Lebensplanung: Langsam und mit Rückschlägen wachsen (Teil 6)

Lebensplanung Teil 6 Titel kleinIm sechsten und letzten Teil der Artikelserie über Lebensplanung wird das persönliche Wachstum behandelt.

Wie schnell sollte man wachsen?

Was ist von Rückschlägen zu halten?

Welche Fehler sollten vermieden werden?

Das Gehirn kann absolute Größen nicht bewerten

Um zu beurteilen, ob ein bestimmter Zustand, wie zum Beispiel der Kontostand gut oder schlecht ist, braucht das Gehirn Vergleichswerte.

Wenn das Gehirn unser derzeitiges Vermögen bewertet, nutzt es das Vermögen der Vergangenheit als Vergleichswert.

Wenn der neue Wert über dem alten Wert liegt, und wenn uns Geldvermehrung wichtig ist, dann schüttet das Gehirn Belohnungsstoffe aus, die für ein angenehmes Gefühl der Zufriedenheit sorgen.

Wenn wir hinsichtlich unseres heutigen Vermögens eine bestimmte Erwartung hatten, dann vergleicht das Gehirn unser Vermögen außerdem mit dieser Erwartung.

Das gleiche gilt für das Vermögen anderer Menschen, mit denen wir uns vergleichen.

Nicht nur die Bewertung von Vermögen läuft auf diese Weise ab, sondern auch die Bewertung unseres sozialen Status, unseres Äußeren und vieles weitere auch.

Wenn ich nun weiterhin von Vermögen spreche, dann nur aus einem einzigen Grund: Es eignet sich gut als Beispiel. Wer Geld nicht mag, kann Vermögen durch etwas anderes ersetzen.

Unsere Zufriedenheit hängt also vom Wachstum unseres Vermögens und von unserer Erwartungen ab, während die absolute Höhe des Vermögens keine allzu große Rolle spielt.

Ich würde mich freuen, wenn ich morgen eine Milliarde auf dem Konto hätte, aber für Bill Gates wäre es eine Katastrophe.

Unter der Voraussetzung, dass unser Ziel darin besteht, möglichst oft und lange glücklich zu sein, ergibt sich, dass es mit dem Vermögen (oder was auch immer) im Verlauf des Lebens möglichst konstant bergauf gehen sollte.

Wir gewöhnen uns an konstantes Wachstum

Einige Wissenschaftler sind der Ansicht, dass wir uns an lineares Wachstum gewöhnen, und nicht mehr mit Glücksgefühlen darauf reagieren.

Es kommt zu einer Anpassung

Vereinfacht gesprochen wird das Wachstum für das Gehirn zu einer Selbstverständlichkeit.

Wenn das stimmt, dann müssten wir dafür sorgen, dass unser Vermögen nicht linear, sondern exponentiell wächst.

Da das Gehirn nur lineare, aber keine exponentiellen Zukunftsprognosen erstellen kann, könnte exponentielles Wachstum zu dauerhaftem Glück führen.

Möglicherweise gibt es aber auch hier einen Gewöhnungseffekt: Wir gewöhnen uns an das konstante Glücksniveau.

Wir brauchen Rückschläge

Um dem Problem mit der Gewöhnung zu entgehen, bräuchten wir hin und wieder eine Pause vom Glück: Eine Niederlage oder einen Rückschlag.

Immer nur Friede, Freude, Eierkuchen macht auf Dauer nicht glücklich.

Die Moral von der Geschichte: Unser Vermögen (oder was auch immer) sollte exponentiell wachsen, aber das Wachstum sollte hin und wieder von einer Niederlage unterbrochen werden.

Über einen längeren Zeitraum ist exponentielles Wachstum nur zu erreichen, wenn das Wachstum sehr sehr langsam ist.

Einfluss auf das eigene Wachstum nehmen

Wer als Mensch wachsen möchte, muss selbst die Verantwortung für sein Wachstum übernehmen.

In dem Buch Der Selbstentwickler vertritt Jens Corssen die These, dass die meisten Menschen dazu neigen, andere für ihre Ziele einzuspannen.

Statt sich selbst zu ändern, warten die Menschen lieber darauf, dass sich die anderen Menschen ändern

Da es schwierig ist, sich selbst zu ändern, liegt dieses Verhalten nahe, so Corssen.

Trotzdem sei es keine gute Strategie, denn es kostet fast immer mehr Kraft und Energie, andere Menschen zu manipulieren, als sich selbst zu ändern.

Manchmal ist es nicht nur schwer, sondern unmöglich, sich selbst zu ändern.

Dann ist das eben so.

Das Gegenteil von Selbstverantwortung: Selbstsabotage

Die meisten erfolgreiche Menschen sind einfach nur deswegen erfolgreich, weil sie die Dinge tun, von denen fast jeder Mensch im Grunde weiß, dass er sie tun sollte.

Diese Tatsache zuzugeben, würde für die weniger erfolgreichen Menschen aber bedeuten, dass sie nicht gut dastehen. Deswegen erfinden diese Menschen andere Gründe dafür, dass andere erfolgreicher sind.

Alternativ wird der Erfolg einfach klein geredet oder als nicht erstrebenswert hingestellt. Motto:

Wer viel Geld hat muss doch sehr unglücklich sein

Einmal las ich den Kommentar:

Ich habe lieber Humor als Erfolg

Als ob nur erfolglose Menschen Humor haben könnten. Diese Denkweise sollte unbedingt vermieden werden, denn es handelt sich um Selbstsabotage.

Es ist gut zu wissen, ob man das Streben nach materiellem Reichtum ablehnt, weil man es wirklich ablehnt, oder weil man lediglich die eigene Unfähigkeit, erfolgreich zu sein, rationalisiert (Nassim Taleb)

Es ist gut wenn es nicht einfach ist

Nirgends bekommt man etwas wertvolles einfach so geschenkt, und es gibt keine Abkürzungen, die zu sofortigem Erfolg führen.

Alles, was wertvoll ist, ist rar und schwer zu erlangen. Wäre das Wertvolle für jeden zugänglich und im Überfluss vorhanden, wäre es ganz schnell nicht mehr wertvoll.

Nur ein mühsamer Weg führt zu etwas Wertvollen

Diese Faustregel gilt nicht nur für schnellen Reichtum, sondern auch für das schnelle Erlernen von Fähigkeiten.

Lern- und Wachstumsprozesse können durch Optimierung in einem gewissen Rahmen beschleunigt werden, aber die ultimative Abkürzung existiert nicht.

Wer dieses Konzept verinnerlicht hat, kann gar nicht zum Opfer von Betrügereien und Scharlatanen zuwerden, die den schnellen Erfolg versprechen.

Wie man lernen kann die Plackerei zu lieben

Weder die 4-Stunden-Arbeitswoche, noch der 8-Stunden-Arbeitstag mit Work-Life-Balance bringen einen besonders weit.

An lange Arbeitszeiten gewöhnt man sich nur, wenn man lernt, die Plackerei zu lieben.

Je besser die Plackerei mit den eigenen Stärken und Werten harmoniert, umso einfacher ist das.

Um die Plackerei lieben zu können, braucht man außerdem eine gewisse körperliche und geistige Belastbarkeit. An dieser kann man arbeiten indem man sich gezielt kleinen Unannehmlichkeiten aussetzt:

  • Sport treiben
  • Kalt duschen
  • Zu Fuß gehen
  • Die Treppe statt den Aufzug nehmen
  • Auf harte Stühle statt in weichen Sesseln sitzen

Bei all dem sollte man natürlich trotzdem weitgehend ausgeglichen sein. Ein Workaholic ist nicht ausgeglichen.

P.S.: Mehr über persönliches Wachstum steht in meinem großen Übersichtsartikel über Persönlichkeitsentwicklung.

Weitere Teile dieser Artikelserie

Zum Weiterlesen – Bücher

Zum Weiterlesen – Webseiten

5/5 (1)

Diesen Beitrag bewerten

Danke für's Teilen! 🙂
Facebooktwittergoogle_plusFacebooktwittergoogle_plus
(Klicke auf einen der Buttons, um diesen Artikel mit deinen Freunden zu teilen!)

Schreibe einen Kommentar

Please use your real name instead of you company name or keyword spam.