Dem Stress den Kampf ansagen (das 1×1 der smarten Stressprävention)

Stressprävention - das 1x1 der Vermeidung von Stress

Stress ist die größte Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts!

– sagt die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Ob dich etwas stresst oder nicht, ist eine Sache der inneren Einstellungen!

– sagen die Selbsthilfe-Gurus.

Theoretisch können beide Aussagen gleichzeitig wahr sein – gegenseitig ausschließen tun sie sich jedenfalls nicht.

Wären beide Aussagen wahr, würde das bedeuten, dass es enorme Defizite bei der Stressprävention gibt. Außerdem mangelt es überall an Stresskompetenz, der Fähigkeit, mit Druck umzugehen.

Genau, wie die Aufforderung Konzentriere dich mal! in den meisten Fällen nicht zu mehr Konzentration führt, bewirkt auch die Aufforderung Lasse dich nicht stressen! nur selten eine Abnahme des empfundenen Stresses.

Wie sich Stress tatsächlich abbauen und vermeiden lässt (Stressprävention) klären wir in diesem Artikel.

Bevor wir jedoch verstehen können, wie smarte Stressprävention funktioniert, müssen wir uns zunächst einmal die Frage stellen, was Stress überhaupt ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Stress?

Im alltäglichen Sprachgebrauch meint der Ausdruck Stress meist die äußeren Faktoren, die uns stressen – zum Beispiel den Termindruck oder die Überforderung.

Tatsächlich meint Stress jedoch nicht die äußeren Faktoren, sondern die Reaktion des Körpers.

Stress ist die, durch bestimmte äußere Reize ausgelöste, Reaktion des Körpers

Stress soll bewirken, dass die physische Leistungsfähigkeit kurzfristig erhöht wird, damit eine bevorstehende Herausforderung (besser) gemeistert werden kann. So der Plan der Natur.

Der Begriff Stress wurde erst 1914 von dem Physiologen Walter Cannon eingeführt.

Der Arzt und Biochemiker Hans Selye entwickelte den Stressbegriff 1936 weiter.

Um Verwirrungen zu vermeiden, werde ich im Folgen den Begriff Stressreaktion verwenden, wenn die Reaktion des Körpers gemeint ist, und den Begriff Stressor, wenn der Stressauslöser gemeint ist.

Die Stressreaktion ist von der Natur gewollt

Wenn wir mit einem Stressor in Kontakt kommen, wird automatisch eine Stressreaktion ausgelöst.

Im Rahmen dieser Stressreaktion kommt es im Körper zu einer Vielzahl von Anpassungsprozessen, die von Nervenimpulsen und Hormonen eingeleitet und reguliert werden.

Der Mechanismus der Stressreaktion ist komplex

Zunächst wird der Stressor von den Sinnesorganen (Augen, Ohren, Nase, usw.) erfasst und die Daten werden zur Interpretation an verschiedene Regionen im Gehirn weitergeleitet:

  • Großhirn (Rationale Erfassung und Bewertung des Stressors)
  • Limbisches System (Emotionale Erfassung und Bewertung des Stressors)
  • Hypothalamus (Steuert die Reaktion des vegetativen Nervensystems)

Der Hypothalamus aktiviert den Sympathikus (auch Stressnerv genannt) und hemmt den Parasympathikus.

Sinn des Ganzen ist, dem Bewegungsapparat möglichst viele Energieressourcen zur Verfügung stellen zu können, um die Erfolgswahrscheinlichkeit der bevorstehenden Auseinandersetzung zu maximieren.

Die Muskeln erhalten vorübergehend mehr Energie, und die Organe werden auf Sparflamme betrieben

Stressprävention - Adrenalin - das bekannteste StresshormonDer aktivierte Sympathikus löst die Ausschüttung verschiedener Hormone aus, allen voran die beiden Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. (das Bild zeigt die Strukturformel von Adrenalin)

Daneben gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Hormone, die im Rahmen der Stressreaktion eine Rolle spielen (zum Beispiel das Cortisol) und die zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in unterschiedlicher Dosierung ausgeschüttet werden.

Je nach Situation werden verschiedene Arten von Stressreaktionen unterschieden.

Kampf, Flucht, Erstarren und Tend-and-befriend

Fight or flight (Kampf oder Flucht) dürfte den allermeisten Menschen ein Begriff sein.

Neben Kampf und Flucht gibt es noch zwei weitere, weniger bekannte Stressreaktion:

  • Erstarren (sich tot stellen, um vom Feind übersehen zu werden)
  • Tend-and-befriend (den Nachwuchs schützen und dem Feind bzw. anderen Betroffenen Freundschaft anbieten)

Zum Verständnis: Wann ist welche Stressreaktion sinnvoll?

Ist der Feind im Kampf voraussichtlich besiegbar? Wenn ja, dann Kampf!

Falls der Feind nicht besiegbar ist, ist eine Flucht erfolgversprechend? Wenn ja, dann Flucht!

Sind weder Kampf, noch Flucht erfolgversprechend? Wenn ja, dann Erstarren oder Tend-and-befriend!

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Man entscheidet sich nicht bewusst für eine dieser Stressreaktionen – die entsprechende Stressreaktion wird automatisch ausgelöst.

Frauen entscheiden sich im Vergleich zu Männern übrigens etwas öfters für Tend-and-befriend. In der heutigen Zeit ist Tend-and-befriend vermutlich meist die angebrachteste dieser vier Stressreaktionen.

Neuere Forschungsergebnisse legen nahe, dass es keine vier einheitlichen Stressreaktion gibt

Es gibt vielmehr viele unterschiedliche Arten von Stressreaktionen, die über jeweils andere Mechanismen ablaufen – je nachdem welcher Stressor und welche Emotionen im Spiel sind.

Kurz, es scheint komplizierter zu sein, als man früher glaubte.

Generell müssen zwei verschiedene Arten von Stressreaktionen voneinander unterschieden werden:

  • Reaktionen auf akute Gefahrensituationen (zum Beispiel Raubtiere)
  • Reaktionen auf andauernde Belastungen (zum Beispiel eine Hitzewelle)

Die zahlreichen physischen und psychischen Anpassungen, die im Rahmen der Stressreaktion stattfinden, können sich in Form von Stresssymptomen bemerkbar machen.

Stresssymptome

Jeder Mensch erlebt Stress anders, weil Menschen unterschiedliche Schwachstellen haben, an denen der Stress (zuerst) bemerkbar wird.

Stress kann sich körperlich und geistig/seelisch bemerkbar machen.

Beispiele für körperliche Stresssymptome

  • Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen
  • Appetitlosigkeit oder Heißhunger
  • Magenschmerzen, Sodbrennen, Magengeschwüre
  • Durchfall, Verstopfung, Blähungen
  • Schlafstörungen, Einschlafprobleme
  • Essstörungen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Abwehrschwäche
  • Ruhelosigkeit, Rastlosigkeit, Nervosität
  • Chronische Müdigkeit, Antriebslosigkeit

Beispiele für geistige Stresssymptome

  • Nicht mehr Abschalten können, sich unruhig fühlen
  • Sich fremdbestimmt, überfordert, hilflos fühlen
  • Schlecht gelaunt, gereizt, aggressiv sein
  • Unzufrieden, deprimiert und lustlos sein
  • Ärger und Wut über sich selbst und die nachlassende Belastungs- und Leistungsfähigkeit
  • Albträume, Angststörungen
  • Konzentrationsstörungen, Denkblockaden, Vergesslichkeit

Wenn der Stressor vorschwindet, verschwinden (meist) auch die Stresssymptome.

Die 3 Stressphasen

Langfristig können 3 Phasen des Stresses unterschieden werden, die der Reihe nach durchlaufen werden.

  1. Die Alarmphase
  2. Die Widerstands– oder Resistenzphase: Der Körper gewöhnt sich langsam an den Stress und wird aber gleichzeitig empfindlicher gegenüber anderen Stressauslösern.
  3. Die Erschöpfungsphase: Der Körper kann den Widerstand durch die erhöhte Hormonausschüttung nicht mehr aufrechterhalten. Es kommt zur Erschöpfung.

Die Anpassungen an Dauerstress können auch die Fortpflanzung betreffen

Stress macht Frauen vorübergehend unfruchtbar. (Quelle)

Auch Männer sind von der vorübergehenden Unfruchtbarkeit betroffen. (Quelle)

Stress beeinträchtigt die sexuelle Lust.

Wie bereits gesagt, handelt es sich um Anpassungen, die von der Natur gewollt sind, und die früher einmal sehr viel Sinn gemacht haben.

 

Positiver Stress (Eustress) und negativer Stress (Distress)

Hans Selye traf eine Unterscheidung zwischen Distress und Eustress. Distress wird als negativ empfunden und Eustress als positiv.

Zusätzlich zu den Stresshormonen werden bei Eustress auch Glückshormone ausgeschüttet

Stressprävention - Distress und EustressDurch die Glückshormone wird die Stressreaktion zu einem subjektiv angenehmen Erlebnis.

Auch das Verhältnis der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin ist bei Eustress zu mehr Noradrenalin hin verschoben, und im Gegensatz zum Distress kommt es nicht zu einer Verengung der Blutgefäße in den Eingeweiden.

Ob ein bestimmtes Erlebnis als Distress oder Eustress empfunden wird, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Eine Achterbahnfahrt, wie auf dem Foto, ist für einige Menschen mit Eustress und für andere Menschen mit Distress verbunden.

Von den folgenden Faktoren hängt ab, ob eine bestimmte Situation bei einem bestimmten Menschen Distress oder Eustress auslöst:

  • Der Bewertung der Situation (später mehr dazu)
  • Freiwilligkeit
  • Ob wir glauben, die Situation bewältigen zu können
  • Dauer der Stresssituation

Eine komplette Stressfreiheit ist übrigens nicht wünschenswert, weil wir an positivem und leichtem negativem Stress wachsen.

Wer niemals Stress ausgesetzt ist, entwickelt sich nicht weiter.

Stress aus evolutionärer Sicht

Als unsere Vorfahren als Jäger und Sammler durch Steppen und Wälder zogen, war die Stressreaktion eine gute Antwort auf die meisten akuten Gefahren: Raubtiere und feindliche Menschengruppen, die auf eine körperliche Auseinandersetzung aus waren.

In den meisten Situationen, in denen der moderne Mensch in Stress gerät, ist die Stressreaktion bestenfalls unangebracht. Im schlimmsten Falle wird die Situation durch die Stressreaktion noch sehr viel schlimmer.

Das Problem sind insbesondere die psychischen Anpassungen, die mit einer Stressreaktion einhergehen

Unter Stress ist unsere Denkfähigkeit massiv gestört – das vorausschauende Planen ist unter Stress so gut wie unmöglich.

Unter Stress denken wir kurzfristig und unkreativ, und gerade dadurch wird oft ein schnelles Entkommen aus der unerwünschten Situation verhindert.

Ein weiteres Problem ist die automatische Fokussierung auf den Stressor

Unter Stress konzentrieren wir uns automatisch auf das Problem und nicht auf dessen Lösung.

Wie schädlich ist Stress für die Gesundheit?

Stress ist keine Krankheit, sondern eine natürlich Anpassung unseres Körpers an einen Stressor.

Auch die Symptome, unter denen wir im Zuge einer Stressreaktion gegebenenfalls leiden, sind entsprechend nicht krankhaft.

Dass Stresssymptome nicht krankhaft sind, bedeutet aber nicht, dass der Stress auf Dauer keinen gesundheitlichen Schaden anrichten kann.

Hier einige gesundheitlichen Probleme, die nachweislich mit andauerndem Stress in Verbindung stehen:

  • Insulinresistenz, die letztlich zu Diabetes führen kann
  • Vermehrt auftretende Schübe bei Multipler Sklerose
  • Erhöhtes Risiko für Prostata- und Blutkrebs
  • Erhöhtes Risiko für Alzheimer
  • Erhöhte Sterblichkeit bei kardiovaskulären Erkrankungen

Weil die Zuckeraufnahme unter Stress gestört ist (Stress unterdrückt die Insulinausschüttung), kann es unter Dauerstress langfristig zu Übergewicht und Fettleibigkeit kommen.

Ob Stress gesundheitsschädlich ist, hängt (auch) von unserer Einstellung zum Stress ab

In diesem Video erklärt die Psychologin Kelly McGonigal, warum Stress die Sterblichkeit nur dann erhöht, wenn man den Stress selbst als negativ bewertet.

Somit ist nicht der Stress tödlich, sondern der Glaube daran, dass Stress tödlich ist

Ebenfalls interessant: Wer sich um andere Menschen kümmert, wird resistent gegen Stress.

Schauen wir uns im Folgenden noch einmal genauer an, wie Stress ausgelöst wird.

Wie Stress ausgelöst wird – die Bewertung eines Stressors

Die Stressreaktion wird ausgelöst, wenn es zu einem Ungleichgewicht zwischen den Anforderungen und unseren Fähigkeiten kommt.

Berücksichtigt werden insbesondere jene Anforderungen an, von denen unser Wohlergehen abhängt.

Wovon unser Wohlergehen abhängt, ist zu Teilen eine Frage der inneren Einstellung.

Primärbewertung und Sekundärbewertung des Stressors

In einem ersten Schritt (Primärbewertung) wird die entsprechende Situation automatisch im Hinblick auf das eigne Wohlergehen bewertet.

In einem zweiten Schritt (Sekundärbewertung) werden die eignen Ressourcen und Möglichkeiten, die Stresssituation zu bewältigen, bewertet. Dabei kann es zu einer Neubewertung kommen.

Ressourcen und neue Möglichkeiten können eine Stressreaktion somit verhindern.

Welche Stressoren gibt es überhaupt?

Stress wird von Stressoren ausgelöst, die bestimmten Kategorien zugeordnet werden können. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Kategorisierung. Zum Beispiel können physische und psychische Stressoren unterschieden werden.

Beispiele für psychische und physische Stressoren:

  • Psychische Stressoren: Zeitdruck, Reizüberflutung, kritische Lebensereignisse, etc.
  • Physische Stressoren: Lärm, Schlafmangel, Krankheiten, Kälte, Chemikalien, etc.

Auch soziale Stressoren spielen eine wichtige Rolle im Leben vieler Menschen

Anderen Menschen förmlich ausgeliefert zu sein, und nicht selbst über sich und das eigene Leben bestimmen zu können, ist stressauslösend.

Albert Einstein hatte recht, als er sagte:

Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Umgang mit Idioten

Einstein hatte noch mehr recht, wenn man berücksichtigt, dass man auch selbst ein Idiot sein kann 😉

Ob ein Stressor tatsächlich eine Stressreaktion auslöst, hängt von einigen Faktoren ab:

  • Persönlichkeitsmerkmale (Neurotizismus)
  • Intensität und Dauer (Häufigkeit) mit der der Stressor auftritt
  • Vorerfahrungen mit Stressoren und Stress
  • Strategien zur Bewältigung von Stress
  • Vorhandensein sozialer Unterstützung

Wer gelernt hat, mit Problemen und Stress umzugehen, und wer weiß, dass er bei der Problembewältigung auf sein soziales Umfeld zählen kann, gerät weniger leicht in Stress.

Ob eine bestimmte Situation Stress auslöst, hängt auch von den eigenen Erwartungen ab.

Stress und die eigene Erwartung

Von diesen Faktoren hängt insbesondere im Beruf ab, ob eine bestimmte Situation Stress auslöst:

  • Anforderungen an sich selbst (Ehrgeiz)
  • Bedürfnis nach Anerkennung (Angst vor Ablehnung)
  • Geringes Selbstwertgefühl
  • Geringes Durchsetzungsvermögen
  • Nicht „nein“ sagen können
  • Schlechtes Selbst- und Zeitmanagement
  • Mangel an Erholungspausen
  • Monotone Arbeit

Wichtig zu verstehen: Diese Faktoren sind keine Stressauslöser (Stressoren), aber von ihnen hängt ab, ob zwei der verbreitetsten Stressauslöser vorhanden sind:

  • Ein Mangel an Selbstbestimmung
  • Das Gefühl, dass einem die Situation über den Kopf wächst

Das Gefühl, die Situation kontrollieren zu können, mildert eine Stressreaktion ab.

Ist Stress eine Sache der inneren Einstellung?

Die innere Einstellung spielt beim Stress sicherlich eine Rolle, aber da beispelsweise auch Persönlichkeitsmerkmale eine Rolle spielen, kann die innere Einstellung nicht der einzige Faktor sein.

(Außerdem ist die innere Einstellung entgegen der Ansichten einiger Menschen nicht immer völlig frei wählbar.)

Auch bestimmte Ängste können an der Entstehung von Stressreaktionen beteiligt sein

Das ist logisch, wenn man sich vor Augen führt, dass wir Menschen unseren Ängsten ausweichen und uns dadurch manchmal selbst in stressauslösende Situationen bringen.

Die Angst vor Ablehnung, Konflikten und davor, Anderen weh zu tun

Wer Angst vor Ablehnung hat, neigt dazu, keine Forderungen zu stellen und keine Bedürfnisse zu äußern. So führt die Angst vor Ablehnung letztlich zu mehr Fremdbestimmung, was ein Stressauslöser ist.

Wer Angst hat, anderen Menschen weh zu tun, traut sich häufig nicht, Nein zu sagen, und schränkt dadurch seine Selbstbestimmung ein.

(Hier erfährst du, wie es dir in Zukunft besser gelingt, Nein zu sagen.)

Angst vor Fehlern und der Anspruch an sich selbst, perfekt zu sein

Perfektionismus ist extrem zeitrauben (hier erfährst du den Grund und einen möglichen Ausweg aus dem Perfektionismus) und kann damit leicht zu Überforderung führen. Überforderung ist ein Stressauslöser.

Stressabbau, Stressbewältigung und Stressprävention

Stress ist eine normale Reaktion und benötigt keine Therapie.

Wenn der Stress aber länger anhält oder häufiger auftritt, sollten Maßnahmen zur Stressbewältigung, zum Stressabbau und zur Stressprävention getroffen werden.

Stressabbau beginnt damit, die stresserzeugenden Situationen und Gedanken zu unterfragen. Warum gerate ich ausgerechnet hier in Stress?

Es kommen verschiedene Maßnahmen gegen Stress infrage. Man spricht vom Stress Coping (Deutsch: Bewältigung, Überwindung).

Problemorientiertes Stress Coping

Hier wird das Problem direkt angegangen. Man lernt und entwickelt Taktiken, um besser mit dem hinter dem Stress stehenden Problem umzugehen.

Wer zum Beispiel öfters in Stress gerät, weil er nicht Nein sagen kann, erlernt Taktiken, mit deren Hilfe er doch öfters mal Nein zu sagen.

Emotionsorientiertes Stress Coping

Hier soll das durch den Stressor ausgelöste Unbehagen reduziert werden, zum Beispiel durch geeignete Entspannungsübungen.

Stressabbau

Stress lässt sich durch Entspannung abbauen, wobei zwischen aktiver und passiver Entspannung unterschieden werden muss.

Beim Stressabbau werden die Stresshormone aktiv aus dem Blut entfernt.

Nur aktive Entspannung trägt zum Stressabbau bei

Durch passive Entspannung kann Stress nicht abgebaut werden.

Um diese Tatsache verstehen zu können, müssen wir uns in die Situation unserer steinzeitlichen Vorfahren hineindenken: Damals wurde die Stressreaktion meist durch eine akute Gefahr ausgelöst, die einen Kampf oder eine Flucht erforderlich machte.

DDie Stressreaktion musste so lange aufrechterhalten werden, bis der Kampf oder die Flucht beendet war. Erst dann machte es Sinn, die Stressreaktion zu beenden, um wieder in den Normalzustand  zu wechseln.

Ob ein Kampf oder eine Flucht stattgefunden hat, erkennt der Körper an einer Phase der körperlichen Anstrengung. Erst nach einer, auf die Stressreaktion folgenden, körperliche Anstrengung, erhält der Körper daher das Signal, die Stressreaktion zu beenden.

Sport ist die perfekte Methode um Stress abzubauen – Sport ist die Simulation eines Kampfes oder einer Flucht.

Weitere Möglichkeiten und Methoden zur Stressbewältigung

Menschen unter Stress wenden meist von selbst irgendeine Form der Stressbewältigung an, die jedoch nicht immer zielführend ist.

Hier einige verbreitete, aber nicht zielführende Arten der Stressbewältigung:

  • Ablenkung
  • Verleugnung
  • Flucht in Alkohol (oder andere Drogen)
  • Aufgeben
  • Fluchen
  • Selbstvorwürfe

Und hier einige zielführende Methoden der Stressbewältigung

  • Aktive Bewältigung
  • Aktivierung emotionaler Unterstützung
  • Aktivierung instrumenteller Unterstützung
  • Neubewertung des Stressors
  • Humor
  • Achtsamkeit
  • Akzeptieren
  • Positive und beruhigende Selbstgespräche
  • Die Einstellung gegenüber dem Stress ändern

Insbesondere bei Stress im Beruf können diese Maßnahmen zur Stressbewältigung helfen:

  • Lernen, selbstbestimmt, statt fremdbestimmt zu handeln
  • Nein sagen Lernen
  • Delegieren lernen
  • Wichtiges von Dringendem unterscheiden können

Was man aus alledem über Stressprävention lernen kann

Die automatische Stressreaktion unseres Organismus ist sehr gut angepasst – leider nicht an unsere Welt, sondern an eine Welt, die es heute nicht mehr gibt.

Viele der im Rahmen der Stressreaktion stattfindenden körperlichen und psychischen Anpassungen, die unseren Vorfahren noch dabei halfen, erfolgreicher mit den damals üblichen Stressoren fertig zu werden, machen uns das Leben heute eher schwerer, als es zu erleichtern.

Viele Menschen scheitern am regelmäßigen Stressabbau

Was das Leben vieler Menschen noch zusätzlich erschwert, ist die Tatsache, dass sie den einmal entstandenen Stress nicht zeitnah wieder loswerden, weil sie keine Maßnahmen zum Stressabbau in ihren Alltag integriert haben.

(In der Freizeit auf dem Sofa zu sitzen, ist keine aktive, sondern eine passive Form der Entspannung und daher nicht für den Stressabbau geeignet. Gleiches gilt auch für Urlaube, in denen man sich kaum bewegt.)

Zu einer effektiven Stressprävention gehört die regelmäßige körperliche Bewegung

Es muss nicht unbedingt gleich Sport sein. Schon ein gemütlicher Waldspaziergang (Japanisch: Shinrin-Yoku, Waldbaden) eignet sich nachweislich zum effektiven Abbau von Stresshormonen. (Quelle)

Ein großes Problem ist die kumulative Wirkung von Stress

Das Zusammenwirken vieler einzelner Stressoren, die für sich allein betrachtet unbedeutend sind, können großen Stress erzeugen – vor allem, wenn die Stressoren häufig auftreten, und wenn der Stress nicht regelmäßig abgebaut wird.

Zu diesen latenten Stressauslösern zählen beispielsweise einige Nahrungsmittel, Lärm, Verkehr, chronischer Schlafmangel und eine Reizüberflutung. (Hier habe ich mehr über diese Stressauslöser geschrieben.)

Zu einer effektiven Stressprävention gehört die Vermeidung der vielen kleinen Stressauslöser

Als ganz besonders wichtig, erscheint mir das Vermeiden des weiterbreiteten chronischen Schlafmangels zu sein.

Wie man den chronischen Schlafmangel relativ einfach bei seiner Ursache bekämpfen kann, erkläre ich in diesem Artikel über Einschlafprobleme.

Fremdbestimmung

Wer das Gefühl hat, nicht mehr selbst zu leben, sondern gelebt zu werden, leidet unter Fremdbestimmung.

Fremdbestimmung ergibt sich, wenn Parteien aufeinandertreffen, die unterschiedliche Interessen und unterschiedlich starke Mittel zur Durchsetzung dieser Interessen haben.

Zu einer effektiven Stressprävention gehört das regelmäßige Schärfen der eigenen Waffen

Es ist heute wichtiger denn je, sich ständig aus eigenem Antrieb heraus weiterzuentwickeln.

Andere Menschen, Politiker und Unternehmen werden immer versuchen, ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Wer dem nichts entgegenzustellen hat, wird überrannt werden.

Unrealistische Erwartungen an sich selbst und das eigene Leben

Auch über unsere teils unrealistischen Erwartungen an uns selbst und unser Leben, verursachen wir einen Teil unseres Stresses selbst.

Die (Sozialen) Medien tragen ihren Teil dazu bei, indem sie uns Referenz-Menschen und Referenz-Leben präsentieren, die es in der Realität gar nicht gibt, an denen wir uns aber automatisch messen, weil unser Unterbewusstsein den Betrug nicht erkennt.

Zu einer effektiven Stressprävention gehört eine Einschränkung der Mediennutzung

Sich selbst vor den Verursachern unrealistischer Erwartungen zu schützen, ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen den chronischen Stress.

Fokus vereint sämtliche Prinzipien der Stressprävention

Eine der meiner Meinung nach effektivsten Maßnahmen gegen den Stress ist Fokus – die Fokussierung der eigenen Ressourcen auf diejenigen persönlichen Ziele und Wünsche, die einem wirklich wichtig sind.

Wer mehr auf sich selbst und seine eigenen Ziele und wahren Wünsche fokussiert ist, lässt sich automatisch sehr viel weniger stressen, als jemand, der größtenteils nur auf alle möglichen Vorgaben von außen reagiert.

Fokussiere dich, mache dein Ding und lasse den Stress einfach hinter dir.

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