Die 7 besten Lerntipps für Studenten (und Schüler)

Lerntipps - effektive Lerntipps für Studenten und SchülerLerntipps gibt es wie Sand am Meer; das Internet ist voll davon.

Es wäre leicht möglich, einen Artikel mit 20, 50 oder sogar 100 Lerntipps zu verfassen. Diese Menge an Tipps kann jedoch kein Mensch umsetzen.

Die Schwierigkeit besteht darin, die große Menge an Lerntipps auf die nützlichsten Lerntipps einzudampfen, bis nur noch Lerntipps übrig sind, die richtig viel bewirken.

In diesem Artikel erkläre ich, welche Lerntipps ich für die wichtigsten halte.

Weniger ist mehr

Das Pareto Prinzip (80/20-Regel) sagt vorher, dass man mit nur 20 % aller Lerntipps bereits etwa 80 % der möglichen Ergebnisse erhält. Diese Zahlen gelten aber nur unter der Voraussetzung, dass man 50 Lerntipps genauso effektiv in die Praxis umsetzen kann wie 5 Lerntipps.

Ich glaube nicht, dass diese Voraussetzung erfüllt ist.

Während sich eine Handvoll Lerntipps vermutlich einigermaßen verlustfrei umsetzen lässt, wäre wohl jeder Mensch aus Fleisch und Blut mit 50 Lerntipps maßlos überfordert, und würde noch schlechtere Resultate erzielen, als ohne Lerntipps.

Wie viele Lerntipps kann man einem Studenten oder Schüler zumuten, ohne ihn maßlos zu überfordern? Ich glaube, dass die Antwort irgendwo zwischen 1 und etwa 10 liegt.

Die 7 effektivsten Lerntipps

Die folgende Auflistung enthält die meiner Meinung nach effektivsten Lerntipps in absteigender Reihenfolge: Der effektivste Tipp steht oben, der zweitbeste Tipp steht an zweiter Stelle, usw.)

(1) Habe ein persönliches Ziel anstatt ziellos zu leben

In dem folgenden Video erklärt der Gehirnforscher Prof. Dr. Manfred Spitzer, wie und warum die Noten von Schülern deutlich besser werden, sobald sie sich ein persönliches Ziel gesetzt habe, auch wenn diese Ziele überhaupt nichts mit der Schule zu tun haben:

(Wie du ein erstrebenswertes Ziel findest, erkläre ich in diesem Artikel.)

(2) Lerne zuerst das große Ganze und dann die Details

Das Gedächtnis ist nicht dazu in der Lage, effektiv neues Wissen aufzunehmen, das sich nicht in irgendeiner Weise mit dem bereits vorhandenen Wissen verknüpfen lässt.

Wir haben ein Wissensnetz(werk) in unserem Kopf

Nur neues Wissen, das sich in dieses Netz einflechten lässt, ist effektiv lernbar.

Daraus folgt, dass wir neues Wissen umso leichter lernen können, je größer unser Wissensnetz schon ist. Je mehr wir bereits wissen, umso leichter können wir Neues lernen, weil es umso mehr Anknüpfungspunkte gibt.

Wenn wir uns einem völlig neuen Thema nähern, ist die Menge des Lernbaren am Anfang gering und wird dann mit der Zeit immer größer. Es ist daher völlig normal wenn das Lernen am Anfang schleppend läuft und man das Gefühl hat, nichts zu lernen.

Wir lernen am effektivsten, wenn wir ein neues Wissensgebiet in einer bestimmten Reihenfolge lernt, nämlich so, dass bei einem möglichst geringen Aufwand das Maximum hängenbleibt: Erst das neue Wissen, das sofort mit dem bestehenden Wissensnetz verknüpft werden kann, dann das Wissen, das sich erst später anknüpfen lässt. Erst den Rahmen spannen, dann den Inhalt in das Bild einfügen.

Wie lässt sich dieses Prinzip in die Praxis umsetzen?

Erstelle einen effektiven Lernplan!

Während du deinen Lernplan erstellst, entsteht der oben genannte Rahmen ganz von selbst – dadurch wird alles andere einfacher.

(In einem anderen Artikel habe ich bereits ausführlich über den 5-Schritte-Lernplan geschrieben. Dort erfährst du, wie man einen effektiven Lernplan erstellt.)

(3) Informiere dich darüber, wie das Gehirn lernt und welche Lernmethoden am effektivsten sind

Wenn die zu lernenden Inhalte in einer bestimmten Form vorliegen, lernt das Gehirn sehr viel effektiver als wenn die gleichen Inhalte in einer anderen Form vorliegen.

Auch unter bestimmten Bedingungen lernt das Gehirn deutlich effektiver als unter anderen Bedingungen.

Informiere dich besser heute als morgen über effektive Lernmethoden und Lernbedingungen, und passe deine Lerngewohnheiten daran an.

(Unter welchen Bedingungen dein Gehirn am effektivsten lernt, erkläre ich in meinem Artikel über Lernmethoden.)

(4) Entferne Ablenkungen, anstatt dich noch mehr zu bemühen, dich nicht ablenken zu lassen

Lasse dich nicht ablenken!

Diesen Ratschlag hört und liest man häufig. Leider wird meistens nicht dazu gesagt, wie man das anstellen soll.

Was uns auch niemand verrät: Selbst wenn wir es mithilfe unserer Willenskraft schaffen, uns nicht ablenken zu lassen, verlieren wir trotzdem haufenweise Energie und ermüden schneller als nötig.

Für die Praxis bedeutet das, dass wir Ablenkungen verhindern sollten, bevor sie uns ablenken können. Außerdem müssen wir – wie einst Odysseus – verführerische Versuchungen außer Reichweite bringen, sodass wir gar nicht erst in Versuchung kommen.

(Wie man dieses Problem effektiv und einfach löst, erkläre ich in diesem Artikel.)

(5) Optimiere dein Timing

Die meisten Studenten und Schüler lernen nach der Devise: „Mehr ist besser!“ Sie gehen davon aus, dass 8 Stunden zu lernen, immer besser sei, als 5 Stunden zu lernen.

Da das Lernen meist keinen Spaß macht (falls es doch Spaß macht, bezeichnen wir es eher nicht als „Lernen“), wollen wir schnell fertig werden, und das erreichen wir, indem wir auf Erholungspausen verzichten.

Wer beim Lernen auf Pausen verzichtet, sabotiert seinen Lernerfolg!

(Wie man sich regelmäßige Pausen sofort zu einer neuen Gewohnheit macht, erkläre ich in meinem Artikel über die Pomodoro-Technik.)

(6) Sorge dafür, dass du ausreichend lange schlafen kannst

Wenn wir besonders viel zu tun haben, und dafür mehr Zeit brauchen, neigen wir Menschen dazu, am Schlaf zu sparen. Wir glauben, dass wir für jede Stunde, die wir weniger schlafen, tagsüber eine Stunde mehr Zeit haben.

Wer in einer Lernphase so verfährt, schießt sich dadurch selbst in Knie. Der Schlaf ist ein wichtiger Bestandteil des Lernens, denn was wir heute lernen, wird erst im Schlaf ins Langzeitgedächtnis geschrieben. Je kürzer und schlechter wir schlafen, umso ineffektiver lernen wir.

(Siehe dazu auch meinen Artikel über gesunden Schlaf.)

(7) Falle nicht auf Lern-Mythen herein

Einige Unternehmen haben zu Marketingzwecken Lernmythen in die Welt gesetzt, um ihre Produkte an Studenten, Schüler und besorgte bzw. ambitionierte Eltern verkaufen zu können.

Diese Lernmythen sind besonders weit verbreitet:

  • Beim Lernen müsse man möglichst viel Wasser trinken
  • Traubenzucker soll uns angeblich dabei helfen, uns besser zu konzentrieren
  • Man müsse seinem Lerntyp entsprechend lernen

Falle nicht auf diese Lernmythen herein!

Fazit

Es mag überraschen, dass viele der sieben oben genannten Lerntipps auf den ersten Blick gar nicht direkt mit dem Lernen zu haben. Der Grund dafür ist, dass das Gehirn unter den richtigen Bedingungen ganz von selbst effektiv lernt. Alles was man tun kann ist, diese richtigen Bedingungen zu schaffen.

Dr. Jan Höpker - Foto Autorenbox

Über Dr. Jan Höpker

Das vielleicht größte Problem unserer Zeit sind die allgegenwärtigen Ablenkungen, die uns in unserer persönlichen Entwicklung ausbremsen und denen die meisten Menschen mangels Wissen und wirksamer Strategien schutzlos ausgeliefert sind.

In seinem Buch Erfolg durch Fokus & Konzentration beleuchtet Jan den universellen und nachweislich wichtigsten Erfolgsfaktor Fokus und Konzentration tiefgründig und praxisnah.

Jan hat Chemie studiert und in Biochemie promoviert. Im Mai 2015 hat er die Webseite HabitGym gegründet. Im November 2017 haben 15.000 monatliche Leser Jans Artikel gelesen und 4.200 Follower folgen ihm in den Sozialen Netzwerken.

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Eine Antwort auf Die 7 besten Lerntipps für Studenten (und Schüler)

  1. Thomas sagt:

    Zu 7. würde ich jedoch schon sagen, dass es unterschiedliche Lerntypen gibt, das spielt dann auch in Punkt 2. wieder etwas herein.
    Manche Leute können einfach ziemlich gut auswendig lernen und auch abstrakte Dinge ohne Vorwissen verinnerlichen. Oft haben diese Leute meiner Meinung nach in der Schule ganz gute Karten, da man dort meistens auch nicht vom Groben ins Kleine hinein lernt, sondern doch relativ stur nach Vorgabe.

    Mein Fall war das nie, z.B. hat mir in Mathematik immer der Zusammenhang gefehlt, wozu man in der echten Arbeitswelt die konrekte Matheaufgabe überhaupt brauchen kann. Wenn man dann erst einmal im naturwissenschaftlichen Umfeld arbeitet, dann sieht das ganz anders aus; da wird einem erst bewusst, wofür man Mathe alles gebrauchen kann.
    Ob man also kleinteilige Aufgaben direkt am Anfang abarbeiten möchte, oder vor dem Lernen sich ersteinmal ein Überblick über das Gesamte machen will, hängt schon ein wenig vom Lernenden ab – ich würde also schon sagen, dass es Lernstrategien gibt, welche individuell viel oder eher wenig nützen!

    Viele Grüße
    Thomas

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