Folge deiner Passion? Die Forschung sagt: Es gibt einen besseren Weg!

Der Passion folgen oder nichtJungen Menschen, die nicht wissen, was sie mir ihrem Leben anfangen sollen, wird häufig geraten, ihrer Passion zu folgen.

Auf den ersten Blick, macht es durchaus Sinn, die Passion als Leucht­feuer zu betrachten.

Doch bei näherem Hinsehen gibt es einen besseren Weg. Von ihm handelt dieser Artikel.

Was soll ich mit meinem Leben anstellen?

Genau diese Frage hat sich auch Benjamin Todd gestellt. Nach seinem Studium hatte er keine Ahnung, welchen Karrie­reweg er einschlagen sollte.

Es gab nichts, was ihm bei seiner Entschei­dung half

Also gründete Todd eine Orga­ni­sa­tion, die erforscht, nach welchen Kriterien man bei der Karrie­re­pla­nung vorgehen sollte (80.000 hours).

80.000 hours konnte eine weit­ver­brei­tete Vorstel­lungen wider­legen.

Warum Folge deiner Passion! kein guter Ratschlag ist, erklärt Todd in seinem TED-Talk:

(Unter dem Video findest du meine deutsche Zusam­men­fas­sung des Vortrags.)

Benjamin Todd hatte viele Inter­essen, zum Beispiel Kampf­sport. Diese Passion wollte er aber nicht in eine Karriere verwan­deln.

Er hatte Philo­so­phie studiert, aber auch das kam nicht als Karriere für ihn in Frage.

Auch für Börsen­ge­schäfte hatte er sich inter­es­siert. In dieser Branche hätte er bestimmt viel Geld verdienen können, aber er fürchtete, dass dies der Gesell­schaft nicht helfen, und ihn somit nicht befrie­digen würde.

Todd kannte keine Methode, nach der er bei der Karrie­re­ent­schei­dung hätte vorgehen können.

Auch Bücher haben ihm nicht geholfen.

80.000 hours

Schließ­lich hat Todd eine Orga­ni­sa­tion gegründet, um Methoden zu erar­beiten, die Menschen in Karrie­re­fragen helfen.

Die Orga­ni­sa­tion heißt 80.000 hours – die ungefähre Anzahl an Stunden die man in einem Leben mit Arbeit verbringt.

Was 80.000 hours heraus­ge­funden hat

Nach einer 3-jährigen Zusam­men­ar­beit mit der Univer­sity of Oxford hatte 80.000 hours diese Erkennt­nisse gewonnen:

  • Früher haben die jungen Menschen einfach die Berufe ihrer Eltern über­nommen
  • In den 1980er Jahren stand das Geld­ver­dienen im Vorder­grund
  • Heute wird jungen Menschen der Ratschlag gegeben, ihrer Passion zu folgen
  • Bisher gibt es kaum seriöse Forschung zu Karrie­re­fragen

Die heute übliche Karrie­re­be­ra­tung geht von falschen Annahme aus

Anstatt uns zu fragen, was unsere Passion ist, sollten wir uns lieber fragen, was wir für andere Menschen tun können. Was können wir dazu beitragen, dass die Welt zu einem besseren Ort wird?

Bisher wurde (fälsch­li­cher­weise?) dieses Vorgehen empfohlen

  1. Iden­ti­fi­ziere dein größtes Interesse
  2. Finde eine Karrieren, bei der dieses Interesse befrie­digt wird
  3. Verfolge diese Karriere, egal was passiert

Einen erfül­lenden Karrie­reweg einzu­schlagen, sei nur eine Frage davon, den Mut zu haben, der eigenen Passion zu folgen.

Die Über­ein­stim­mung zwischen Aufgaben und Interesse führe zum Erfolg, und Erfolg führe zu einer erfül­lenden Karriere.

Der Passion folgen? Die Daten sagen etwas anderes

Die meisten Menschen haben eine Passion für Sport, Kunst oder Musik. In diesen Bereichen gibt es aber gar nicht so viele Jobs.

Wenn nur 10 % der Menschen ihrer Passion folgen würden, würden sehr viele Menschen scheitern.

Erfolg stellt sich nicht zwangs­läufig ein

Die Voraus­set­zung für Erfolg ist, dass man seine Arbeit bedeutsam findet. Ohne Bedeut­sam­keit wird die Karriere nicht erfüllend sein.

Selbst passio­nierte Verkäufer, die sehr gut darin sind, zu verkaufen, erleiden häufig einen Burnout und sterben früher als nötig.

Inter­essen sind wichtig, aber das Interesse sollte nicht der entschei­dende Faktor sein

Andere Faktoren sind wichtiger: unsere Fähig­keiten und unser Mindset.

Unser Interesse an bestimmten Themen ändert sich viel zu schnell, als dass es Sinn machen würde, eine Karriere auf Inter­essen aufzu­bauen.

Wie sollte man seine Karriere planen?

In einem Satz:

Tue etwas, das wertvoll ist!

Konzen­triere dich auf etwas, worin du gut bist, und womit du der Welt wirklich helfen kannst. Das ist das Geheimnis einer erfül­lenden Karriere.

Auch die Forschungs­er­geb­nisse von Martin Seligman, dem Begründer der positiven Psycho­logie bestä­tigen dies:

Anderen Menschen zu helfen, erfüllt auch die helfende Person

Diese Faktoren sind wichtig:

  1. Hart arbeiten um auf einem Gebiet wirklich gut zu werden
  2. Sinn (die Welt zu einem besseren Ort machen)

Altruist können leichter erfolg­reich sein

Erfolg hängt fast immer auch von anderen Menschen ab, und andere werden einen Altru­isten eher unter­stützen als einen Egoisten, der nur für sein eigenes Wohl arbeitet.

Folge deiner Passion betrachtet das Problem von der falschen Seite aus

Wer sich von seiner Passion leiten lässt, tut, was ihn jetzt begeis­tert, und hofft, dass diese Begeis­te­rung anhält.

Wenn man aber nicht der Passion folgt, sondern tut, was wertvoll und wichtig ist, wird sich mit der Zeit eine neue Passion entwi­ckeln, und man wird eine erfül­lende Karriere haben.

Wie findet man eine bedeut­same Aufgabe?

Eine als sinnvoll und bedeutsam empfun­dene Aufgabe lässt sich in drei Schritten finden:

#1 Viele verschie­dene Dinge auspro­bieren

Hierfür muss man nach draußen in die Welt. Mit Nach­denken allein kommt man nicht weiter.

#2 Fähig­keiten erlangen, die in dem ausge­wählten Bereich gefragt sind

Program­mieren zum Beispiel. Hier darf die aktuelle Passion ins Spiel kommen.

#3 Das drückendste soziale Problem ausfindig machen und angehen

Suche nicht nach einem Problem, das wichtig ist, sondern nach einem Problem, das bisher ignoriert wurde. Dort wirst du am meisten ausrichten können.

Wende deine Fähig­keiten an, um dieses Problem zu lösen.

Man muss nicht persön­lich als Arzt nach Afrika reisen, um den Menschen dort zu helfen. Es geht darum, heraus­zu­finden, wo man mit den eigenen Fähig­keiten am meisten ausrichten kann.

Die Probleme in Afrika können auch von hier aus gelöst werden: Durch Forschung und Entwick­lung zum Beispiel. Sogar durch Kunst.

Was möchte ich auf dem Ster­be­bett lieber sagen?

A: Ich habe es geschafft, viele Autos ein großes Haus und eine Yacht zu haben

B: Ich habe mir den Arsch abge­ar­beitet, und es war nicht immer einfach. Aber durch meine Arbeit habe ich den Tod von hunderten Kindern verhin­dert, die sonst an Malaria gestorben wären.

Altru­ismus wird man nie bereuen!

Wir müssen damit aufhören, nur an unseren eigenen Inter­essen zu arbeiten.

Fazit

Der Ansatz von Benjamin Todd scheint in sich stimmig zu sein. Dass seine Schluss­fol­ge­rung auf mehr­jäh­riger Forschungs­ar­beit basiert, spricht ebenfalls für ihn.

Vermut­lich wird der Folge deiner Passion-Ansatz dennoch populär bleiben. Denn er ist der bequemere.

Ich wünsche viel Erfolg!
Jan

Dr. Jan Höpker - Foto Autorenbox

Dr. Jan Höpker

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18 Antworten auf Folge deiner Passion? Die Forschung sagt: Es gibt einen besseren Weg!

  1. Hallo,

    das Thema Karriere ist eine wirklich sehr kompli­zierte Sache. Ein Allge­mein­re­zept für jeden von uns wird es nicht geben. Jene die kaum Geld zum Überleben haben, wird die Passion und auch das Wohl der anderen Menschen eher unwichtig sein. Sie wollen den ganzen Monat etwas zum Essen auf den Tisch.

    Bei der ganzen Geschichte, muss man sich auch immer wieder fragen, ob und wie man mit einem Job Geld verdienen kann. Ein Beruf kann und sollte zwar Spaß machen. Ich habe früher gerne Fußball gespielt hätte aber kaum Geld damit verdienen können. Das heißt ich kann zwar schon nach einer Aufgabe suchen, die mir Spaß macht und anderen hilft, aber ich muss auch Geld verdienen. Das ist oft auch mit jenen Dingen möglich die anderen helfen, aber nicht immer. Schau dir dazu die Helfer der Frei­wil­ligen Feuer­wehren an. Diese verdienen nichts damit und dennoch hilft es vielen Menschen und ist meist sinn­erfül­lend.

    Wie bereits geschrieben ist das Thema Karriere eine wirklich sehr umfang­reiche und indi­vi­du­elle Sache. Was für die eine Person das Richtige ist, kann für eine andere Person falsch sein. Als Karrie­re­be­rater schauen wir daher immer erstmal die Gesamt­si­tua­tion einer Person an und dann kann man einen Weg angehen.

    Eine weitere Frage die sich mir stellt ist, was ist eine Arbeit die anderen, viel­leicht sogar der ganzen Mensch­heit, hilft? Gestern habe ich mir dazu passend eine Doku ange­schaut wie Groß­bauern in Rumänien und Co., reihen­weise Ackerland aufkaufen und den ansäs­sigen Farmern damit die Exis­tenz­grund­lage nehmen. Die Firmen­lenker dieser Orga­ni­sa­tion sind der Meinung, dass sie damit nichts Schlechtes machen, sondern Arbeits­plätze schaffen und dem Land allgemein zu Wohlstand verhelfen. Nun frage ich mich wer hat hier Recht? Man sieht, dass es nicht ganz so leicht ist, einen Beruf zu finden der Menschen hilft, weil jeder von uns ein anderes Verständnis davon hat.
    Mein Rat dazu ist, dass man sich jene Punkte aufschreiben sollte, die einem bei der eigenen Karriere wichtig sind. Dann bringt man diese in eine Reihen­folge nach Wich­tig­keit und konzen­triert sich dann bei der Ziel­set­zung und Strategie darauf die wich­tigsten Faktoren davon umzu­setzen. Es sollte auch klar sein, dass es kaum den Job gibt, der alle Punkte die wir uns vorstellen abdeckt. Wir sehen das eindrucks­voll bei Menschen die nach dem perfekten Partner suchen. Ebenso wenig wie es den perfekten Partner gibt, gibt es auch die perfekte Karriere. Wir müssen uns dieser so gut es geht annähern. Jeder von uns ist dabei anders und legt andere Prio­ri­täten. Wenn es dann ein Job ist, der anderen Menschen einen Wert bietet, dass ist das noch besser. Aber im Endeffekt macht das sowieso jeder Beruf. Mit einem Beruf der für andere Menschen keinen oder nur einen sehr geringen Wert bietet, kann heute kaum mehr jemand Geld verdienen, oder?

    So, das waren jetzt viele Gedan­ken­gänge und ich hoffe ihr könnt euch denken, was ich damit meine.

    Viele Grüße
    Josef Altmann

    • Jan sagt:

      Danke für diesen inter­es­santen Beitrag. Dass Menschen unter­schied­lich sind, und, dass man daher keine Regeln aufstellen kann, die für alle Menschen glei­cher­maßen gelten, unter­schreibe ich.

      Viele Grüße, Jan

  2. Rosi sagt:

    Richtig- das Problem beginnt bei vielen Passionen. Am liebsten helfe ich anderen, am aller­liebsten gratis. Habe heute zufällig daran gedacht, eine Platform für gratis Unter­stüt­zung und Hilfe jeder Art zu gründen. Karma Yoga.

    • Jan sagt:

      Hallo Rosi,

      Danke für den Kommentar. Gratis zu helfen ist wohl am ehrlichsten und dürfte auch so aufge­fasst werden.

      Wie stellst du dir diese Plattform denn vor? Hilfst und unter­stützt du da selbst oder soll es eine Plattform für andere Menschen sein, die helfen und unter­stützen möchten. Es gibt da ja schon dieser Frage-Portale wie zum GuteFrage​.net und derglei­chen.

      Viele Grüße und viel Erfolg,
      Jan

  3. Dr. Hans Michel sagt:

    Der Artikel ist schlecht, sorry. Wo sind die Quellen???

    Darüber hinaus hat diese Orga­ni­sa­tion 80.000 Hours keine formale Quali­fi­ka­tion, um sozi­al­wis­sen­schaft­liche Daten zu erhoben. Der Gründer hat ausschließ­lich Philo­so­phen und Natur­wis­sen­schaftler rekru­tiert. Die kein Grund­la­gen­wissen haben, um entspre­chende Daten zu erheben. Eigent­lich benötigt es dafür Sozio­logen und Psycho­logen.

    Dann noch zwei Zitate aus dem Text:

    «Die meisten Menschen haben eine Passion für Sport, Kunst oder Musik. In diesen Bereichen gibt es aber gar nicht so viele Jobs. Wenn nur 10% der Menschen ihrer Passion folgen würden, würden sehr viele Leute scheitern.»

    Wo ist dein Beleg dafür, dass tatsäch­lich so viele Personen dies angeben? Ferner: Wenn diese Bereiche mehr gefragt wären, würden auch mehr neue Stellen entstehen.

    «Selbst passio­nierte Verkäufer, denen das Verkaufen liegt, haben ein hohes Burnout-Risiko und ein hohes Risiko früher als nötig zu sterben.»

    Wie kommst du auf das Wort «selbst»? Personen in der freien Wirt­schaft arbeiten, haben generell ein hohes Risiko an einem Burnout zu erkranken. Das hat eher was damit zu tun, dass es in bestimmten Bereichen einen starken Druck gibt, erfolg­reich zu sein. Damit hat sich schon der Soziologe Durkheim beschäf­tigt.

    80.000 Hours sollte lieber mal über alter­na­tive Lebens­kon­zepte nach­denken. Ich dachte, Marx gehört zur Stan­dard­lek­türe von Philo­so­phen. Er hat gesagt, dass die Arbeit nicht zum Zweck des Lebens werden darf. Es sollte nur eine Ergänzung sein. Daher liegen auch 4-Tage Wochen im Trend und darüber sollte man sich mehr Gedanken machen, nicht über die Arbeit selbst.

    • Jan sagt:

      Hallo Hans,

      Danke für deinen Kommentar. Schade, dass dir der Artikel nicht gefällt. Mir gefällt dein Ton nicht. Das gilt auch für deinen Kommentar unter meinem Artikel über Kohlen­hy­drate, den du vor ein paar Tagen unter einem anderen Namen abgegehen hast. Der Doktor­titel ist wahr­schein­lich auch nicht echt. Deswegen habe ich jetzt keine Lust mehr mit dir zu disku­tieren. Schade.

      Viele Grüße und noch einen schönen Tag,
      Jan

      P.S. Die Quelle ist das Video. Die Quellen der Quelle kenne ich nicht.

  4. Hallo Jan,

    da kann ich einiges unter­schreiben.

    Ich glaube nicht an die EINE Berufung im Leben eines Menschen sondern an sein kreatives Potential, welches ihn grund­sätz­lich dazu befähigt, viele verschie­dene Berufs- und Lebens­kon­zepte und oft auch eine Kombi­na­tion aus ihnen erfolg­reich leben zu können. Kreative Vitalität bedeutet für mich, den vollen Zugang zu seinem kreativen Potential zu haben und es jederzeit in allen Bereichen des Lebens für sich und andere gewinn­brin­gend nutzen zu können.
    Bei manchen Menschen ist dieser Zugang im Laufe vieler Jahre und als Ergebnis negativer, manchmal auch trau­ma­ti­scher Erfah­rungen verschüttet worden. So folgen viele Erwach­sene heute einem (Lebens-)Weg, der weder ihr eigener ist noch einer, den sie überhaupt mögen – geschweigen denn lieben. Und nicht wenige fragen sich – wenn sie sich überhaupt noch hinter­fragen – wie zur Hölle das passieren konnte und wann sie eigent­lich falsch abgebogen sind oder „abgebogen wurden“.

    Die postu­lierte Werte­ori­en­tie­rung ist aller­dings auch nicht so wirklich neu, oder? Aller­dings in meinen Augen nicht zwingend erfolg­rei­cher als Leiden­schaft, wenn sie jeder zum ausschlag­ge­benden Kriterium bei der Berufs­wahl machen würde.
    Nicht jeder hat das Glück, das eine oder andere oder eine Kombi­na­tion aus Wert­schöp­fung und Leiden­schaft auch wirklich beruflich umsetzen zu können.

    Ich rate viel öfter dazu, die Koppelung von Beruf und Lebens­zu­frie­den­heit zu lockern! Den Gedanken aufzu­geben, dass einem ein Job Lebens­zu­frie­den­heit, Selbst­ver­wirk­li­chung, Wert­schöp­fung etc. geben können muss. Das ist eine immense Erwar­tungs­hal­tung, die in der Realität allzu oft enttäuscht werden muss. Es gibt einfach unzählige «Brot- und Butter-Jobs». Das ist ein Fakt.
    Was aber ja nicht bedeutet, dass damit das Leben in der grauen Öde enden muss. Möglich­keiten, sich (kreativ) zu entfalten, sein Leben sinn­stif­tend zu gestalten gibt es unzählige neben der Arbeit! Dafür müssen wir m.E. viel mehr den Blick öffnen und alte Glau­bens­sätze über Bord werfen. Von seiner Leiden­schaft oder Wert­schöp­fung kann nicht jeder leben. Aber es ist möglich, sich mit einem anderen Job die finan­zi­elle Freiheit zu (ver)schaffen, dennoch dem Leben seiner Träume zu folgen.

    VG, Christina

    • Jan sagt:

      Hallo Christina,

      Vielen Dank für diesen ausführ­li­chen Kommentar.

      Ob die Welt noch funk­tio­nieren würde, wenn sich alle Menschen bei der Berufs­wahl an ihren Werten orien­tieren würden? Ich denke schon. Werte sind doch viel flexibler als Leiden­schaften. Derjenige, dessen wich­tigster Wert «Ehrlich­keit» ist, kann diesen in ganz unter­schied­li­chen Bereichen verwirk­li­chen, wohin­gegen jemand, dessen Leiden­schaft zum Beispiel «Musik» ist, da schon einge­schränkter ist. Werte dürften auch über längere Zeiträume stabiler sein als Leiden­schaften.
      Aller­dings hatte ich den Vortrag gar nicht so verstanden, dass sich die Menschen primär an Werten orien­tieren sollten. Der Redner schlägt vor, sich an Fähig­keiten zu orien­tieren, um dann an sozialen Problemen zu arbeiten, die bisher wenig Beachtung erhalten haben. Natürlich spielen Werte dort auch eine Rolle. All diese Faktoren hängen ja wech­sel­seitig vonein­ander ab.

      Natürlich kann man auch bei dem Kriterium «Fähig­keiten» wieder die Frage stellen, ob die Welt noch funk­tio­nieren würde, wenn das jeder täte. Ich denke, dass diese Fragen in der Praxis ziemlich irrele­vant ist. Es werden sich sowieso niemals auch nur annähernd alle Menschen an einen bestimmten Ratschlag halten.

      Was «die Brot-und-Butter-Jobs» angeht: Durch den tech­ni­schen Fort­schritt werden immer mehr dieser Jobs nach und nach auto­ma­ti­siert, d.h. von Maschinen erledigt werden. Auch das ist ein Fakt. Anstelle dieser Jobs gibt es immer mehr nicht-Brot-und-Butter-Jobs. Natürlich vollzieht sich dieser Wandel nicht von heute auf morgen, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg. Aber die jungen Menschen, die heute vor der Berufs­wahl stehen, haben einen ziemlich langen Zeitraum vor sich.

      Dem letzten Abschnitt deines Kommen­tars kann ich nur zustimmen: Wer glaubt, dass es möglich ist im Job unun­ter­bro­chen Glück, Erfüllung und Leiden­schaft zu erleben, wird wohl zwangs­läufig enttäuscht werden. Ein erfül­lendes Leben besteht aus Höhen UND Tiefen.

      Viele Grüße,
      Jan

  5. Jason sagt:

    Hallo Jan,

    sehr gute Anre­gungen in diesem Artikel!

    Die Inhalte decken sich auch gut mit meinem Verständnis von Leiden­schaften:
    Die Idee, dass man irgend­wann morgens aufwacht und plötzlich seine Leiden­schaft kennt, halte ich für ziem­li­chen Bullshit.

    Meiner Meinung nach entwi­ckeln sich Leiden­schaften mit der Zeit. Als ich vor fast einem Jahr mit dem Schreiben ange­fangen habe, hatte ich zwar Interesse und Spaß daran, aber mehr erstmal nicht. Mitt­ler­weile ist das Schreiben einer meiner absoluten Lieb­lings­tä­tig­keiten und zu einer Leiden­schaft heran­ge­wachsen.

    Also sollte der Ratschlag eher heißen
    «Finde etwas, das dir Spaß macht und wovon andere Menschen profi­tieren. Dann werde noch besser in der Tätigkeit und entwickle deine Leiden­schaft darin. Als letzten Schritt finde eine Möglich­keit, wie du lang­fristig davon leben kannst.»

    Nur das lässt sich leider nicht so gut vermarkten wie «Folge deiner Leiden­schaft und alles wird gut».

    Liebe Grüße
    Jason

    • Jan sagt:

      Hey Jason,

      Das mit dem «Vermarkten» stimmt natürlich. Wenn die Auf­merksam­keits­spannen so kurz sind, dass eine Botschaft nicht mehr als fünf Wörter verträgt, dann setzten sich derartige Ratschlänge natürlich durch. Hinzu kommt noch, dass es eine Sache ist, die viele Menschen gerne hören wollen.

      Viele Grüße,
      Jan

      PS: Man merkt übrigens, dass dir das Schreiben großen Spaß macht.

  6. Hallo Jan,

    in der Tat ist «Folge deiner Leiden­schaft» nur sehr eindi­men­sional. Es fehlen noch Können und Wert. Nur im Sweet Spot dieser 3 Kreise (Was bereitet mir Freude? Was kann ich gut? Was bringt anderen Menschen einen Nutzen?) läßt sich dauerhaft auch ein Business aufbauen und betreiben.

    Um das zu Finden bedarf es öfters mehrerer Versuche.

    Viele Grüße,
    David

    • Jan sagt:

      Hallo David,

      Stimmt! Alle drei Faktoren spielen eine Rolle. Dazu kommt noch, dass sich diese Faktoren mit der Zeit ändern und, dass sie wech­sel­seitig vonein­ander abhängen.

      Meist du denn, man braucht auch dann mehrere Versuche, wenn sich diese drei Faktoren in Einklang befinden? Oder ist ein Scheitern in den meisten Fällen darauf zurück­zu­führen, dass diese Faktoren gerade nicht harmo­niert haben?

      Viele Grüße,
      Jan

  7. Maria sagt:

    Ein sehr inter­es­santer Artikel mit einer neuen Sicht­weise. Warum mich die Forschungs­er­geb­nisse über­ra­schen, verstehe ich gerade auch nicht :) Ist eigent­lich ganz stimmig und einfach, wenn man darüber nachdenkt. Eigene Fähig­keiten – was man kann, macht man gerne – mit Altru­ismus zu verbinden, klingt nach einer guten Möglich­keit, einen guten und erfolg­rei­chen Karrie­reweg zu finden.

    • Jan sagt:

      Hallo Maria,

      Danke für den Kommentar. Mir geht es genauso.

      Irgendwie hatte mich der Ratschlag «Folge deiner Leiden­schaft» schon immer gestört. Was genau mich daran störte, wusste ich aber nicht. Viel­leicht weil es egois­tisch ist und wir uns intuitiv daran stören, wenn andere Menschen egois­ti­sche Ziele verfolgen. Egoismus ist natürlich relativ. Es gibt sicher­lich Leiden­schaften, die überhaupt nicht egois­tisch sind. Wenn aber immer nur ganz abstrakt von «Leiden­schaft» und «Passion» gespro­chen wird, dann mutet das schon egois­tisch an.

      Viel Grüße,
      Jan

  8. Hallo Jan,

    sehr span­nender Beitrag. Diese Ansicht habe ich noch nicht gehört.

    ich glaube man sollte einfach ein ausge­gli­chenes Verhältnis finden zwischen Arbeit und Vergnügen. Man kann sicher nicht NUR machen was einem Spaß macht, und genauso ist es schade, wenn man in seinem Beruf keine Freude hat.

    Wie wäre eine Kombi­na­tion aus seiner Leiden­schaft folgen UND Nutzen für die Welt schaffen? ;-)

    Das erinnert mich an den Film «Das Glücks­prinzip»: Jeder hilft 3 anderen Menschen und diese helfen wiederum jeweils 3 anderen Menschen. Eigent­lich ganz einfach. :-)

    Beste Grüße

    Denise

    • Jan sagt:

      Hallo Denise,

      Danke für den Kommentar. Ich hatte vorher auch noch nie von dieser Ansicht gehört.

      So wie ich es verstanden habe, geht es bei dem Ansatz von 80.000 hours schon auch um Leiden­schaft. Aller­dings geht es nicht um die Leiden­schaft von heute, sondern um die Leiden­schaft in der Zukunft.

      Die Idee ist wohl, dass sich Leiden­schaft auto­ma­tisch einstellen wird, wenn wir etwas tun, was wir gut können und in dem wir einen Sinn sehen.

      Wenn ich an meine eigenen Leiden­schaften zurück­denke, muss ich schon zugeben, dass ich an vielen dieser Leiden­schaften das Interesse verloren haben. Auf der anderen Seite muss das natürlich nicht bedeuten, dass ich diese Leiden­schaften auch verloren hätte, wenn ich einen Beruf daraus gemacht hätte.

      Kein einfaches Thema :)

      Viele Grüße,
      Jan

  9. Werner Spa sagt:

    Das deckt sich mit der «ethischen Welt­formel» von Michael Klinneter: «Frage dich: ‘Was ist das Beste, das ich für das Welten­system tun kann? Was kann ich dazu beitragen, dass das Welten­system zum besten aller logisch möglichen Welten­sys­teme wird?’ Und wenn du die Antwort gefunden hast, dann tu das! Oder tu auch nichts, wenn das das Beste für das Sein als Ganzes ist! Man kann aus jeder Situation das Beste für das Welten­system heraus­holen oder machen. ... Erfülle so viel Wollen wie möglich so gerecht wie möglich!»

    • Jan sagt:

      Hallo Werner,

      Danke für den Kommentar und den Hinweis auf die «ethische Welt­formel». Die Idee, dass man auch in Betracht ziehen sollte, nichts zu tun (wenn es die beste Lösung ist) gefällt mir sehr gut.

      Viele Grüße,
      Jan

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