Männer und Frauen verstehen – Die Psychologie enthüllt den großen Masterplan der Geschlechter

Männer verstehen - Frauen verstehen - Männer und Frauen aus Sicht der evolutionären Psychologie

Männer verstehen, Frauen verstehen

Männer verstehen, Frauen verstehen – Was die evolutionäre Psychologie über dich, deine Triebe und dein Paarungsverhalten weiß.

(Martin und Sven vom Blog Männlichkeit stärken fragten mich, ob ich nicht einen Artikel zu ihrer Blogparade zum Thema Männlichkeit & Weiblichkeit beitragen möchte. Ich sagte zu. Dies ist der Artikel.)

Nach kurzer Bedenkzeit fiel mir ein super interessantes Buch ein, zu dem ich sogar schon ein Video gedreht, aber nie veröffentlicht hatte: Evolutionary Psychology: The New Science of the Mind von David Buss (ein Professor für Psychologie aus Austin, Texas).

Die evolutionäre Psychologie ist ein super spannender Forschungszweig, der Erklärungen für unser – auf den ersten Blick oft irrational anmutendes – Paarungs- und Sozialverhalten anzubieten hat. Wer Frauen und Männer verstehen möchte, findet hier Antworten.

  • Warum scheinen so viele Frauen auf Arschlöcher zu stehen, obwohl sie am Ende doch nur unter ihnen leiden und sogar zugeben, dass sie lieber Gefühle für die „netten“ Jungs hätten (diese aber nicht haben)?
  • Warum gibt es so viele Scheidungen, obwohl sich jedes einzelne Paar bei der Hochzeit absolut sicher ist, dass es für immer zusammen bleiben wird?

In diesem Artikel (oder im Video, falls du mir lieber beim Reden zusiehst) möchte ich die relevantesten Erkenntnisse und Ideen der evolutionären Psychologie zusammenfassen. Da es letztlich um unser aller Paarungsverhalten geht, ist es wirklich sehr relevant. Es hilft dabei, Männer und Frauen besser zu verstehen.

Dieser Artikel dreht sich mehr um die Inhalte aus dem Buch von David Buss und weniger um meine persönliche Meinung zum Thema. Achtung: Wenn du weiterhin an die große Liebe und an füreinander bestimmte Seelen glauben möchtest, lies den Artikel lieber nicht. Er könnte dein Weltbild zerstören.

Empfehlenswerte Artikel zum Thema Männlichkeit und Weiblichkeit

Im Rahmen der Blogparade Männlichkeit & Weiblichkeit wurden über 80 lesenswerte Artikel geschrieben. Das zeigt, wie groß das Interesse an diesem Thema ist.

An dieser Stelle möchte ich dir eine  kleine Auswahl aus den 80 Artikeln ans Herz lesen.

Was ist evolutionäre Psychologie?

Sicherlich hast du schon von der Paläo-Diät (Steinzeiternährung) gehört. Diese Ernährungsform basiert auf der Theorie, dass sich der menschliche Körper nur sehr schleppend an die sich ändernden äußeren Lebensbedingungen anpasst, sodass unser Stoffwechsel heute immer noch größtenteils an die Ernährung unserer steinzeitlichen Vorfahren angepasst ist.

Die evolutionäre Psychologie überträgt diesen Gedanken auf unsere Psyche. Unsere Instinkte und Gefühle, die unser Paarungs- und Sozialverhalten maßgeblich mitbeeinflussen, sind noch an die alten Tage angepasst und lassen sich daher einfach erklären, indem man sich anschaut, wie sich Männlein und Weiblein in der Steinzeit verhalten haben.

An dieser Stelle muss fairerweise erwähnt werden, dass die evolutionäre Psychologie auf wackligen Beinen steht. Sie ist umstritten. Ich möchte nicht näher darauf eingehen, aber wer sich dafür interessiert, liest am besten den Artikel bei Wikipedia und dort insbesondere den Abschnitt „Modularität des Geistes“.

Männer verstehen, Frauen verstehen – Die Partnerwahl von Männlein und Weiblein

Der Grundgedanke, auf dem das Theoriegerüst der evolutionären Psychologie aufbaut ist der, dass das Weibchen deutlich mehr Zeit und Energie in Nachwuchs investieren muss, als das Männchen. Ist ja logisch: Ein Mann könnte theoretisch einfach eine Frau schwängern und dann schnell davonlaufen und mit der Nächsten anbändeln. Investment: zwei Minuten. Die Frau investiert neun Monate in eine Schwangerschaft plus ein paar Jahre, um den Nachwuchs großzuziehen.

Aus diesem Ungleichgewicht folgt, dass die Paarungsstrategien von Mann und Frau nicht identisch sind. Was wir im realen Leben beobachten, ist ein Kompromiss aus beidem. Die Frau lässt sich nur unter der Bedingung schwängern, dass der Mann ihr zuvor ernsthaft vermittelt hat, dass er nach vollbrachter Tat nicht sofort das Weite sucht.

Männer verstehen – die Partnerwahl des Männchens

Das menschliche Männchen denkt sich nun folgendes: Wenn ich mich schon für eine einzige Frau entscheiden muss, dann möchte ich mit dieser einen Frau wenigstens möglichst oft Nachwuchs zeugen können. Natürlich denkt das Männchen diese Gedanken nicht bewusst, aber diese Überlegungen sind in gewisser Weise in unserer Natur angelegt und lenken unser Verhalten, indem sie Instinkte und Gefühle erzeugen, die uns in diese – aus spieltheoretischer Sicht sinnvolle – Richtung lenken.

Das Männchen möchte also eine Partnerin, die noch möglichst oft (von ihm) schwanger werden kann. Jung und gesund muss sie daher sein. Da Frauen bekanntlich nicht die Wahrheit sagen, wenn man sie nach ihrem Alter und nach ihrer Gesundheit fragt, achtet das menschliche Männchen auf Indikatoren, die Alter und Gesundheit der Frau verraten, und die die Frau schlecht fälschen kann:

  • Jugendliches Aussehen (klare Augen, jugendliche Haut).
  • Ein Verhältnis von Taille zu Hüfte von etwa 0,7.
  • Ein allgemein hoher Energielevel.

Männer, egal welchen Alters, zeigen daher Präferenzen für 20-jährige Frauen.

  • 16-jährige Jungs fühlen sich von 20-jährigen Frauen angezogen.
  • 20-jährige Männer werden von 20-jährigen Frauen angezogen.
  • und für 40-jährige, 60-jährige und 80-jährige Männer gilt genau das gleiche.
Männer verstehen - Frauen verstehen - Auf diese Signale achten Männer bei einer Frau

Männer verstehen | Auf diese Indikatoren für Fruchtbarkeit achten Männer bei einer Frau: Jugendliches Aussehen, Verhältnis von Taille zu Hüfte (0.7 gefällt ihm am besten), hoher Energielevel.

Da die Frauen auch ein Wörtchen mitzureden haben, lässt sich diese Präferenz natürlich nicht immer in die Praxis umsetzen. Aus Gründen, über die wir gleich noch sprechen werden, gibt es aber einige Männer, die in den Genuss kommen, mehr oder weniger frei wählen zu können: Männer mit Ressourcen. Das wohl bekannteste Beispiel ist der mittlerweile 90-jährige Hugh Hefner (Gründer es Playboy), der nun mit einem 60 Jahre jüngeren Modell verheiratet ist, nachdem er jahrelang mehrere Frauen gleichzeitig hatte.

Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder Ehemann seine Ehefrau sofort für eine 20-Jährige verlassen würde. Aber wenn der Ehemann Single wäre und die Wahl hätte, würde er sich unabhängig seines eigenen Alters für die 20-Jährige entscheiden. Soweit die Theorie. In der Praxis kann ein Mann seinen Marktwert instinktiv relativ gut einschätzen, und entwickelt eine Präferenz für Frauen, bei denen er eine realistische Chance hat.

Männer haben es bei der Partnerwahl relativ leicht: sie gucken auf das Äußere und könnten so innerhalb weniger Sekunden entscheiden, ob eine Frau für sie als Partnerin interessant ist, oder nicht. Männer verstehen ist vergleichsweise einfach.

Frauen verstehen – die Partnerwahl des Weibchens

Frauen haben es bei der Partnerwahl deutlich schwerer als die Männer. Es geht ja letztlich darum, sich für einen Mann zu entscheiden, der den Nachwuchs versorgen kann. Die Frau muss also das zukünftige Verhalten des potentiellen Gatten so gut wie möglich vorhersagen. Auch hier gilt wieder: Die Frau trifft diese ganzen Überlegungen nicht bewusst. Sie sind in ihrer Natur angelegt. Ihre Instinkte und Gefühle diktieren ihr den Weg.

Das hier könnte übrigens auch einer der wichtigsten Gründe dafür sein, dass Frauen im Allgemeinen emotionaler sind, als Männer. Sie sind mehr auf einen guten Zugang zu ihren Gefühlen angewiesen.

Die Frau möchte sich für einen Mann entscheiden, der sie und ihren Nachwuchs versorgen kann (Ressourcen) und es auch tatsächlich tut (Großzügigkeit). Beides erkennt sie an bestimmten Indikatoren. Ressourcen erkennt die Frau an Macht, an einem guten Job, an einem teuren Auto und ganz einfach an Geld.

Frauen stehen also in gewisser Weise auf Männer mit dicken Autos, obwohl ihnen die Autos selbst total egal sind. Ob der Mann bereit ist, seine Ressourcen mit ihr und dem potentiellen Nachwuchs zu teilen, erkennt die Frau an großzügigem Verhalten. Macht er ihr Geschenke? Ist er großzügig zu anderen Menschen? Letzteres erkennt sie zum Beispiel daran, er im Restaurant ausreichend Trinkgeld gibt.

Männer verstehen - Frauen verstehen - Auf diese Indikatoren achten Frauen bei Männern

Frauen verstehen | Auf diese Indikatoren für Ressourcen und Großzügigkeit achten Frauen bei Männern: Geschenke, beruflicher Status, Statussymbole.

Da Frauen bei ihrer Partnerwahl sehr viele Faktoren berücksichtigen müssen, die nicht auf den ersten Blick von außen zu erkennen sind, braucht eine Frau deutlich länger, um eine Wahl zu treffen, als ein Mann. Frauen sollen auch hin und wieder Tests durchführen, um den Mann zu einer Reaktion zu zwingen, aus der sie Rückschlüsse über ihn ziehen können. Je unsicher sie sich in ihrer Wahl sind, umso größer ist der Anreiz zu solchen Tests. Das alles passiert unbewusst und rein instinktiv.

Männer und Frauen verstehen – sind Menschen eigentlich monogam?

Unsere westliche Kultur geht stillschweigend davon aus, als ob Menschen monogam wären. Männlein und Weiblein committen sich durch Eheschließung (ohne Gütertrennung), gemeinsame Immobilien und Freundeskreise für eine lebenslange Partnerschaft. Obwohl sie davon wissen, dass viele Ehen wieder geschieden werden, ist jedes einzelne Paar am Tag seiner Hochzeit absolut davon überzeugt, dass die Ehe halten wird.

Aus evolutionärer/spieltheoretischer Sicht ist es aber auch für Frauen klüger, ihren Partner nach einer gewissen Zeit zu wechseln: wenn der Nachwuchs aus dem Gröbsten heraus ist. Es lässt sich zeigen, dass sich die Gene derjenigen Frauen, die so handeln, gegenüber den Genen von Frauen, die völlig monogam sind, durchsetzen.

Menschen sind von Natur aus auf eine so genannte serielle Monogamie ausgelegt. Sie sind ein paar Jahre lang monogam und haben dann das Verlangen, den Partner zu wechseln. Eine Besonderheit des Menschen ist jedoch, dass er seinen Trieben und Impulsen nicht zwangsweise nachkommen muss. Der Mensch hat die Möglichkeit, diese zu unterdrücken.

Affären und andere kurzzeitige Beziehungen

Die evolutionäre Psychologie unterscheidet zwischen langfristigen und kurzfristigen Paarbeziehungen. Bisher haben wir uns mit den langfristigen Geschichten befasst, deren Ziel es ist, Nachwuchs zu zeugen, um die eigenen Gene zu konservieren. Eine kurzzeitige Beziehung (es geht um Beziehungen, die von Anfang an darauf ausgelegt sind, nur für eine kurze Zeit zu bestehen) hat dieses Ziel nicht. Der Sinn von kurzzeitigen Beziehungen ist weniger klar. Unklar ist vor allem warum Frauen diese Sorte von Beziehungen eingehen, wo sie doch eher der Vorstellung der Männer entsprechen. Hier einige Theorien, die dabei helfen können, die Frauen zu verstehen:

  • Frauen gelangen auf diese Art und Weise an Ressourcen von Männern, mit denen sie keine Langzeitbeziehung eingehen möchten.
  • Frauen werden auf diese Art und Weise ihre Langzeitpartner wieder los. Für Frauen war es gefährlich, mit einem Langzeitpartner Schluss zu machen, ohne sich vorher einen Beschützer zugelegt zu haben.
  • Die Affären seiner (noch) Ehefrau motivieren den (noch) Ehemann dazu, sich in der Beziehung mehr anzustrengen.

Was die Männer angeht: Männer sind hinsichtlich ihrer Kurzzeitpartnerinnen überhaupt nicht wählerisch. Sprichwörtlich ausgedrückt erlegen sie alles, was ihnen vor die Flinte läuft. Da sind wir wieder beim Ausgangspunkt der ganzen Geschichte: Wer so gut wie nichts investiert, ist auch nicht wählerisch.

Wie Männer Frauen verstehen und Frauen Männer verstehen

Wir müssen zwischen instinktivem und rationalem Verständnis unterscheiden. Auf einer instinktiven Ebene wissen Männer, worauf die Frauen bei der Partnerwahl achten. In Anwesenheit von attraktiven Frauen entwickeln Männer daher einen besonderen Ehrgeiz, beruflich voranzukommen und ihre Macht zu vergrößern. Dass sie das tun um die Frauen zu beeindrucken, ist ihnen vermutlich nicht bewusst.

Auf einer rationalen (bewussten) Ebene gehen viele und insbesondere junge Männer aber davon aus, dass die Frauen bei der Partnerwahl die gleichen Kriterien anwenden, wie sie selbst: sie glauben, dass die Frauen hauptsächlich auf das Äußere achten. Frauen achten aber nur so lange auf das Äußere, bis sie auf andere Daten zurückgreifen können: Ressourcen und Großzügigkeit.

Frauen verstehen – Warum stehen scheinbar viele Frauen auf Arschlöcher?

Die Wahrheit ist: Frauen stehen nicht auf Arschlöcher. Frauen haben einfach nur das Pech, dass viele Arschlöcher Ressourcen besitzen und Macht haben. Nur Männer mit Macht und Ressourcen können es sich nämlich leisten, Arschlöcher zu sein.

Aus dem gleichen Grund entwickeln Frauen keine Gefühle für die netten Kerle: keine Ressourcen.

Fazit – was kann man aus all dem lernen

Die evolutionäre Psychologie kann uns dabei helfen Männer und Frauen besser zu verstehen. Es macht Sinn, die ganze Paarungsgeschichte nicht bloß aus der Egoperspektive zu betrachten, sondern auch mal einen Perspektivwechsel vorzunehmen. Hinter vielen nervigen Verhaltensweisen des anderen Geschlechts steht ein von der Natur diktiertes Programm. Wer das versteht, kommt damit vielleicht besser klar.

Wie schon zweimal gesagt, spiegelt dieser Artikel nicht so sehr meine persönliche Meinung wieder, sondern die Erkenntnisse der evolutionären Psychologie, wie sie in dem Buch Evolutionary Psychology: The New Science of the Mind von David Buss beschrieben werden. In dem Buch geht es übrigens nicht nur um Männlein-Weiblein-Geschichten sondern auch um ein paar weitere Themen, die aber den Rahmen dieses Artikels gesprengt hätten.

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ÜberJan

Dr. Jan Höpker hat die Webseite HabitGym gegründet, um seine Erkenntnisse über persönliche Entwicklung und das Setzen, Verfolgen und Erreichen von persönlichen Zielen mit seinen Lesern zu teilen. Jan ist Diplom-Chemiker und hat einen Doktor in Biochemie. Unter dem Menupunkt Starte hier! kannst du mehr über Jan und HabitGym erfahren.

10 Antworten auf Männer und Frauen verstehen – Die Psychologie enthüllt den großen Masterplan der Geschlechter

  1. ovi sagt:

    Das sind einige erstaunliche Zitate. Vielen Dank für das Teilen mit uns! Wahre Liebe wünscht das Glück für die Person, die du liebst, ob du es machst, dass diese Person glücklich oder jemand anderes ist. Wirklich toller Beitrag! Jeder einzelne Zitat ist hilfreich und inspirierend.

  2. Pingback: Konzentration! Wie konzentrierst Du Dich? Wissens- u Erfahrungsnetzwerk

  3. Pingback: Mann sein | Frau sein - deine Individualität stärken

  4. Mir fehlt beim Fazit, dass das genau so einfach abzulegende „Prägungen“ sind wie die Reaktion, auf schlangenähnliche Dinge reflexartig mit dem Stock einzuschlagen, sich nachts zum Schlafen in Bäume zurück zu ziehen oder auf der Autobahn sein Revier mit der Lichthupe abzustecken. 😉
    Soll heißen: ja, super, olle Kamellen – aber da wir mittlerweile seit ein paar zehntausend Jahren das Feuer gezähmt haben, hat niemand eine Entschuldigung, sich auf so einen Atavismus zurückzuziehen. (Ich spreche hier als jemand, der in einer polyamoren Beziehung lebt, deren Beteiligte sich nie aufs Bankkonto geschaut haben)
    Versorgerschemata haben sich zum Glück mittlerweile überlebt und niemand ist seinen Trieben ausgeliefert.
    Ich finde Bücher, die derart ausgelatschte Allgemeinplätze als „neue Erkenntnisse der Verhaltensforschung“ propagieren (erinnert sich noch jemand an diese unsäglichen „Warum Frauen immer Schuhe kaufen….“-Bücher aus den Neunzigern? Selbe Chose), suspekt. Mir kommt dann immer der leise Verdacht, dass da ein Autor die patriarchale Anspruchshaltung der Fünfziger gern zementiert hätte. 😉 Gerade Quark wie das „nice Guy“-Schema und die Red Pill-Typen zeigen, dass das bei den (möglicherweise sogar freiwillig) Abgehängten der sozialen Veränderungen durchaus auf fruchtbaren Boden fallen kann. Und das ist sehr bedenklich! (Disclaimer: Ich habe das Buch nicht gelesen, ich schöpfe aus Deiner Zusammenfassung. Sollte ich dem Autor damit Unrecht tun, täte mir das Leid!)

    • Guten Tag Madame, David Buss zeigt in dem Buch Versuchsergebnisse, die auf ererbte Verhaltenstendenzen hinweisen. Er schreibt nicht, ob das gut, schlecht oder wünschenswert ist. Und, gerade je mehr ich über meine Verhaltenstendenzen weiß, desto weniger bin ich ihnen „ausgeliefert“. Eine Diskussion über das Stanley-Milgram-Experiment hat mich auch stärker imprägniert gegenüber „Autoritäten“ (griechisch für: armes Würstchen mit Profilneurose). Ich lebe übrigens auch poly.

    • Jan sagt:

      Hallo Madame Graphisme,

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Das Buch ist ein Lehrbuch, mittlerweile in der 5ten Auflage, also nicht ganz neu. Der Autor ist Professor David Buss, einer der „Erfinder“ dieses Forschungszweigs. Dass er irgendwelche Ansprüche zementieren will, glaube ich nicht.

      Wenn du dich mit dem Thema schon auskennst, erfährst du hier vermutlich nicht viel Neues. Die Erkenntnisse (eigentlich sind es nur Theorien) sind nicht neu. Aber muss denn immer alles neu sein?

      Ich glaube übrigens nicht, dass man diese „Prägungen“ so einfach ablegen kann. Und von welchen Prägungen sprechen wir überhaupt? Davon, dass Männer die Attraktivität einer Frau hauptsächlich an ihrem Äußeren festmachen, und dass sich Frauen eher in das reiche Arschloch, als in den netten Versager von nebenan verlieben (überspitzt formuliert)?

      Im Grunde ist es das das gleiche wie mit dem Zucker: Die Evolution hat uns darauf abgerichtet, Zucker zu mögen. Unser Belohnungszentrum fährt da voll drauf ab. Man MUSS diesen Gelüsten natürlich nicht zwangsweise folgen, aber geh mal in den Supermarkt und schau, was die Leute in den Einkaufswagen packen.

      Der Punkt ist: Uns den Impulsen und Trieben zu widersetzen, kostet jedes Mal Willenskraft, die nur in begrenztem Umfang zur Verfügung steht. Wir können uns also einzelnen Impulsen und Trieben widersetzen, aber nicht allen Trieben und Impulsen. Außer vielleicht man meditiert fünf Stunden täglich.

      Finde es übrigens sehr interessant, dass du persönlich einen Weg gefunden zu haben scheinst. Hast du dich wirklich mithilfe deines Verstandes deiner Triebe und Impulse widersetzt? Oder hast du einfach nur andere Triebe und Impulse, als die meisten anderen Menschen und bist eben nur diesen gefolgt. Menschen sind ja nicht alle baugleich.

      Über Homosexualität hat man bis vor kurzem ja auch geglaubt, dass das nur eine Art „Denkfehler“ sei, dem sich die „Betroffenen“ widersetzen können, wenn man sie per Gesetz dazu zwingt. Heute weiß man es besser.

      Viele Grüße,
      Jan

      • Ich würde Homosexualität nicht neben ein Denkmodell stellen, das in der Grauzone zwischen Soziologie und Psychologie mäandert. Denn gerade die Fehlurteile über sexuelle Devianzen (jede!) sind ja mit die grandiosesten Beispiele für „das ist im Menschen eben so drin!“, die man sich denken kann. Oder habe ich deine Aussage diesbezüglich exakt um 180° gedreht aufgefasst?
        Ich halte eben die Willenskraft und die Fähigkeit zur aufgeschobenen Triebbefriedigung für einen Kern der Zivilisation. Natürlich leben wir nicht in einer idealen Welt – aber man sollte sich dennoch bemühen, die eigenen Entscheidungen nicht von Drüsen treffen zu lassen. 😉
        Insofern ist das Buch vermutlich nicht verkehrt – um zu zeigen, was man besser NICHT auf den Fahrersitz der Körperkutsche lässt.
        (Dennoch halte ich viele dieser Blanket Statements für stark zeitgeistgefärbt und würde sie mit einem ganz, ganz großen Salzkorn nehmen!)

        • Jan sagt:

          Da ich dir gerade nicht wirklich folgen kann, kann ich dir auch nicht sagen, ob du meine Aussage richtig aufgefasst hast 😀

          Was ich mit dem Homosexualitätsbeispiel sagen wollte: Meiner Auffassung nach neigen Menschen dazu, die Macht des Willens massiv zu überschätzen. Wir gehen davon aus, dass ein Mensch grundsätzlich alles anders machen könnte, wenn er nur auf einer rationalen Ebene wollte. Ich glaube, dass dieser Irrglaube daher rührt, dass wir bezüglich unseres eigenen Verhaltens der Illusion aufsitzen, wir würden uns völlig frei entscheiden. Und diese Illusion übertragen wir auf andere Menschen. Tatsächlich rationalisieren wir aber oft nur. Wir handeln erst gemäß unserer Triebe und Impulse und reden uns dann nachträglich ein, dass wir das so gewollt haben. Das Gedächtnis passt Erinnerungen nachträglich so an, dass sie besser zu den aktuellen Tatsachen passen. Zu diesem Thema hatte ich mal ein interessantes Buch vorgestellt: http://www.habitgym.de/vergesslichkeit-ist-von-der-natur-gewollt/

          Dass man sich bemühlen sollte, die Entscheidungen nicht „von der Drüse“ treffen zu lassen, sehe ich übrigens nicht anders als du. „Man sollte“ heißt aber nicht zwangsläufig, dass es immer möglich ist. Die Drüsen haben Millionen Jahre lang das Verhalten aller Lebewesen diktiert. Warum sollten wir davon befreit sein, nur weil wir jetzt in Häusern wohnen, Autos fahren und Regierungen wählen? Wenn nicht Drüse unser Verhalten bestimmt, wer bestimmt bestimmt es dann?

          Meine Sicht der Dinge muss natürlich nicht den Tatsachen entsprechen. Sie basiert auf dem, was ich über das Thema gelesen und beobachtet habe.

  5. Hallo Jan, herzlichen Glückwunsch dafür, dass Du es geschafft hast, das Buch von David Buss zu lesen. Interessanterweise habe ich es jetzt gerade im Urlaub dabei und unternehme meinen dritten Versuch, mich hindurch zu arbeiten. Ich finde es inhaltlich sehr interessant und relevant, aber sehr schwergängig zu lesen.

    • Jan sagt:

      Hallo Alexander,

      Danke 🙂 das Buch von Buss ist tatsächlich nicht gerade das einfachste Buch. Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem dritten Anlauf und einen schönen Urlaub.

      Viele Grüße,
      Jan

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