Das Pareto-Prinzip – Definition, Beispiele und Kritik an der 80/20-Regel

Pareto Prinzip - 80/20 Regel 1x1

Laut Pareto-Prinzip lassen sich mit nur 20 % des Einsatzes bereits 80 % der Resultate erzielen. Daher die alternative Bezeichnung als 80/20-Regel.

80/20 ist eine Abkürzung für jeden, der mit weniger Aufwand mehr erreichen will.

Der Teufel steckt im Detail

Wer das Pareto-Prinzip in den richtigen Situationen anwendet, kann sich jede Menge Aufwand sparen und erreicht trotzdem (oder gerade deswegen) sehr viel.

Durch die Anwendung der Pareto-Regel kann man unterm Strich sogar deutlich mehr erreichen, denn die frei gewordenen Ressourcen lassen sich reinvestieren.

Soweit die Theorie.

In der Praxis wird das Pareto-Prinzip leider oft in den völlig falschen Situationen angewendet und verursacht dort mehr Schaden als Nutzen.

Die Kunst besteht darin, die Situationen zu erkennen, in denen die Pareto-Regel angewendet werden kann. (Mit der korrekten Anwendung befassen wir uns weiter unten in diesem Artikel noch ganz ausführlich.)

Das Pareto-Prinzip – Definition und Ursprünge

Wer das Pareto-Prinzip beherzigt, kann viele Probleme schon mit lächerlich geringem Aufwand befriedigend lösen.

Allerdings sollte das Pareto-Prinzip nur in Situationen angewendet werden, in denen es nicht auf Perfektion ankommt.

Das Putzen und Aufräumen der Wohnung eignet sich gut für eine Anwendung. Beim Bau einer Rakete sollte man lieber verzichten.

Das 80/20 Verhältnis kommt in der Natur häufig vor

Vilfredo Pareto - Entdecker und Namensgeber des Pareto Prinzips

Vilfredo Pareto (1848 – 1923) Entdecker und Namensgeber des Pareto-Prinzips (Quelle: Wikipedia).

Vor über 100 Jahren hatte Vilfredo Pareto die Verteilung des Bodenbesitzes in Italien  untersucht, und dabei festgestellt, dass 20 % der Menschen 80 % des Bodens besaßen.

Bei genauerem Hinsehen wurde diese 80/20 Verteilung noch an vielen anderen Stellen gefunden. (Weitere Beispiele gibt es weiter unten in diesem Artikel.)

Achtung: Das 80/20 Verhältnis tritt häufig auch nicht auf!

Heute wird das Pareto-Prinzip inflationär in jedem nur erdenklichen Bereich angewendet.

Dabei scheinen die Anwender oft nicht zu verstehen, wann das Pareto-Prinzip überhaupt gültig ist. Sie gehen einfach davon aus, dass 80/20 immer gilt. Das stimmt aber nicht!

Auch die Folgen, die sich aus der Anwendung des Pareto-Prinzips ergeben, werden oft nicht verstanden.

Die 80/20-Regel verschleiert Selbstbetrug

Oft habe ich den Eindruck, dass das Pareto-Prinzip gar nicht im Voraus bedacht wurde, sondern bloß nachträglich zur Rechtfertigung von Faulheit ins Spiel gebracht wird.

Man sollte dem Pareto-Prinzip kritisch begegnen

Warum kritisch? Ein wichtiges Erfolgsprinzip lautet:

Je wünschenswerter ein Versprechen, umso gründlicher sollte man es prüfen

Die Gefahr von Selbstbetrug ist dann nämlich besonders groß.

Nur durch die korrekte Anwendung der 80/20-Regel kann das Leben einfacher werden.

Wer das Pareto-Prinzip falsch anwendet, schießt sich sprichwörtlich selbst ins Knie.

Die Summe von 100 ist übrigens reiner Zufall

Die beiden Zahlen 80 und 20 laden förmlich dazu ein, addiert zu werden. Die Summe von 100 ist aber reiner Zufall.

Neben 80/20 lassen sich auch 80/10, 90/20 und viele andere Zahlenpaare beobachten. Im Prinzip ist jedes zweistellige Zahlenpaar möglich.

Verwirrend? Fangen wir noch einmal ganz von vorne an.

Das Pareto-Prinzip am Beispiel von Zeitmanagement erklärt

Im Zeitmanagement wird das Pareto-Prinzip meist so formuliert:

Nach 20 % der Zeit, die man zum Lösen eines Problems aufwendet, ist das Problem zu 80 % gelöst

Stelle dir vor, du möchtest deine Wohnung gründlich aufräumen und putzen. Insgesamt brauchst du dafür fünf Stunden.

Wenn du die auffälligsten Arbeiten zuerst erledigst, sieht die Wohnung bereits nach nur einer Stunde zu 80 % perfekt aufgeräumt und sauber aus.

Aus eigener Erfahrung kann ich das so bestätigen.

80/20 entspricht einem Punkt in einem Diagramm mit den beiden Dimensionen Ergebnis und Aufwand:

80 % der Ergebnisse lassen sich mit nur 20 % des Aufwandes erzielen

In seiner Formulierung als 80/20-Regel besagt das Pareto-Prinzip, dass sich mit nur 20 % des Aufwands 80 % der Ergebnisse erzielen lassen. Wer keine perfekten Ergebnisse benötigt, sollte demnach eine Menge Zeit sparen können, indem er sich auf das Nötigste beschränkt.

 Ein Paar Beispiele aus der Wirtschaft

  • Mit nur 20 % seiner Produkte erwirtschaftet ein Unternehmen 80 % seines Gewinns
  • Mit nur 20 % seiner Kunden erwirtschaftet ein Unternehmen 80 % seines Gewinns

Ein Paar Beispiele aus dem Alltag

  • 80 % der Zeit trägt man nur 20 % seiner Kleidungsstücke
  • 80 % der Zeit verbringt man mit nur 20 % der Menschen die man kennt

(Weitere Beispiele für das Pareto-Prinzip in Alltag, Beruf und Finanzen findest du hier.)

Es sind auch andere Zahlen als 80 und 20 möglich

Neben 80/20 lassen sich noch weitere Zahlenpaare beobachten. Diese entsprechen anderen Punkten im Diagramm.

Die größere Zahl muss nicht immer vorne stehen

Es gibt Situationen, in denen insbesondere die letzten Anstrengungen ganz besonders stark zum Gesamtergebnis bei.

Ein gutes Beispiel ist das Krafttraining mit Gewichten: hier sind die letzten Wiederholungen am wichtigsten. Wer schon nach 20 % der Wiederholungen aufhört, wird nicht 80 % der Resultate erzielen, sondern so gut wie gar keine.

Pareto Prinzip: Neben 80-20 gibt es noch weitere Zahlenpaare

80/20 ist nur einer von vielen Fällen: Neben dem beliebten Zahlenpaar 80/20 gibt es in der Realität noch viele weitere Zahlenpaare. Auch die Umkehrung des Pareto-Prinzip lässt sich in einigen Fällen beobachten: hier muss man fast alles richtig machen um überhaupt ein nennenswertes Ergebnis zu erzielen (Beispiel Krafttraining mit Gewichten).

Pareto-Prinzip für Fortgeschrittene

Was die meisten Menschen nicht wissen: Hinter dem Pareto-Prinzip steckt nicht etwa ein einzelner Punkt im Diagramm, sondern eine Kurve.

Die 80/20-Regel lässt sich daher mehrmals hintereinander anwenden. Wenn man möchte auch 2,5-mal oder nur ein halbes Mal.

Achtung: Die Kurve existiert nur, wenn eine Pareto-Verteilung vorliegt. (Die Kriterien dafür schauen wir uns in Kürze an.)

Die Pareto Verteilung: Das Pareto Prinzip ist nur ein Punkt auf einer Kurve

Die Pareto-Verteilung: Was viele Menschen nicht wissen: 80/20 ist nur ein Punkt auf einer Kurve. Wenn eine Pareto-Verteilung vorliegt (was nicht immer der Fall ist – später mehr dazu), dann gilt die ganze Kurve.

Das steckt hinter dem Pareto-Prinzip: die Pareto-Verteilung

Wenn eine Pareto-Verteilung vorliegt, dann durchläuft eine Kurve, die den Punkt 80/20 schneidet, außerdem noch unendlich viele weitere Punkte wie zum Beispiel 64/4 und 52/0,8

(diese Punkte entsprechen dem zweimaligen beziehungsweise dreimaligen Anwenden der 80/20 Regel).

Daraus ergibt sich das Potential für krasse Effizienzsteigerungen

Der Aufwand lässt sich unter Umständen also noch viel radikaler reduzieren, als nur um den Faktor 5.

Wer mit knapp über 50 % des möglichen Ergebnisses zufrieden ist, kann den Aufwand theoretisch um den Faktor 125 reduzieren.

Das entspricht zum Beispiel nur knapp über einer Stunde Arbeit pro Monat anstelle eines Fulltime-Jobs.

Spätestens jetzt sollte jedem Leser intuitiv klar geworden sein, dass die Pareto-Regel nicht immer und überal gilt.

Auch für die extremen Punkte lassen sich übrigens Beispiele finden

Wann gilt die Pareto-Verteilung?

Nur wenn eine Pareto-Verteilung vorliegt, kann man überhaupt davon ausgehen, dass es den Punkt (80/20) gibt und sich das Pareto-Prinzip mehrmals hintereinander anwenden lässt.

Laut Wikipedia liegt die Pareto-Verteilung charakteristischerweise dann vor, wenn sich zufällige, positive Werte über mehrere Größenordnungen erstrecken und durch das Einwirken vieler unabhängiger Faktoren zustande kommen.

Diese 3 Kriterien müssen erfüllt sein

  • Es gibt viele einzelne Werte
  • Die Werte erstrecken sich über mehrere Größenordnungen
  • Die Werte kommen durch das Einwirken unabhängiger Faktoren zustande

Am besten schauen wir uns dazu ein konkretes Beispiel an:

Die Pareto-Kriterien am Beispiel der Einkommensverteilung eines Landes

Bei der Einkommensverteilung eines ganzen Landes gibt es viele Werte: Millionen Menschen. Das erste Kriterium ist also erfüllt.

Bei einer Einkommensverteilung eines Landes erstrecken sich die Werte über mehrere Größenordnungen: Manche Leute verdienen nur 1.000 Euro im Monat, andere 10.000 oder 100.000 oder sogar eine Million und mehr. Das zweite Kriterium ist also erfüllt.

Bei der Einkommensverteilung eines ganzen Landes kommen die Werte durch das Einwirken unabhängiger Faktoren zustande. Menschen haben unterschiedliche Einnahmequellen. Zum Beispiel hat jeder Berufstätige einen eigenen Job. Insbesondere die Großverdiener haben in der Regel mehrere Einnahmequellen. Das dritte Kriterium ist also ebenfalls erfüllt.

Da im Falle der Einkommensverteilung eines ganzen Landes alle drei Kriterien erfüllt sind, kann damit gerechnet werden, dass eine Pareto-Verteilung vorliegt.

Die Pareto-Verteilung ist kein Naturgesetz

Die Pareto-Verteilung ist ein Phänomen, das auftreten kann, aber nicht zwangsweise auftreten muss.

Und selbst wenn eine Pareto-Verteilung vorliegt, bedeutet das in der Praxis nicht zwangsweise, dass sie den Punkt 80/20 enthält.

Genauso gut kann sie den Punkt 90/20 oder 70/20 enthalten.

Das Pareto-Prinzip gilt weniger oft, als man glaubt

Wenn man sich typische Beispiele der Anwendung des Pareto-Prinzips ansieht und dabei prüft, ob die drei oben genannten Kriterien erfüllt sind, wird man schnell feststellen, dass das sehr häufig nicht der Fall ist.

Das bedeutet nicht, dass ein 80/20 hier auf gar keinen Fall beobachtet werden kann.

Es bedeutet aber, dass sich hinter einem beobachteten 80/20 nicht die Pareto-Verteilung, sondern purer Zufall verbirgt.

Das Pareto-Prinzip wird gerne blind auf irgendwelche Situationen angewendet

Ein naiver Anwender könnte beispielsweise auf die Idee kommen, dass 20 % der Beine eines Tisches 80 % von seinem Gewicht tragen.

Schauen wir uns einige weitere Beispiele im Detail an.

Beliebte Beispiele auf dem Prüfstand

Nochmal: Das Pareto-Prinzip ist kein Naturgesetz, sondern ein Phänomen, das unter bestimmten Bedingungen (die 3 oben genannten Kriterien) charakteristischerweise auftritt.

Wenn die entsprechenden Kriterien nicht erfüllt sind, sollte das Pareto-Prinzip nicht einfach naiv angewendet werden.

80 % der Kalorien nimmt man mit 20 % der Nahrung auf?

  • Viele Werte? JA
  • Die Werte erstrecken sich über mehrere Größenordnungen? JA
  • Einwirken unabhängiger Faktoren? JA

Hier sind alle drei Bedingungen erfüllt. Die Aussage, dass man mit den kalorienreichsten 20 % der Nahrungsmittel 80 % der Kalorien aufnimmt,  ist wahrscheinlich wahr.

(Ein Beispiel: Ich koche manchmal einen sehr leckeren Aubergineneintopf, bei dem 80 % der Kalorien nur aus Olivenöl und Pinienkernen stammen. Den Großteil des Volumens machen aber Auberginen und Tomaten aus, die so gut wie gar keine Kalorien haben.)

20 % der Angestellten machen 80 % der Arbeit?

  • Viele Werte? JE NACHDEM
  • Die Werte erstrecken sich über mehrere Größenordnungen? NEIN
  • Einwirken unabhängiger Faktoren? JA

Hier sind die drei Bedingungen nicht erfüllt. Es ist daher äußerst unwahrscheinlich, dass in einem typischen Unternehmen wirklich 20 % der Menschen 80 % der Arbeit erledigen.

(Vermutlich glauben in vielen Unternehmen dennoch 20 % der Mitarbeiter, sie würden 80 % der Arbeit machen.)

80 % der Infos stehen auf 20 % der Seiten des Buches?

  • Viele Werte? JA
  • Die Werte erstrecken sich über mehrere Größenordnungen? NEIN
  • Einwirken unabhängiger Faktoren? JA

Auch hier sind die drei Bedingungen nicht erfüllt.

Hier wäre außerdem zu klären, was mit Information genau gemeint ist. Geht es darum, was ein einzelner Leser wissen möchte oder ist Information hier objektiver gemeint.

20 % der bei Amazon am meisten verkauften Bücher, sorgen für 80 % des Umsatzes?

  • Viele Werte? JA
  • Die Werte erstrecken sich über mehrere Größenordnungen? JA
  • Einwirken unabhängiger Faktoren? JEIN

Hier sind die drei Bedingungen nur zum Teil erfüllt. Eine Besonderheit ist, dass Amazon die Bestseller zusätzlich pusht, um sie noch häufiger zu verkaufen.

Außerdem neigen die Kunden dazu, eher einen Bestseller, als einen nicht-Bestseller zu kaufen, da der Bestsellerstatus als Qualitätskriterium angesehen wird.

Bei diesem Beispiel wäre zu erwarten, dass die 20 % meistverkauften Bücher für deutlich mehr als nur 80 % des Umsatzes sorgen.

Aus dem Pareto-Prinzip lernen (Anwendungen)

Im Vorfeld über Prioritäten nachdenken

Der meiner Meinung nach größte Nutzen des Pareto-Prinzips ist der, dass es zum Nachdenken über Prioritäten anregt.

Wenn wir ohne nachzudenken an eine komplexe Aufgabe herangehen, erledigen wir häufig zuerst die angenehmen Aufgaben und schieben alles Unangenehme auf die lange Bank.

Irgendwann stellen wir dann fest, dass alles länger dauert, als geplant und am Ende werden wir mit unserer Aufgabe nicht fertig.

Hätte man sich bereits im Vorfeld Gedanken über die Prioritäten gemacht, wäre man zwar möglicherweise auch nicht ganz fertig geworden, aber man wäre dem Ziel ganz bestimmt ein gutes Stück näher gekommen.

Anwendung: In jedem Lebensbereich die wichtigsten 20 % identifizieren und sie sich zur Gewohnheit machen

In jedem Lebensbereich gibt es einige wenige wichtige Basics, die für den Großteil der Ergebnisse verantwortlich sind. Es macht sehr viel Sinn, diese Basics zu identifizieren und sie sich zur Gewohnheit zu machen, sodass sie auf keinen Fall vernachlässigt werden.

Nur 2 Faktoren sorgen für 80 % jeder Art von Erfolg!

Unter Erfolg verstehe ich das Erreichen selbstgesteckter persönlicher Ziele – wie auch immer diese Ziele konkret aussehen mögen. Wer sich Ziele setzt und diese erreicht, ist erfolgreich!

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es insbesondere zwei Faktoren gibt, die für jede Art von Erfolg unerlässlich sind. Diese beiden Faktoren machen sozusagen die 20 % aus, die für 80 % des Erfolges verantwortlich sind. Die beiden Faktoren sind:

  • Intelligenz
  • Fokus/Konzentration

Da sich die Intelligenz eines Menschen nur schwer ändern lässt, sind Fokus und Konzentration die entscheidenden Faktoren für jede Art von Erfolg.

Als ich davon erfuhr, dass Fokus und Konzentration so extrem wichtig sind, begann ich sofort damit, mich intensiv mit diesen Themen zu beschäftigen. Es war nicht einfach, alles Wichtige über Fokus und Konzentration zusammenzutragen.

Wenn du auch gerne fokussierter und kozentrierter werden möchtest, könnte mein gratis eBook-Bundle ein guter Einstieg für dich sein.

Unnötigen Perfektionismus vermeiden

Das Pareto-Prinzip ruft uns ins Bewusstsein, dass Perfektionismus überproportional viel Zeit kostet. Die letzten 20 % zur Fertigstellung eines Projektes verschlingen 80 % des gesamten Aufwandes.

Es macht Sinn, sich im Vorfeld die Frage zu stellen, wie perfekt das Endergebnis sein muss.

Achtung: Dies ist keine rhetorische Frage! In vielen Fällen macht es durchaus Sinn, Perfektion anzustreben (mehr dazu weiter unten in diesem Artikel), aber eben nicht immer.

Es lohnt nicht, die Ernährung zu überoptimieren

Man muss heutzutage nicht besonders lange suchen, um Menschen zu finden, die es mit ihrer Ernährung extrem genau nehmen. Man versucht, die Ernährung zu perfektionieren.

Das Problem dabei ist, dass die Ernährung nicht der einzige Faktor ist, der sich auf die Gesundheit auswirkt.

Wer sich extrem auf einen einzelnen Faktoren fokussiert (die Ernährung), neigt dazu, alle anderen Faktoren zu vernachlässigen.

Unterm Strich fährt man daher am besten, wenn man für alle relevanten Faktoren ungefähr gleich viel Energie aufwendet.

Faulheit ist kein Drama

Wer das Pareto-Prinzip verstanden hat, setzt sich in Phasen der Faulheit automatisch weniger unter Druck.

Wer anstatt zehn Stunden mal nur zwei Stunden produktiv ist, erreicht ja möglicherweise trotzdem 80 % der Ergebnisse. Kein Grund zur Panik!

Sind scheinbar faule Menschen wirklich faul?

Jeder kennt diese Menschen, die sich mit Minimalaufwand irgendwie durchs Leben mogeln.

Das Pareto-Prinzip lässt diese Menschen in einem völlig neuen Licht erscheinen. Sind diese Menschen wirklich faul oder einfach nur Meister darin, die Prioritäten richtig zu setzen?

Scheinaufgaben erkennen

Jeder von uns führt regelmäßig Tätigkeiten durch, die kaum einen Effekt auf das entsprechende Endergebnis haben.

Das Pareto-Prinzip motiviert uns, auf die Suchen nach diesen Tätigkeiten zu gehen.

Solange wir den Glaubenssatz haben, alles sei gleich wichtig, sind wir für das Erkennen dieser Scheinaufgaben blockiert.

Das Wissen um das Pareto-Prinzip kann diese Blockierung entfernen.

Probleme und Gefahren bei der Anwendung des Pareto-Prinzips

Das Pareto-Prinzip ist nicht ganz unproblematisch. Mit den häufigsten Fallen und Hindernissen beschäftigen wir uns jetzt:

Sind das wirklich die entscheidenden 20 %?

Generell ist das menschliche Gehirn sehr gut darin, Muster und Zusammenhänge und somit auch Erfolgsfaktoren zu erkennen.

Die wichtigsten Erfolgsfaktoren könnten uns in einigen Fällen aber so selbstverständlich erscheinen, dass wir sie einfach übersehen.

Außerdem neigt unser Gehirn dazu, Zusammenhänge zu sehen, wo in Wahrheit gar keine Zusammenhänge sind.

Wer mit einem bestimmten Aufgabentyp erst wenig praktische Erfahrung sammeln konnte, neigt häufig dazu, bestimmte Faktoren als entscheidend anzusehen, die in Wahrheit gar nicht so wichtig sind.

Komplexität

Das für die meisten Menschen interessante am Pareto-Prinzip ist nicht die Tatsache, dass es so ist, wie es ist, sondern, dass man es benutzen kann, um Arbeitszeit und Ressourcen zu sparen.

Wenn 80 % des Gewinns von nur 20 % der Kunden kommt, warum dann überhaupt noch die 80 % der Kunden bedienen, die nur zu 20 % zum Gewinn beitragen? Diese Frage ist naheliegend.

Hier darf man nicht aus den Augen verlieren, dass die 80 % der Kunden vielleicht noch eine andere Funktion haben, als nur für den Gewinn zu sorgen.

Beispiel Facebook

Facebook macht Gewinn, indem es Geld für Werbeanzeigen verlangt. Nur ein Bruchteil der Nutzer von Facebook hat jemals eine Werbeanzeige geschaltet. Vermutlich schalten weit weniger als ein Prozent der Facebook User Werbeanzeigen.

Das Pareto-Prinzip würde nun implizieren, dass Facebook sich von den meisten seiner Benutzer trennen sollte, denn diese machen ja Arbeit (Speicherplatz für Urlaubs- und Katzenfotos), bringen aber keinen Gewinn.

Das Ding ist: Ohne die große Menge der Facebook Nutzer, die niemals Werbung schaltet, gäbe es auch die Werbetreibenden nicht, denn irgendjemand muss die Werbung ja konsumieren.

Auch in anderen Unternehmen könnten Kunden, die nicht direkt zum Umsatz beitragen, eine wichtige, aber weniger offensichtliche Rolle im Gesamtsystem spielen.

Beispiel Lernaufwand für eine Klausur

Vielleicht werden in einer Prüfung oder Klausur wirklich nur 20 % des gelernten Stoffes abgefragt und tragen damit zu mindestens 80 % des Prüfungsergebnisses bei. Aber kann es nicht sein, dass das Lernen der zusätzlichen 80 % erst dazu beigetragen hat, dass die prüfungsrelevanten 20 % verstanden und bis zur Prüfung oder Klausur im Gedächtnis abgespeichert wurden?

(Anstatt nur 20 % des Stoffes zu lernen, sollte man lieber auf die Suche nach effektiveren Lernmethoden gehen.)

Zeitlicher Abstand zwischen Ursache und Wirkung (Nichtlinearität)

Was die sinnvolle Anwendung des Pareto-Prinzips zusätzlich erschwert: Die Wirkung einer bestimmten Ursache muss nicht zwangsweise sofort auftreten und es kann nichtlineare Effekte geben.

Ein sehr anschauliches Beispiel ist der Josephspfennig.

Stelle dir einmal vor, Joseph hätte für seinen Sohn Jesus im Jahre Null einen einzigen Cent mit 5 % jährlicher Verzinsung angelegt.

Bis zu welchem Betrag wäre das Vermögen bis zum Jahre 2000 angewachsen?

  1. Mit Zinseszins
  2. Ohne Zinseszins

Rate mal!

Anmerkung zum Zinseszins: Der Zinseszins ist der Zins auf den Zins.

Im ersten Jahre wächst das Vermögen mit und ohne Zinseszins um 0,05 Cent auf 1,05 Cent.

Im Zweiten Jahr wächst das Vermögen ohne Zinseszins wieder um 0,05 Cent auf 1,10 Cent und mit Zinseszins um 0,0525 Cent auf 1,1025 Cent.

Der Unterschied ist verschwindend gering. Die meisten Menschen würden ihm keine Beachtung schenken.

Ein Mensch mit Pareto-Brille würde möglicherweise einfach sagen „drauf gepfiffen!“

Auf lange Sicht macht es aber einen gewaltigen Unterschied: Ohne Zinseszins wäre aus dem einen Cent nach 2000 Jahren ein Gesamtbetrag von 1,01 Euro geworden.

Immerhin das Hundertfache des Ursprungsbetrags.

Mit Zinseszins wäre ein Vermögen entstanden, das sich in Geld überhaupt nicht mehr sinnvoll quantifizieren lässt.

In Gold ausgedrückt wären es über 400 Milliarden Kugeln aus purem Gold, von denen jede einzelne so groß wie die gesamte Erde ist.

Das alles nur wegen eines vermeintlich kleinen Unterschieds, der sich erst über die Jahre zu einem super krassen Unterschied aufschaukelt.

Das Beispiel scheint dir vielleicht weit hergeholt und mit der Realität wenig zu tun zu haben. Ganz so irrelevant ist es aber nicht.

Genau der gleiche kleine Unterschied, der darüber entscheidet, ob man sich nach 2000 Jahren nur eine Kugel Eis leisten oder mit großem Abstand die Forbes Liste der reichsten Menschen des Planeten anführen kann, entscheidet sehr wahrscheinlich auch darüber, welcher Blog und welcher YouTube- oder Social-Media-Kanal nach ein paar Jahren riesig groß ist, oder niemanden interessiert.

Überall dort, wo exponentielles Wachstum vorliegt, lohnt es sich, die Extra-Meile zu gehen. Hier blind auf Pareto zu setzen wäre fatal!

Kompetitive Szenarien

Auch in kompetitiven Szenarien lohnt es sich fast nie, nur das nötigste zu machen.

Stelle dir eine Profimannschaft beim Fußball vor, die das Pareto-Prinzip anwendet und statt fünfmal die Woche nur noch einmal die Woche trainiert.

Sie erreicht dann zwar vielleicht immer noch 80 % der vorherigen Leistung, aber diese Leistung wird nicht mehr ausreichen um sich in der Liga zu behaupten.

Unvorhersehbarkeit

In vielen Fällen lassen sich diejenigen Faktoren, die am meisten zum Erfolg beitragen, erst rückwirkend identifizieren.

Beispiel Bücher

Nur die wenigsten Bücher werden ein Bestseller und lohnen sich wirklich. Welches Buch ein Bestseller wird, lässt sich im Vorhinein jedoch nie so genau sagen.

Zu wissen, dass sich nur ein kleiner Bruchteil der Bücher gut verkauft, hilft eben nicht dabei, die Bestseller schon im Vorhinein zu identifizieren.

Fazit und Lehren aus dem Pareto-Prinzip

Das Pareto-Prinzip ist ein mächtiges Instrument. Wer es auf kluge Art und Weise einsetzt, kann sich eine Menge Aufwand und Ressourcen sparen.

Wichtig zu erwähnen wäre noch, dass die Anwendung des Pareto-Prinzips nur dann Sinn ergibt, wenn man sich darüber im Klaren ist, wo man überhaupt hin möchte.

Mit anderen Worten: Das Pareto-Prinzip ist nutzlos, wenn man kein konkretes Ziel verfolgt.

Wie man persönliche Ziele findet, setzt und erreicht, erkläre ich in einem separaten Artikel.

4.5/5 (10)

Diesen Beitrag bewerten

Danke für's Teilen! 🙂
Facebooktwittergoogle_plusFacebooktwittergoogle_plus
(Klicke auf einen der Buttons, um diesen Artikel mit deinen Freunden zu teilen!)

Schreibe einen Kommentar

Please use your real name instead of you company name or keyword spam.