5‑HTP (5‑Hydroxytryptophan)

Geschrieben am 11. Mai 2020 von Dr. Jan Höpker.

5‑Hydroxytryptophan (5‑HTP) hat im mensch­li­chen Orga­nismus keine Funktion, sondern es ist ein Zwischen­pro­dukt der mehr­stu­figen Biosyn­these von Serotonin aus der Amino­säure L‑Tryptophan. Damit hängt auch die Synthese des Schlaf­hor­mons Melatonin indirekt von 5‑HTP ab, da der Körper dieses aus Serotonin herstellt.

5‑HTP kommt natür­li­cher­weise in verschie­denen Bana­nen­sorten vor. Ein Teil des über die Nahrung oder NEM aufge­nom­menen 5‑HTP wird in der Leber in Serotonin umge­wan­delt. Zu einem Teil über­windet das 5‑HTP auch die Blut-Hirn-Schranke und wird von den sero­tonergen Nerven­zellen des Gehirns zum Neuro­trans­mitter Serotonin weiter­ver­ar­beitet.

Serotonin hat einen starken Einfluss auf unsere Stimmung. Es vermin­dert Angst und Kummer und gibt uns ein Gefühl der inneren Ruhe und Zufrie­den­heit, weshalb auch die medi­ka­men­töse Therapie von Depres­sionen übli­cher­weise am Sero­ton­in­system ansetzt. (Etwas verein­facht gespro­chen erhöhen soge­nannte Sero­to­nin­wie­der­auf­nah­me­hemmer, wie zum Beispiel Fluoxetin, den Sero­to­nin­level im Gehirn.)

Lässt sich der Sero­to­nin­level und damit die Stimmung durch die Supple­men­tie­rung von 5‑HTP steigern? Dieser Gedanke ist nahe­lie­gend und ein entspre­chender Effekt konnte im Rahmen einer Studie aus dem Jahr 2011 zumindest an Ratten nach­ge­wiesen werden. Dieje­nigen Tiere, die ein Extrakt der Samen der Afri­ka­ni­schen Schwarz­bohne (diese sind reich an 5‑HTP) erhalten hatten, zeigten eine Stunde später ein weniger ängst­li­ches Verhalten (Quelle).

Human­stu­dien lassen darauf schließen, dass die anti­de­pres­sive Wirkung von 5‑HTP die von Placebos über­steigt. Aufgrund der mangel­haften Qualität der Studien steht ein abschlie­ßendes Urteil weiterhin aus (Quelle). Gesund­heits­be­zo­gene Aussagen zu 5‑HTP sind derzeit nicht zuge­lassen.

Über die Lang­zeit­wir­kung der Einnahme von 5‑HTP ist jedoch nichts bekannt.

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