Nein sagen lernen – mit 2 einfachen Fragen

Nein sagen lernen - besser nein sagen können

Mit zwei einfachen Fragen wird das Nein Sagen Lernen zum Kinderspiel.

Dieser Artikel ist für diejenigen, die nein zu sich selbst sagen, weil sie immer ja zu anderen sagen, obwohl sie eigentlich nein meinen.

Das wichtigste Wort im Umgang mit anderen Menschen?

Man kann sich darüber streiten, welches das wichtigste Wort im Umgang mit Menschen ist.

Was das Wort nein besonders macht ist, dass viele Menschen große Probleme damit haben, es auszusprechen.

Jemand bittet uns um einen Gefallen, und eigentlich würden wir ihm diesen Wunsch gerne ausschlagen, aber irgendwie kriegen wir das nein nicht über die Lippen.

Also nehmen wir drei Tage Urlaub und fahren hunderte Kilometer quer durchs Land, um einem entfernten Verwandten beim Entrümpeln seines Kellers zu helfen.

Nein sagen zu lernen, ist ein Meilenstein der Persönlichkeitsentwicklung.

Was nein sagen so schwer macht

Man könnte meinen, es sei eine rein rationale Entscheidung, ob man jemandem einen Gefallen tut, oder nicht. So ist es aber nicht.

Es handelt sich um eine emotionale Entscheidung

Unsere Gefühle sind leicht manipulierbar. Andere Menschen haben die Möglichkeit in uns den Wunsch zu erzeugen, ihnen helfen zu wollen.

In dem Buch Influence (deutscher Titel: Die Psychologie des Überzeugens) stellt Robert Chialdini, insgesamt sechs Möglichkeiten vor, menschliche Entscheidungen zu beeinflussen.

Mit diesen Manipulationstechniken werden wir im Alltag ständig konfrontiert.

Die verbreitetste Form der Manipulation ist die Reziprozität (Gegenseitigkeit)

Wer etwas für andere Menschen tut – ein billiger Kugelschreiber als Werbegeschenk reicht schon aus – erzeugt in ihnen das Bedürfnis, sich zu revanchieren.

Dies kann auf zwei verschiedene Arten passieren, die ich als proaktive und reaktive Reziprozität bezeichne.

Proaktive Reziprozität

Man tut dem anderen aus Eigeninitiative ebenfalls einen Gefallen.

Zum Beispiel schenkt man ihm ebenfalls einen billigen Kugelschreiber 😉

Reaktive Reziprozität

Der andere bittet uns um einen Gefallen, nachdem er uns einen Gefallen getan hat.

Der erbetene Gefallen ist meist größer, als der billige Kugelschreiber. Und genau hier liegt das Problem.

Nein sagen lernen

Professor Chialdini rat dazu, kleine Geschenke, deren einziger Zweck offensichtlich darin besteht, uns zu manipulieren, grundsätzlich nicht anzunehmen.

Diese beiden Fragen helfen beim nein sagen

Wer gerne nein sagen würde, sich aber emotional zu einem ja hingezogen fühlt, sollte sich diese Fragen stellen:

Was löst aus, dass ich mich zu einem ja verpflichtet fühle?

Ist die Größe des Gefallens berechtigt?

Hat man mir einen billigen Kugelschreiber geschenkt, und nun fühle ich mich dazu verpflichtet, die Lebensversicherung abzuschließen?

Hat mir der entfernte Verwandte vor drei Jahren in der Kneipe ein Bier spendiert, und nun fühle ich mich dazu verpflichtet, ihm drei Tage lang beim Entrümpeln seines Kellers zu helfen?

Die Metaebene

Es geht darum, ein Bewusstsein für die eigenen Gefühle zu entwickeln, um beurteilen zu können, ob diese angebracht sind. Wenn dem nicht der Fall ist, dann ist es völlig okay nein zu sagen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass es grundsätzlich falsch ist, anderen einen großen Gefallen zu tun, wenn man das möchte.

Ein positiver Nebeneffekt der beiden Fragen ist, dass man in einen rationalen Zustand kommt. Die Gefühle werden abgekühlt.

Warum ich dem Obdachlosen mein komplettes Münzgeld gegeben habe

Wir schreiben das Jahr 2006. Ich bin Chemiestudent im 8ten Semester und fahre auf dem Heimweg von der Uni an einem Supermarkt vorbei, um mir mein Abendessen zu kaufen.

Vor der Tür des Supermarktes sitzen zwei Obdachlose mit ihren Hunden und betteln. Die meisten Menschen gehen an den beiden vorbei, ohne sie zu beachten und auch ich habe nicht vor, ihnen etwas von meinem knappen Geld abzugeben.

Als ich mein Fahrrad an das Geländer vor dem Supermarkt anketten wollte, sprach mich einer der beiden Obdachlosen an:

Du musst das Fahrrad nicht abschließen

sagte er. Dann zeigte er mit dem Finger auf seinen Hund und sagte

der passt auf, dass niemand dein Rad klaut

Schließlich gab er seinem Hund den Befehl, sich direkt vor mein Fahrrad zu setzten um darauf aufzupassen.

Ich lachte, kettete mein Fahrrad an und ging einkaufen.

Als ich wieder aus dem Laden herauskam saß der Hund des Obdachlosen immer noch vor meinem Rad und passte auf.

Ich freute mich und gab dem Mann mein komplettes Kleingeld (ein paar Euro) und bedankte mich bei ihm.

Mit seiner kreativen Geste hatte er es geschafft, in mir den Wunsch zu erzeugen, ihm Geld zu geben.

Die Geschichte zeigt meiner Meinung nach einfach nur sehr schön, wie Reziprozität funktioniert.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich bereue nicht, dem Mann mein Kleingeld gegeben zu haben.

 

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