So werden deine guten Vorsätze ein Erfolg – auch ohne Disziplin

Bald ist wieder Sylvester, der Stichtag für ein neues und natürlich auch besseres Leben. Auch für den Jahreswechsel 2017/2018 werden viele Menschen gute Vorsätze formulieren.

Leider wird ein Großteil dieser Vorsätze niemals umgesetzt werden. Vorsätze zu formulieren ist das Eine; die Umsetzung ist etwas ganz anderes.

Dieser Artikel ist übrigens Teil der Blogparade #drankLEBENbleiben #sticktoit, die von Yasemin und mir ins Leben gerufen wurde.

Der Erfolg deiner guten Vorsätze steht schon fest

Es gibt eine Strategie, mit der du die Erfolgswahrscheinlichkeit deiner guten Vorsätze dramatisch erhöhen kannst: Selektion! Es geht darum, die Vorsätze gleich zu Beginn so gut wie möglich auszuwählen, anstatt einfach aus einer Laune heraus, irgendetwas zu versuchen.

Ob gute Vorsätze ein Erfolg oder Misserfolg werden, ist nämlich oft schon vor dem ersten Schritt in Richtung Ziel entschieden. Dass uns das aber immer erst im Nachhinein klar wird, liegt an der sogenannten „planning fallacy“, dem Planungsfehlschluss.

Der Planungsfehlschluss

Alle Menschen neigen dazu, den Aufwand für eigene neue Projekte maßlos zu unterschätzen. Wenn man die Menschen auf den Planungsfehlschluss hinweist, wird ihre Schätzung etwas besser. Sie ist aber immer noch viel zu optimistisch. Es ist anscheinend auch nicht möglich, aus vergangenen Fehlern zu lernen. Man begeht den Planungsfehlschluss immer wieder.

Wie du den Planungsfehlschluss bei der Planung berücksichtigen kannst

Wenn du mit eingehaltenen Neujahrsvorsätzen glänzen möchtest, solltest du diejenigen Vorsätze, bei denen du auch nur die geringsten Zweifel bezüglich deren Umsetzung hast, so früh wie möglich verwerfen, am besten noch vor Sylvester.

Ab welcher gefühlten Erfolgswahrscheinlichkeit ein Vorsatz verworfen werden sollte, hängt hauptsächlich davon ab, welche Alternativen es zu dem entsprechenden Vorsatz gibt. Auch die zur Verfügung stehenden Ressourcen und die Höhe der Investition spielen eine Rolle. Dazu gleich mehr.

Eine Veränderung des eigenen Lebens kann – ganz nüchtern betrachtet – als Investition angesehen werden, die erst nach einer Umgewöhnungsphase Erträge einbringt. Am Anfang werden Ressourcen wie Zeit, Geld, Energie und Wohlbefinden eher verbraucht als hinzugewonnen. Erst später – so die Hoffnung – erhält man die investierten Ressourcen mit Zins und Zinseszins zurück. Wer nicht durchhält, kann am Ende nicht profitieren. Die Anfangsinvestition ist verloren. Unterm Strich also ein Verlustgeschäft. Damit sich eine Investition lohnt, müssen die folgenden Faktoren in einem sinnvollen Verhältnis zueinander stehen:

  • Wie wahrscheinlich ist es, dass du das Ziel erreichst?
  • Wie sehr profitierst du im Erfolgsfall von der Verbesserung?
  • Was verlierst du, wenn du deine Reise auf halbem Weg zum Ziel abbrechen musst?

Einigen Menschen widerstrebt es, ihr Leben auf diese Art und Weise zu betrachten. Das ist natürlich völlig okay und auch verständlich. In dem Fall sollte man sich aber nicht wundern, wenn sich die Dinge nicht so entwickeln, wie man es gerne hätte.

„Wer andere Ergebnisse haben möchte, muss die Dinge auch anders angehen.“

Es handelt sich hier übrigens nicht um eine strenge Wissenschaft. So genau kann man die drei oben genannten Fragen nämlich gar nicht beantworten.

Wichtig ist nur, dass du dich überhaupt mit deinen Vorsätzen auseinandergesetzt hast.

Warum und wann man Vorsätze verwerfen (oder ändern) sollte

Es ist keine gute Idee, sich Dinge vorzunehmen die mit hoher Wahrscheinlichkeit bei der Umsetzung scheitern werden. Die Gründe:

  • Du sabotierst dein Selbstvertrauen – („Ich kann keine Pläne umsetzen!“)
  • Du verschwendest Ressourcen (Kapazitäten, die du für sinnvollere Ziele einsetzen könntest. Stichwort: Opportunitätskosten.)
  • Du zeigst deinen Mitmenschen, dass du es mit den guten Vorsätzen nicht ernst meinst.

Der letzte Punkt ist nicht zu unterschätzen. In vielen Fällen sind es unsere Mitmenschen, die entschieden dazu beitragen, dass wir ein Ziel erreichen: Sie sprechen uns auf Durststrecken gut zu, sie motivieren uns und sie geben uns den einen oder anderen wichtigen Hinweis. Vier Augen sehen mehr als zwei Augen.

Wenn unsere Mitmenschen aber den Eindruck haben, dass wir unsere Vorsätze sowieso nie einhalten, dann werden diese kein großes Interesse daran haben, uns zu unterstützen. Im schlimmsten Fall sabotieren sie uns noch zusätzlich („du ziehst das sowieso nicht durch!“) Vielleicht nicht sofort, aber bestimmt im nächsten oder übernächsten Jahr.

Am wichtigsten ist vermutlich aber der zweite Punkt: Wer hoffnungslose Projekte angeht, verschwendet Ressourcen, die er für sinnvollere Ziele hätte einsetzen können. Stichwort: Opportunitätskosten. Auch hier gibt es wieder Menschen, denen es zuwider ist, dieses Konzept auf ihr Leben anzuwenden. Motto: „Es macht doch nichts, wenn ich 8 Stunden am Tag fernsehe, denn der Fernseher ist ja schon bezahlt und die Stromkosten fallen kaum ins Gewicht.“

Der Punkt ist: Die wahren Kosten einer Sache ergeben sich immer erst aus dem Vergleich mit den alternativen Möglichkeiten. Das gilt auch für Vorsätze, die man zu Sylvester formuliert. Auf den ersten Blick scheint es vernünftig zu sein, sich einen Halbmarathon vorzunehmen um „gesünder“ zu werden. Wenn das Projekt aber mit Ansage nach drei Wochen „keinen Spaß mehr macht“ und man es abbricht um zum alten Trott zurückzukehren, dann wäre es insgesamt klüger gewesen, wenn man sich stattdessen ein Gesundheitsprojekt mit besserer Erfolgsaussicht vorgenommen hätte.

Das Problem ist ja: Man kann – realistisch betrachtet – immer nur eine Gewohnheit ändern (und erst dann die nächste). Ein Ziel kann aber oft auf mehreren Wegen erreicht werden. Man sollte sich für den vielversprechendsten Weg entscheiden. Jedenfalls dann, wenn die Unterschiede groß sind.

Ein Problem besteht darin, dass einem das wahre Ziel oft nicht von Anfang an bewusst ist. Auf einmal ist es da, das Ziel: Halbmarathon. Aber ist der Halbmarathon wirklich das Ziel, oder geht es in Wirklichkeit nur darum, gesünder zu leben oder ein Erfolgserlebnis zu generieren? Mit diesen Fragen sollte man sich auseinandersetzen, gesetzt den Fall, dass man die Liste der gescheiterten Neujahresvorsätze möglichst kurz halten möchte.

Ein typischer „Fehler“

Ein weit verbreiteter (und auch sinnvoller) Vorsatz ist mehr Sport treiben zu wollen. Sofort eine 1-Jahres-Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio abzuschließen, dort aber nur dreimal zum Sport zu erscheinen, ist ein genauso weitverbreitetes Phänomen.

Mindestens die Hälfte der zahlenden Mitglieder von Fitnessstudios gehen überhaupt nicht zum Sport (und 100% der neuen Mitglieder glauben, dass sie zur anderen Hälfte gehören werden 😉 ). Fitnessstudios leben praktisch von nicht eingehaltenen Neujahresvorsätzen.

Woran merke ich, dass ich es nicht ernst meine?

Ein wichtiger Warnhinweis sollte dir allein schon die Tatsache sein, dass du ausgerechnet zum neuen Jahr mit dem Vorsatz starten möchtest.

Wenn du etwas wirklich tun willst, würdest du dann bis Sylvester damit warten, anstatt sofort loszulegen? Wer mit einer Sache bis Sylvester wartet, zeigt damit im Grunde genommen doch schon, dass ihm die Sache gar nicht so wichtig ist. Natürlich kann es Ausnahmen geben.

Um ganz sicher zu gehen, stelle ich mir die folgenden beiden Fragen:

  1. Warum will ich diese Änderung in mein Leben „einbauen“?
  2. Wie realistisch ist es, dass ich die Sache auch tatsächlich umsetzen werde?

Wenn ich keine sehr gute Antwort auf die erste Frage habe und ich die zweite Frage nicht mindestens mit „sehr realistisch“ beantworten kann, verwerfe ich den Vorsatz sofort wieder. In dem Fall steckte hinter dem Vorsatz kein echter Wunsch, sondern bloß eine Laune (die mir möglicherweise sogar noch von außen eingepflanzt wurde.)

Eine weitere zuverlässige Möglichkeit, um herauszufinden, wie Wahrscheinlich es ist, dass man ein Projekt durchhält, besteht auch darin, einfach seine Mitmenschen zu fragen. Andere Menschen sehen uns einfach objektiver, als wir uns selbst sehen.

Sollte man gar keine neuen Dinge ausprobieren, wenn man sich nicht sicher ist, ob man es auch durchhält?

Etwas Neues auszuprobieren ist völlig okay. Es ist definitiv kein Fehler, viele neue Dinge auszuprobieren, selbst dann nicht, wenn es wahrscheinlich nur bei einem Ausprobieren bleiben wird. Es ist sogar eine gute Sache, möglichst viele Dinge auszuprobieren.

Entscheidend ist, dass man sich im Klaren ist, warum man eine Sache tut. Wenn man sich im Klaren darüber ist, dass es sich nur um einen Test handelt, dann wird man das Commtiment so klein wie möglich halten. Man wird dann nicht gleich einen Langzeitvertrag in einem Fitnessstudio abschließen, sondern lediglich ein Probetraining vereinbaren. Man wird sich keine komplett neue Ski-, Golf- oder Tennisausrüstung kaufen. Zum Ausprobieren kann man sich all diese Sachen auch erstmal nur ausleihen.

Der Teufel steckt im Detail

An dieser Stelle sei noch angemerkt, dass man die Sache mit dem Commitment auch gegenteilig sehen kann: Ein Commitment, wie die für teures Geld gekaufte Golfausrüstung, sorgt für zusätzliche Motivation, kann also dazu beitragen, dass man regelmäßig auf den Golfplatz geht. Der Teufel steckt hier im Detail. Ein Tropfen kann das Fass zum Überlaufen bringen, aber nur dann, wenn das Fass schon vor dem Tropfen fast voll war.

Konkrete Pläne helfen bei der Umsetzung

Je genauer man die Umsetzung eines Plans schon im Vorfeld plant, umso wahrscheinlicher ist dessen Umsetzung. Diese Fragen können dir helfen:

  • Was möchte ich tun?
  • Welcher Grund steckt dahinter?
  • Wann und wie oft möchte ich es tun?
  • Wo möchte ich es tun?
  • Was benötige ich um es tun zu können und wo kann ich diese Dinge bekommen?
  • Welche Probleme/Hindernisse können auftreten und wie kann ich diese umgehen?

Insbesondere die letzte Frage ist sehr wichtig. Fast immer werden Hindernisse und Probleme auftreten und meist scheitert ein neues Projekt an einem solchen Hindernis. Das Problem ist aber nicht das Hindernis selbst, sondern, dass man von diesem überrascht wird.

Fazit

Menschen, die ihrer Ziele fast immer erreichen, sind dazu nicht etwa in der Lage, weil sie sich an jedem x-beliebigen Ziel festbeißen können. Das Geheimnis dieser Menschen ist, dass sie gut darin sind, sich von vornherein nur Ziele zu setzen, die sie auch mit hoher Wahrscheinlichkeit erreichen werden.

Gut geplant ist halb gewonnen!

Was hast du dir für nächstes Jahr vorgenommen? Wie willst du dein Ziel erreichen? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

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4 Antworten auf So werden deine guten Vorsätze ein Erfolg – auch ohne Disziplin

  1. Dario sagt:

    Hallo Jan,

    ich bin auch gerade dabei einen Artikel über Neujahrsvorsätze zu schreiben.

    Ich stimme dir zu, dass jemand der wirklich etwas änder will, nicht bis zu Silvester warten wird.

    Auf der anderen Seite sehe ich Silvester für mich als eine Art Startschuss für eine neue Challenge. Dabei lege ich fest, wie viel Zeit ich mir gebe um die Challenge zu schaffen. Ich mache das zwar auch an anderen Tagen, aber Silvester gibt mir zumindest noch einen extra Schub.

    Grüße
    Dario

    • Jan sagt:

      Hey Dario,

      Dass gute Sylvestervorsätze niemals ernst gemeint sind, glaube ich ja auch nicht. Dass ich was in die Richtung geschrieben habe, sollte vor allem zum Nachdenken anregen. Wie du schon sagst ist Sylvester durchaus auch ein Zeitpunkt der sich besonders gut dafür eignet ein neues Projekt zu starten. Um Sylvester hat fast jeder ein paar Tage frei und kann die für Planung und erste Schritte nutzen.

      Viele Grüße,
      Jan

  2. Timm sagt:

    Hallo Jan,
    vielen Dank für diese tollen Tipps. Dieser Artikel liegt jetzt in meinen Favoriten, denn ich bin mir sicher, dass ich ihn demnächst wieder lese(n muss). 🙂
    LG Timm

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