9 Wege aus der Komfortzone (direkt in die Lernzone)

Raus aus der Komfortzone! – Verlasse die Komfortzone!

Komfortzone verlassen und erweiternAufforderungen wie diese sind für die Persönlichkeitsentwicklungsszene typisch.

Was ist dran? Sollte man tatsächlich regelmäßig seine Komfortzone verlassen, oder sind diese Floskeln am Ende doch wieder nur heiße Luft?

Die Komfortzone

Der Begriff Komfortzone ist ein wenig irreführend, denn er suggeriert, dass es dort immer komfortabel, also angenehm ist.

In Wahrheit kann es in der Komfortzone durchaus unangenehm sein, insbesondere wenn man sie schon länger nicht mehr verlassen hat.

Die Merkmale der Komfortzone

An einem typischen Tag hält man sich die meiste Zeit über innerhalb der Komfortzone auf: Man befindet sich in einer gewohnten Umgebung und tut Dinge, die man in der Vergangenheit bereits getan hat.

Auf Dauer geht es gar nicht anders. Warum das so ist, werden wir später noch sehen.

Innerhalb der Komfortzone ist es sicher

Innerhalb des Komfortbereichs kommt es nur selten zu völlig unerwarteten Ereignissen: Keine Überraschungen – weder im positiven, noch im negativen Sinne.

  • Da wir aber so gut wie alles, was sich in der Komfortzone ereignen kann, entweder schon kennen oder zumindest recht genau vorhersagen können, werden wir hier kaum Neues lernen
  • Intensive Gefühle wie Stress, Angst und Panik, aber auch starke positive Gefühle, wird man hier nicht erleben können

Man muss nicht denken

Innerhalb der Komfortzone reichen unsere gewohnten Strategien aus, um unsere Ziele zu erreichen. Intensives Nachdenken ist hier nicht erforderlich.

Da man sozusagen auf Sparflamme läuft, verbraucht man vergleichsweise wenig Energie – das gilt insbesondere für das Gehirn, das bei nur 2 % Anteil am Körpergewicht eines Menschen, für rund 20 % von dessen Energieverbrauch verantwortlich ist.

Das ist übrigens auch der Grund, warum man es außerhalb der Komfortzone nicht besonders lange aushält: Der Energieverbrauch hier extrem hoch, was dazu führt, dass man schnell ermüdet.

Zwei weitere Zonen

Außerhalb des Komfortbereichs gibt es noch zwei weitere Zonen, in die wir eintreten, wenn wir diesen verlassen.

  • Die Lernzone (oder Wachstumszone)
  • Die Panikzone

In der Lernzone herrscht anregender Stress (Eustress)

Per se ist Stress weder gut noch schlecht – es hängt von der Intensität ab.

In geringer Dosierung ist Stress körperlich und geistig anregend und wirkt sich positiv auf unsere Leistungsfähigkeit aus. Dieser Zustand kennzeichnet die Wachstumszone.

In der Panikzone herrscht lähmender Stress (Distress)

Wenn der Stress ein bestimmtes Maß übersteigt, geht er in Panik über (Fight-or-Flight) und wirkt sich stark negativ auf die Leistungsfähigkeit aus. Hier befinden wir uns in der Panikzone.

Komfortzone-Lernzone-Panikzone

(A) Komfortzone – Lernzone (oder Wachstumszone) – Panikzone (B) Unsere Leistungsfähigkeit in den entsprechenden Zonen: In der Lernzone leisten wir am meisten. In der Panikzone sind wir nicht imstande etwas zu leisten.

Die Vor- und Nachteile der Komfortzone

Natürlich gibt es gute Gründe, die Komfortzone zu verlassen.

Auf der anderen Seite ist innerhalb der Komfortzone aber auch nicht alles schlecht.

In der Komfortzone entwickelt man sich zurück

Da man innerhalb der Komfortzone nur selten bis gar nicht von Unerwartetem überrascht wird, und daher auch nicht gezwungen ist, intensiv über Probleme und eine mögliche Lösung nachzudenken, entwickelt man sich geistig zurück.

Im Rahmen dieser negativen Entwicklung wird die Komfortzone immer kleiner. Am Ende sind wir schon wegen Kleinigkeiten völlig überfordert.

Es gibt keinen Stillstand!

Untersuchungen haben gezeigt: Zum Ende eines mehrwöchigen Erholungsurlaubes fallen die Ergebnisse von IQ-Tests um etwa 20 IQ-Punkte niedriger aus, als in den weniger entspannten Phasen unseres Lebens.

Das Gehirn passt die Leistungsfähigkeit mittelfristig an die vorherrschenden Bedingungen an. Das gleiche dürfte auch passieren wenn man sich nur noch in seiner Komfortzone aufhält.

In der Komfortzone ist man effizient

Überraschungen, insbesondere wenn sie negativ sind, können uns ganz schön aus der Bahn werfen. Es kann passieren, dass wir tagelang so gut wie gar nichts mehr auf die Reihe bekommen, weil wir uns von einem Problem bedroht sehen.

Wer an einem großen Projekt arbeitet, das Fokus und Konzentration verlangt, tut gut daran, die Komfortzone in dieser Zeit möglichst nicht zu verlassen.

Als ich Ende 2016 mein Buch Erfolg durch Fokus und Konzentration geschrieben habe, habe ich mich fast zwei Monate lang in meiner Komfortzone verschanzt. So konnte ich die gesamte mir zur Verfügung stehende Energie in die Arbeit am Buch stecken.

In der Komfortzone ist man sicher

Auch wenn es keine absolute Sicherheit gibt: Die Gefahr, frühzeitig aus dem Leben zu scheiden, ist außerhalb des Komfortbereichs größer als innerhalb.

Von Menschen und Affen, die ihre Komfortzone leichtfertig verlassen haben, stammt der moderne Mensch nicht ab – sie sind ausgestorben. Diejenigen, von denen wir abstammen, hatten Angst davor, die Komfortzone leichtfertig zu verlassen.

Zum Verständnis

Eine Angst, die uns nur einziges Mal in unserem Leben davon abhält, uns in eine Situation zu bringen, die uns mit einer geringen Wahrscheinlichkeit das Leben kostet, bedeutet auf lange Sicht (viele Generationen) einen großen evolutionären Vorteil.

Die An- oder Abwesenheit einer solchen Angst kann darüber bestimmen, welche Art ausstirbt, indem sie langsam von der Erde verschwindet, und welche Art sich auf Dauer (langsam) immer mehr durchsetzt.

Zwischenfazit

Sowohl der Verbleib innerhalb, als auch das Verlassen der Komfortzone, sind mit Vor- und Nachteilen verbunden.

Meiner Meinung nach ist es nicht sinnvoll, entgegen einer vorhandenen Angst, mit geschlossenen Augen ins kalte Wasser zu springen, nur um die Komfortzone verlassen zu haben.

Auf der anderen Seite schadet man sich auf lange Sicht selbst, wenn man sich und seine Nerven immer nur schont.

Der beste Kompromiss besteht darin, die Komfortzone gezielt und bewusst zu verlassen

Die Komfortzone nur gezielt und bewusst zu verlassen, heißt nichts anderes, als zu wissen was man tut und warum man es tut.

Wie man dabei konkret vorgehen kann, schauen wir uns weiter unten noch im Detail an.

Was uns davon abhält, die Komfortzone zu verlassen

Das Fehlen von Anreizen

Wenn es verführerische Anreize oder starken Druck gibt, ist jeder Mensch dazu in der Lage, seine Komfortzone sofort zu verlassen.

Wenn sich jemand dauerhaft in seiner Komfortzone verschanzt, liegt das entsprechend oft daran, dass er schlicht und einfach keine Ziele im Leben hat, für die es sich lohnt, ein Risiko einzugehen.

(Wie man lohnende Ziele im Leben findet, erkläre ich meinem Artikel über Lebensziele.)

Eine persönliche Geschichte

Nach dem Abitur hatte ich den Wehrdienst verweigert und musste mir eine Stelle für meinen Zivildienst suchen.  Objektiv betrachtet war das keine große Sache – ich hätte nur ein paarmal zum Telefonhörer greifen und ein paar der Nummer wählen müsse, die auf einer Liste standen, die man mir gegeben hatte.

Aus Gründen, die ich damals nicht verstand, tat ich es einfach nicht. Meine Motivation, meine Komfortzone zu verlassen und zum Telefon zu greifen, war bei null.

Heute verstehe ich den Grund: Wer nur die Wahl zwischen Pest und Cholera hat, wird die Entscheidung immer so lange hinauszögern wie es nur irgendwie geht.

Wir wollen unsere Überzeugungen schützen

Alte Überzeugungen über den Haufen zu werfen, und sich einzugestehen, dass sich bestimmte Glaubenssätze (Paradigmen) als falsch herausgestellt haben, ist aus Sicht des Gehirns mit einem großen Haufen Arbeit und einem hohen Energieverbraucht verbunden, denn viele neuronale Verbindungen müssen neu geknüpft werden.

Um diesen Aufwand zu vermeiden, beziehungsweise in nur dann in kauf zu nehmen, wenn er gerechtfertigt ist, schützen wir unsere Überzeugungen und Paradigmen, indem wie Gegenbeweisen aus dem Weg gehen und gezielt nach Bestätigung für unsere Wirklichkeit suchen.

Wir verbleiben in unserer Komfortzone, um unsere Überzeugungen zu schützen.

Angst vor Fehlern

Die Gefahr, Fehler zu machen, für die wir von unserem sozialen Umfeld bestraft werden, ist innerhalb der Komfortzone am geringsten.

Da unser Bildungssystem, das wir alle durchlaufen haben, auf Bestrafung und dem Ausmerzen von Fehlern aufgebaut ist, wurden wir darauf konditioniert Fehler zu vermeiden.

Da wir außerhalb unserer Komfortzone automatisch Fehler machen, bleiben wir zum Selbstschutz in unserer Komfortzone.

Angst vor der Angst

Außerhalb unserer Komfortzone fühlen wir uns nicht wohl. Ein wenig Angst und Panik gehört einfach dazu.

Einigen Männern wurde eingetrichtert, dass echte Männer keine Angst haben. Also verbleiben sie in ihrer Komfortzone, um ihre Männlichkeit zu schützen.

Praktische Tipps zum Verlassen der Komfortzone (9 Wege zum Ausgang)

Bloß weil man es als gut und sinnvoll erachtet, vom Sofa aufzustehen, um aktiv zu werden, heißt noch lange nicht, dass man es auch tatsächlich schafft, sich zu erheben – metaphorisch gesprochen.

Im Folgenden möchte ich noch 9 Ideen vorstellen, mit denen sich die Aktivierungsenergie reduzieren lässt.

Raus aus dder Komfortzone - die Komfortzone erweitern

Es lohnt sich, die Komfortzone zu verlassen, um in die Lernzone zu gelangen: Während man sich in der Lernzone aufhält, vergrößert sich die Komfortzone, d.h. man lernt, mit weniger Energieaufwand mehr zu erreichen.

(1) Den Körper aktivieren

Wenn wir motiviert sind, fällt es uns nicht schwer, aktiv zu werden.

Zu einem großen Teil hat das damit zu tun, dass unser Körper durch die Motivation für die körperliche Aktivität vorbereitet wird: Die Herzfrequenz und der Blutdruck steigen an, um die für die Aktivität erforderliche Energie bereitzustellen.

Wenn es uns an Motivation fehlt, kommt es nicht zu dieser Aktivierung.

Die Folge: Wir können nicht aktiv werden, selbst dann nicht, wenn wir auf einer rationalen Ebene aktiv werden wollen.

Dieses Problem lässt sich lösen, indem man seinen Körper durch leichte körperliche Aktivität für den Eintritt in die Lernzone aktiviert.

(2) Lernen, besser mit Ängsten und anderen negativen Gefühlen umzugehen

Viele Menschen wissen nicht, wie sie mit ihren Befürchtungen und Ängsten, die beim Eintritt in die Lernzone zwangsläufig auftauchen werden, umgehen sollen.

Anstatt die negativen Gefühle zu akzeptieren und sie zuzulassen, verkrampfen sie, in der Hoffnung, dass die Angst dadurch wieder verschwindet. Das wird aber nicht passieren.

Im Gegenteil: Je mehr man sich gegen negative Gefühle wehrt, umso intensiver werden diese Gefühle.

Alle Menschen haben Angst

Wir leben in einer Gesellschaft, in der derjenige, der Schwächen zeigt, (vermeintlich) einen Nachteil hat. Die meisten Menschen vermeiden es daher, ihre Ängste offen zu zeigen. So entsteht der Eindruck, dass andere Menschen keine Ängste haben.

Fakt ist: Alle Menschen haben Angst, und es ist völlig normal und in Ordnung, Angst zu haben.

(3) Kleine Schritte planen

Ein großer Schritt besteht aus vielen kleinen Schritten, und es gibt kein Gesetz, das vorschreibt, dass man sofort den ganzen Weg gehen muss.

Wenn man es nicht schafft, den kompletten Weg zu gehen, zerlegt man ihn in kleine Schritte, die man der Reihe nach geht.

Wer sich zum Beispiel nicht traut, vor die Tür zu gehen, um fremde Menschen anzusprechen, geht erstmal ohne diese Absicht vor die Tür.

(4) Motivation erzeugen

Wie schon gesagt, fällt es uns oft schwer, in die Lernzone einzutreten, weil es im Hintergrund kein großes persönliches Ziel gibt, das dem Lernen Sinn verleiht.

Wer in seinem Leben eigene persönliche Ziele verfolgt, wird es in vielen Fällen leichter haben, aktiv zu werden.

Demjenigen, der seine Werte kennt, wird es leichter fallen, aktiv zu werden, um seine Werte zu verwirklichen.

(In einem anderen Artikel erkläre ich, wie man seine Werte findet.)

(5) Realistischer Erwartungen entwickeln

Ein Grund, warum wir (oft) nicht aktiv werden, sind unrealistische Erwartungen an die Folgen unserer Handlungen.

In vielen Fällen basieren unsere Erwartungen nicht auf persönlichen Erfahrungen, sondern auf übertrieben negativen Berichten aus den Medien.

Wer sich öfters in die Lernzone begeben möchte, sollte negative Medienberichte lieber meiden.

(6) Nicht auf das Verlassen der Komfortzone fokussieren sondern auf das Erweitern

Um aktiv zu werden, brauchen wir Menschen einen guten Grund. Das Bild des Verlassens der Komfortzone dürfte seltener zum Erfolg führen, als das Eintreten in die Lernzone.

(7) Sich in die Lernzone hineinschubsen lassen

Im Allgemeinen ist es leichter, sich in die Lernzone zu begeben, wenn man durch einen externen Reiz oder Schubser motiviert wird. (Siehe dazu meinen Artikel über den Libertären Paternalismus.)

Meiner persönlichen Erfahrung nach eignet sich insbesondere die Gegenwart von erfolgreicheren Menschen, die bereits erreicht haben, was man selbst erreichen möchte.

Dazu muss man diese Menschen nicht zwangsweise persönlich treffen, man kann auch ihre Bücher lesen oder Vorträge und Dokumentationen bei YouTube ansehen.

(8) Gedanken-Tricks

Dass wir nicht aktiv werden, liegt häufig daran, dass wir uns zu sehr auf den Worst Case fokussieren und als Folge davon in eine Starre verfallen.

Diese Blockade lässt sich entfernen, indem man sich die folgenden drei Fragen der Reihe nach stellt:

  • Was könnte schlimmstenfalls passieren? (Was wäre daran so schlimm?)
  • Was wird im wahrscheinlichsten Fall passieren? (Woher weiß ich, dass es der wahrscheinlichste Fall ist?)
  • Was könnte bestenfalls passieren? (Was kann ich tun, um diesen Fall wahrscheinlicher zu machen?)

(9) Komfortzone-Übungen

Es gibt Übungen, die man regelmäßig durchführen kann, um sich das Eintreten in die Lernzone trotz eines mulmigen Gefühls zu einer Gewohnheit zu machen.

Hier einige Beispiele:

  • Im Restaurant eine Extrawurst bestellen (etwas, das nicht auf der Speisekarte steht)
  • An der Kasse im Supermarkt fragen, ob man vor darf

Natürlich geht es auch noch krasser:

Dr. Jan Höpker - Foto Autorenbox

Über Dr. Jan Höpker

Das vielleicht größte Problem unserer Zeit sind die allgegenwärtigen Ablenkungen, die uns in unserer persönlichen Entwicklung ausbremsen und denen die meisten Menschen mangels Wissen und wirksamer Strategien schutzlos ausgeliefert sind.

In seinem Buch Erfolg durch Fokus & Konzentration beleuchtet Jan den universellen und nachweislich wichtigsten Erfolgsfaktor Fokus und Konzentration tiefgründig und praxisnah.

Jan hat Chemie studiert und in Biochemie promoviert. Im Mai 2015 hat er die Webseite HabitGym gegründet. Im November 2017 haben 15.000 monatliche Leser Jans Artikel gelesen und 4.200 Follower folgen ihm in den Sozialen Netzwerken.

Abonniere Jans kostenlosen Newsletter, um Informationen, Impulse, Tipps und Tricks zu den Themen Fokus, Selbstmanagement und persönliche Entwicklung per Email zu erhalten.
 

5/5 (1)

Diesen Beitrag bewerten

Danke für's Teilen! 🙂
Facebooktwittergoogle_plusFacebooktwittergoogle_plus
(Klicke auf einen der Buttons, um diesen Artikel mit deinen Freunden zu teilen!)

Schreibe einen Kommentar

Please use your real name instead of you company name or keyword spam.