Werde Früh­auf­steher, aber ohne dich zu quälen (in 2 Schritten)

»Werde Früh­auf­steher!« – »Stehe noch vor Sonnen­auf­gang auf, am besten gleich um 5 Uhr, denn nur so kann man erfolg­reich werden!« – Sprüche wie diese sind typisch für die Gurus. Was ist dran, an diesem Tipp? Kann jeder Mensch zum Früh­auf­steher werden? Wenn ja, wie geht das?

Fruehaufsteher werden

Die Wahrheit über Früh­auf­steher

Es gibt genetisch bedingte Unter­schiede im Schlaf­be­dürfnis einzelner Menschen. Die Unter­schiede betreffen den Zeitpunkt und die Dauer des benö­tigten Schlafes.

Aus evolu­tio­närer Sicht ergibt das Sinn, denn unsere stein­zeit­li­chen Vorfahren schliefen unter freiem Himmel. Hätte die gesamte Gruppe gleich­zeitig tief und fest geschlafen, dann hätte ein Angreifer leichtes Spiel gehabt.

Die Evolution hatte also guten Grund, dafür zu sorgen, dass unsere Vorfahren zeitlich versetzt schlafen konnten. Einige schliefen etwas früher und andere etwas später. So war immer irgend­je­mand wach, um im Ernstfall Alarm zu schlagen.

Es gibt Kurz- und Lang­schläfer

Wenn es heißt, Erwach­sene würden acht Stunden Schlaf benötigen, dann ist nicht vom Schlaf­be­dürfnis jedes einzelnen Indi­vi­duums die Rede, sondern vom Mittel­wert.

Obwohl das Schlaf­be­dürfnis der meisten Menschen nah an diesem Mittel­wert liegt, können doch deutliche Abwei­chungen auftreten – je größer, umso seltener die Abwei­chung. Es gibt aber definitiv Menschen, die nur vier Stunden Schlaf benötigen, und es gib Menschen, bei denen es zwölf Stunden sein müssen.

Es gibt Früh- und Spätschläfer (Lerchen und Eulen)

Menschen, die von Natur aus früh schlafen und entspre­chend früh wach sind, werden als Lerchen bezeichnet. Am anderen Ende des Spektrums befinden sich die Eulen, die spät schlafen und spät wieder wach werden (sofern man sie nicht vorzeitig weckt). Wie schon beim Schlaf­be­dürfnis, befinden sich die meisten Menschen irgendwo in der Mitte des Spektrums.

Frühaufsteher werden - Chronotypen

Bevor­zugte Schla­fens­zeit | Wenn die extremsten Lerchen schon wieder wach sind, gehen die extremsten Eulen erst schlafen. So war sicher­ge­stellt dass unsere stein­zeit­li­chen Vorfahren niemals »unbe­auf­sich­tigt« schlafen mussten. Dieses evolu­tio­näre Erbe tragen wir heute noch ins uns. Einige Menschen sind von Natur aus Früh­schläfer und andere sind Spätschläfer

Zu welchem Lager man gehört, kann sich im Laufe des Lebens ändern. Während der Pubertät mutieren viele Jugend­liche zu extremen Spätschlä­fern und mit zuneh­mendem Alter werden die meisten Menschen immer mehr zu Lerchen.

Die Tyrannei der Kurz- und Früh­schläfer

Frühere Genera­tionen gingen davon aus, dass alle Menschen gleich viel Schlaf brauchen. Wer länger geschlafen hat, galt als faul und unmo­ti­viert. Dass dieses pessi­mis­ti­sche Menschen­bild eindeutig widerlegt ist, scheint noch nicht überall ange­kommen zu sein. Insbe­son­dere viele Kurschläfer, aber auch viele Früh­auf­steher, scheinen ihre Schlaf­ge­wohn­heiten nicht auf ihre Gene, sondern auf ihre ach so tolle Arbeits­moral zurück­zu­führen.

Da Lerchen und Kurz­schläfer erfolg­rei­cher sind, gelangen sie häufiger in Posi­tionen, in denen die Regeln und Gesetze für alle Menschen gemacht werden. Der über­trieben frühe Schul­be­ginn wurde eindeutig von Lerchen für Lerchen fest­ge­legt.

Unter­su­chungen haben gezeigt, dass Lerchen um eine halbe Note besser in der Schule sind – nicht weil sie intel­li­genter wären, sondern weil ihnen der frühe Schul­be­ginn in die Karten spielt. Auch karrie­re­tech­nisch läuft für Lerchen vieles besser, weshalb sie häufiger in besagten Posi­tionen landen und die Regeln und Gesetze für alle Menschen bestimmen. Ein Teufels­kreis.

Von einer Tyrannei der Lerchen zu sprechen, ist nur leicht über­trieben – wenn überhaupt.

Sollten Eulen Früh­auf­steher werden?

Aus Sicht der Lerchen läuft alles gut. Nur für Eulen stellt sich die Frage, ob sie sich verändern und Früh­auf­steher werden sollten.

Einiges spricht dafür, Früh­auf­steher zu werden

Es ist leichter, sich selbst zu verändern, als die Kultur zu ändern. Die Schulen und Univer­si­täten inter­es­sieren sich nicht dafür, bei welcher Aufsteh­zeit wir ausrei­chend geschlafen haben. Die aller­meisten Arbeit­geber inter­es­siert das ebenfalls nicht (obwohl an verein­zelten Stellen bereits ein Umdenken statt­findet).

Jeder Eule steht es frei, nach ihrem Eulen-Rhythmus zu leben. Dadurch gerät sie jedoch häufiger in Schwie­rig­keiten, denn um das Äqui­va­lent von einer halben Note schlechter abzu­schneiden, kann unan­ge­nehme Folgen haben:

  • Man fällt mit höherer Wahr­schein­lich­keit durch die Prüfung.
  • Man verliert mit höherer Wahr­schein­lich­keit den Job.
  • Man bekommt mit höherer Wahr­schein­lich­keit den Job nicht (sondern eine Lerche).

Unsere Kultur begüns­tigt Früh­auf­steher. Eulen müssen täglich gegen den Strom anschwimmen.

Früh­auf­steher sind produk­tiver

Dadurch, dass wir nach dem Aufstehen zeitnah arbeiten und erst nach der Arbeit Freizeit haben, ergibt sich eine Asym­me­trie, die Lerchen produk­tiver und Eulen unpro­duk­tiver macht: Menschen lenken sich gegen­seitig bei der Arbeit ab. Lerchen haben insofern einen Vorteil, als dass die Eulen noch schlafen, während sie bereits produktiv sind. Beim Lernen und Arbeiten werden Lerchen daher weniger von Eulen gestört, als umgekehrt.

Kein Wunder, dass Lerchen, insbe­son­dere solche, die vergleichs­weise wenig Schlaf benötigen, auf voller Linie erfolg­rei­cher sind und den Ton angeben.

Früh­auf­steher sind gesünder und leben länger

Studien haben gezeigt, dass Lerchen länger leben und seltener unter psychi­schen und gesund­heit­li­chen Problemen leiden. Sie nehmen seltener Drogen, rauchen weniger und trinken weniger Alkohol.

Zum Teil kann dieser Unter­schied darauf zurück­ge­führt werden, dass Früh­auf­steher weniger unter Stress zu leiden haben als die Lang- und Spätschläfer. Nur die Früh­auf­steher haben das Privileg, die für sie besten Stunden des Tages zumindest halbwegs ungestört produktiv sein zu können und dadurch Stress zu verhin­dern, bevor er entsteht.

Aus Eulen-Sicht spricht doch einiges dafür, sich den Rhythmus einer Lerche anzu­eignen.

Was dagegen spricht, Früh­auf­steher zu werden

Die Vorteile des führen Aufste­hens liegen klar auf der Hand, doch leider lässt sich der eigene genetisch fixierte Chronotyp nicht so leicht verändern. Eulen verwan­deln sich nicht auf magische Weise in Lerchen, indem sie sich einen anderen Schlafrhythmus antrai­nieren.

Das bedeutet nicht, dass Eulen nicht die Möglich­keit haben, früher aufzu­stehen, um zumindest teilweise von den Vorteilen des Lerchen-Rhythmus zu profi­tieren. Noch besser wäre es, wenn sich die Gesell­schaft mehr auf Eulen einstellen würde.

Die Frage, die man sich als Eule stellen muss, lautet: Wer sitzt am längeren Hebel, die Kultur oder die Biologie?

Schlaf­for­scher sind im Allge­meinen der Ansicht, dass sich die Kultur an die Biologie anpassen sollte und nicht umgekehrt. Till Rosenberg, Professor für Chro­no­bio­logie an der LMU München hat es in einem Interview mit Cosmo­po­litan so formu­liert:

»Wenn wir den Menschen erlauben würden, zu arbeiten, wenn sie am leis­tungs­fä­higsten sind, und zu schlafen, wenn sie das am besten können, hätten wir eine deutlich effek­ti­vere und gesündere Arbeit­neh­mer­schaft.«

Nur wenn gar keine Chance besteht, dass sich die Kultur beugt, sollten Eulen in Erwägung ziehen, das Leben eines Früh­auf­ste­hers zu führen.

Wie man Früh­auf­steher wird

Wer zum Früh­auf­steher mutieren möchte, muss seine Biologie über­listen. Mit purer Willens­an­stren­gung ist das kaum zu erreichen. Man braucht einen guten Plan (und muss ihn durch­ziehen).

Was man auf gar keinen Fall tun sollte, ist weniger zu schlafen! Das sollte eigent­lich selbst­ver­ständ­lich sein, aber einige Gurus empfehlen diesen unge­sunden Schritt.

Wer sein natür­li­ches Schlaf­be­dürfnis dauerhaft unter­schreitet, schießt sich selbst ins Knie. Ein chro­ni­sches Schlaf­de­fizit vor sich herzu­schieben, bedeutet mehr Stress­hor­mone im Blut und ein erhöhtes Risiko für Diabetes, Demenz, Blut­hoch­druck, Herz­in­farkt, Über­ge­wicht, Depres­sionen, Unfrucht­bar­keit und Krebs zu haben.

Kurz, bei chro­ni­schem Schlaf­mangel wird man dumm, man sieht früher alt aus und man wird früher sterben. Außerdem wird man weniger vom Tag haben, da man die meiste Zeit über müde ist.

Man sollte realis­ti­sche Erwar­tungen haben

Die Wahr­schein­lich­keit, dass man tatsäch­lich dauerhaft zum Früh­auf­steher wird, ist größer, wenn man realis­ti­sche Erwar­tungen hat. Man sollte damit rechnen, während der ersten paar Tage tagsüber müde zu sein. Viel­leicht wird man sogar  an der Schlaf-Umstel­lung selbst zweifeln. Erst nach ein paar Tagen wird man sich besser fühlen und leis­tungs­fähig sein.

Schritt #1: Früher aufstehen

Am ersten Tag des neuen Lebens als Früh­auf­steher sollte man nur früher aufstehen und alles andere beim Alten belassen. Wie gut diese Verän­de­rung gelingt, hängt auch davon ab, ob man den richtigen Zeitpunkt erwischt.

Der richtige Zeitpunkt für das Aufstehen

Während einer Nacht durch­laufen wir wieder­holt mehrere Schlaf­phasen, in denen wir unter­schied­lich tief schlafen. Wenn der Wecker eine Tief­schlaf­phase erwischt, dann fühlen wir uns beim Aufwachen gerädert und kommen nur schwer in die Gänge. Das Ziel sollte sein, eine Leicht­schlaf­phase zu erwischen.

Frühaufsteher weden - Schlafphasen

Im Schlaf durch­laufen wir mehrfach hinter­ein­ander verschie­dene Schlaf­phasen | Je weiter unten sich die Schlaf­phase im Schaubild befindet, umso tiefer schlafen wir und umso schwerer fällt das Aufstehen. Das Schaubild zeigt einen 8-stündiger Schlaf; die Zeit verläuft von links nach rechts.

Den Idealen Zeitpunkt findet man durch Auspro­bieren. Wenn man Pech hatte und eine Tief­schlaf­phase erwischt hat, sollte man den Wecker für den nächsten Morgen einfach um ein paar Minuten früher oder später klingeln lassen.

Oder man legt sich einen soge­nannten Schlaf­pha­sen­we­cker zu. Einen Schlaf­pha­sen­we­cker program­miert man nicht mit einer fixen Weckzeit, wie zum Beispiel »um 6:00 Uhr wecken«, sondern mit einem Zeit­fenster, wie zum Beispiel »zwischen 5:45 und 6:15 Uhr wecken«.

Ein Sensor misst die aktuelle Schlaf­phase anhand kleinster Körper­be­we­gungen und der Wecker klingelt erst, wenn man innerhalb des Zeit­fens­ters leicht schläft oder am Ende des Zeit­fens­ters ange­kommen ist.

Wie man dafür sorgt, dass man ohne »Snooze« aufsteht

Einigen Menschen, zu denen ich selbst auch lange zählte, fällt es schwer aufzu­stehen, sobald der Wecker klingelt. Anstatt in den Tag zu starten, drücken sie alle paar Minuten die »Snooze«-Teste.

Ich selbst habe mein »Snooze«-Problem in den Griff bekommen, indem ich meinen Wecker weit außerhalb meines Bettes posi­tio­niert habe. So war ich gezwungen aufstehen und einige Meter zum Wecker zu laufen, wobei ich wach wurde und den Drang, mich wieder schlafen zu legen, über­winden konnte.

Was mir ebenfalls geholfen hat, war morgens nach dem Aufstehen eine Sache zu tun, auf die ich mich freuen konnte: In einem richtig guten Buch lesen.

Wenn all das nicht hilft, kann eine Strategie zum Einsatz kommen, die Steve Pavlina auf seiner Webseite empfiehlt: Sich das sofortige Aufstehen zur Gewohn­heit machen, indem man übt. Pavlina schlägt vor, sich am Tage ins Bett zu legen, den Wecke auf »in 5 Minuten« zu stellen und sich in der Zwischen­zeit vorzu­stellen, man würde schlafen. Wenn der Wecker klingelt, steht man sofort auf. Die ganze Prozedur kann man mehrmals hinter­ein­ander wieder­holen.

Am ersten Tag unseres neuen Lebens sind wir nun also früher aufge­standen, was bedeutet, dass wir weniger als üblich geschlafen haben.  Als nächstes müssen wir den Zeitpunkt des Zubett­ge­hens verschieben.

Schritt #2: Früher schlafen gehen

Aus unter­schied­li­chen Gründen, war es sinn­voller, zunächst nur früher aufzu­stehen, aber die Zubett­geh­zeit (zunächst) unver­än­dert zu lassen. Erstens macht es einfach keinen Spaß, abends stun­den­lang wach im Bett zu liegen, und zweitens wissen wir noch gar nicht, wann wir ins Bett gehen sollten.

Unsere Strategie sieht vor, ins Bett zu gehen, sobald wir müde geworden sind – auf keinen Fall vorher!

Abends früher müde werden, um mehr Schlaf zu bekommen

Der Zeitpunkt, zu dem wir abends müde werden und leicht einschlafen können, hängt von zwei Faktoren ab:

  1. Schlaf­druck.
  2. Zirka­dianer Rhythmus.

Beide Faktoren steuern gemeinsam unseren Schlaf-Wach-Rhythmus.

Die meisten Menschen werden abends unna­tür­lich spät müde, weil sie ihren Schlaf-Wach-Rhythmus aktiv mani­pu­lieren – oft ohne sich dessen bewusst zu sein. Die Folge ist zu wenig Schlaf. Wer sich ange­wöhnen möchte, früher aufzu­stehen, sollte ganz besonders darauf achten, seinen Schlaf-Wach-Rhythmus nicht durch­ein­an­der­zu­bringen.

Schauen wir uns einmal an, wie genau unser Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert wird.

Vom Schlaf­druck hängt unser Schlaf­be­dürfnis ab

Der soge­nannte Schlaf­druck, der sich durch ein Bedürfnis nach Schlaf äußert, wird von dem Stoff­wech­sel­pro­dukt Adenosin erzeugt, das sich während des Wachseins im Gehirn ansammelt. Erst nachts im Schlaf wird das Adenosin aus dem Gehirn entfernt.

Die wach­ma­chende Wirkung koffe­in­hal­tiger Getränken kommt daher, dass die Adenosin-Rezep­toren von den Koffein-Molekülen blockiert werden, sodass der Schlaf­druck effektiv abnimmt.

Der Zirka­dianer Rhythmus steuert das Einschlafen

Der Zirka­diane Rhythmus ist eine innere Uhr, deren Funktion darin besteht, unseren Schlaf-Wach-Rhythmus nach der Sonne auszu­richten. Während der Schlaf­druck über das Schlafbedürfnis entscheidet, entscheidet der Zirka­diane Rhythmus über das Einschlafen. Wenn unsere innere Uhr davon ausgeht, dass die Sonne vor einigen Stunden unter­ge­gangen ist, veran­lasst sie die Ausschüt­tung des Schlaf­hor­mons Melatonin, um den Einschlaf­vor­gang einzu­leiten.

Bezüglich unserer inneren Uhr gibt es eine Beson­der­heit, die man kennen sollte: Ein Zyklus der inneren Uhr dauert nicht 24 Stunden, sondern etwas länger. Forscher haben das heraus­ge­funden, als sie eine Weile lang in unter­ir­di­schen Höhlen gelebt haben, in die kein Sonnen­licht eindringen konnte. Ihr Schlaf-Wach-Rhythmus verschob sich jeden Tag um etwa eine weitere Stunde nach hinten. Für einen Umlauf benötigt die innere Uhr also etwa 25 Stunden.

Um mit dem, von der Sonne bestimmten, 24-Stunden-Rhythmus synchron zu laufen, muss die innere Uhr regel­mäßig nach­jus­tiert werden. Bis vor etwas mehr als hundert Jahren geschah dies ausschließ­lich durch Sonnen­licht. In unseren Augen befindet sich ein kleiner Detektor, der auf den blauen Anteil des Sonnen­lichts reagiert und die innere Uhr über den Sonnen­stand infor­miert.

Seit wir aber über elek­tri­sches Licht und Bild­schirme verfügen, wird unsere innere Uhr permanent aus dem Takt gebracht, sodass wir zu spät müde werden und entspre­chend zu spät schlafen gehen.

Weil wir zu einem fixen Zeitpunkt aufstehen, nämliche dem Zeitpunkt, zu dem unser Wecker klingelt, bauen wir ein Schlaf­de­fizit auf. Wer zu dem von der Natur vorge­se­henen Zeitpunkt müde werden und einschlafen möchte, sollte in den Abend­stunden blaues Licht vermeiden.

Blaues Licht ist nicht nur Licht, welches blau aussieht – auch in weißem Licht ist blaues Licht enthalten. Insbe­son­dere von LED-Lampen, TV-Geräten, Smart­phones und Compu­ter­mo­ni­toren geht viel blaues Licht aus. Das bedeutet glück­li­cher­weise nicht, dass man abends komplett auf diese Geräte verzichten muss, denn es gibt kosten­lose Apps, die den Blau­licht­an­teil von Smart­phones und Monitoren am Abend redu­zieren, sodass die innere Uhr im Takt bleibt. Auch gelb getönte Brillen filtern blaues Licht.

Das Zusam­men­spiel von Schlaf­druck und Zirka­dianem Rhythmus

Etwas verein­facht gespro­chen, möchte unsere Biologie, dass wir am Tage wach sind und nachts schlafen – auch dann, wenn wir einmal eine Nacht lang durch­ge­macht oder tagsüber ein Nicker­chen gehalten haben.

Zu Phäno­menen, wie zum Beispiel dass man trotz großer Müdigkeit nicht (ein)schlafen kann, weil man schon »über dem toten Punkt ist«,  kommt es vor allem dann, wenn man unre­gel­mäßig schläft. Idea­ler­weise schläft man immer zur gleichen Zeit, auch am Wochen­ende.

Frühaufsteher werden - Das Zusammenspiel Schlafdruck und Zircadianer Rhythmus

Das Zusam­men­spiel von Schlaf­druck und Zirka­dianem Rhythmus | Gezeigt sind 48 Stunden. Die untere Kurve zeigt den Verlauf des Zirka­dianen Rhythmus und die obere Kurve zeigt den Verlauf des Schlaf­drucks. Je größer der Abstand zwischen den beiden Kurven (ange­deutet durch die Schraf­fie­rung), umso besser eignet sich der Zeitpunkt zum Einschlafen.

Fazit

Spät­auf­steher, die die folgenden vier Punkte beachten, können ohne viel Stress zu Früh­auf­ste­hern werden:

  1. Den richtigen Zeitpunkt für das Aufstehen erwischen (einen Schlaf­pha­sen­we­cker nutzen).
  2. Möglichst jeden Tag zur gleichen Zeit schlafen, damit Schlaf­druck und Zirka­dianer Rhythmus möglichst gut zusam­men­ar­beiten.
  3. Nach einer bestimmten Uhrzeit kein Koffein mehr einnehmen.
  4. Sich nach einer bestimmten Uhrzeit möglichst keinem blaues Licht mehr aussetzen (Blau­licht­filter und/oder gelb getönte Brillen verwenden).

Meine persön­liche Erfahrung

In den letzten Jahren habe ich häufiger mit meinem Schlaf expe­ri­men­tiert. Zum Beispiel bin ich im letzten Sommer einige Monate lang meinem natür­li­chen Rhythmus gefolgt, was heißt, dass ich das Aufwachen komplett dem Zufall über­lassen habe (kein Wecker!) und dass ich ins Bett gegangen bin, als ich müde wurde.

In den meisten Fällen lief es darauf hinaus, dass ich von kurz nach Mitter­nacht bis etwa neun Uhr morgens geschlafen habe. Mein natür­li­ches Schlaf­be­dürfnis scheint zwischen acht­ein­halb und neun Stunden zu liegen – zumindest im Sommer.

Aktuell stehe ich morgens gegen sechs Uhr mithilfe eines Weckers auf. Obwohl ich eher eine Eule bin, bin ich objektiv betrachtet produk­tiver, wenn ich morgens früh mithilfe eines Weckers aufstehe. Da ich abends bereits um halb zehn ins Bett gehe, komme ich auf über acht Stunden Schlaf pro Nacht, die ich zu brauchen scheine.

(Im Sommer werde ich vermut­lich wieder später aufstehen, weil ich nicht ins Bett gehen kann/möchte, wenn es draußen hell ist.)

P.S.: Ich rate jedem Menschen dazu, sich einmal intensiv mit dem Thema Schlaf ausein­an­der­zu­setzen. Die meisten Menschen glauben, dass ihre Leis­tungs­fä­hig­keit und Gesund­heit größ­ten­teils von ihrer Ernährung abhängt. Auch ich habe bis vor kurzem so gedacht.

Nachdem ich mich aber intensiv mit dem Thema Schlaf beschäf­tigt hatte, musste ich meine Prio­ri­täten ändern, denn mir wurde klar:

Gesund zu schlafen ist sehr viel wichtiger, als sich „gesund“ zu ernähren!

Einen super Überblick über alle wichtigen Facetten des Schlafes bietet Das große Buch vom Schlaf (*) von Prof. Dr. med. Matthew Walker.

Ich wünsche dir viel Erfolg!
Jan Höpker

Dr. Jan Höpker - Foto Autorenbox

Über Dr. Jan Höpker

Eines Tages wachte ich auf und stellte fest, dass ich über viele spannende Themen nicht nur nichts wusste, sondern nicht einmal wusste, dass ich nichts über sie wusste (trotz Studium und Promotion). Seitdem lese ich viele schlaue Bücher und mache mir Gedanken, die ich auf dieser Webseite veröf­fent­liche.

Meine Artikel gehen in die Tiefe, weil ich für Ober­fläch­lich­keit keine Zeit habe. Warum die Seite HabitGym heißt? Weil es nicht darum geht, Dinge nur zu wissen, sondern Wissen auch anzu­wenden, was einiger Übung bedarf. Auch Geld ist nur ein Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger. Zurzeit arbeite ich übrigens an meiner zweiten Million – die erste Million hat leider nicht geklappt ;)

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P.S.: Mitt­ler­weile bin ich selbst Autor mehrerer Bücher (siehe hier).

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6 Antworten auf Werde Früh­auf­steher, aber ohne dich zu quälen (in 2 Schritten)

  1. Hey Jan,

    danke für diesen tollen und sehr ausführ­li­chen Beitrag, der mir sehr weiter­ge­holfen hat. Ich konnte viele neue Impulse sammeln, dafür bin ich dankbar.Auf jeden Fall werde ich mir einen Schlaf­pha­sen­we­cker besorgen.

    Liebe Grüße
    Felix von der Adpoint

    • AvatarJan sagt:

      Hey Felix,
      Danke für das Feedback. Es freut mich, dass ich dir weiter­helfen konnte.
      Viele Grüße und weiterhin viel Erfolg,
      Jan

  2. AvatarAndrea sagt:

    Ein kleines bisschen nadelt es noch immer im Text (»Man bekommt mit höherer Wahr­schein­lich­keit den Job nicht, sondern eine LÄrche«). Doch davon abgesehen: Spannende neue Erkennt­nisse zu einem Thema, das eigent­lich nicht neu ist, dazu noch praktisch umsetz­bare Tipps. Danke dafür.

  3. AvatarBini Katz sagt:

    ich habe deinem artikel 4 von 5 sternen gegeben wegen eines perma­nenten, pein­li­chen recht­schreib­feh­lers. eine LÄRCHE ist ein einhei­mi­sches nadel­ge­hölz, das im gegensatz zu allen anderen koniferen im winter die nadeln verliert; die LERCHE ist eigent­lich ein vogel, der vom aussterben bedroht ist – nicht durch die EULEN, sondern durch uns menschen. ob er wirklich so früh aufsteht, sei dahin­ge­stellt ;-)

    • AvatarJan sagt:

      Liebe Bini,
      Vielen Dank für den Hinweis. Da habe ich im Bio-Unter­richt wohl nicht aufge­passt. Habe die 20 Fehler sofort korri­giert :D
      Liebe Grüße,
      Jan

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