Bullshit: Warum ihm immer mehr Menschen auf den Leim gehen (und was dagegen hilft)

Kürzlich habe ich ein gutes Buch gelesen: Schluss mit dem Bullshit! (*) – Auf der Suche nach dem verlo­renen Verstand. Das Buch ist unter­haltsam geschrieben. Es behandelt aber ein durchaus ernstes Thema, denn wir alle haben unter dem Bullshit zu leiden. Was genau Bullshit ist und wie man ihn erkennt, behandelt dieser Artikel.

Bullshit

Das folgende Zitat von Jaron Lanier bringt das Problem gut auf den Punkt:

»Ich denke wir werden in abseh­barer Zukunft nicht unter einzelnen macht­ver­ses­senen Böse­wichten leider, sondern unter der diffusen Plage der Inkom­pe­tenz.«

Im ersten Teil dieses Artikels geht es darum, was Bullshit ist und wie man ihn erkennt. Weiter unten versuche ich dann zu erklären, warum so viele Menschen an Bullshit glauben.

Was bedeutet Bullshit?

Die meisten Menschen benutzen das Wort Bullshit, ohne es genau defi­nieren zu können.

Was ihnen nicht gefällt oder was sie nicht verstehen, ist Bullshit.

Bevor ich das Buch gelesen hatte, war es bei mir selbst auch nicht anders.

Wahrheit – Bullshit – Lüge

Am einfachsten lässt such Bullshit verstehen, wenn man sich dessen Beziehung zur Lüge anschaut.

Eine Lüge ist so etwas wie das Gegenteil der Wahrheit

Der Lügner kennt die Wahrheit und versucht gezielt sie zu vertu­schen. Folglich kann man nicht lügen, ohne die Wahrheit zu kennen.

Bullshit ist eine Form von Inkom­pe­tenz

Im Gegensatz zur Lüge, hat Bullshit gar nicht die Absicht, die Wahrheit aktiv zu vertu­schen.

Wer Bullshit verzapft oder an Bullshit glaubt, kennt oder versteht die Wahrheit oft gar nicht. Bullshit ist eine Form von Inkom­pe­tenz.

Bullshit in Extrem­form: Verschwö­rungs­theo­rien

Wer extremen Bullshit in freier Wildbahn beob­achten möchte, guckt sich am besten Verschwö­rungs­theo­rien an.

Eine der belieb­testen Verschwö­rungs­theo­rien behauptet, dass die Mond­lan­dung der Ameri­kaner niemals statt­ge­funden hat.

Anstatt seinen kleinen großen Schritt auf den Erdtra­banten zu setzen, hüpfte Neil Armstrong in einem Film­studio umher.

Der Film wurde schließ­lich in Zeitlupe abge­spielt, um den weltweit rund 600 Millionen Zuschauer der Eindruck zu vermit­teln, dass es sich tatsäch­lich um den Mond handelte.

Bullshit erkennen

Dass es sich bei der Theorie der gefakten Mond­lan­dung um Bullshit handelt, ist leicht zu erkennen.

Bullshit ist nicht immer so leicht zu enttarnen.

An diesen Merkmalen lässt sich Bullshit erkennen: Unwi­der­leg­bar­keit undVor­ein­ge­nom­men­heit.

(1) Bullshit ist unwi­der­legbar

Der entschei­dende Unter­schied zwischen einer brauch­baren Theorie und Bullshit ist, dass Bullshit unwi­der­legbar ist.

Seriöse Theorien müssen wider­legbar sein

Streng genommen lässt sich die Rich­tig­keit einer wissen­schaft­li­chen Theorie niemals eindeutig beweisen. Man kann eine wissen­schaft­liche Theorie aber sehr wohl eindeutig wider­legen.

Alles, was wir glauben, glauben wir nicht etwa, weil es bewiesen wurde, sondern nur, weil es trotz großer Anstren­gung bisher nicht widerlegt werden konnte.

Eine wissen­schaft­liche Theorie sollte grund­sätz­lich so aufgebaut sein, dass sie wider­legbar ist.

Ein guter Wissen­schaftler sollte sich selbst darum bemühen, seine eigene Theorie zu wider­legen

Für Laien ist die Sache mit der Unwi­der­leg­bar­keit schwer zu verstehen, und genau diese Schwach­stelle wird von Bull­shit­tern ausge­nutzt, um ihre Theorien unters Volk zu bringen.

Die Unwi­der­leg­bar­keit von Bullshit wird künstlich erzeugt

Die Unwi­der­leg­bar­keit von Bullshit entsteht dadurch, dass die entspre­chende Theorie, wenn sie einmal nicht zutrifft, einfach nach­träg­lich erweitert wird, so dass sie wieder passt.

  • Was eine Verschwö­rungs­theorie wider­legen könnte, wird einfach zum Teil der Verschwö­rung gemacht (Täuschungs­ma­növer)
  • Wenn eine bestimmte Wunder­heil­me­thode nicht funk­tio­niert, wird dem Patienten unter­stellt die Heilung nicht zuge­lassen oder blockiert zu haben

(2) Bull­shitter sind vorein­ge­nommen

Seriöse Wissen­schaftler wenden eine bestimmte Methodik an, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Die wissen­schaft­liche Methode beinhaltet Hypo­thesen, Expe­ri­mente, Beob­ach­tungen und (statis­ti­sche) Auswer­tungen.

Hypo­thesen, die sich als falsch heraus­stellen, werde verworfen.

Der Bull­shitter ist nicht daran inter­es­siert, wissen­schaft­lich korrekt vorzu­gehen

Er behauptet einfach, dass irgend­etwas wahr ist.

Er bemüht sich nicht darum, die Wahrheit ans Licht zu bringen, denn er will, dass seine Theorie richtig ist, und er setzt alles daran, dass das auch so bleibt.

Da Bullshit-Theorien meist nicht wider­legbar sind, hat ein Bull­shitter wenig zu befürchten.

Warum glauben so viele Menschen an Bullshit?

Verein­facht gespro­chen, gibt es für jeden Sach­ver­halt eine einzige objektive Wahrheit.

Die Wahrheit ist, wie sie ist. Ob sie uns gefällt, oder nicht, spielt keine Rolle. Man kann nichts an der Wahrheit ändern.

Für den Bullshit gilt das nicht.

Theo­re­tisch kann jeder Sach­ver­halt mit zig verschie­denen Bullshit Theorien erklärt werden

Ange­nehmem Bullshit und unan­ge­nehmem Bullshit.

Intui­tivem Bullshit und nicht intui­tivem Bullshit.

Schwer verständ­li­chem und leicht verständ­li­chem Bullshit.

Aufgrund der vielen Möglich­keiten kann Bullshit so maßge­schnei­dert werden, dass er den Menschen gefällt

Wenn ein Menschen nicht dazu in der Lage ist, zu beur­teilen, was wahr ist, dann wird dieser Mensch eine Theorie wählen, die ihm am besten in den Kram passt.

Bullshit hat die besten Chancen, diese Wahl zu gewinnen, denn im Gegensatz zur objek­tiven Wahrheit, lässt sich Bullshit so gestalten, dass er besonders gerne geglaubt wird.

Immer mehr Menschen glauben an Bullshit

Wie man sich gegen Bullshit immu­ni­siert

Niemand ist immun gegen Bullshit. Einige Menschen sind anfäl­liger als andere, aber kein Mensch ist zu 100 Prozent immun.

Bin ich gefährdet?

Der erste Schritt besteht darin, sich die Mecha­nismen bewusst zu machen, die dazu führen, dass wir dem Bullshit auf den Leim gehen.

Zum Beispiel wäre da die immense Flut an Infor­ma­tionen, die wir – teilweise nur beiläufig – aufschnappen. Je mehr Infor­ma­tionen wir an uns heran­lassen, umso nach­läs­siger und ober­fläch­li­cher sind wir notge­drungen bei der Prüfung dieser Infor­ma­tionen.

Je besser einem eine bestimmte Theorie gefällt, umso kriti­scher sollte man sie  prüfen

Menschen neigen dazu, vor allem dieje­nigen Infor­ma­tionen für wahr zu halten, die ihnen gut in den Kram passen.

Unvor­teil­hafte Infor­ma­tionen, beispiels­weise solche, die uns schlecht dastehen lassen, werden lieber ignoriert. Beide Prozesse finden teilweise unter­be­wusst statt.

Sich gezielt mit Gegen­ar­gu­menten befassen

Bei besonders wichtigen Themen, sollte man sich grund­sätz­lich auch mit der Gegen­seite vertraut machen.

Da die Anhänger von Bullshit-Theorien oft ziemlich militant gegen Kritik vorgehen, verzichte ich an dieser Stelle darauf, konkreten Bullshit zu benennen. In dem Buch Schluss mit dem Bullshit (*) gibt es zahl­reiche konkrete Beispiele.

Ich wünsche dir viel Erfolg!
Jan Höpker

Dr. Jan Höpker - Foto Autorenbox

Über Dr. Jan Höpker

Eines Tages wachte ich auf und stellte fest, dass ich über viele spannende Themen nicht nur nichts wusste, sondern nicht einmal wusste, dass ich nichts über sie wusste (trotz Studium und Promotion). Seitdem lese ich viele schlaue Bücher und mache mir Gedanken, die ich auf dieser Webseite veröf­fent­liche.

Meine Artikel gehen in die Tiefe, weil ich für Ober­fläch­lich­keit keine Zeit habe. Warum die Seite HabitGym heißt? Weil es nicht darum geht, Dinge nur zu wissen, sondern Wissen auch anzu­wenden, was einiger Übung bedarf. Auch Geld ist nur ein Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger. Zurzeit arbeite ich übrigens an meiner zweiten Million – die erste Million hat leider nicht geklappt ;)

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P.S.: Mitt­ler­weile bin ich selbst Autor mehrerer Bücher (siehe hier).

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