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Dr. Jan Höpker

Aktualisiert am 15. August 2021


10.000 Stunden Regel K Anders Ericsson Road to Excellence

Im 21. Jahrhundert bekommen die Eliten aller Disziplinen nicht mehr nur das größte Stück vom Kuchen; sie erhalten den gesamten Kuchen. Und diejenigen, die unten die übrig gebliebenen Krümel aufsammeln, fragen sich: Wie komme ich an die Spitze dieser Pyramide? Seit 2008 gehört die 10.000-Stunden-Regel zu den häufigsten Antworten:

»Übe 10.000 Stunden und du wirst garantiert zu einem Meister, Experten oder Champion. Du schaffst es nach ganz oben, wenn du nur ausreichend übst.«

Diese Behauptung ist offensichtlich naiv und wird deswegen völlig zu Recht scharf kritisiert. Doch leider schießt die meiste Kritik über das Ziel hinaus und trifft außerdem den Falschen. Es wäre dumm, all die wertvollen Erkenntnisse über den Weg nach oben an die Spitze der Pyramide vom Tisch zu wischen, nur weil ein Journalist eine naïve Faustformel verbreitet hat.

Woher stammt die 10.000-Stunden-Regel?

Die 10.000-Stunden-Regel tauchte erstmals 2008 in Malcom Gladwells Bestseller Überflieger auf. Häufig wird aber nicht Gladwell, sondern der schwedische Psychologe K Anders Ericsson angegriffen, auf dessen Arbeiten Gladwells Stundenregel beruht. Ericsson selbst hat sich von Gladwells vereinfachter Darstellung distanziert:

»[Die 10.000-Stunden-Regel ist eine] popularisierte, aber vereinfachte Sicht auf unsere Arbeit, die suggeriert, dass jeder, der eine ausreichende Anzahl von Stunden Praxis in einer bestimmten Disziplin gesammelt hat, automatisch zu einem Experten oder Champion wird.«

Tatsächlich gibt die 10.000-Stunden-Regel Ericssons Forschungsergebnisse nicht nur stark vereinfacht wieder, sondern widerspricht ihr sogar in einem entscheidenden Punkt: Gladwell suggeriert, dass es auf die Anzahl der Übungsstunden ankäme, also auf die Quantität. Zu Ericssons wichtigsten Erkenntnissen gehörte aber, dass die Qualität der Übung das Entscheidende ist.

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Kritik an der 10.000-Stunden-Regel

Die 10.000-Stunden-Regel ist insofern wahr, als dass Übung eine zwingend notwendige Voraussetzung für alles ist. Es gibt keinen Meister, Experten oder Champion, der nicht intensiv geübt, gelernt oder trainiert hat. Das trifft auch auf vermeintliche Naturtalente wie Wolfgang Amadeus Mozart zu, der aktuellen Schätzungen zufolge im Alter von nur sechs Jahren bereits 3.500 Stunden Musiktraining hinter sich hatte (Quelle).

Wie viel sind 10.000 Stunden?

Rein technisch betrachtet sind 10.000 Stunden 417 Tage. Wenn wir davon ausgehen, dass auch der ambitionierteste Mensch pro Tag maximal vier Stunden intensiv üben kann, und auch mal krank ist oder Urlaub macht, entsprechen 10.000 Stunden rund zehn Jahren.

Falsch ist, dass jeder Mensch ein Meistern, Experte oder Champion werden kann, und dass dieses Ziel nach der immer gleichen Anzahl von Trainingsstunden erreicht ist. Letzteres stimmt nicht einmal annähernd. Fernand Gobet und Guillermo Campitelli haben die Fortschritte von 104 argentinischer Schachspieler verfolgt und dabei festgestellt, dass die langsamsten Spieler 8‑mal so viele Stunden brauchten, um das Meister-Niveau zu erreichen, wie die schnellsten Spieler (Quelle).

Jeder Mensch kann sich in jeder Disziplin verbessern, aber manchmal reicht das nicht, weil die Fortschritte so langsam kommen, dass das Lebensende näher ist, als die Meisterschaft – so hart das auch klingen mag. In einer anderen Disziplin, die mehr ihren Begabungen entspricht, könnten diese Menschen natürlich trotzdem sehr erfolgreich werden.

An dieser Tatsache können auch schöne Geschichten, wie zum Beispiel die des Ungarn László Polgár, wenig ändern. Der ausgebildete Pädagoge war davon überzeugt, dass Kinder sehr schnell lernen können, wenn man sie systematisch fördert. Um diese Hypothese zu beweisen, brachte er seinen drei Töchtern Zsuzsa, Zsófia und Judith das Schachspielen bei. Alle drei wurden extrem erfolgreich. Die jüngste Tochter Judith Polgár gilt sogar als spielstärkste Frau aller Zeiten. Diese Geschichte ging vor allem deswegen um die Welt, weil es nicht die Regel, sondern ein Einzelfall ist.

Nicht alle Experimente enden mit einem Erfolg. 2010 ging der Fotograf Dan McLaughlin all-in: Er kündigte seinen Job, um 10.000 Stunden das Golf Spielen zu üben. Auf seinem Blog The Dan Plan konnte man seine Fortschritte verfolgen. Nach etwa 5.000 Stunden gehörte er mit einem Handicap von 2,6 zu den besten 6 % aller Golfspieler. Noch besser wurde er nicht. Nach 6.003 Stunden gab McLaughlin auf.

Deliberate Practice (anstatt 10.000 Stunden)

Schon 1993 hatte der schwedische Psychologe K Anders Ericsson zusammen mit Rolf Krampe und Clemens Tesch-Römer an der Berliner Musikakademie Violinisten untersucht. Die besten unter ihnen hatten im Alter von etwa 20 Jahren bereits rund 10.000 Übungsstunden hinter sich. Sie waren sehr gut, aber noch weit davon entfernt herausragend zu sein. Später haben Ericsson und seine Kollegen auch andere Disziplinen unter die Lupe genommen, darunter Schachspieler, Golfer, Eiskunstläufer, Ärzte und Künstler. Ihre wichtigste Erkenntnis lautet: Die Resultate hängen ganz entscheidend davon ab, wie geübt wird. Nur eine ganz bestimmte Art zu üben kann zur Meisterschaft führen: Deliberate Practice.

Was ist Deliberate Practice?

Auf Deutsch übersetzt bedeutet Deliberate Practice bewusstes oder gezieltes Üben. Im Kern geht es darum, nicht einfach nach Lust und Laune zu üben, sondern ganz gezielt nach Schwächen zu suchen, um diese mit speziellen Übungen auszumerzen. In den meisten Disziplinen braucht man einen Coach, Trainer oder Mentor, der auf die Schwachstellen hinweist – man selbst ist dafür blind.

Deliberate Practice ist extrem anstrengend, weshalb man nach spätestens vier Stunden erschöpft ist und bis zum nächsten Tag pausieren muss. Wer von seiner Disziplin nicht extrem motiviert ist und außerdem jemanden hat, der ihm den Rücken freihält, hält das keine zehn Jahre lang durch.

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Warum muss man überhaupt üben?

Für diese Frage scheint sich Ericsson nicht sonderlich interessiert zu haben, denn in seinem Buch (siehe unten) steht lediglich, dass »vermutlich irgendetwas im Gehirn passieren muss«. Genaueres kann man von Daniel Coyle erfahren. In seinem Buch The Talent Code* wird erklärt, dass häufig genutzte Nervenbahnen im Gehirn nach und nach mit dem fettreichen Protein Myelin ummantelt werden, wodurch deren Übertragungsgeschwindigkeit (drastisch) erhöht wird. Da es so viele Nervenbahnen gibt und weil diese mehrfach aktiviert werden müssen, bevor sie vollständig myelinisiert sind, muss so lange geübt bzw. trainiert werden.

Buchempfehlung

Die Forschungsergebnisse von K Anders Ericsson gibt es auch als Buch: The Road to Excellence*. Es ist kein Ratgeber oder Sachbuch, sondern eine Sammlung wissenschaftlicher Aufsätze mit vielen Tabellen und Grafiken. Zwar ist das 370-seitige Taschenbuch mit 55 Euro nicht gerade billig, aber im Vergleich zu Büchern wie Malcom Gladwells Überflieger ist der Informationsgehalt enorm. Für jeden, der sich für das Thema interessiert, ist das Geld gut investiert.

Ist Deliberate Practice ein Erfolgsgarant?

Auch Deliberate Practice führt nicht zwangsläufig zur Meisterschaft. In einer Metastudie haben Brooke Macnamara und Kollegen von der Princeton University untersucht, welchen Anteil Deliberate Practice am Erfolg der besten der besten aus verschiedenen Disziplinen hat. Das Ergebnis:

  • Spiele (z. B. Schach): 26 %
  • Musizieren: 21 %
  • Sport: 18 %
  • Bildung: 4 %
  • Beruf: weniger als 1 %

Expertentum ist nicht absolut, sondern relativ, d. h. wir betrachten Menschen als Experten, wenn sie mehr wissen und/oder können als die meisten anderen Menschen. Folglich ist es sehr viel einfacher, in einer Disziplin herauszuragen, für die sich kaum jemand interessiert, als in einer Disziplin, in der sich viele Mitbewerber tummeln. Kein Wunder, dass Deliberate Practice im Beruf nur zu etwa 1 % für den individuellen Erfolg verantwortlich ist.

P. S.: Der Weg zur Meisterschaft ist lang. Die vielleicht wichtigste Grundvoraussetzung, um am Ball zu bleiben, ist Fokus und Konzentration. Um es kurz zu machen: Lies mein Buch Erfolg durch Fokus & Konzentration, um dein Ziel sicher zu erreichen. Für Lesemuffel gibt es auch eine Hörbuch-Version.

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Dr. Jan Höpker ist Wissenschaftler, Autor und Gründer der Websites HabitGym und Der perfekte Ratgeber. Mit seinem Buch Erfolg durch Fokus & Konzentration hat er bis heute mehr als 20.000 Leser erreicht und ihnen dabei geholfen, fokussierter zu leben, zu lernen und zu arbeiten.

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  • Hallo Jan!

    HabitGym ist wirklich eine tolle Website mit vielen spannenden und aufschlussreichen Artikeln – herzlichen Glückwunsch!
    Zur 10.000 Stunden Regel ist mir die Aussage des Neurowissenschaftlers Gerald Hüther eingefallen. Er meint, wir sind nur erfolgreich, wenn wir etwas mit Freude tun, begeistert sind oder einen Sinn darin finden. Sein Beispiel: Auch mit 80 Jahren kann man noch Chinesisch lernen – wenn man sich in eine junge Chinesin verliebt und mit ihr nach China ziehen möchte. Eine weitere Erklärung habe ich bei »Quarks und Co« auf der Seite des WDR gefunden »Wie wir lernen« – eine ziemlich gute und verständliche Zusammenfassung über die Funktion unseres Gehirns.
    Kurzes Fazit: Beim Lernen belohnt sich das Gehirn für jeden Erfolg durch die Ausschüttung von Dopamin, was wiederum als eine Art Verstärker wirkt. Wenn uns das Üben keinen Spaß macht oder wir keinen Sinn darin sehen, ist der Erfolg auch keine Belohnung und die Dopamin-Ausschüttung bleibt aus. So könnte ich es mir erklären. Aber auch die Neurowissenschaften stecken ja noch in den Kinderschuhen, in ein paar Jahren weiß man vielleicht mehr.

    Danke für die Anregungen!
    Gerda

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