Ich-Botschaften – Die #1 Regel für konstruktive Kommunikation

Ich-Botschaften sind eine wichtige Regel für konstruktive Kritik (Kommunikation)

Ich-Botschaften sind eine Grundvoraussetzung für konstruktive Kritik und ein Meilenstein in der Persönlichkeitsentwicklung.

In diesem Artikel erfährst du, wie du mit Ich-Botschaften erfüllendere soziale Beziehungen führst und Menschen konstruktiv und stressfrei kritisierst.

Die zerstörerische Kraft der Du-Botschaften

Du-BotschaftenEigentlich wollte Anna ihrem Freund Peter, der schon wieder den Termin vergessen hatte, nur zu verstehen geben, dass sie sich von ihm verletzt fühlte.

„Immer kommst du Idiot zu spät! Ich bin dir doch völlig egal!“

Nicht zum ersten Mal bekam Peter ihre direkten Worte in den falschen Hals. Es kam es zu einem heftigen Streit.

Am Ende bewarfen sich die beiden abwechseln mit allen möglichen Vorwürfen und Anschuldigungen, die schon alt und maßlos übertrieben waren. Jeder wollte den anderen um jeden Preis übertrumpfen, weil er sich im Recht fühlte.

Als am Ende sogar echtes Geschirr flog, bestand der Scherbenhaufen nur zum Teil aus Porzellan. Anna stürmte wutentbrannt aus der gemeinsamen Wohnung. Zwei Tage später trennte sich das Paar in einem erneuten Streit.

Es funktionierte einfach nicht mehr.

Winzig kleine Meinungsverschiedenheiten können zu großen Streits eskalieren.

Hin und wieder kann es sogar so weit kommen, dass ein normales Gespräch gar nicht mehr möglich ist.

Aus jeder Fliege wird ein Elefant und der trampelt dann alles kaputt.

Manche Menschen können einfach nicht miteinander. Stimmt das wirklich?

Das Problem sind nicht die Menschen, sondern deren destruktive Kommunikation

Vielleicht gibt es wirklich einige Fälle, in denen Menschen einfach nicht zusammenpassen, aber in den meisten Fällen liegt es nicht an den Menschen selbst, sondern an deren schlechter Kommunikation.

Auch ich wurde hin und wieder zu einem tobenden Elefanten, weil mich ganz bestimmte Äußerungen meines Gegenübers zur Weißglut trieben.

Hinterher kam mir mein Verhalten zwar meist maßlos übertrieben vor, aber trotzdem gelang es mir nicht, mich in ähnlichen Situationen anders zu verhalten. Bestimmte Arten der Kommunikation schienen bei mir einfach einen Schalter umzulegen, wodurch mein rationales Denken ausgeschaltet wurde und ich mich in ein Tier verwandelte.

Eine Erklärung für all das hatte ich nicht.

Ich-Botschaften – Eine Wunderwaffe der guten Kommunikation

Erst im letzten Jahr fiel mir mehr oder weniger zufällig das Buch Miteinander Reden (Teil 1) von Friedemann Schulz von Thurn in die Hände. Da hatte ich meine Erklärung für all die sinnlosen Eskalationen nach destruktiver Kritik: Du-Botschaften.

Sogar eine Lösung gibt es: Ich-Botschaften.

Was ich mal wieder schade, aber nicht weiter verwunderlich finde: Die wirklich lebensverbessernden Dinge (was Ich-Botschaften zweifelsfrei sind) wurden mir in der Schule nicht beigebracht.

Die Art der Kommunikation entscheidet über Win-Win oder Lose-Lose

Ob Kritik in einem Win-Win oder in einem Lose-Lose endet, hängt maßgeblich von der Art der Kommunikation ab. Das Ganze erinnert an den Schmetterlingseffekt: Schon kleine Unterschiede in der Formulierung der Kritik können zu großen Unterschieden im Ergebnis führen.

Man kann es zwar nicht zu 100 % verallgemeinern, aber in vielen Fällen führen Du-Botschaften zu unnötigen Streits. Am Ende gehen beide Parteien als Verlierer vom Platz.

Ich-Botschaften bewirken das genaue Gegenteil: Sie stoßen eine konstruktive Lösung des Problems an und stärken die soziale Beziehung.

Ein paar typische Beispiele von Du-Botschaften:

Immer kommst du zu spät!

Ich bin dir völlig egal!

Du bist so blöd!

Immer liegen überall deine Sachen rum!

Die Anatomie der Du-Botschaften

Im Kern geht es nicht so sehr um die Formulierung „Du …“, sondern darum, dass eine zumeist völlig übertriebene und allgemeine Aussage über die andere Person gemacht wird. Solche Botschaften sind immer destruktiv, weil sie im anderen automatisch eine Abwehr- oder Verteidigungshaltung auslösen.

Du-Botschaften lösen oft eine emotionale Reaktion aus, die sehr drastisch ausfallen kann, wenn die Beziehung bereits vorbelastet ist.

Hier kommt das Konzept der emotionalen Konten ins Spiel. Im Kern geht es warum, dass die an einer sozialen Beziehung beteiligten Parteien jeweils ein Konto haben, auf welches der jeweils andere durch gutes Verhalten einzahlt und durch schlechtes Verhalten abhebt.

Wenn das Konto gut gefüllt ist, wird schlechtes Verhalten in der Regel toleriert.

Wenn das Konto aber (fast) leer ist, dann kann das Abheben schnell dazu führen, dass sich die Person in einen tobenden Elefanten verwandeln.

Kurz: Du-Botschaften sind blöd. Das Problem ist, dass unser Gehirn dieser Sorte von Botschaften besonders gerne formuliert.

Du-Botschaften werden uns einfach auf die Zunge gelegt, wenn wir mit dem Verhalten anderer Menschen nicht zufrieden sind.

Du-Botschaften in Ich-Botschaften übersetzen

Übersetzen wir die destruktiven Du-Botschaften in konstruktive Ich-Botschaften.

Du-Botschaft vs. Ich-Botschaft Beispiel 1

Du-Botschaft: Immer kommst du zu spät!

Ich-Botschaft: Du bist heute zu spät gekommen und das hat dazu geführt, dass ich mich vernachlässigt gefühlt habe.

Du-Botschaft vs. Ich-Botschaft Beispiel 2

Du-Botschaft: Ich bin dir völlig egal!

Ich-Botschaft: Wenn du unsere Verabredung vergisst, bekomme ich das Gefühl, dass ich dir egal bin.

Du-Botschaft vs. Ich-Botschaft Beispiel 3

Du-Botschaft: Du bist so blöd!

Ich-Botschaft: Wenn du dich in dieser Situation auf diese Weise verhältst, frage ich mich …

Du-Botschaft vs. Ich-Botschaft Beispiel 4

Du-Botschaft: Immer liegen überall deine Sachen rum!

Ich-Botschaft: Es stört mich, wenn deine Kleider im Schlafzimmer auf dem Boden liegen.

Mit Ich-Botschaften treffe ich eine Aussage über mich und nicht über die andere Person. Damit mache ich das Problem zu meinem Problem, anstatt der anderen Person ein Problem vorzuwerfen.

Wichtige Unterschiede zwischen Ich-Botschaften und Du-Botschaften

Du-Botschaften verallgemeinern

Du-Botschaften enthalten häufig Worte wie immer, ständig, überall, andauernd oder schon wieder. Du-Botschaften verallgemeinern eine konkrete Situation und da kann die andere Person natürlich nicht zustimmen. Eine Abwehrreaktion ist vorprogrammiert.

Ich-Botschaften sind spezifisch

Ich-Botschaften beschreiben den einen Auslöser des Problems so spezifisch wie möglich, ohne zu verallgemeinern.

Ich-Botschaften beschreiben Tatsachen

Bei Ich-Botschaften stehen meine Gefühle im Vordergrund. Gefühle entstehen in bestimmten Situationen spontan, ohne, dass ich darauf einen großen Einfluss habe.

Eine Ich-Botschaft beschreibt letztlich nur, dass ein bestimmter Auslöser ein bestimmtes Gefühl bei mir ausgelöst hat. Ich bitte die andere Person, den Auslöser in Zukunft zu unterlassen.

Regeln zum Formulieren von Ich-Botschaften

ERSTENS: Das auslösende Verhalten ohne Bewertung beschreiben. Den Satz am besten mit „Wenn …“ beginnen.

ZWEITENS: Beschreibe die Wirkung des Verhaltens so anschaulich und greifbar wie möglich. Wichtig ist, dass man einräumt, dass das entsprechende Verhalten nicht objektiv, sondern lediglich subjektiv betrachtet „schlecht“ ist.

DRITTENS: Drücke das Gefühl aus, welches bei dir erzeugt wird.

Vorteile von Ich-Botschaften gegenüber Du-Botschaften

  • Der Kritisierte erfährt etwas über die Bedürfnisse des Kritikers. Dadurch macht der Kritiker sich angreifbar. Er stellt sich also nicht über den Kritisierten.
  • Es ist keine Verteidigung nötig, weil kein Angriff stattfindet. Es wird lediglich eine Tatsache beschrieben.
  • Es ist keine Diskussion erforderlich, weil niemand beweisen muss, dass er recht hat.

Fazit

Ich-Botschaften sind eine Bereicherung für jede soziale Beziehung, denn diese Art der Kommunikation macht konstruktives Kritisieren erst möglich.

Am Ende stellt sich natürlich die Frage, wie man es hinbekommen kann, die auf der Zunge liegenden Du-Botschaften im Eifer des Gefechts gegen Ich-Botschaften auszutauschen.

Einige mögliche Ansätze:

  • Sprich mit deinem Partner deinen Familienmitgliedern oder Freunden über das Konzept der Ich-Botschaften und verabrede mit ihnen, gemeinsam daran zu arbeiten, Du-Botschaften gegen Ich-Botschaften auszutauschen. So könnt ihr euch gegenseitig coachen. Eine soziale Beziehung profitiert am meisten, wenn sie von beiden Seiten gleichzeitig verbessert wird.
  • Wenn du ein Tagebuch führst, könntest du Ich-Botschaften regelmäßig schriftlich üben. So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dir im entscheidenden Moment die richtigen Worte einfallen.

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2 Antworten auf Ich-Botschaften – Die #1 Regel für konstruktive Kommunikation

  1. Hallo,

    ein bedenkenswerter, anregender Artikel! Danke. Die Ich-Botschaften, die Sie als Beispiel anführen, sind ja nichts anderes als eine vorweg genommene Einleitung oder besser: Einladung zu einem Gespräch mit dem anderen, denn in ihnen ist ja bereits das „wir“ enthalten. Ich glaube, darin liegt das Geheimnis der Ich-Botschaften. Und auch darin, dass der andere zum reagieren, nicht resignieren, animiert wird.
    Viele Grüße
    Gabriele Frings
    schreibenundleben.com

    • Jan sagt:

      Hallo und danke für den Kommentar. Ich denke auch, dass das Geheimnis der Ich-Botschaften letztlich darin liegt, dass sie den Fokus des Gesprächspartners schonmal in die richtige Richtung stoßen.

      Viele Grüße,
      Jan

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