Blinder Aktio­nismus – eine der größten Plagen der Mensch­heit

blinder Aktionismus

In meiner Schulzeit habe ich meinen Lehrern oft genau dann nicht so genau zugehört, wenn sie gerade die Aufgaben erklärt haben. Ich hatte also oft keine Ahnung was ich tun soll bezie­hungs­weise was von mir erwartet wird.

Was ich in dieser Situation getan habe? Ich habe ein Ablen­kungs­ma­növer gestartet: Anstatt meine Unwis­sen­heit zuzugeben, habe ich meist einfach irgend­etwas gemacht, nur um beschäf­tigt zu wirken. Das war ganz schön anstren­gend, aber es hat mir einiges an Ärger erspart – zumindest glaubte ich das damals.

Kommt dir dieses Verhalten viel­leicht bekannt vor?

Viele Menschen leiden unter diesem »Action Bias«, dem Drang zum blinden Aktio­nismus. Lieber irgend­etwas tun, als anderen zu zeigen, dass man keinen Plan hat.

Unser System fördert blinden Aktio­nismus

In einer Welt, in der man sich für seine Unter­las­sungen recht­fer­tigen muss, haben es blinde Aktio­nisten grund­sätz­lich einfacher. Wer das Falsche getan hat, kommt oft leichter davon, als jemand, der gar nichts getan hat. Dass Nichtstun trotz allem die beste Option war, über­steigt die Intel­li­genz der Menschen, die darüber ihre Urteile fällen. Am lautesten schreien sowieso immer dieje­nigen, die am wenigsten verstehen.

Auch nicht-blinder Aktio­nismus wird gefördert

Es kommt leider vor, dass Menschen dazu gezwungen sind, aus Gründen des Selbst­schutzes, subop­timal zu handeln. Das betrifft beispiels­weise Ärzte, die bei bestimmten Krank­heiten zwar wissen, dass gar keine Behand­lung die beste Behand­lung wäre, die dann aber doch eine Behand­lung anordnen, nur um sich selbst rechtlich abzu­si­chern. Mehr über dieses traurige und zugleich spannende Thema kann man in dem Buch Risiko (*) von Professor Gerd Gige­renzer nachlesen.

Blinde Aktio­nisten sind gefähr­lich

Menschen können dumm oder intel­li­gent sein. Außerdem können sie faul oder fleißig sein (natürlich gibt es in Wahrheit auch Grau­stufen).

Kombi­niert man beide Eigen­schaften, erhält man vier Sorten Menschen:

  1. dumm und faul
  2. dumm und fleißig
  3. intel­li­gent und faul
  4. intel­li­gent und fleißig

Die wahr­schein­lich gefähr­lichsten Menschen sind dumm und fleißig zugleich. Sie handeln nur des Handelns wegen und folgen ihren Impulsen, ohne eine Vorstel­lung davon zu haben, was sie da überhaupt tun. Hinter diesem Verhalten steckt in den meisten Fällen keine Boshaf­tig­keit. Es hat vielmehr damit zu tun, wie der Mensch funk­tio­niert. Die nied­rigste Stufe des Wissens ist die soge­nannte “unbe­wusste Inkom­pe­tenz”.

Diese Menschen wissen einfach nicht, dass sie keine Ahnung haben. Vermut­lich hat jeder Mensch solche blinden Flecken und sollte lieber nicht zu offen­sicht­lich mit dem Finger auf andere zeigen. Und genau deswegen ist es ratsam, blinden Aktio­nismus bei sich selbst abzu­stellen, auch wenn man glaubt, dass nur die anderen davon betroffen sind.

Auch wichtig: Was man nicht tut

Im Idealfall sollte man niemals etwas tun, nur um beschäf­tigt zu wirken. Außerdem sollte man das Nichtstun immer als Option in Betracht ziehen. Mehr über dieses spannende Thema lässt ich in dem Buch Die Stein-Strategie (*) – Von der Kunst nicht zu handeln von Holm Friebe nachlesen.

Produktiv sein ist weit mehr, als nur beschäf­tigt sein.

Wenn man erfolg­reiche Menschen verstehen möchte, muss man nicht nur  heraus­finden, was sie tun, sondern auch, was sie nicht tun.

Was tun gegen blinden Aktio­nismus?

Ich glaube, dass blinder Aktio­nismus eine Art Notlüge ist, die wir in Situa­tionen vorbringen, in denen wir nicht zugeben können, keine Ahnung zu haben, weil wir negative Konse­quenzen fürchten müssen.

Blinden Aktio­nismus bei anderen redu­zieren

Wer das Ausmaß an blindem Aktio­nismus bei anderen redu­zieren möchte, muss eine Atmo­sphäre schaffen, in der andere Menschen unge­straft zugeben können, dass sie nicht wissen, was sie tun sollen.

Mehr über diese Idee im folgenden Video:

Eigenen blinden Aktio­nismus redu­zieren

Wer selbst weniger blinden Aktio­nismus an den Tag legen möchte, sollte sich mit seinen eigenen persön­li­chen Zielen ausein­an­der­setzen. Dazu empfehle ich meinen ausführ­li­chen Artikel: Wie man persön­liche Ziele im Leben findet und erreicht.

Ich wünsche dir viel Erfolg!
Jan Höpker

Dr. Jan Höpker - Foto Autorenbox

Über Dr. Jan Höpker

Eines Tages wachte ich auf und stellte fest, dass ich über viele spannende Themen nicht nur nichts wusste, sondern nicht einmal wusste, dass ich nichts über sie wusste (trotz Studium und Promotion). Seitdem lese ich viele schlaue Bücher und mache mir Gedanken, die ich auf dieser Webseite veröf­fent­liche.

Meine Artikel gehen in die Tiefe, weil ich für Ober­fläch­lich­keit keine Zeit habe. Warum die Seite HabitGym heißt? Weil es nicht darum geht, Dinge nur zu wissen, sondern Wissen auch anzu­wenden, was einiger Übung bedarf. Auch Geld ist nur ein Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger. Zurzeit arbeite ich übrigens an meiner zweiten Million – die erste Million hat leider nicht geklappt ;)

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