Warum ich keine Superhelden, aber Vollversager als Vorbilder habe

Vorbilder - Was wir von anderen lernen können

Yasemin von Lebensdurstig und Carla von mach ich morgen haben eine Blogparade zum Thema Vorbilder ins Leben gerufen. Dies ist mein Beitrag dazu.

Frühere Vorbilder

In meiner Teenagerzeit habe ich sehr viel Basketball gespielt und so waren natürlich einige NBA-Stars meine Vorbilder. Dies brachte ich dadurch zum Ausdruck, dass ich mir Trikots von NBA-Spielern kaufte und diese in der Schule über meiner Kleidung trug. Mein erstes Trikot war von Shawn Kemp, dem Power Forward der Seattle SuperSonics. Das war Mitte der 90er Jahre.

Als Student fand ich Alexander von Humboldt (1769 – 1859) ziemlich toll. Ich hätte ihn damals vielleicht nicht als mein Vorbild bezeichnet, aber ich war schon sehr neidisch auf sein Leben als Abendteurer und Entdecker, der in einer Welt leben durfte, in der man – wie ich damals meinte – noch viel mehr Dinge entdecken konnte als heutzutage.

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Anti-Vorbilder

Nach dem Studium hatte ich eine Weile lang keine Vorbilder mehr, dafür aber viele Anti-Vorbilder. Ich wusste damals vor allen Dingen wer ich nicht sein wollte.

Insbesondere strebsame Karrieretypen hatten eine abstoßende Wirkung auf mich. „Chiller“, die sich einfach nur treiben ließen, waren aber auch nicht nach meinem Geschmack. So unterschiedlich diese beiden Typen auf den ersten Blick auch sind – für mich teilten sie die Eigenschaft, nicht wirklich authentisch zu sein: Die Karriereaffen hielt ich für fremdbestimmt und die „Chiller“ redeten sich meiner Meinung nach ihre Schwächen schön.

Irgendwie schien damals niemand perfekt genug zu sein um für mich als Vorbild dienen zu können. Erst kürzlich konnte ich dieses Problem mit einem Trick lösen.

Aktuelle Vorbilder

Heute habe ich wieder Vorbilder, aber es handelt sich dabei nicht mehr um komplette Menschen. Meine aktuellen Vorbilder sind nur bestimmte Facetten einzelner Personen die ich in gewissen Situationen in Gedanken „um Rat frage“. Ich kenne die meisten dieser Menschen auch nicht persönlich, sondern leider nur aus den Medien.

Wahrscheinlich kommt das jetzt etwas einfallslos und unkreativ rüber, aber meine aktuellen Vorbilder sind bestimmte Eigenschaften von Menschen wie Arnold Schwarzenegger, Steve Jobs, Albert Einstein, Elon Musk, Warren Buffet, Charles Munger, Michael Jordan, Nassim Taleb, Reinhold Messner, Helmut Schmidt und auch Manfred Spitzer. Dass sich in dieser Liste fünf Milliardäre befinden ist reiner Zufall. Milliardäre sind nicht automatisch Vorbilder für mich.

Was ich an einigen meiner Vorbilder besonders schätze ist, dass sie die von der Allgemeinheit akzeptierten Regeln in Frage gestellt und Grenzen überwunden haben, um Dinge zu tun, die sie für notwendig hielten. Ich mag einfach Leute, die für ihre Sache mit dem Kopf durch Wände gehen. Vielleicht hat das in meinem Fall damit zu tun, dass ich diese Eigenschaft bei mir selbst nicht so sehr sehe.

Wie gesagt sind nicht die kompletten Personen meine Vorbilder. Ich heiße es nicht gut, dass die Menschen in chinesischen Fabriken unter unmenschlichen Bedingungen die Produkte von Apple produzieren und ich bin auch kein Fan davon, dass Warren Buffet die Leute dazu verführt, Softdrinks zu trinken (ihm gehört ein Teil von Coca-Cola und „zu Werbezwecken“ trinkt er eben selbst manchmal in der Öffentlichkeit Cola). Diese Facetten meiner Vorbilder sind nicht meine Vorbilder.

Welche Funktion meine Vorbilder für mich erfüllen

Für mich haben Vorbilder einen ganz bestimmten Sinn: Im Gegensatz zu Tieren handelt der Mensch ja nicht nur auf Grundlage seiner Instinkte. Menschen haben die Fähigkeit, über die Zukunft nachzudenken und ihr Handeln zu planen (einige Menschen machen auch tatsächlich von dieser Option Gebrauch). Im Rahmen dieser Tätigkeit simulieren wir in Gedanken die Zukunft und unser Bauchgefühl sagt uns, was wir vom jeweiligen Scenario halten. So kommen wir zu unseren Entscheidungen.

Um mit ausreichender Genauigkeit arbeiten zu könne, muss unsere „Simulations-Software“ mit historischen Daten, aka Erfahrungen gefüttert werden. In vielen Fällen fehlen uns aber eigene Erfahrungen und so greifen wir auf die Erfahrungen unserer Vorbilder zurück und fragen uns „wie würde mein Vorbild in dieser Situation handeln?“ – ob das universell ist weiß ich natürlich nicht, aber ich mache das oft genau auf diese Art: In meinem Hirn läuft eine Schwarzenegger-Simulations-App und eine Steve Jobs-Simulations-App und je nach Situation entscheide ich mich für eine dieser vielen Apps.

Dies ist übrigens auch der Grund, warum all meine Vorbilder reale Menschen sind. Es gibt natürlich auch fiktive Personen, die ich ziemlich cool finde, aber wenn ich mich in einer Problemsituation fragen würde „was würde Riddick jetzt tun“, dann würde mich das Ergebnis wohl eher in Schwierigkeiten bringen.

Was kann man also von Vorbildern lernen?

Ich denke, dass Vorbilder vor allem die Funktion haben, einem dabei zu helfen, sich der Idealvorstellung des eigenen Ich anzunähern. Vorbilder sind unsere Trainer und Coaches und sie erfüllen diesen Zweck weil sie unsere Aufmerksamkeit auf die Dinge lenken, die unserer Aufmerksamkeit bedürfen.

Während ich das hier schreibe, wird mir klar, dass auch meine Anti-Vorbilder diese Funktion für mich erfüllt haben. Sie haben mir zwar nicht gesagt, was ich zu tun habe, aber sie haben meine Aufmerksamkeit auf die diejenigen Verhaltensweisen gelenkt, die meine Aufmerksamkeit erforderten: Dinge, die ich auf keinen Fall tun wollte.

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ÜberJan

Mein Name ist Jan Höpker (Jahrgang 1980). Ich habe Chemie studiert und im Bereich Biochemie promoviert. Ich helfe meinen Lesern dabei, mehr aus ihrem Leben zu machen, indem ich sie mit relevanten Konzepten und Ideen aus den wichtigsten Sachbüchern der letzten 100 Jahre versorge. Klicke oben im Menu auf "über mich" um mehr über mich und meine Vision zu erfahren.

4 Antworten auf Warum ich keine Superhelden, aber Vollversager als Vorbilder habe

  1. Yasemin sagt:

    Hey Jan,

    Danke für deine Teilnahme an der Blogparade. Ich muss Dunja zustimmen, das mit dem „App”-Vergleich ist super 😀 Ich mach das ähnlich. Allerdings orientier ich mich da eher an einer Übung die heißt „seine Verbündeten sammeln”, so wie bei den Indianern ein Kriegs-Beirat 🙂
    Dass du für das Anti-Vorbild ebenfalls einen kreativen eigenen Begriff gefunden hast, spricht nur für dich. Albert Einstein nennt es einfach „abschreckendes Vorbild“.

    Aber wie so oft im Leben, sagt das, was wir in anderen Menschen sehen, ob nun positiv oder negativ, mehr über uns selbst aus, als über die anderen. Zumindest aus der Innensicht. Es hilt nur herauszufinden, was es bedeutet bzw. welche Bedeutung wir darin sehen.

    Lieben Gruß,
    Yasemin.

    • Jan sagt:

      Hallo Yasemin,

      ich danke dir für das Ausrichten dieser Blogparade. Von selbst wäre ich eher nicht auf die Idee gekommen, über dieses Thema zu schreiben.

      Ich habe gerade übrigens auch deinen Artikel gelesen, in dem du diese Übung beschreibst (Link). Deine Methode gefällt mir sehr gut.

      Viele Grüße,
      Jan

  2. Hallo Jan,

    ich habe deinen Beitrag bei der Blogparade entdeckt und den Lesern meines simplify-Bloggs weiterempfohlen. Deine „Apps“, die du bei Bedarf abrufst, finde ich klasse! Das hilft sehr weiter, denke ich – sofern man solche (Teil-)Vorbilder hat!

    Hier der Link: http://www.simplify.de/die-themen/ganz-einfach-dunja/einzelansicht/article/sterben-vorbilder-aus/

    Liebe Grüße
    Dunja

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