Gewohnheiten ändern in 4 Schritten – dauerhaft und erfolgreich

Gewohnheiten ändern und verstehen

Schon vor über 2000 Jahren wussten schlaue Menschen, wie wichtig es ist, bestimmte Gewohnheiten zu ändern.

„Wir sind das was wir wiederholt tun. Vorzüglichkeit ist daher keine Handlung, sondern eine Gewohnheit.“

– Aristoteles

Wenn du dein Leben ändern möchtest, musst du deine Gewohnheiten ändern.

Wie Gewohnheiten funktionieren und wie du sie ändern kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass über 40% unserer täglichen Entscheidungen auf Gewohnheiten basieren. Gewohnheiten bestimmen also einen großen Teil unseres Alltags.

Tätigkeiten, die wir immer wieder auf die gleiche Weise und im gleichen Kontext durchführen, werden mit der Zeit zu Gewohnheiten. Ob man dies will oder nicht spielt dabei keine Rolle. Es wird natürlich auch nicht zwischen guten und schlechten Tätigkeiten unterschieden.

Unsere Gewohnheiten sind in einem evolutionär alten Teil des Gehirns gespeichert, den Basalganglien. Dort werden auch andere Automatismen wie Herzschlag und Atmung kontrolliert.

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Charles Duhigg und die Macht der Gewohnheiten

In dem Buch Die Macht der Gewohnheiten beschreibt Charles Duhigg den Aufbau einer Gewohnheit als sogenannte „Gewohnheitsschleife“. Die Gewohnheitsschleife besteht aus drei Teilen:

  • Auslöser
  • Routine
  • Belohnung

Bei der Routine handelt es sich um die von außen sichtbare Tätigkeit (Naschen, Rauchen, Fluchen, Emails checken etc.). Sie ist immer mit einem weniger offensichtlichen Auslöser (ein bestimmter Ort, eine bestimmte Uhrzeit, ein bestimmtes Ereignis etc.) und mit einer Belohnung verknüpft.

Früher hatte ich die schlechte Angewohnheit, morgens meinen Wecker auszuschalten und mich gleich wieder zurück ins warme Bett zu legen. Das Läuten des Weckers ist in diesem Fall der Auslöser der Routine und die Belohnung bestand darin, dass ich mich wieder ins warme Bett legen durfte. Das Ausschalten des Weckers ist die Routine.

Wenn du eine Gewohnheit ändern möchtest, ist es wichtig, diesen dreiteiligen Aufbau zu verstehen. Es ist möglich, Routinen durch andere Routinen zu ersetzen, aber es ist nicht möglich sie einfach ersatzlos zu streichen.

Gewohnheiten können leider nicht einfach „gelöscht“ werden. Wenn du den entsprechenden Auslöser kennst, kannst du eine Routine natürlich bewusst unterdrücken, aber in diesem Fall hast du sie nicht gelöscht, sondern nur durch das Unterdrücken ersetzt. Sobald du damit aufhörst, die alte Routine zu unterdrücken, wird sie wieder aktiv.

Übrigens sind Gewohnheiten nicht nur Tätigkeiten. Auch Denkweisen und Gefühle können zur Gewohnheit werden.

Jede Gewohnheit ist anders. Es gibt einfache Gewohnheiten, wie zum Beispiel nach dem Essen das Besteck auf den leeren Teller zu legen, und es gibt kompliziertere Gewohnheiten, wie beispielsweise ein Auto rückwärts einzuparken. Manche Gewohnheiten werden mehrmals am Tag ausgeführt, andere nur einmal pro Tag oder noch seltener.

Wie lange dauert es, eine Gewohnheit zu ändern?

Im Internet kursiert die Information, es würde 66 Tage dauern um eine neue Gewohnheit zu etablieren. Dahinter steht eine Veröffentlichung eines Forscherteams des University College London aus dem Jahre 2009.

Die Forscher hatten versucht, zu bestimmen, wie lange es dauert, bis eine neue regelmäßige Tätigkeit automatisch abläuft.

Die Studie wurde mit einer Reihe von Personen durchgeführt, welche die zu etablierenden Gewohnheiten selbst wählen durften und außerdem Geld für ihre Teilnahme an der Studie bekamen.

Die Vorgabe bestand darin, dass die Tätigkeit täglich im immer gleichen Kontext auszuführen war, also zum Beispiel jeden Tag nach dem Mittagessen oder vor dem Abendessen. Konkret waren es Tätigkeiten, wie beispielsweise

  • zum Mittagessen ein Glas Wasser zu trinken oder
  • nach dem Essen ein Stück Obst zu sich zu nehmen.

Die Probanden wurden jedes Mal gefragt, wie leicht ihnen die Tätigkeit gefallen war. Man hat dann willkürlich festgelegt, ab welcher subjektiv empfundenen Leichtigkeit man davon ausgehen kann, dass es sich nun um eine Gewohnheit handelt.

Letzten Endes kam heraus, dass es im kürzesten Fall 18 Tage und im längsten Fall 254 Tage gedauert hatte, diese Schwelle zu überschreiten. Der Mittelwert betrug jene 66 Tage, von denen man im Internet oft liest.

Wie gesagt handelte es sich bei den Gewohnheiten um tägliche und außerdem sehr einfache Tätigkeiten. Die große Spanne von 18 bis 254 Tagen deutet auch darauf hin, dass sich das Ausbilden von Gewohnheiten von Mensch zu Mensch deutlich unterscheidet. Daraus zu schließen, wie lange es für eine bestimmte Person dauern wird, bis sie es sich zur Gewohnheit gemacht hat, zweimal pro Woche in ein Fitnessstudio zu gehen ist kaum möglich.

Man muss auch folgendes bedenken: Nach dem Mittagessen einen Apfel zu essen ist eine neue Gewohnheit die nicht in Konkurrenz zu einer alten Gewohnheit steht. Nachmittags um fünf Uhr ins Fitnessstudio zu gehen, kann aber durchaus mit einer alten und sehr starken Gewohnheit konkurrieren, die man sonst um diese Zeit ausführt, beispielsweise das Gucken einer Fernsehserie.

Es muss zwischen Gewohnheiten unterscheiden werden, die „auf Neuland gebaut werden“ und solchen, bei denen eine alte Gewohnheit durch eine neue Gewohnheit ersetzt werden soll. Die Studie aus London hat nur den ersten Fall untersucht.

Warum Belohnungen so wichtig sind

Ich hatte mich immer gefragt, warum die Belohnung so wichtig ist.

In der Gewohnheitsschleife folgt die Belohnung ja erst nach der Routine. Wenn man die Belohnung erhält, hat man die Routine bereits ausgeführt. Kann man die Belohnung nicht einfach weglassen?

Die Belohnung ist zwingend notwendig. Wenn man eine neue Gewohnheitsschleife einübt, lernt das Gehirn mit der Zeit, die Belohnung vorwegzunehmen. Das Gehirn weiß also irgendwann, dass die Belohnung kommen wird. Es entsteht ein Verlangen nach der Belohnung. Dieses Verlangen treibt die Gewohnheitsschleife an.

Wenn man die Belohnung von Anfang an weglässt, dann kann sich überhaupt keine Gewohnheit ausbilden, weil das Verlangen fehlt. Das Gehirn hat kein Interesse an Gewohnheiten, die nicht mit einer Belohnung verknüpft sind.

Als Belohnung kommt alles in Frage, was im Gehirn zu einer Ausschüttung von Belohnungsstoffen (Dopamin) führt.

Wenn die Belohnung plötzlich verweigert wird

Wenn dem Gehirn bei einer bereits bestehenden Gewohnheit auf einmal die Belohnung verweigert wird, wird das Gehirn das Verlangen nach der Belohnung verstärken und kann in extremen Fällen sogar bildlich gesprochen in den Autopiloten umschalten und sich die Belohnung selbst holen.

Oft ist die Belohnung aber ohnehin so eng mit der Routine gekoppelt, dass es überhaupt nicht möglich ist, diese voneinander zu trennen. Wenn Essen damit belohnt wird, dass das Hungergefühl verschwindet, dann müsste man, um Routine und Belohnung zu trennen ja irgendetwas essen wovon der Hunger nicht verschwindet.

Eine Belohnung kann übrigens auch ein schöner Gedanke oder ein Tagtraum sein, sofern diese mit positiven Gefühlen assoziiert ist. Wenn du dir beispielsweise in Gedanken bildlich ausmalst, wie du dich fühlen wirst wenn du ein bestimmtes Ziel erreicht hast, dann könnte dieser Gedanke von deinem Gehirn durchaus als Belohnung akzeptiert werden.

Gewohnheiten müssen trainiert werden

Bis sich eine Gewohnheitsschleife gebildet hat, muss du die neue Routine regelmäßig bewusst ausführen und dabei sowohl an den Auslöser, als auch an die Belohnung denken. Ohne diese Elemente kann sich keine neue Gewohnheit bilden.

Es wird empfohlen, immer nur eine Gewohnheit gleichzeitig zu verändern. Wer sich vornimmt, von jetzt an gesünder zu leben, also von einem auf den anderen Tag damit beginnen will, grundsätzlich immer die Treppe statt dem Aufzug zu nehmen, außerdem abends immer nur Salat zu essen, Sport zu treiben und gleichzeitig mit dem Rauchen aufzuhören, wird mit sehr hoher Sicherheit scheitern. Das sind zu viele Änderungen auf einmal. Man muss wohl oder übel eines nach dem anderen ändern.

Das ist auf den ersten Blick ziemlich frustrierend, weil es so aussieht, als würde es eine Ewigkeit dauern. Tatsächlich gibt es aber doch einen Weg um schneller ans Ziel zu kommen und doch mehrere Gewohnheiten gleichzeitig zu ändern. Der Grund dafür sind sogenannte Schlüsselgewohnheiten.

Gewohnheiten muessen trainiert werden

Schlüsselgewohnheiten – Gewohnheiten 2ten Grades

Charles Duhigg beschreibt Schlüsselgewohnheiten als Gewohnheiten, die wie Hebel wirken können oder in der Lage sind, Kettenreaktionen auszulösen.

Bestimmte Gewohnheiten können Schlüsselgewohnheiten sein und Kettenreaktionen in Gang bringen. Man kann es aber nicht erzwingen.

Eine häufige Schlüsselgewohnheit ist Sport. Es kann passieren, dass man – wenn man damit anfängt regelmäßig Sport zu treiben – auf einmal auch mehr oder weniger automatisch dazu übergeht, sich bewusster zu ernähren oder weniger zu rauchen. Durch den Sport hat sich die Denkweise verändert, was dazu geführt hat, dass man einige andere Dinge ebenfalls etwas anders macht als früher.

Eine andere Schlüsselgewohnheit könnte sein, sich selbst und sein eigenes Verhalten besser zu beobachten. Das kann beispielsweise dadurch geschehen, dass man in einem Ernährungstagebuch regelmäßig aufschreibt was man gegessen hat. So fallen einem möglicherweise Muster auf, wodurch Sachverhalte ins Bewusstsein rücken, die vorher unbekannt waren. Durch diese Erkenntnis können weitere automatische Gewohnheitsänderungen angestoßen werden.

Auch das Unterbewusstsein kann mithelfen. Angeblich gelang es Menschen, allein dadurch stark an Körpergewicht zu verlieren, dass sie sich ein Zielgewicht vornahmen und dann einfach nur regelmäßig ihr Körpergewicht kontrollierten und bestimmten, ob sie sich auf Kurs auf das Zielgewicht befanden. Die dazu notwendigen Verhaltensänderungen passierten ungeplant und von ganz allein.

Schlüsselgewohnheiten können eine Kettenreaktion auslösen

Gewohnheiten, die deine Willenskraft trainieren

Gewohnheiten, die dazu in der Lage sind, Willenskraft zu trainieren, sind ebenfalls potentielle Schlüsselgewohnheiten.

Wie kann man sich Willenskraft zur Gewohnheit machen?

Laut Duhigg ist Willenskraft an kritischen Wendepunkten entscheidend. Kritische Wendepunkte sind Momente, in denen die Gefahr besteht, dass das ganze Vorhaben scheitert. Nehmen wir an, du hast dich vor ein paar Tagen dazu entschlossen das Rauchen aufzugeben und nun bist du auf einer guten Party und alle anderen Gäste rauchen.

Wenn dir jetzt jemand eine Zigarette anbietet, besteht die große Gefahr, dass dein Nichtraucher-Projekt gestorben ist. Es gibt eine Möglichkeit, um mit höherer Wahrscheinlichkeit unbeschadet aus dieser Sorte von Situationen heraus zu kommen und gleichzeitig Willenskraft zu trainieren:

Man muss sich im Vorfeld einen möglichst detaillierten Plan darüber machen, wie man sich in diesen Schlüsselmomenten verhalten möchte. Wenn man sich konsequent an diese Pläne hält, trainiert man dabei auch seine Willenskraft.

Plaene schuetzen Gewohnheiten in Schluesselmomenten

Auch die Industrie will deine Gewohnheiten ändern

Studien haben gezeigt, dass sogar Leute, mit Einkaufslisten, über 50 Prozent ihrer Kaufentscheidungen erst im Supermarkt treffen wenn sie die Waren sehen.

Die von den Produkten ausgehenden Reize sind also stärker als die ursprünglichen Absichten der Leute. Dies bedeutet natürlich nicht, dass es zwecklos ist, eine Einkaufsliste zu schreiben, zeigt aber, wie groß der Einfluss der Supermärkte auf unser Verhalten ist.

Dass dieser Einfluss so groß ist, ist natürlich kein Zufall. Es ist das Ergebnis eines Prozesses, der sowohl psychologisches Wissen, als auch eigene Experimente nutzt und durch Optimierung immer besser wird.

Unser Kaufverhalten wird immer weiter analysiert werden und es kann davon ausgegangen werden, dass die Industrie bald besser über unsere Gewohnheiten Bescheid weiß und imstande ist, diese zu manipulieren als wir selbst.

Zum einen liegt dies daran, dass die Industrie immer besser darin wird uns zu analysieren, aber zum anderen ist der Grund auch der, dass viele von uns einfach super schlecht darin sind, ihr eigenes Verhalten zu analysieren und zu reflektieren.

Das wahrscheinlich größte Problem ist das Rationalisieren. Menschen, die eigentlich nicht die Absicht hatten, Kuchen zu kaufen, im Laden aber schwach werden, rationalisieren ihre Kaufentscheidung nachträglich: Wenn sich die Person der wahren Ursache für ihre spontane Kaufentscheidung, nämlich unterbewusste Manipulation, nicht bewusst ist, erfindet ihr Gehirn einfach einen Grund. „Ich hatte durchaus geplant, Kuchen zu kaufen, aber ich hatte vergessen das auf die Liste zu schreiben“. In dem Fall wird es natürlich schwierig, eine schlechte Angewohnheit abzustellen.

Rationalisierung ist übrigens keine Charakterschwäche. Alle Menschen rationalisieren wenn sie den wahren Grund für ihre Handlung nicht kennen.

Wer sich der Möglichkeit von Manipulation und Rationalisierung bewusst ist, kann diesem Spiel allein schon dank dieser Kenntnisse entkommen. Wichtig ist, dass sich die bewusste Aufmerksamkeit im entscheidenden Moment (an der Kuchentheke) einschaltet, so dass man die Möglichkeit hat, einzugreifen. Wenn man die potentiellen Gefahren kennt, wird genau das passieren. Wer keine Ahnung hat was vor sich geht, starrt während dem Einkauf weiter auf das Smartphone während das Unterbewusstsein den Befehl gibt, den Kuchen in den Einkaufswagen zu legen.

Supermaerkte versuchen gezielt und Gewohnheiten zu manipulieren

Wissen ist Macht

Es ist äußerst hilfreich, Bescheid zu wissen, welche Möglichkeiten die Industrie tatsächlich schon hat. In dem Buch “Die Macht der Gewohnheiten” wird dies am Beispiel eines amerikanischen Discounters deutlich gemacht. Das Szenario lässt sich vielleicht nicht eins-zu-eins auf deutsche Supermärkte übertragen, aber es zeigt, was alles machbar ist: Der Discounter führt eine Datenbank über all seine Kunden und beschäftigt gut ausgebildete Statistiker, die in der Lage sind, aus den vorliegenden Daten so viele Informationen wie möglich über die Kunden zu extrahieren.

Leute, die jedes Mal bar bezahlen können auf diese Weise nicht erfasst werden, aber Kartenzahler und Inhaber von Kunden- oder Rabattkarten hinterlassen bei jedem Einkauf eine Spur. Es scheint auch Unternehmen zu geben, die mit dieser Art von Daten handeln, was bedeutet, dass ein Supermarkt, in dem man zum erste Mal einkauft, möglichweise schon mehr Informationen über einen hat, als einem bewusst ist.

Die wertvollste Information für einen Supermarkt ist die, dass eine Kundin schwanger ist und wann das Kind auf die Welt kommen wird (zumindest in den USA). Wenn ein Kind auf die Welt kommt, vor allem wenn es das erste Kind ist, ändert sich im Leben einer jungen Familie sehr viel und entsprechend einfach ist es für den Supermarkt, all die neuen Gewohnheiten mitzubestimmen, die die jungen Eltern in diese Phase bilden. Anscheinend sind Supermärkte schon heute recht gut darin, aus dem zeitlich aufgelösten Kaufverhalten einer Kundin zu bestimmen ob diese schwanger ist.

Auch in Deutschland sollte man sich als Verbraucher ruhig mehr Gedanken darüber machen, warum bestimmte Supermärkte eigentlich Kunden- und Rabattkarten ausgeben und was es mit Preisausschreiben und dergleichen auf sich hat. Hinweis: Es geht nicht darum, dir dabei zu helfen, Geld zu sparen.

Natürlich sollte man es nicht von vornherein pauschal als negativ abstempeln, manipuliert zu werden. Tatsächlich ist es nämlich so, dass es gar nicht möglich ist, nicht zu manipulieren. Manipulation findet immer statt.

Man wird wohl im Einzelfall abwägen müssen, ob es sich um eine win-lose-Situation (die Industrie gewinnt, der Kunde verliert), oder um eine win-win-Situation handelt in der sowohl die Industrie, als auch man selbst als Gewinner hervorgeht.

Kundendaten geben den Blick auf Gewohnheiten frei

Wie man seine Gewohnheiten selbst ändert

„Eine Gewohnheit kann man nicht aus dem Fenster werfen. Man muss sie die Treppe hinunterboxen, Stufe für Stufe.“

– Mark Twain

Manche Menschen scheinen zu hoffen, dass ihnen irgendwann eine Art Zauberpille vorgelegt wird, die ihnen dabei Hilft, alle lästigen Gewohnheiten loszuwerden ohne sich dafür nennenswert anstrengen zu müssen.

Duhigg sagt aber, dass man eine Gewohnheit nur ändern kann, wenn man sich bewusst dazu entscheidet, den großen Aufwand zu akzeptieren, der damit verbunden ist. Gewohnheiten zu ändern ist harte Arbeit.

Wenn man etwas länger über diese Tatsache nachdenkt und dabei berücksichtigt, dass auch Supermärkte und andere Industrien daran interessiert sind, Herr über unsere Gewohnheiten zu werden, wird man feststellen, dass wir uns vermutlich sogar darüber freuen sollten, dass es so schwierig ist, eine Gewohnheit zu ändern.

Der erste Schritt zum Ändern einer Gewohnheit besteht darin, die Routine zu identifizieren. Dies ist einfach und in den meisten Fällen bereits erledigt. Nehmen wir mein eingangs beschriebenes persönliches Beispiel: Mein Wecker klingelt, ich mache ihn aus und gehe wieder ins Bett. Die Routine ist das Ausschalten des Weckers.

Im zweiten Schritt geht es darum, herauszufinden, was die mit der Routine verbundene Belohnung ist. In meinem Fall ist relativ offensichtlich, dass die Belohnung darin besteht, dass ich wieder zurück ins Bett darf. In anderen Fällen ist die Belohnung nicht so offensichtlich weil es mehrere Möglichkeiten gibt.

Wenn du beispielsweise abends vor dem Fernseher Süßigkeiten naschst, dann könnte es sich bei der Belohnung natürlich um die Befriedigung eines Hungergefühls handeln. Es ist aber auch denkbar, dass dir nur langweilig ist und du naschst um dich abzulenken.

Um herauszufinden, welches die wirkliche Belohnung für das Naschen ist, könntest du beim nächsten Mal anstelle der Süßigkeiten einen Apfel essen und beobachten wie du darauf reagierst. Bist du befriedigt?

Im dritten Schritt wird der Auslöser gesucht. In meinem persönlichen Beispiel ist es offensichtlich das Klingeln des Weckers. In anderen Fällen kann es mehrere Möglichkeiten geben. Charles Duhigg sagt, dass alles Mögliche als Auslöser in Frage kommt. Es gibt aber fünf typische Auslöser, die in der Praxis fast alles abdecken:

  • Eine bestimmte Tages- oder Uhrzeit
  • Ein bestimmter Standort
  • Ein bestimmter emotionaler Zustand
  • Die Anwesenheit von bestimmten anderen Menschen
  • Die unmittelbar vorangegangene Handlung

Um den konkreten Auslöser der entsprechenden Gewohnheit zu finden muss man wissenschaftlich vorgehen: Dazu schreibt man sich jedes Mal, wenn es zu der entsprechenden Gewohnheit kommt zu jedem der fünf wahrscheinlich in Frage kommenden Auslöser den entsprechenden Zustand auf. Wenn man auf diese Weise einige Datensätze gesammelt hat, vergleicht man diese und sucht nach einem Muster: Welche der Bedingungen war immer gleich?

Der vierte und letzte Schritt besteht nun darin, einen Plan aufzustellen um die unerwünschte Routine zu ersetzen.

Was du konkret tun musst, ist dir zu überlegen, was du nächstes Mal tun wirst, wenn der Auslöser auftritt. Das Ziel ist, zwischen Auslöser und Belohnung eine neue Routine einzubauen, mit der du besser leben kannst, als mit der alten Routine.

Mir ist es mittlerweile gelungen, meinen Wecker morgens nicht mehr einfach auszuschalten und mich wieder ins Bett zu legen. Anstatt zurück ins warme Bett zu gehen, gehe ich direkt unter die warme Dusche sobald der Wecker klingelt. Um mir diese Sache noch etwas einfacher zu machen, befindet sich meinen Wecker nicht mehr neben meinem Bett, sondern außerhalb des Schlafzimmers auf dem halben Weg zum Badezimmer. Rückblickend erscheint eine Lösung manchmal ziemlich offensichtlich.

Gewohnheiten ändern

Gewohnheiten nutzen um das eigene Denken zu ändern

Unser Denken und Handeln wird von unserer Umgebung beeinflusst. Diese Tatsache kann man sich zunutze machen, indem man Gewohnheiten bildet, die dafür sorgen, dass man einer Umgebung ausgesetzt wird, die einen positiven Einfluss auf das eigene Denken und Handeln hat.

Um diesen Effekt auszunutzen habe ich mir angewöhnt, morgens beim Führstück bestimmte Bücher zu lesen. Das Lesen versetzt mich in eine Stimmung, die mich noch Stunden nach dem Lesen unterstützt. Würde ich stattdessen während dem Frühstück in einer Tageszeitung lesen, die verschiedenste Meldungen zu einer Vielzahl von Themen enthält, wäre ich nach dem Lesen vermutlich noch stundenlag verwirrt.

Fazit und Zusammenfassung

Wie wir in diesem Artikel gesehen haben, spielen Gewohnheiten in unserem Leben eine große Rolle. Schlechte Gewohnheiten machen uns das Leben unnötig schwer und gute Gewohnheiten können uns das Leben an vielen Stellen erleichtern.

Beim Verständnis und bei der Änderung von Gewohnheiten kommt es darauf an, die Struktur der Gewohnheit zu verstehen. Um eine Gewohnheit ändern zu können muss die jeweils zugrunde liegende Gewohnheitsschleife erforscht werden. Anschließend kann die unerwünschte Routine durch eine bessere Routine ersetzt werden.

Das Ändern einer Gewohnheit dauert eine Weile und es macht Sinn, nicht zu viele Gewohnheiten auf einmal anzugehen. Besondern wichtig sind daher die Schlüsselgewohnheiten, weil diese unsere Denkweise verändern und dadurch eine Art Kettenreaktion auslösen können, durch die eine Reihe zusätzlicher Gewohnheiten als Bonus gleich mit geändert werden.

Eine gänzlich neue Gewohnheit (Routine) muss immer mit einem Auslöser verknüpft werden und wenn die Routine selbst noch keine Belohnung enthält, dann muss auch diese künstliche geschaffen werden. Nur so kann eine echte unbewusste Gewohnheit entstehen.

Die hier dargestellte Methode zum Ändern von Gewohnheiten hat natürlich ihre Grenzen. Nicht jede Tätigkeit kann in Form einer unbewussten Gewohnheit automatisiert werden. Besonders hartnäckige bestehende Gewohnheiten, insbesondere welche, die das Denken und Fühlen betreffen, lassen sich möglicherweise gar nicht auf eigene Faust verändern.

Außerdem ist jede Gewohnheit etwas anders und Menschen können sich stark voneinander unterscheiden. Was bei einer Person gut funktioniert kann bei einer anderen Person scheitern.

Betrachte die hier beschriebene Methode als Basis für eigene Experimente. Wenn du nicht weißt, welche schlechte Angewohnheit du als erstes ändern möchtest, dann fang doch einfach mal bei deiner Mediennutzung an.

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ÜberJan

Mein Name ist Jan Höpker (Jahrgang 1980). Ich habe Chemie studiert und im Bereich Biochemie promoviert. Ich helfe meinen Lesern dabei, mehr aus ihrem Leben zu machen, indem ich sie mit relevanten Konzepten und Ideen aus den wichtigsten Sachbüchern der letzten 100 Jahre versorge. Klicke oben im Menu auf "über mich" um mehr über mich und meine Vision zu erfahren.

5 Antworten auf Gewohnheiten ändern in 4 Schritten – dauerhaft und erfolgreich

  1. Ewald sagt:

    Danke für diesen Artikel. Ich habe das Buch von Charles Duhigg natürlich auch gelesen, finde aber, dass es – typisch amerikanisch – viel zu aufgeblasen ist. Diese Zusammenfassung hier beinhaltet alle Kernaussagen des Buches in aller Kürze. Gut gemacht!

    Auf meinem Blog http://www.macht-der-gewohnheit.com schreibe ich regelmäßig über Gewohnheiten und Routinen und gehe dabei auch viel tiefer ins Detail. Zur Zeit habe ich gerade eine kleine Serie über Selbstdisziplin und Willenskraft am Laufen.

    Zur Frage, wie lange es dauert, eine Gewohnheit zu ändern, wird am 28. Sept. 2015 ein ausführlicher Artikel erscheinen. Darin beschreibe ich, von welchen Faktoren es abhängt, wie lange eine Gewohnheitsänderung dauert. Und natürlich gibt’s auch Tipps, wie man die Zeit verkürzen kann.

    • Jan sagt:

      Hallo Ewald,

      was den Stil von „die Macht der Gewohnheiten“ angeht, gebe ich dir recht. Da wird eine Idee, die man auf 10 Seiten präsentieren könnte, auf fast 400 Seiten ausgedehnt. Beispiele und Stories ohne Ende. Geschichten sind ja wirklich hilfreich um Konzepte sehr eindringlich zu vermitteln. Viele Autoren übertrapazieren das aber sehr.

      Danke auch für den Hinweis auf deinen Blog.

  2. Pingback: idealkraft Wochenschau – KW 35/2015 » idealkraft

  3. Ronny sagt:

    Hi,

    ist ja gerade unser Thema. Super Beitrag passt genau in unsere Artikelserie (http://www.einfachanfangen.net/?p=1724).
    Gewohnheiten zu erkennen und diese dann zu verändern ist der größte Schritt auf dem Weg, den sich jeder selbst stellt.
    Bei mir hat es Ewig gedauert bis ich meine Kaffee trink Gewohnheit abgelegt habe. Immer wieder bin ich der alten Struktur nach gelaufen. Aber letzten Endes habe ich diese Gewohnheit nach 12 Jahren endlich komplett aufgegeben. Vom Erkennen bis zum endgültigen Verändern ist es ein echt langer Weg.

    Liebe Grüße

    Ronny von Einfach anfangen

    • Jan sagt:

      Danke für deinen Kommentar. Es freut mich, dass du es endlich geschafft hast, deine unerwünschte Gewohnheit abzulegen

      Bei mir hat es auch Jahre gedauert bis ich es geschafft habe, meinen Wecker nicht erst noch 12-mal auszuschalten, bevor ich es morgens aus dem Bett schaffe.

      Gewohnheiten zu ändern ist leider wirklich harte Arbeit.

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