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Dr. Jan Höpker

Aktualisiert am 21. August 2021


Jungen Menschen, die nicht wissen, was sie mir ihrem Leben anfangen sollen, wird häufig geraten, ihrer Passion zu folgen. Auf den ersten Blick, macht es durchaus Sinn, die Passion als Leuchtfeuer zu betrachten. Doch bei näherem Hinsehen gibt es einen besseren Weg. Von ihm handelt dieser Artikel.

Folge deiner Passion

Was soll ich mit meinem Leben anstellen?

Genau diese Frage hat sich auch Benjamin Todd gestellt. Nach seinem Studium hatte er keine Ahnung, welchen Karriereweg er einschlagen sollte.

Es gab nichts, was ihm bei seiner Entscheidung half

Also gründete Todd eine Organisation, die erforscht, nach welchen Kriterien man bei der Karriereplanung vorgehen sollte (80.000 hours).

80.000 hours konnte eine weitverbreitete Vorstellung widerlegen.

Warum Folge »deiner Passion!« kein guter Ratschlag ist, erklärt Todd in seinem TED-Talk:

(Unter dem Video findest du meine deutsche Zusammenfassung des Vortrags.)

Benjamin Todd hatte viele Interessen, zum Beispiel Kampfsport. Diese Passion wollte er aber nicht in eine Karriere verwandeln.

Er hatte Philosophie studiert, aber auch das kam nicht als Karriere für ihn in Frage.

Auch für Börsengeschäfte hatte er sich interessiert. In dieser Branche hätte er bestimmt viel Geld verdienen können, aber er fürchtete, dass dies der Gesellschaft nicht helfen, und ihn somit nicht befriedigen würde.

Todd kannte keine Methode, nach der er bei der Karriereentscheidung hätte vorgehen können.

Auch Bücher haben ihm nicht geholfen.

80.000 hours

Schließlich hat Todd eine Organisation gegründet, um Methoden zu erarbeiten, die Menschen in Karrierefragen helfen.

Die Organisation heißt 80.000 hours – die ungefähre Anzahl an Stunden, die man in einem Leben mit Arbeit verbringt.

Was 80.000 hours herausgefunden hat

Nach einer 3‑jährigen Zusammenarbeit mit der University of Oxford hatte 80.000 hours diese Erkenntnisse gewonnen:

  • Früher haben die jungen Menschen einfach die Berufe ihrer Eltern übernommen
  • In den 1980er Jahren stand das Geldverdienen im Vordergrund
  • Heute wird jungen Menschen der Ratschlag gegeben, ihrer Passion zu folgen
  • Bisher gibt es kaum seriöse Forschung zu Karrierefragen

Die heute übliche Karriereberatung geht von falschen Annahme aus

Anstatt uns zu fragen, was unsere Passion ist, sollten wir uns lieber fragen, was wir für andere Menschen tun können. Was können wir dazu beitragen, dass die Welt zu einem besseren Ort wird?

Bisher wurde (fälschlicherweise?) dieses Vorgehen empfohlen

  1. Identifiziere dein größtes Interesse
  2. Finde eine Karriere, bei der dieses Interesse befriedigt wird
  3. Verfolge diese Karriere, egal was passiert

Einen erfüllenden Karriereweg einzuschlagen, sei nur eine Frage davon, den Mut zu haben, der eigenen Passion zu folgen.

Die Übereinstimmung zwischen Aufgaben und Interesse führe zum Erfolg, und Erfolg führe zu einer erfüllenden Karriere.

Der Passion folgen? Die Daten sagen etwas anderes

Die meisten Menschen haben eine Passion für Sport, Kunst oder Musik. In diesen Bereichen gibt es aber gar nicht so viele Jobs.

Wenn nur 10 % der Menschen ihrer Passion folgen würden, würden sehr viele Menschen scheitern.

Erfolg stellt sich nicht zwangsläufig ein

Die Voraussetzung für Erfolg ist, dass man seine Arbeit bedeutsam findet. Ohne Bedeutsamkeit wird die Karriere nicht erfüllend sein.

Selbst passionierte Verkäufer, die sehr gut darin sind, zu verkaufen, erleiden häufig einen Burnout und sterben früher als nötig.

Interessen sind wichtig, aber das Interesse sollte nicht der entscheidende Faktor sein

Andere Faktoren sind wichtiger: unsere Fähigkeiten und unser Mindset.

Unser Interesse an bestimmten Themen ändert sich viel zu schnell, als dass es Sinn machen würde, eine Karriere auf Interessen aufzubauen.

Wie sollte man seine Karriere planen?

In einem Satz:

Tue etwas, das wertvoll ist!

Konzentriere dich auf etwas, worin du gut bist, und womit du der Welt wirklich helfen kannst. Das ist das Geheimnis einer erfüllenden Karriere.

Auch die Forschungsergebnisse von Martin Seligman, dem Begründer der positiven Psychologie bestätigen dies:

Anderen Menschen zu helfen, erfüllt auch die helfende Person

Diese Faktoren sind wichtig:

  1. Hart arbeiten, um auf einem Gebiet wirklich gut zu werden
  2. Sinn (die Welt zu einem besseren Ort machen)

Altruist können leichter erfolgreich sein

Erfolg hängt fast immer auch von anderen Menschen ab, und andere werden einen Altruisten eher unterstützen als einen Egoisten, der nur für sein eigenes Wohl arbeitet.

Folge deiner Passion betrachtet das Problem von der falschen Seite aus

Wer sich von seiner Passion leiten lässt, tut, was ihn jetzt begeistert, und hofft, dass diese Begeisterung anhält.

Wenn man aber nicht der Passion folgt, sondern tut, was wertvoll und wichtig ist, wird sich mit der Zeit eine neue Passion entwickeln, und man wird eine erfüllende Karriere haben.

Wie findet man eine bedeutsame Aufgabe?

Eine als sinnvoll und bedeutsam empfundene Aufgabe lässt sich in drei Schritten finden:

#1 Viele verschiedene Dinge ausprobieren

Hierfür muss man nach draußen in die Welt. Mit Nachdenken allein kommt man nicht weiter.

#2 Fähigkeiten erlangen, die in dem ausgewählten Bereich gefragt sind

Programmieren zum Beispiel. Hier darf die aktuelle Passion ins Spiel kommen.

#3 Das drückendste soziale Problem ausfindig machen und angehen

Suche nicht nach einem Problem, das wichtig ist, sondern nach einem Problem, das bisher ignoriert wurde. Dort wirst du am meisten ausrichten können.

Wende deine Fähigkeiten an, um dieses Problem zu lösen.

Man muss nicht persönlich als Arzt nach Afrika reisen, um den Menschen dort zu helfen. Es geht darum, herauszufinden, wo man mit den eigenen Fähigkeiten am meisten ausrichten kann.

Die Probleme in Afrika können auch von hier aus gelöst werden: zum Beispiel durch Forschung und Entwicklung. Sogar durch Kunst.

Was möchte ich auf dem Sterbebett lieber sagen?

A: Ich habe es geschafft, viele Autos ein großes Haus und eine Jacht zu haben

B: Ich habe mir den Arsch abgearbeitet, und es war nicht immer einfach. Aber durch meine Arbeit habe ich den Tod von Hunderten Kindern verhindert, die sonst an Malaria gestorben wären.

Altruismus wird man nie bereuen!

Wir müssen damit aufhören, nur an unseren eigenen Interessen zu arbeiten.

Fazit

Der Ansatz von Benjamin Todd scheint in sich stimmig zu sein. Dass seine Schlussfolgerung auf mehrjähriger Forschungsarbeit basiert, spricht ebenfalls für ihn.

Vermutlich wird der Folge-deiner-Passion-Ansatz dennoch populär bleiben, denn er ist der bequemere der beiden Ansätze.

Dr. Jan Höpker ist Wissenschaftler, Autor und Gründer der Websites HabitGym und Der perfekte Ratgeber. Mit seinem Buch Erfolg durch Fokus & Konzentration hat er bis heute mehr als 20.000 Leser erreicht und ihnen dabei geholfen, fokussierter zu leben, zu lernen und zu arbeiten.

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  • Der Passion folgen? Die Daten sagen etwas anderes
    Die meisten Menschen haben eine Passion für Sport, Kunst oder Musik. In diesen Bereichen gibt es aber gar nicht so viele Jobs.

    Wenn nur 10 % der Menschen ihrer Passion folgen würden, würden sehr viele Menschen scheitern.

    Den letzten Satz verstehe ich nicht, kann mir da Jemand helfen? Wie kommt der Autor auf die 10%?

    • Die 10% sind eine zufällig gewählte Zahl, die der Gründer von 80.000-hours in dem Video nutzt, um seinen Punkt zu verdeutlichen. Im Grunde sagt er: »Wenn sehr viel mehr Menschen versuchen würden, professioneller Schauspieler, Fussball-Profi oder professioneller Musiker zu werden, würden viele davon scheitern, weil der Markt für diese Berufe nicht groß genug ist.« Er hätte auch 8% oder 15% sagen können.

  • Hallo,

    das Thema Karriere ist eine wirklich sehr komplizierte Sache. Ein Allgemeinrezept für jeden von uns wird es nicht geben. Jene die kaum Geld zum Überleben haben, wird die Passion und auch das Wohl der anderen Menschen eher unwichtig sein. Sie wollen den ganzen Monat etwas zum Essen auf den Tisch. 

    Bei der ganzen Geschichte, muss man sich auch immer wieder fragen, ob und wie man mit einem Job Geld verdienen kann. Ein Beruf kann und sollte zwar Spaß machen. Ich habe früher gerne Fußball gespielt hätte aber kaum Geld damit verdienen können. Das heißt ich kann zwar schon nach einer Aufgabe suchen, die mir Spaß macht und anderen hilft, aber ich muss auch Geld verdienen. Das ist oft auch mit jenen Dingen möglich die anderen helfen, aber nicht immer. Schau dir dazu die Helfer der Freiwilligen Feuerwehren an. Diese verdienen nichts damit und dennoch hilft es vielen Menschen und ist meist sinnerfüllend.

    Wie bereits geschrieben ist das Thema Karriere eine wirklich sehr umfangreiche und individuelle Sache. Was für die eine Person das Richtige ist, kann für eine andere Person falsch sein. Als Karriereberater schauen wir daher immer erstmal die Gesamtsituation einer Person an und dann kann man einen Weg angehen.

    Eine weitere Frage die sich mir stellt ist, was ist eine Arbeit die anderen, vielleicht sogar der ganzen Menschheit, hilft? Gestern habe ich mir dazu passend eine Doku angeschaut wie Großbauern in Rumänien und Co., reihenweise Ackerland aufkaufen und den ansässigen Farmern damit die Existenzgrundlage nehmen. Die Firmenlenker dieser Organisation sind der Meinung, dass sie damit nichts Schlechtes machen, sondern Arbeitsplätze schaffen und dem Land allgemein zu Wohlstand verhelfen. Nun frage ich mich wer hat hier Recht? Man sieht, dass es nicht ganz so leicht ist, einen Beruf zu finden der Menschen hilft, weil jeder von uns ein anderes Verständnis davon hat.
    Mein Rat dazu ist, dass man sich jene Punkte aufschreiben sollte, die einem bei der eigenen Karriere wichtig sind. Dann bringt man diese in eine Reihenfolge nach Wichtigkeit und konzentriert sich dann bei der Zielsetzung und Strategie darauf die wichtigsten Faktoren davon umzusetzen. Es sollte auch klar sein, dass es kaum den Job gibt, der alle Punkte die wir uns vorstellen abdeckt. Wir sehen das eindrucksvoll bei Menschen die nach dem perfekten Partner suchen. Ebenso wenig wie es den perfekten Partner gibt, gibt es auch die perfekte Karriere. Wir müssen uns dieser so gut es geht annähern. Jeder von uns ist dabei anders und legt andere Prioritäten. Wenn es dann ein Job ist, der anderen Menschen einen Wert bietet, dass ist das noch besser. Aber im Endeffekt macht das sowieso jeder Beruf. Mit einem Beruf der für andere Menschen keinen oder nur einen sehr geringen Wert bietet, kann heute kaum mehr jemand Geld verdienen, oder?

    So, das waren jetzt viele Gedankengänge und ich hoffe ihr könnt euch denken, was ich damit meine.

    Viele Grüße
    Josef Altmann

    • Danke für diesen interessanten Beitrag. Dass Menschen unterschiedlich sind, und, dass man daher keine Regeln aufstellen kann, die für alle Menschen gleichermaßen gelten, unterschreibe ich.

      Viele Grüße, Jan

  • Richtig- das Problem beginnt bei vielen Passionen. Am liebsten helfe ich anderen, am allerliebsten gratis. Habe heute zufällig daran gedacht, eine Platform für gratis Unterstützung und Hilfe jeder Art zu gründen. Karma Yoga.

    • Hallo Rosi,

      Danke für den Kommentar. Gratis zu helfen ist wohl am ehrlichsten und dürfte auch so aufgefasst werden.

      Wie stellst du dir diese Plattform denn vor? Hilfst und unterstützt du da selbst oder soll es eine Plattform für andere Menschen sein, die helfen und unterstützen möchten. Es gibt da ja schon dieser Frage-Portale wie zum GuteFrage​.net und dergleichen.

      Viele Grüße und viel Erfolg,
      Jan

  • Der Artikel ist schlecht, sorry. Wo sind die Quellen??? 

    Darüber hinaus hat diese Organisation 80.000 Hours keine formale Qualifikation, um sozialwissenschaftliche Daten zu erhoben. Der Gründer hat ausschließlich Philosophen und Naturwissenschaftler rekrutiert. Die kein Grundlagenwissen haben, um entsprechende Daten zu erheben. Eigentlich benötigt es dafür Soziologen und Psychologen.

    Dann noch zwei Zitate aus dem Text:

    »Die meisten Menschen haben eine Passion für Sport, Kunst oder Musik. In diesen Bereichen gibt es aber gar nicht so viele Jobs. Wenn nur 10% der Menschen ihrer Passion folgen würden, würden sehr viele Leute scheitern.«

    Wo ist dein Beleg dafür, dass tatsächlich so viele Personen dies angeben? Ferner: Wenn diese Bereiche mehr gefragt wären, würden auch mehr neue Stellen entstehen.

    »Selbst passionierte Verkäufer, denen das Verkaufen liegt, haben ein hohes Burnout-Risiko und ein hohes Risiko früher als nötig zu sterben.«

    Wie kommst du auf das Wort »selbst«? Personen in der freien Wirtschaft arbeiten, haben generell ein hohes Risiko an einem Burnout zu erkranken. Das hat eher was damit zu tun, dass es in bestimmten Bereichen einen starken Druck gibt, erfolgreich zu sein. Damit hat sich schon der Soziologe Durkheim beschäftigt. 

    80.000 Hours sollte lieber mal über alternative Lebenskonzepte nachdenken. Ich dachte, Marx gehört zur Standardlektüre von Philosophen. Er hat gesagt, dass die Arbeit nicht zum Zweck des Lebens werden darf. Es sollte nur eine Ergänzung sein. Daher liegen auch 4‑Tage Wochen im Trend und darüber sollte man sich mehr Gedanken machen, nicht über die Arbeit selbst.

    • Hallo Hans,

      Danke für deinen Kommentar. Schade, dass dir der Artikel nicht gefällt. Mir gefällt dein Ton nicht. Das gilt auch für deinen Kommentar unter meinem Artikel über Kohlenhydrate, den du vor ein paar Tagen unter einem anderen Namen abgegehen hast. Der Doktortitel ist wahrscheinlich auch nicht echt. Deswegen habe ich jetzt keine Lust mehr mit dir zu diskutieren. Schade. 

      Viele Grüße und noch einen schönen Tag,
      Jan

      P.S. Die Quelle ist das Video. Die Quellen der Quelle kenne ich nicht.

  • Hallo Jan,

    da kann ich einiges unterschreiben. 

    Ich glaube nicht an die EINE Berufung im Leben eines Menschen sondern an sein kreatives Potential, welches ihn grundsätzlich dazu befähigt, viele verschiedene Berufs- und Lebenskonzepte und oft auch eine Kombination aus ihnen erfolgreich leben zu können. Kreative Vitalität bedeutet für mich, den vollen Zugang zu seinem kreativen Potential zu haben und es jederzeit in allen Bereichen des Lebens für sich und andere gewinnbringend nutzen zu können.
    Bei manchen Menschen ist dieser Zugang im Laufe vieler Jahre und als Ergebnis negativer, manchmal auch traumatischer Erfahrungen verschüttet worden. So folgen viele Erwachsene heute einem (Lebens-)Weg, der weder ihr eigener ist noch einer, den sie überhaupt mögen – geschweigen denn lieben. Und nicht wenige fragen sich – wenn sie sich überhaupt noch hinterfragen – wie zur Hölle das passieren konnte und wann sie eigentlich falsch abgebogen sind oder „abgebogen wurden“.

    Die postulierte Werteorientierung ist allerdings auch nicht so wirklich neu, oder? Allerdings in meinen Augen nicht zwingend erfolgreicher als Leidenschaft, wenn sie jeder zum ausschlaggebenden Kriterium bei der Berufswahl machen würde.
    Nicht jeder hat das Glück, das eine oder andere oder eine Kombination aus Wertschöpfung und Leidenschaft auch wirklich beruflich umsetzen zu können. 

    Ich rate viel öfter dazu, die Koppelung von Beruf und Lebenszufriedenheit zu lockern! Den Gedanken aufzugeben, dass einem ein Job Lebenszufriedenheit, Selbstverwirklichung, Wertschöpfung etc. geben können muss. Das ist eine immense Erwartungshaltung, die in der Realität allzu oft enttäuscht werden muss. Es gibt einfach unzählige »Brot- und Butter-Jobs«. Das ist ein Fakt.
    Was aber ja nicht bedeutet, dass damit das Leben in der grauen Öde enden muss. Möglichkeiten, sich (kreativ) zu entfalten, sein Leben sinnstiftend zu gestalten gibt es unzählige neben der Arbeit! Dafür müssen wir m.E. viel mehr den Blick öffnen und alte Glaubenssätze über Bord werfen. Von seiner Leidenschaft oder Wertschöpfung kann nicht jeder leben. Aber es ist möglich, sich mit einem anderen Job die finanzielle Freiheit zu (ver)schaffen, dennoch dem Leben seiner Träume zu folgen. 

    VG, Christina

    • Hallo Christina,

      Vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar. 

      Ob die Welt noch funktionieren würde, wenn sich alle Menschen bei der Berufswahl an ihren Werten orientieren würden? Ich denke schon. Werte sind doch viel flexibler als Leidenschaften. Derjenige, dessen wichtigster Wert »Ehrlichkeit« ist, kann diesen in ganz unterschiedlichen Bereichen verwirklichen, wohingegen jemand, dessen Leidenschaft zum Beispiel »Musik« ist, da schon eingeschränkter ist. Werte dürften auch über längere Zeiträume stabiler sein als Leidenschaften.
      Allerdings hatte ich den Vortrag gar nicht so verstanden, dass sich die Menschen primär an Werten orientieren sollten. Der Redner schlägt vor, sich an Fähigkeiten zu orientieren, um dann an sozialen Problemen zu arbeiten, die bisher wenig Beachtung erhalten haben. Natürlich spielen Werte dort auch eine Rolle. All diese Faktoren hängen ja wechselseitig voneinander ab.

      Natürlich kann man auch bei dem Kriterium »Fähigkeiten« wieder die Frage stellen, ob die Welt noch funktionieren würde, wenn das jeder täte. Ich denke, dass diese Fragen in der Praxis ziemlich irrelevant ist. Es werden sich sowieso niemals auch nur annähernd alle Menschen an einen bestimmten Ratschlag halten.

      Was »die Brot-und-Butter-Jobs« angeht: Durch den technischen Fortschritt werden immer mehr dieser Jobs nach und nach automatisiert, d.h. von Maschinen erledigt werden. Auch das ist ein Fakt. Anstelle dieser Jobs gibt es immer mehr nicht-Brot-und-Butter-Jobs. Natürlich vollzieht sich dieser Wandel nicht von heute auf morgen, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg. Aber die jungen Menschen, die heute vor der Berufswahl stehen, haben einen ziemlich langen Zeitraum vor sich.

      Dem letzten Abschnitt deines Kommentars kann ich nur zustimmen: Wer glaubt, dass es möglich ist im Job ununterbrochen Glück, Erfüllung und Leidenschaft zu erleben, wird wohl zwangsläufig enttäuscht werden. Ein erfüllendes Leben besteht aus Höhen UND Tiefen. 

      Viele Grüße,
      Jan

  • Hallo Jan,

    sehr gute Anregungen in diesem Artikel!

    Die Inhalte decken sich auch gut mit meinem Verständnis von Leidenschaften:
    Die Idee, dass man irgendwann morgens aufwacht und plötzlich seine Leidenschaft kennt, halte ich für ziemlichen Bullshit. 

    Meiner Meinung nach entwickeln sich Leidenschaften mit der Zeit. Als ich vor fast einem Jahr mit dem Schreiben angefangen habe, hatte ich zwar Interesse und Spaß daran, aber mehr erstmal nicht. Mittlerweile ist das Schreiben einer meiner absoluten Lieblingstätigkeiten und zu einer Leidenschaft herangewachsen. 

    Also sollte der Ratschlag eher heißen
    »Finde etwas, das dir Spaß macht und wovon andere Menschen profitieren. Dann werde noch besser in der Tätigkeit und entwickle deine Leidenschaft darin. Als letzten Schritt finde eine Möglichkeit, wie du langfristig davon leben kannst.«

    Nur das lässt sich leider nicht so gut vermarkten wie »Folge deiner Leidenschaft und alles wird gut«.

    Liebe Grüße
    Jason

    • Hey Jason,

      Das mit dem »Vermarkten« stimmt natürlich. Wenn die Auf­merksam­keits­spannen so kurz sind, dass eine Botschaft nicht mehr als fünf Wörter verträgt, dann setzten sich derartige Ratschlänge natürlich durch. Hinzu kommt noch, dass es eine Sache ist, die viele Menschen gerne hören wollen.

      Viele Grüße,
      Jan

      PS: Man merkt übrigens, dass dir das Schreiben großen Spaß macht.

  • Hallo Jan,

    in der Tat ist »Folge deiner Leidenschaft« nur sehr eindimensional. Es fehlen noch Können und Wert. Nur im Sweet Spot dieser 3 Kreise (Was bereitet mir Freude? Was kann ich gut? Was bringt anderen Menschen einen Nutzen?) läßt sich dauerhaft auch ein Business aufbauen und betreiben.

    Um das zu Finden bedarf es öfters mehrerer Versuche. 

    Viele Grüße,
    David

    • Hallo David,

      Stimmt! Alle drei Faktoren spielen eine Rolle. Dazu kommt noch, dass sich diese Faktoren mit der Zeit ändern und, dass sie wechselseitig voneinander abhängen.

      Meist du denn, man braucht auch dann mehrere Versuche, wenn sich diese drei Faktoren in Einklang befinden? Oder ist ein Scheitern in den meisten Fällen darauf zurückzuführen, dass diese Faktoren gerade nicht harmoniert haben? 

      Viele Grüße,
      Jan

  • Ein sehr interessanter Artikel mit einer neuen Sichtweise. Warum mich die Forschungsergebnisse überraschen, verstehe ich gerade auch nicht :) Ist eigentlich ganz stimmig und einfach, wenn man darüber nachdenkt. Eigene Fähigkeiten – was man kann, macht man gerne – mit Altruismus zu verbinden, klingt nach einer guten Möglichkeit, einen guten und erfolgreichen Karriereweg zu finden.

    • Hallo Maria,

      Danke für den Kommentar. Mir geht es genauso.

      Irgendwie hatte mich der Ratschlag »Folge deiner Leidenschaft« schon immer gestört. Was genau mich daran störte, wusste ich aber nicht. Vielleicht weil es egoistisch ist und wir uns intuitiv daran stören, wenn andere Menschen egoistische Ziele verfolgen. Egoismus ist natürlich relativ. Es gibt sicherlich Leidenschaften, die überhaupt nicht egoistisch sind. Wenn aber immer nur ganz abstrakt von »Leidenschaft« und »Passion« gesprochen wird, dann mutet das schon egoistisch an.

      Viel Grüße,
      Jan

  • Hallo Jan,

    sehr spannender Beitrag. Diese Ansicht habe ich noch nicht gehört. 

    ich glaube man sollte einfach ein ausgeglichenes Verhältnis finden zwischen Arbeit und Vergnügen. Man kann sicher nicht NUR machen was einem Spaß macht, und genauso ist es schade, wenn man in seinem Beruf keine Freude hat.

    Wie wäre eine Kombination aus seiner Leidenschaft folgen UND Nutzen für die Welt schaffen? ;-) 

    Das erinnert mich an den Film »Das Glücksprinzip«: Jeder hilft 3 anderen Menschen und diese helfen wiederum jeweils 3 anderen Menschen. Eigentlich ganz einfach. :-)

    Beste Grüße

    Denise

    • Hallo Denise,

      Danke für den Kommentar. Ich hatte vorher auch noch nie von dieser Ansicht gehört.

      So wie ich es verstanden habe, geht es bei dem Ansatz von 80.000 hours schon auch um Leidenschaft. Allerdings geht es nicht um die Leidenschaft von heute, sondern um die Leidenschaft in der Zukunft.

      Die Idee ist wohl, dass sich Leidenschaft automatisch einstellen wird, wenn wir etwas tun, was wir gut können und in dem wir einen Sinn sehen.

      Wenn ich an meine eigenen Leidenschaften zurückdenke, muss ich schon zugeben, dass ich an vielen dieser Leidenschaften das Interesse verloren haben. Auf der anderen Seite muss das natürlich nicht bedeuten, dass ich diese Leidenschaften auch verloren hätte, wenn ich einen Beruf daraus gemacht hätte.

      Kein einfaches Thema :)

      Viele Grüße,
      Jan

  • Das deckt sich mit der »ethischen Weltformel« von Michael Klinneter: »Frage dich: ‘Was ist das Beste, das ich für das Weltensystem tun kann? Was kann ich dazu beitragen, dass das Weltensystem zum besten aller logisch möglichen Weltensysteme wird?’ Und wenn du die Antwort gefunden hast, dann tu das! Oder tu auch nichts, wenn das das Beste für das Sein als Ganzes ist! Man kann aus jeder Situation das Beste für das Weltensystem herausholen oder machen. … Erfülle so viel Wollen wie möglich so gerecht wie möglich!«

    • Hallo Werner,

      Danke für den Kommentar und den Hinweis auf die »ethische Weltformel«. Die Idee, dass man auch in Betracht ziehen sollte, nichts zu tun (wenn es die beste Lösung ist) gefällt mir sehr gut. 

      Viele Grüße,
      Jan

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