehungsstil sind im Mittel intelligenter, als Kinder von Eltern mit autoritärem Erziehungsverhalten, die häufig Strafen einsetzen.

Der Flynn-Effekt: Die durchschnittliche Intelligenz der Menschen nimmt zu

Etwa seit dem zweiten Weltkrieg kann beobachtet werden, dass der durchschnittliche IQ der Menschen stetig ansteigt.

Zu einem gewissen Teil könnte dies mit einer allgemeinen Veränderung der Erziehungsmethoden zusammenhängen.

Der Entdecker des nach ihm benannten Flynn-Effekts, James Flynn, erklärte den Effekt nicht mit der Erziehung sondern mit

  • Dem Fernsehen
  • Dem Computer
  • Der Veränderung der Arbeitswelt

Allgemein höhere kognitive Anforderungen an die Menschen führen  zu einer höheren Intelligenz.

(Damit der durchschnittliche IQ trotzdem weiterhin bei 100 Punkten liegt, wird die Skala ständig angeglichen.)

Dass sich die Intelligenz an die Anforderungen anpasst, lässt sich auch im Kleinen beobachten: Schon im Rahmen eines Erholungsurlaubes von üblicher Länge, sinkt der IQ um rund 20 Punkte, um sich nach dem Urlaub in einem ähnlichen Zeitrahmen wieder zu erholen (Quelle).

Wenn man sich nach einem Urlaub geistig klarer fühlt, hat das vermutlich nicht mit einer gesteigerten Intelligenz, sondern mit dem im Urlaub stattfindenden Stressabbau zu tun.

Die zwei Faktoren der Intelligenz: Fluide und kristalline Intelligenz

Das sogenannte Zwei-Faktoren-Modell von Rymond Cattell unterscheidet zwei grundverschiedene Arten von Intelligenz.

Während die fluide Intelligenz ab etwa Mitte 30 allmählich nachlässt, kann die kristalline Intelligenz bis ins hohe Alter immer weiter zunehmen.

Gehirnjogging - Kristalline und fluide Intelligenz

Das Zwei-Faktoren-Modell der Intelligenz von Raymond Cattell (1971) – Die fluide Intelligenz erreicht einen Höhepunkt, um im höheren Lebensalter schwächer zu werden (rote Kurven). Die kristalline Intelligenz kann – wenn sie gefördert wird – bis ins hohe Alter ansteigen (helle blaue Kurve). Wenn die kristalline Intelligenz nicht gefördert wird, bleibt dieser Effekt aus (dunkle blaue Kurve).

Die fluide Intelligenz bestimmt wie schnell wir denken

Das Herzstück der fluiden Intelligenz bildet das sogenannte Arbeitsgedächtnis.

Das Arbeitsgedächtnis ist ein Teil des Kurzzeitgedächtnisses, mit dem wir uns Informationen nicht nur merken, sondern diese auch manipulieren können. Das Arbeitsgedächtnis ist eine Art Werkstatt in unserem Kopf.

Das Arbeitsgedächtnis spielt eine wichtige Rolle bei der Intelligenz, denn die Leistungsfähigkeit des Arbeitsgedächtnisses bestimmt unter anderem, wie schnell es uns gelingt Ziele zu wechseln und wie gut wir nicht mehr benötigte Ziele hemmen können.

Die kristalline Intelligenz bestimmt was wir denken

Die Grundlage der kristallinen Intelligenz ist unsere Erfahrung an Wissen und die erlernten Methoden, Strategien und Techniken.

Intelligentes Handeln bedarf beider Formen der Intelligenz.

Das Gehirnjogging zielt darauf ab, die fluide Intelligenz zu verbessern, indem das Arbeitsgedächtnis trainiert wird.

Wie sich herausstellte, ist es zwar möglich, das Arbeitsgedächtnis zu trainieren, aber die verbesserte Leistung des Arbeitsgedächtnisses äußert sich nicht in einer allgemeinen Steigerung der fluiden Intelligenz (Quelle).

Ist Gehirnjogging zur Steigerung des IQ sinnvoll?

Gehirnjogging würde Sinn machen, wenn die folgenden drei Voraussetzungen erfüllt wären:

  1. Durch die entsprechenden Übungen wird man nicht nur in der konkreten Übung besser, sondern es verbessert sich ein weites Spektrum an Fähigkeiten
  2. Die verbesserten Fähigkeiten sind für das Leben relevant
  3. Es existiert keine bessere Methode, um die entsprechenden Fähigkeiten zu verbessern

Schauen wir uns die Punkte einzeln an:

1. Was wird durch Gehirnjogging tatsächlich verbessert?

Dass sich einzelne Gehirnfunktionen mittels Gehirnjogging gezielt verbessern lassen, steht außer Frage. Studien haben gezeigt, dass das möglich ist.

Die entscheidende Frage ist, ob sich die punktuelle Verbesserung auch auf andere kognitive Fähigkeiten überträgt.

Wenn ich durch Sudoku nur in Sudoku besser werde, aber in nichts anderem, dann macht Sudoku nur zum Zeitvertreib Sinn, aber nicht, um mein Gehirn zu trainieren.

Dass die Anbieter von Gehirnjogging-Apps behaupten, sie hätten den Heiligen Gral des Gehirntrainings gefunden, ist klar, aber es ist kein Beweis für die Wirksamkeit ihrer Trainingsmethode.

Da sich mehr als die Hälfte von allen psychologischen Studienergebnissen nicht reproduzieren lassen, sollte man aus den Ergebnissen einzelner Studien lieber keine Schlussfolgerungen für das eigene Leben ziehen (Quelle).

Mit ganz wenigen Ausnahmen kamen bisher alle Studien zu dem Ergebnis, dass sich die allgemeine Gehirnleistung durch Gehirnjogging nicht verbessern lässt. Auch gegen Alzheimer und Demenz ist Gehirnjogging unwirksam (Quelle).

Unterm Strich scheint die Wirksamkeit von Gehirnjogging eher unwahrscheinlich zu sein.

2. Wird das Leben durch Gehirnjogging besser?

Wie schon weiter oben gesagt, gibt es einen Zusammenhang zwischen Intelligenz und Lebenserfolg. Dieser Zusammenhang ist korrelativ aber nicht kausal.

Im Klartext heißt das, dass intelligente Menschen statistisch betrachtet etwas öfters in der Lotterie des Lebens gewinnen, als weniger intelligente Menschen.

Ihr Lebenserfolg hat aber nicht direkt etwas mit ihrer Intelligenz zu tun, sondern ist darauf zurückzuführen, dass sie im Durchschnitt bessere Entscheidungen treffen.

Die Frage ist, ob ihre Fähigkeit, bessere Entscheidungen zu treffen, auf ihre fluide oder auf ihre kristalline Intelligenz zurückzuführen ist.

Wenn überhaupt, dann kann Gehirnjogging nur die fluide Intelligenz verbessern, denn die kristalline Intelligenz hängt ja von Wissen und Erfahrungen ab.

Meiner persönlichen Einschätzung nach beruhen gute (Lebens-)Entscheidungen eher auf Wissen und Erfahrung, als auf der Geschwindigkeit, mit der sie getroffen werden.

Unterm Strich scheint es eher unwahrscheinlich zu sein, dass sich Gehirnjogging positiv auf den Lebenserfolg auswirkt.

3. Gibt es etwas besseres als Gehirnjogging?

Gleich aus mehreren Gründen scheint es sinnvoller, die kristalline Intelligenz zu verbessern, anstatt mit fragwürdigen Methoden an der fluiden Intelligenz herumzudoktern.

Während die fluide Intelligenz nach oben hin aus genetischen Gründen beschränkt ist, lässt sich die kristalline Intelligenz praktisch unbegrenzt steigern.

Hier gibt es sogar einen Zinseszinseffekt: Je mehr (Vor-)Wissen man schon hat, umso leichter lässt sich weiteres Wissen erwerben. Die kristalline Intelligenz wächst exponentiell.

Unterm Strich macht es wohl mehr Sinn, Ressourcen in die eigene Bildung, als in fragwürdiges Gehirnjogging zu investieren.

Ein weiteres Argumente gegen Gehirnjogging-Apps: Opportunitätskosten

Das Gehirn passt sich an die jeweiligen Anforderungen an.

Fähigkeiten, bei denen wir regelmäßig an unsere Grenzen stoßen, verbessern sich, und Aufgaben, die wir nicht mehr regelmäßig durchführen, verlernen wir wieder.

Es gibt keinen Stillstand – entweder wir lernen oder wir verlernen.

Was vielen Menschen nicht klar zu sein scheint ist, dass viele der Dinge, die wir im Alltag tun, aus Sicht des Gehirns komplexe Aufgaben sind. Insbesondere der soziale Umgang mit anderen Menschen ist hier zu nennen. Alle diese Aufgaben trainieren das Gehirn.

Die meisten Gehirnprozesse sind zudem unbewusst, sodass wir ihre Kompliziertheit aus dem Gefühl heraus gar nicht beurteilen können.

Zum Beispiel muss das Gehirn bei mehrsprachig aufgewachsenen Menschen immer diejenige Sprache aktiv unterdrücken, die gerade nicht gesprochen wird.

Dabei wird das Gehirn permanent so sehr trainiert, dass Demenzerkrankungen bei Menschen, die zweisprachig aufgewachsen sind, im Mittel erst drei bis fünf Jahre später auftreten, als bei Menschen, die einsprachig aufgewachsen sind (Quelle).

Das gezielte Gehirntraining macht im Grunde nur dann wirklich Sinn, wenn man es sich zu einer dauerhaften Angewohnheit macht.

Einmal für ein paar Wochen zu trainieren, um dann die nächsten Monate davon zu profitieren, klappt nicht. Man verschwendet nur seine Zeit

Das große Problem am gezielten Gehirntraining sind die Opportunitätskosten: Während man Gehirnjogging macht, macht man nichts anderes.

Man trainiert nur eine einzige von vielen Fähigkeiten, die im Alltag zudem keine Relevanz hat. Man hofft, dass sich diese eine Fähigkeit auf viele andere, im Alltag nützliche und relevante Fähigkeiten überträgt, aber es gibt keine Garantie, dass das wirklich passiert.

Ist Gehirnjogging für alle Menschen ungeeignet?

Nein. Vermutlich kann Gehirnjogging Menschen helfen, bei denen bestimmte Gehirnfunktionen aufgrund einseitiger Berufe stark unterfordert und damit schlecht trainiert sind.

Wer abwechslungsreich lebt und arbeitet, braucht aber kein Gehirnjogging.

Besser als Gehirnjogging: Das Gehirn nebenbei trainieren

Diese Hobbies wirken sich positiv auf die Intelligenz und das Gehirn aus:

  • Sprachen lernen
  • Meditation
  • Videospiele (aber nur 30 Minuten pro Tag)
  • Lesen
  • Sport
  • Musikinstrumente spielen

(Quelle)

Wenn man außerdem noch diese Dinge vermeidet, kann das Gehirn gut gedeihen:

  • Monotoner Beruf
  • Chronischer Stress
  • Chronischer Schlafmangel
  • Ruhestand insbesondere in Verbindung mit Armut (wer rastet rostet)
  • Stundenlanges TV gucken

Außerdem wird das Gehirn durch soziale Interaktion trainiert.

Fazit

Anstatt mit irgendwelchen fragwürdigen Computerspielen die Intelligenz zu trainieren, macht es mehr Sinn, einen Intelligenz-fördernden Lebensstil anzustreben und niemals mit dem Lernen aufzuhören.

Nur wenn das nicht möglich ist, kann es Sinn machen, Gehirnjogging zur Gehirnoptimierung in Betracht zu ziehen.

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