Männer und Frauen verstehen (das Wissen der evolutionären Psychologie)

Männer verstehen - Frauen verstehen - Männer und Frauen aus Sicht der evolutionären Psychologie

In diesem Artikel erfährst du, was die evolutionäre Psychologie über das unterschiedliche Paarungsverhalten von Männern und Frauen herausgefunden hat.

Das Wissen kann dir dabei helfen, das Verhalten und die Psyche von Männern und Frauen besser zu verstehen. (Auch dein eigenes Verhalten!)

(Martin und Sven vom Blog Männlichkeit stärken hatten zu einer Blogparade zum Thema Männlichkeit & Weiblichkeit eingeladen. Dieser Artikel ist mein Beitrag.)

Die Informationen in diesem Artikel stammen größtenteils aus dem sehr zu empfehlenden Buch Evolutionary Psychology: The New Science of the Mind von David Buss.

Mit dem Wissen der evolutionären Psychologie Männer und Frauen besser verstehen

Die evolutionäre Psychologie ist ein spannender Forschungszweig, der einprägsame Erklärungen für das Paarungs- und Sozialverhalten von Männern und Frauen anzubieten hat.

Warum verlieben sich Frauen in Arschlöcher …

… obwohl sie am Ende doch nur unter ihnen leiden, und sogar offen zugeben, dass sie lieber Gefühle für die netten Jungs hätten?

Warum wird jede zweite Ehe geschieden …

… obwohl jedes einzelne Paar am Tag der Hochzeit absolut sicher ist, dass es für immer zusammen bleiben wird?

Achtung: Dieser Artikel könnte dein Weltbild zerstören

Wenn du weiterhin an die große Liebe und füreinander bestimmte Seelen (oder Topf und Deckel) glauben möchtest, solltest du den Artikel lieber nicht lesen.

Anstatt den Artikel zu lesen, kannst du dir übrigens auch einfach das folgende Video anschauen:

Weitere empfehlenswerte Artikel zum Thema Männlichkeit und Weiblichkeit

Im Rahmen der Blogparade wurden über 80 lesenswerte Artikel geschrieben.

Hier ist eine kleine Auswahl:

Was ist evolutionäre Psychologie?

Bestimmt hast du schon von der Paläo-Diät oder Steinzeiternährung gehört.

Diese Ernährungsweise basiert auf der Theorie, dass sich der menschliche Körper nur langsam an die sich wandelnden Lebensbedingungen anpasst, sodass der Stoffwechsel heutiger Menschen immer noch an das Nahrungsmittelangebot unserer steinzeitlichen Vorfahren angepasst ist.

Die evolutionäre Psychologie überträgt den Paläo-Gedanken auf unsere Psyche

Die evolutionäre Psychologie geht davon aus, dass unsere Instinkte und Gefühle, die unser Paarungs- und Sozialverhalten maßgeblich mitbeeinflussen, noch an die alten Tage angepasst sind, und sich daher einfach erklären lassen, wenn man sich überlegt, wie sich Männlein und Weiblein in der Steinzeit verhalten haben.

Der evolutionär-psychologische Ansatz ist umstritten

Die evolutionäre Psychologie steht auf wackligen Beinen. Ich möchte an dieser Stelle aber nicht näher auf die einzelnen Kritikpunkte eingehen.

(Wer sich dafür interessiert, sollte den Artikel bei Wikipedia und insbesondere den Abschnitt über die Modularität des Geistes lesen.)

Mann und Frau gehen bei der Partnerwahl unterschiedlich vor

Das Theoriegerüst der evolutionären Psychologie baut auf der Tatsache auf, dass die Frau deutlich mehr Zeit und Energie in die Produktion von Nachwuchs investieren muss, als der Mann.

Ein Mann könnte theoretisch einfach eine Frau schwängern und danach gleich mit der nächsten Frau anbändeln. Das Investment: zwei Minuten seiner Zeit.

Die Frau investiert neun Monate in eine Schwangerschaft plus ein paar Jahre, um den Nachwuchs großzuziehen.

Aus diesem Ungleichgewicht folgt, dass die Paarungsstrategien von Männern und Frauen unterschiedlich sind.

Was wir im realen Leben beobachten, ist ein Kompromiss

Die Frau lässt sich von einem Mann nur dann schwängern, wenn er sie davon überzeugt hat, dass er nach vollbrachter Tat nicht sofort das Weite sucht.

Die Frauen wollen einen Mann dauerhaft binden.

Die Partnerwahl der Männer

Der Mann denkt sich:

Wenn ich mich schon für eine einzige Frau entscheiden muss, dann möchte ich mit dieser einen Frau möglichst oft Nachwuchs zeugen können

Natürlich denkt der Mann diese Gedanken nicht bewusst.

Die Überlegung ist tief in der männlichen Natur verwurzelt und lenken sein Verhalten, indem sie Instinkte und Gefühle erzeugt, die ihn in diese Richtung lenken.

Männer wollen junge Frauen

Der Mann bevorzugt eine Partnerin, die möglichst oft von ihm schwanger werden kann. Jung und gesund muss sie daher sein.

Da Frauen nicht so gerne über ihr Alter reden, achtet der Mann auf Indikatoren, die ihm das Alter und den gesundheitlichen Zustand der Frau verraten:

  • Jugendliches Aussehen (klare Augen, jugendliche Haut)
  • Ein Verhältnis von Taille zu Hüfte von etwa 0,7
  • Ein allgemein hoher Energielevel

Wenn sie die freie Wahl hätten, würden sich Männer immer für eine 20-Jährige entscheiden

  • 16-jährige Jungs fühlen sich von 20-jährigen Frauen angezogen
  • 20-jährige Männer werden von 20-jährigen Frauen angezogen
  • und für 40-jährige, 60-jährige und 80-jährige Männer gilt genau das gleiche

Da die Frauen auch ein Wörtchen mitzureden haben, können die meisten Männer ihrer Präferenz für 20-jährige Frauen nicht folgen.

Männer verstehen - Frauen verstehen - Auf diese Signale achten Männer bei einer Frau

Männer verstehen | Auf diese Indikatoren für Fruchtbarkeit achten Männer bei einer Frau: Jugendliches Aussehen, Verhältnis von Taille zu Hüfte (0.7 gefällt ihm am besten), hoher Energielevel.

Einige Männer können tatsächlich frei wählen

Männer mit vielen Ressourcen können mehr oder weniger frei wählen. Das wohl bekannteste Beispiel für diese Sorte Mann ist der kürzlich verstorbene Hugh Hefner.

Hefner war zuletzt mit einem 60 Jahre jüngeren Modell verheiratet, nachdem er jahrelang mehrere Frauen gleichzeitig hatte.

Das heißt nicht, dass jeder Mann seine Frau sofort für eine 20-Jährige verlassen würde

Ein Mann kann seinen eigenen Marktwert instinktiv gut einschätzen, und entwickelt eine Präferenz für Frauen, bei denen er eine realistische Chance hat.

Männer haben es bei der Partnerwahl vergleichsweise einfach: Sie gucken auf das Äußere und könnten so innerhalb weniger Sekunden entscheiden, ob eine Frau für sie als Partnerin interessant ist, oder nicht.

Männer zu verstehen ist entsprechend einfach.

Die Partnerwahl der Frauen

Frauen haben es bei der Partnerwahl schwerer als die Männer. Letztlich besteht ihre Aufgabe darin, sich für einen Mann zu entscheiden, der für den gemeinsamen Nachwuchs sorgen wird.

Die Frau muss das zukünftige Verhalten eines potentiellen Gatten möglichst gut vorhersagen

Auch hier gilt wieder, dass die Frau diese Überlegungen nicht bewusst durchführt. Ihre Instinkte und Gefühle zeigen ihr den Weg.

Diese Tatsache kann erklären, warum Frauen allgemein besser auf ihre Gefühle achten, als Männer: Sie sind einfach mehr auf ihren Gefühlen angewiesen.

Die Frau möchte einen Gatten, der den gemeinsamen Nachwuchs versorgen kann (Ressourcen) und es auch tatsächlich tut (Großzügigkeit)

Beides erkennt sie an bestimmten Indikatoren. Ressourcen erkennt die Frau an Indikatoren wie zum Beispiel

  • Macht
  • einem guten Job
  • einem teuren Auto
  • Geld

Frauen fühlen sich von Männern mit teuren Autos angezogen, obwohl ihnen die Autos im Grunde egal sind.

Ob der Mann bereit ist, seine Ressourcen mit ihr und dem potentiellen Nachwuchs zu teilen, erkennt die Frau an großzügigem Verhalten.

Macht er ihr Geschenke?

Ist er großzügig zu anderen Menschen?

Letzteres erkennt sie zum Beispiel daran, ob er im Restaurant ausreichend Trinkgeld gibt.

Männer verstehen - Frauen verstehen - Auf diese Indikatoren achten Frauen bei Männern

Frauen verstehen | Auf diese Indikatoren für Ressourcen und Großzügigkeit achten Frauen bei Männern: Geschenke, beruflicher Status, Statussymbole.

Frauen brauchen bei der Partnerwahl mehr Zeit als Männer

Frauen müssen bei der Partnerwahl viele Faktoren berücksichtigen, die nicht gleich auf den ersten Blick von außen zu erkennen sind. Sie brauchen daher länger, um eine Wahl zu treffen, als ein Mann.

Führen Frauen an den Männern Tests durch?

Frauen sollen hin und wieder Tests durchführen, um den Mann zu einer Reaktion zu zwingen, aus der sie Rückschlüsse über ihn und sein künftiges Verhalten ziehen können.

Je unsicher sie sich in ihrer Wahl ist, umso stärker ist der Anreiz zu solchen Tests. Das alles passiert unbewusst und rein instinktiv.

Sind Menschen monogam?

Die westliche Kultur geht davon aus, dass Menschen monogam sind. Männer und Frauen verpflichten sich durch Eheschließung zu einer lebenslangen Partnerschaft.

Obwohl sie wissen, dass viele Ehen wieder geschieden werden, ist jedes einzelne Paar am Tag der Hochzeit davon überzeugt, dass die Ehe halten wird.

Aus biologischer Sicht ist Monogamie nicht optimal

Aus biologischer Sicht sollten auch die Frauen nach einer bestimmten Zeit den Partner wechseln: wenn der Nachwuchs aus dem Gröbsten heraus ist.

Mit mathematischen Modellen lässt sich zeigen, dass Frauen einen Wettbewerbsvorteil haben, die sich auf diese Art und Weise verhalten.

Menschen sind von Natur aus auf die sogenannte serielle Monogamie ausgelegt

Menschen sind ein paar Jahre lang monogam und haben dann das Bedürfnis, den Partner zu wechseln.

Was den Menschen vom Tier unterscheidet, ist die Tatsache, dass er seinen Trieben und Impulsen nicht zwangsweise nachkommen muss.

Der Mensch hat die Möglichkeit, sich bewusst gegen seine Natur zu entscheiden. Das erklärt, warum nicht alle Ehen wieder geschieden werden.

Affären und andere kurzzeitige Beziehungen

Die evolutionäre Psychologie unterscheidet zwischen langfristigen und kurzfristigen Paarbeziehungen. Bisher haben wir uns mit den langfristigen Bindungen befasst, deren Ziel darin besteht, Nachwuchs zu zeugen, um die eigenen Gene zu konservieren.

Eine kurzzeitige Beziehung (es geht um Beziehungen, die von Anfang an darauf ausgelegt sind, nur für eine kurze Zeit zu bestehen) hat ein anderes Ziel, der bisher allerdings noch wenig verstanden ist.

Warum gehen Frauen Affären ein?

Unklar ist, warum Frauen diese Sorte von Beziehungen eingehen, obwohl sie eher der Vorstellung der Männer entsprechen.

Hier einige Theorien, über dieses Verhalten der Frauen:

  • Frauen gelangen auf diese Art und Weise an Ressourcen von Männern, mit denen sie keine Langzeitbeziehung eingehen möchten
  • Frauen werden auf diese Art und Weise ihre Langzeitpartner wieder los. Für Frauen war es gefährlich, mit einem Langzeitpartner Schluss zu machen, ohne sich vorher einen Beschützer zugelegt zu haben
  • Die Affären seiner (noch) Ehefrau motivieren den (noch) Ehemann dazu, sich in der Beziehung mehr anzustrengen.

Warum gehen Männer Affären ein?

Männer sind hinsichtlich ihrer Kurzzeitpartnerinnen überhaupt nicht wählerisch. Sprichwörtlich ausgedrückt erlegen sie alles, was ihnen vor die Flinte läuft.

Da sind wir wieder beim Ausgangspunkt der ganzen Geschichte: Wer so gut wie nichts investiert, ist auch nicht wählerisch.

Wie Männer Frauen verstehen und Frauen Männer verstehen

Wir müssen zwischen instinktivem und rationalem Verständnis unterscheiden.

Auf einer instinktiven Ebene wissen die Männer, worauf die Frauen bei der Partnerwahl achten

In Anwesenheit von attraktiven Frauen entwickeln Männer einen besonderen Ehrgeiz, beruflich voranzukommen und ihre Macht zu vergrößern.

Dass sie das tun, um die Frauen zu beeindrucken, ist ihnen vermutlich nicht bewusst.

Auf einer rationalen Ebene glauben viele Männer, dass Frauen auf die gleichen Merkmale achten, wie sie selbst

Viele junge Männer glauben, dass die Frauen (auch) hauptsächlich auf das Äußere achten. In Wahrheit achten Frauen aber nur so lange auf das Äußere, bis sie auf bessere Daten zurückgreifen können: Ressourcen und Großzügigkeit.

Warum stehen Frauen auf Arschlöcher?

Die Wahrheit ist: Frauen stehen nicht auf Arschlöcher. Frauen haben einfach nur das Pech, dass viele Arschlöcher Ressourcen besitzen und Macht haben. Nur Männer mit Macht und Ressourcen können es sich nämlich leisten, Arschlöcher zu sein.

Aus dem gleichen Grund entwickeln Frauen keine Gefühle für die netten Kerle: keine Ressourcen.

Fazit – was kann man aus all dem lernen

Die evolutionäre Psychologie kann uns dabei helfen Männer und Frauen besser zu verstehen.

Es macht Sinn, die ganze Paarungsgeschichte nicht bloß aus der Egoperspektive zu betrachten, sondern auch mal einen Perspektivwechsel vorzunehmen.

Hinter vielen nervigen Verhaltensweisen des anderen Geschlechts steht ein von der Natur diktiertes Programm. Wer das versteht, kommt damit vielleicht besser klar.

Ein besseres Verständnis des eigenen Verhaltens bedeutet einen großen Schritt in der Persönlichkeitsentwicklung.

Wie schon gesagt, spiegelt dieser Artikel nicht so sehr meine persönlichen Beobachtungen und Meinung wieder, sondern die Erkenntnisse der evolutionären Psychologie, wie sie in dem Buch Evolutionary Psychology: The New Science of the Mind von David Buss beschrieben werden.

In dem Buch geht es übrigens nicht nur um Männlein-Weiblein-Geschichten, sondern auch um ein paar weitere Themen, die aber den Rahmen dieses Artikels gesprengt hätten.

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11 Antworten auf Männer und Frauen verstehen (das Wissen der evolutionären Psychologie)

  1. Pingback: Mehr Erfolg bei Frauen? Mehr Erfolg als Mann!

  2. ovi sagt:

    Das sind einige erstaunliche Zitate. Vielen Dank für das Teilen mit uns! Wahre Liebe wünscht das Glück für die Person, die du liebst, ob du es machst, dass diese Person glücklich oder jemand anderes ist. Wirklich toller Beitrag! Jeder einzelne Zitat ist hilfreich und inspirierend.

  3. Pingback: Konzentration! Wie konzentrierst Du Dich? Wissens- u Erfahrungsnetzwerk

  4. Pingback: Mann sein | Frau sein - deine Individualität stärken

  5. Mir fehlt beim Fazit, dass das genau so einfach abzulegende „Prägungen“ sind wie die Reaktion, auf schlangenähnliche Dinge reflexartig mit dem Stock einzuschlagen, sich nachts zum Schlafen in Bäume zurück zu ziehen oder auf der Autobahn sein Revier mit der Lichthupe abzustecken. 😉
    Soll heißen: ja, super, olle Kamellen – aber da wir mittlerweile seit ein paar zehntausend Jahren das Feuer gezähmt haben, hat niemand eine Entschuldigung, sich auf so einen Atavismus zurückzuziehen. (Ich spreche hier als jemand, der in einer polyamoren Beziehung lebt, deren Beteiligte sich nie aufs Bankkonto geschaut haben)
    Versorgerschemata haben sich zum Glück mittlerweile überlebt und niemand ist seinen Trieben ausgeliefert.
    Ich finde Bücher, die derart ausgelatschte Allgemeinplätze als „neue Erkenntnisse der Verhaltensforschung“ propagieren (erinnert sich noch jemand an diese unsäglichen „Warum Frauen immer Schuhe kaufen….“-Bücher aus den Neunzigern? Selbe Chose), suspekt. Mir kommt dann immer der leise Verdacht, dass da ein Autor die patriarchale Anspruchshaltung der Fünfziger gern zementiert hätte. 😉 Gerade Quark wie das „nice Guy“-Schema und die Red Pill-Typen zeigen, dass das bei den (möglicherweise sogar freiwillig) Abgehängten der sozialen Veränderungen durchaus auf fruchtbaren Boden fallen kann. Und das ist sehr bedenklich! (Disclaimer: Ich habe das Buch nicht gelesen, ich schöpfe aus Deiner Zusammenfassung. Sollte ich dem Autor damit Unrecht tun, täte mir das Leid!)

    • Guten Tag Madame, David Buss zeigt in dem Buch Versuchsergebnisse, die auf ererbte Verhaltenstendenzen hinweisen. Er schreibt nicht, ob das gut, schlecht oder wünschenswert ist. Und, gerade je mehr ich über meine Verhaltenstendenzen weiß, desto weniger bin ich ihnen „ausgeliefert“. Eine Diskussion über das Stanley-Milgram-Experiment hat mich auch stärker imprägniert gegenüber „Autoritäten“ (griechisch für: armes Würstchen mit Profilneurose). Ich lebe übrigens auch poly.

    • Jan sagt:

      Hallo Madame Graphisme,

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Das Buch ist ein Lehrbuch, mittlerweile in der 5ten Auflage, also nicht ganz neu. Der Autor ist Professor David Buss, einer der „Erfinder“ dieses Forschungszweigs. Dass er irgendwelche Ansprüche zementieren will, glaube ich nicht.

      Wenn du dich mit dem Thema schon auskennst, erfährst du hier vermutlich nicht viel Neues. Die Erkenntnisse (eigentlich sind es nur Theorien) sind nicht neu. Aber muss denn immer alles neu sein?

      Ich glaube übrigens nicht, dass man diese „Prägungen“ so einfach ablegen kann. Und von welchen Prägungen sprechen wir überhaupt? Davon, dass Männer die Attraktivität einer Frau hauptsächlich an ihrem Äußeren festmachen, und dass sich Frauen eher in das reiche Arschloch, als in den netten Versager von nebenan verlieben (überspitzt formuliert)?

      Im Grunde ist es das das gleiche wie mit dem Zucker: Die Evolution hat uns darauf abgerichtet, Zucker zu mögen. Unser Belohnungszentrum fährt da voll drauf ab. Man MUSS diesen Gelüsten natürlich nicht zwangsweise folgen, aber geh mal in den Supermarkt und schau, was die Leute in den Einkaufswagen packen.

      Der Punkt ist: Uns den Impulsen und Trieben zu widersetzen, kostet jedes Mal Willenskraft, die nur in begrenztem Umfang zur Verfügung steht. Wir können uns also einzelnen Impulsen und Trieben widersetzen, aber nicht allen Trieben und Impulsen. Außer vielleicht man meditiert fünf Stunden täglich.

      Finde es übrigens sehr interessant, dass du persönlich einen Weg gefunden zu haben scheinst. Hast du dich wirklich mithilfe deines Verstandes deiner Triebe und Impulse widersetzt? Oder hast du einfach nur andere Triebe und Impulse, als die meisten anderen Menschen und bist eben nur diesen gefolgt. Menschen sind ja nicht alle baugleich.

      Über Homosexualität hat man bis vor kurzem ja auch geglaubt, dass das nur eine Art „Denkfehler“ sei, dem sich die „Betroffenen“ widersetzen können, wenn man sie per Gesetz dazu zwingt. Heute weiß man es besser.

      Viele Grüße,
      Jan

      • Ich würde Homosexualität nicht neben ein Denkmodell stellen, das in der Grauzone zwischen Soziologie und Psychologie mäandert. Denn gerade die Fehlurteile über sexuelle Devianzen (jede!) sind ja mit die grandiosesten Beispiele für „das ist im Menschen eben so drin!“, die man sich denken kann. Oder habe ich deine Aussage diesbezüglich exakt um 180° gedreht aufgefasst?
        Ich halte eben die Willenskraft und die Fähigkeit zur aufgeschobenen Triebbefriedigung für einen Kern der Zivilisation. Natürlich leben wir nicht in einer idealen Welt – aber man sollte sich dennoch bemühen, die eigenen Entscheidungen nicht von Drüsen treffen zu lassen. 😉
        Insofern ist das Buch vermutlich nicht verkehrt – um zu zeigen, was man besser NICHT auf den Fahrersitz der Körperkutsche lässt.
        (Dennoch halte ich viele dieser Blanket Statements für stark zeitgeistgefärbt und würde sie mit einem ganz, ganz großen Salzkorn nehmen!)

        • Jan sagt:

          Da ich dir gerade nicht wirklich folgen kann, kann ich dir auch nicht sagen, ob du meine Aussage richtig aufgefasst hast 😀

          Was ich mit dem Homosexualitätsbeispiel sagen wollte: Meiner Auffassung nach neigen Menschen dazu, die Macht des Willens massiv zu überschätzen. Wir gehen davon aus, dass ein Mensch grundsätzlich alles anders machen könnte, wenn er nur auf einer rationalen Ebene wollte. Ich glaube, dass dieser Irrglaube daher rührt, dass wir bezüglich unseres eigenen Verhaltens der Illusion aufsitzen, wir würden uns völlig frei entscheiden. Und diese Illusion übertragen wir auf andere Menschen. Tatsächlich rationalisieren wir aber oft nur. Wir handeln erst gemäß unserer Triebe und Impulse und reden uns dann nachträglich ein, dass wir das so gewollt haben. Das Gedächtnis passt Erinnerungen nachträglich so an, dass sie besser zu den aktuellen Tatsachen passen. Zu diesem Thema hatte ich mal ein interessantes Buch vorgestellt: http://www.habitgym.de/vergesslichkeit-ist-von-der-natur-gewollt/

          Dass man sich bemühlen sollte, die Entscheidungen nicht „von der Drüse“ treffen zu lassen, sehe ich übrigens nicht anders als du. „Man sollte“ heißt aber nicht zwangsläufig, dass es immer möglich ist. Die Drüsen haben Millionen Jahre lang das Verhalten aller Lebewesen diktiert. Warum sollten wir davon befreit sein, nur weil wir jetzt in Häusern wohnen, Autos fahren und Regierungen wählen? Wenn nicht Drüse unser Verhalten bestimmt, wer bestimmt bestimmt es dann?

          Meine Sicht der Dinge muss natürlich nicht den Tatsachen entsprechen. Sie basiert auf dem, was ich über das Thema gelesen und beobachtet habe.

  6. Hallo Jan, herzlichen Glückwunsch dafür, dass Du es geschafft hast, das Buch von David Buss zu lesen. Interessanterweise habe ich es jetzt gerade im Urlaub dabei und unternehme meinen dritten Versuch, mich hindurch zu arbeiten. Ich finde es inhaltlich sehr interessant und relevant, aber sehr schwergängig zu lesen.

    • Jan sagt:

      Hallo Alexander,

      Danke 🙂 das Buch von Buss ist tatsächlich nicht gerade das einfachste Buch. Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem dritten Anlauf und einen schönen Urlaub.

      Viele Grüße,
      Jan

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