Werde Früh­auf­steher, aber ohne dich zu quälen (in 2 Schritten)

Zuletzt aktua­li­siert am 29. Juni 2019 von Dr. Jan Höpker.

Viele Gurus sind der Meinung, dass extrem frühes Aufstehen eine Art Grund­vor­aus­set­zung für den beruf­li­chen oder unter­neh­me­ri­schen Erfolg ist. Was ist dran, an dieser Theorie? Kann jeder Mensch zum Früh­auf­steher werden? Wenn ja, wie geht das?

Fruehaufsteher werden

Das Schlaf­be­dürfnis des Menschen

Aus evolu­tio­nären Gründen gibt es Unter­schiede im Schlaf­be­dürfnis einzelner Menschen. Die Unter­schiede betreffen den Zeitpunkt und die Dauer des benö­tigten Schlafes. Der Sinn dahinter: Unsere stein­zeit­li­chen Vorfahren schliefen in Klein­gruppen unter freiem Himmel. Hätte die gesamte Gruppe gleich­zeitig geschlafen, hätten Angreifer leichtes Spiel gehabt. Darum schliefen einige unserer Vorfahren früher, während andere später schliefen. Nur so war sicher­ge­stellt, dass immer irgend­je­mand wach war, um im Ernstfall Alarm zu schlagen.

Kurz­schläfer und Lang­schläfer

Wenn es heißt, dass Erwach­sene acht Stunden Schlaf benötigen, dann ist nicht vom Schlaf­be­dürfnis jedes einzelnen Erwach­senen die Rede, sondern von einem Mittel­wert. Obwohl das indi­vi­du­elle Schlaf­be­dürfnis der meisten Menschen nah an diesem Mittel­wert liegt, können doch deutliche Abwei­chungen auftreten.  Es gibt Menschen, die nur vier Stunden Schlaf benötigen, und es gib Menschen, die nicht unter zwölf Stunden klar­kommen.

Früh- und Spätschläfer (Lerchen und Eulen)

Menschen, die von Natur aus früh schlafen und am Morgen entspre­chend früh wieder auf den Beinen sind, werden als Lerchen bezeichnet. Am anderen Ende des Spektrums befinden sich die Eulen, die spät schlafen und spät aufstehen. Genau wie beim Schlaf­be­dürfnis, befinden sich die meisten Menschen irgendwo in der Mitte des Spektrums.

Bevor­zugte Schla­fens­zeit | Wenn die extremsten Lerchen schon wieder wach sind, gehen die extremsten Eulen erst schlafen. So war sicher­ge­stellt, dass unsere stein­zeit­li­chen Vorfahren niemals unbewacht schlafen mussten. Dieses evolu­tio­näre Erbe tragen wir heute noch ins uns. Einige Menschen sind von Natur aus Früh­schläfer und andere sind Spätschläfer

Zu welchem Lager man gehört, kann sich im Laufe des Lebens ändern. Während der Pubertät mutieren viele Jugend­liche zu extremen Spätschlä­fern und mit zuneh­mendem Alter werden die meisten Menschen immer mehr zu Lerchen.

Die Tyrannei der Kurz- und Früh­schläfer

Insbe­son­dere die Anführer früherer Genera­tionen gingen davon aus, dass alle Menschen gleich viel Schlaf benötigen. Wer länger schlief, war in ihren Augen faul und unmo­ti­viert. Dieses pessi­mis­ti­sche Menschen­bild wurde in der Zwischen­zeit eindeutig widerlegt. Das scheint sich aber noch nicht überall herum­ge­spro­chen zu haben. Viele Kurz­schläfer und Früh­auf­steher führen ihre Schlaf­ge­wohn­heiten nicht auf ihre Gene, sondern auf ihre ach so tolle Arbeits­moral zurück.

Da Lerchen und Kurz­schläfer beruflich erfolg­rei­cher sind, gelangen sie häufiger in Posi­tionen, in denen die Regeln und Gesetze für alle Menschen gemacht werden. Der über­trieben frühe Schul­be­ginn wurde eindeutig von Lerchen für Lerchen fest­ge­legt. Für die Eulen ist das fatal, denn Unter­su­chungen haben gezeigt, dass Lerchen um eine halbe Note besser in der Schule sind – nicht weil sie intel­li­genter wären, sondern weil ihnen der frühe Schul­be­ginn in die Karten spielt. Auch karrie­re­tech­nisch läuft für Lerchen vieles besser, weshalb sie häufiger in besagten Posi­tionen landen und die Regeln und Gesetze für alle Menschen bestimmen. Ein Teufels­kreis.

Sollten Eulen Früh­auf­steher werden?

Aus Sicht der Lerchen läuft alles gut. Nur für Eulen stellt sich die Frage, ob sie sich verändern und Früh­auf­steher werden sollten.

Was spricht dafür, Früh­auf­steher zu werden?

Jeder Eule steht es frei, nach ihrem eigenen Rhythmus zu leben. Dabei wird sie jedoch häufiger in Schwie­rig­keiten geraten, denn wer in Schule, Studium und Beruf um das Äqui­va­lent einer halben Note schlechter abschneidet, muss unan­ge­nehme Folgen fürchten:

  • Man fällt mit höherer Wahr­schein­lich­keit durch Prüfungen.
  • Man verliert mit höherer Wahr­schein­lich­keit einen Job.
  • Man bekommt mit höherer Wahr­schein­lich­keit keinen Job (weil die Lerchen die Jobs bekommen).

Unsere Kultur begüns­tigt Früh­auf­steher, und Eulen müssen täglich gegen den Strom anschwimmen. Dennoch ist es leichter, sich selbst zu ändern, als die Gesell­schaft zu ändern.

Früh­auf­steher sind produk­tiver, weil sie weniger gestört werden

Dadurch, dass wir nach dem Aufstehen zeitnah arbeiten und erst nach der Arbeit Freizeit haben, ergibt sich eine Asym­me­trie, die Lerchen noch produk­tiver macht und Eulen ausbremst: Menschen lenken sich gegen­seitig bei der Arbeit ab. Lerchen haben insofern einen Vorteil, als dass die Eulen noch schlafen, während sie bereits produktiv sind. Beim Lernen und Arbeiten werden Lerchen daher weniger von Eulen gestört, als umgekehrt. Kein Wunder, dass Lerchen, insbe­son­dere solche, die vergleichs­weise wenig Schlaf benötigen, auf voller Linie erfolg­rei­cher sind und den Ton angeben.

Früh­auf­steher sind gesünder und leben länger

Studien haben gezeigt, dass Lerchen länger leben und seltener unter psychi­schen und gesund­heit­li­chen Problemen leiden. Sie nehmen seltener Drogen, rauchen weniger und trinken weniger Alkohol. Zum Teil kann dieser Unter­schied darauf zurück­ge­führt werden, dass Früh­auf­steher weniger unter Stress zu leiden haben als die Lang- und Spätschläfer. Nur die Früh­auf­steher haben das Privileg, die für sie besten Stunden des Tages zumindest halbwegs ungestört produktiv sein zu können und dadurch Stress zu verhin­dern, bevor er entsteht.

Aus Eulen-Sicht spricht doch einiges dafür, sich den Rhythmus einer Lerche anzu­eignen.

Was dagegen spricht, Früh­auf­steher zu werden

Die Vorteile des frühen Aufste­hens liegen klar auf der Hand, doch leider lässt sich der eigene, genetisch fixierte Chronotyp nicht so leicht verändern. Eulen verwan­deln sich nicht auf magische Weise in Lerchen, indem sie sich einen anderen Schlafrhythmus antrai­nieren. Das bedeutet aber nicht, dass Eulen gar nicht die Möglich­keit hätten, früher aufzu­stehen, um zumindest teilweise von den Vorteilen des Lerchen-Rhythmus zu profi­tieren.

In einer perfekten Welt würde sich die Gesell­schaft besser auf die Eulen einstellen. Die Frage, die sich jede Eule stellen muss, lautet: Wer sitzt am längeren Hebel, die Kultur oder die Biologie? Schlaf­for­scher sind im Allge­meinen der Ansicht, dass sich die Kultur an die Biologie anpassen sollte und nicht umgekehrt. Till Rosenberg, Professor für Chro­no­bio­logie an der LMU München hat es in einem Interview mit Cosmo­po­litan so formu­liert:

»Wenn wir den Menschen erlauben würden, zu arbeiten, wenn sie am leis­tungs­fä­higsten sind und zu schlafen, wenn sie das am besten können, hätten wir eine deutlich effek­ti­vere und gesündere Arbeit­neh­mer­schaft.«

Nur wenn gar keine Chance besteht, dass sich die Kultur beugt, sollten Eulen in Erwägung ziehen, das Leben eines Früh­auf­ste­hers zu führen.

Wie man Früh­auf­steher wird

Wer zum Früh­auf­steher mutieren möchte, muss seine Biologie über­listen. Mit purer Willens­an­stren­gung ist das kaum zu erreichen. Man braucht einen guten Plan und muss ihn durch­ziehen. Was man auf gar keinen Fall tun sollte, ist weniger zu schlafen. Das sollte eigent­lich selbst­ver­ständ­lich sein, aber einige Gurus empfehlen genau diesen unge­sunden Schritt.

Fakt ist: Wer sein natür­li­ches Schlaf­be­dürfnis dauerhaft unter­schreitet, schießt sich selbst ins Knie. Ein chro­ni­sches Schlaf­de­fizit vor sich herzu­schieben, bedeutet mehr Stress­hor­mone im Blut und ein erhöhtes Risiko für Diabetes, Demenz, Blut­hoch­druck, Herz­in­farkt, Über­ge­wicht, Depres­sionen, Unfrucht­bar­keit und Krebs zu haben. Kurz, bei chro­ni­schem Schlaf­mangel wird man dumm, man sieht früher alt aus und man wird früher sterben. Außerdem wird man weniger vom Tag haben, da man die meiste Zeit über müde ist.

Man sollte sich darauf einstellen, dass die Umstel­lung unan­ge­nehm wird

Die Wahr­schein­lich­keit, dass man tatsäch­lich dauerhaft zum Früh­auf­steher wird, ist größer, wenn man realis­ti­sche Erwar­tungen hat. Man sollte damit rechnen, während der ersten paar Tage tagsüber müde zu sein. Viel­leicht wird man sogar an der Schlaf-Umstel­lung selbst zweifeln. Erst nach ein paar Tagen wird man sich besser fühlen und leis­tungs­fähig sein.

Schritt #1: Früher aufstehen

Am ersten Tag des neuen Lebens als Früh­auf­steher sollte man nur früher aufstehen und alles andere beim Alten belassen. Wie gut diese Verän­de­rung gelingt, hängt auch davon ab, ob man den richtigen Zeitpunkt erwischt.

Der richtige Zeitpunkt für das Aufstehen

Während einer Nacht durch­laufen wir wieder­holt mehrere Schlaf­phasen, in denen wir unter­schied­lich tief schlafen. Falls der Wecker ausge­rechnet eine Tief­schlaf­phase erwischt, fühlen wir uns beim Aufwachen gerädert und kommen nur schwer in die Gänge. Das Ziel sollte sein, dass der Wecker in einer Leicht­schlaf­phase klingelt.

Frühaufsteher werden Schlafphasen

Im Schlaf durch­laufen wir mehrfach hinter­ein­ander verschie­dene Schlaf­phasen | Je weiter unten sich die Schlaf­phase im Schaubild befindet, umso tiefer schlafen wir und umso schwerer fällt das Aufstehen. Das Schaubild zeigt einen 8‑stündiger Schlaf; die Zeit verläuft von links nach rechts.

Den idealen Zeitpunkt findet man durch Auspro­bieren. Wenn man Pech hatte und eine Tief­schlaf­phase erwischt hat, sollte man den Wecker für den nächsten Morgen einfach um ein paar Minuten früher oder später klingeln lassen.

Oder man legt sich gleich einen soge­nannten Schlaf­pha­sen­we­cker zu. Einen Schlaf­pha­sen­we­cker program­miert man nicht mit einer fixen Weckzeit (z. B. 6 Uhr), sondern mit einem Zeit­fenster (z. B. 5:30 bis 6:30 Uhr). Ein Sensor ermittelt die aktuelle Schlaf­phase anhand von leichten Erschüt­te­rungen der Matratze, die durch charak­te­ris­ti­sche Körper­be­we­gungen ausgelöst werden. Der Wecker klingelt erst, wenn man innerhalb des Zeit­fens­ters leicht schläft oder wenn das Ende des Zeit­fens­ters erreicht ist.

Wie man sofort und ohne »Snooze« aufsteht

Einigen Menschen fällt es schwer, aufzu­stehen, sobald der Wecker klingelt. Anstatt in den Tag zu starten, drücken sie alle paar Minuten die »Snooze«-Taste. Ich habe diese schlechte Ange­wohn­heit in den Griff bekommen, indem ich dazu überging, meinen Wecker weit außerhalb meines Bettes zu posi­tio­nieren. So war ich gezwungen aufstehen und einige Meter zum Wecker zu laufen, wobei ich wach wurde und den Drang, mich wieder schlafen zu legen, über­winden konnte. Was mir ebenfalls geholfen hat, war morgens nach dem Aufstehen eine Sache zu tun, auf die ich mich freuen konnte: In einem richtig guten Buch lesen.

Wenn all das nicht hilft, kann eine Strategie zum Einsatz kommen, die Steve Pavlina auf seiner Webseite empfiehlt: Sich das sofortige Aufstehen zur Gewohn­heit machen, indem man übt. Pavlina schlägt vor, sich am Tage ins Bett zu legen, den Wecke auf »in 5 Minuten« zu stellen und sich in der Zwischen­zeit vorzu­stellen, man würde schlafen. Wenn der Wecker klingelt, steht man sofort auf. Die ganze Prozedur kann man mehrmals hinter­ein­ander wieder­holen.

Am ersten Tag unseres neuen Lebens sind wir nun also früher aufge­standen, was bedeutet, dass wir weniger als üblich geschlafen haben. Als Nächstes müssen wir den Zeitpunkt des Zubett­ge­hens verschieben.

Schritt #2: Früher schlafen gehen

Aus zwei Gründen war es sinnvoll, zunächst nur früh aufzu­stehen, aber die Zubett­geh­zeit unver­än­dert zu lassen: Es macht einfach keinen Spaß, abends stun­den­lang wach im Bett zu liegen, und außerdem wissen wir noch gar nicht, wann wir ins Bett gehen sollten. Für den zweiten Tag sieht unsere Strategie nun vor, ins Bett zu gehen, sobald wir müde geworden sind – auf keinen Fall vorher!

Abends früher müde werden, um mehr Schlaf zu bekommen

Wann wir abends müde werden und leicht einschlafen können, hängt von zwei Faktoren ab:

  1. Schlaf­druck.
  2. Zirka­dianer Rhythmus.

Diese beide Faktoren steuern gemeinsam unseren Schlaf-wach-Rhythmus. Die meisten Menschen werden abends unna­tür­lich spät müde, weil sie ihren Schlaf-wach-Rhythmus aktiv mani­pu­lieren, meist ohne sich dessen bewusst zu sein. Die Folge ist zu wenig Schlaf. Wer sich ange­wöhnen möchte, früher aufzu­stehen, sollte ganz besonders darauf achten, seinen Schlaf-wach-Rhythmus nicht durch­ein­an­der­zu­bringen. Schauen wir uns einmal an, wie genau unser Schlaf-wach-Rhythmus reguliert wird und wie wir ihn mani­pu­lieren.

Das Schlaf­be­dürfnis hängt vom Schlaf­druck ab

Der soge­nannte Schlaf­druck wird von dem Stoff­wech­sel­pro­dukt Adenosin erzeugt, das sich während des Wachseins im Gehirn ansammelt. Die Adenosin-Moleküle docken an Adenosin-Rezep­toren an und lösen das Bedürfnis nach Schlaf aus. Je mehr dieser Rezep­toren von Adenosin-Molekülen besetzt sind, umso größer ist der Schlaf­druck und damit auch das Bedürfnis nach Schlaf. Im Schlaf wird das Adenosin wieder aus dem Gehirn entfernt. Die wach­ma­chende Wirkung von Koffein kommt daher, dass die Adenosin-Rezep­toren von den Koffein-Molekülen blockiert werden, sodass der Schlaf­druck effektiv abnimmt.

Der zirka­diane Rhythmus steuert das Einschlafen

Während der Schlaf­druck über das Schlafbedürfnis entscheidet, regelt der zirka­diane Rhythmus das Einschlafen. Es handelt sich um eine innere Uhr, deren Aufgabe darin besteht, unseren Schlaf-wach-Rhythmus nach der Sonne auszu­richten. Das Ziel unseres Gehirns besteht darin, dass das Schlaf­hormon Melatonin einige Stunden nach Sonnen­un­ter­gang ausge­schüttet wird, um den Einschlaf­vor­gang einzu­leiten.

Bezüglich unserer inneren Uhr gibt es eine Beson­der­heit, die man kennen sollte: Ein Zyklus dauert nicht 24 Stunden, sondern etwa eine Stunde länger. Um mit der Sonne synchron zu laufen, muss die innere Uhr regel­mäßig nach­jus­tiert werden. Andern­falls würden wir jeden Tag eine weitere Stunde später müde werden. Bis vor etwas mehr als hundert Jahren geschah dies ausschließ­lich durch Sonnen­licht. In unseren Augen befindet sich ein kleiner Detektor, der auf den blauen Anteil des Sonnen­lichts reagiert und das Gehirn über den Sonnen­stand infor­miert, sodass die innere Uhr einge­stellt werden kann.

Elek­tri­sches Licht verstellt die innere Uhr

Seit wir aber über elek­tri­sches Licht und Bild­schirme verfügen, wird unsere innere Uhr permanent aus dem Takt gebracht, sodass wir zu spät müde werden und entspre­chend zu spät schlafen gehen. Weil wir aber zu einem fixen Zeitpunkt aufstehen, nämliche dem Zeitpunkt, zu dem unser Wecker klingelt, bauen wir ein Schlaf­de­fizit auf. Wer zu dem von der Natur vorge­se­henen Zeitpunkt müde werden und einschlafen möchte, sollte in den Abend­stunden blaues Licht vermeiden.

Blaues Licht ist nicht nur Licht, welches blau aussieht – auch in weißem Licht ist blaues Licht enthalten. Insbe­son­dere von LED-Lampen, TV-Geräten, Smart­phones und Compu­ter­mo­ni­toren geht viel blaues Licht aus. Das bedeutet glück­li­cher­weise nicht, dass man abends komplett auf diese Geräte verzichten muss, denn es gibt kosten­lose Apps, die den Blau­licht­an­teil von Smart­phones und Monitoren am Abend redu­zieren, sodass die innere Uhr im Takt bleibt. Auch gelb getönte Brillen filtern blaues Licht.

Das Zusam­men­spiel von Schlaf­druck und zirka­dianem Rhythmus

Etwas verein­facht gespro­chen, möchte unsere Biologie, dass wir am Tage wachen und nachts schlafen – auch dann, wenn wir einmal eine Nacht lang durch­ge­macht oder tagsüber ein Nicker­chen gehalten haben. Zu Phäno­menen, wie zum Beispiel, dass man trotz großer Müdigkeit nicht (ein)schlafen kann, weil man schon »über dem toten Punkt hinaus ist«, kommt es vor allem dann, wenn man unre­gel­mäßig schläft. Idea­ler­weise sollte man daher immer zur gleichen Zeit schlafen – auch am Wochen­ende.

Zusammenspiel zwischen zirkardianem Rhythmus und Schlafdruck

Das Zusam­men­spiel von Schlaf­druck und zirka­dianem Rhythmus | Gezeigt sind etwa 48 Stunden. Die rote Kurve zeigt den Verlauf des zirka­dianen Rhythmus und die blaue Kurve zeigt den Verlauf des Schlaf­drucks. Je größer der Abstand zwischen den beiden Kurven, umso besser eignet sich der Zeitpunkt zum Einschlafen.

Fazit

Spät­auf­steher, die die folgenden vier Punkte beachten, können ohne viel Stress zu Früh­auf­ste­hern werden:

  1. Den richtigen Zeitpunkt für das Aufstehen erwischen (idea­ler­weise einen Schlaf­pha­sen­we­cker nutzen).
  2. Möglichst jeden Tag zur gleichen Zeit schlafen gehen, damit Schlaf­druck und zirka­dianer Rhythmus möglichst gut zusam­men­ar­beiten.
  3. Nach einer bestimmten Uhrzeit kein Koffein mehr einnehmen.
  4. Sich nach einer bestimmten Uhrzeit möglichst keinem blauen Licht mehr aussetzen (Blau­licht­filter und/oder gelb getönte Brillen verwenden).

Meine persön­liche Erfahrung

In den letzten Jahren habe ich häufiger mit meinem Schlaf expe­ri­men­tiert. Zum Beispiel bin ich im letzten Sommer (2018) einige Monate lang meinem natür­li­chen Rhythmus gefolgt. Meist lief es darauf hinaus, dass ich von kurz nach Mitter­nacht bis etwa neun Uhr morgens geschlafen habe. Mein natür­li­ches Schlaf­be­dürfnis scheint also zwischen acht­ein­halb und neun Stunden zu liegen, zumindest im Sommer.

Aktuell stehe ich morgens gegen sechs Uhr mithilfe eines Weckers auf. Obwohl ich eher eine Eule bin, bin ich objektiv betrachtet produk­tiver, wenn ich morgens früh mithilfe eines Weckers aufstehe. Da ich abends bereits um halb zehn ins Bett gehe, komme ich auf über acht Stunden Schlaf pro Nacht, die ich zu brauchen scheine. Im nächsten Sommer werde ich vermut­lich wieder später aufstehen, weil ich nicht ins Bett gehen kann/möchte, wenn es draußen hell ist.

P.S.: Ich rate jedem Menschen dazu, sich einmal intensiv mit dem Thema Schlaf ausein­an­der­zu­setzen. Die meisten Menschen glauben, dass ihre Leis­tungs­fä­hig­keit und Gesund­heit größ­ten­teils von ihrer Ernährung abhängt. Auch ich habe bis vor Kurzem so gedacht. Nachdem ich mich aber intensiv mit dem Thema Schlaf beschäf­tigt hatte, musste ich meine Prio­ri­täten ändern, denn mir wurde klar:

Gesund zu schlafen ist wichtiger, als sich „gesund“ zu ernähren!

Einen super Überblick über alle wichtigen Facetten des Schlafes bietet Das große Buch vom Schlaf* von Prof. Dr. med. Matthew Walker.

Ich wünsche dir viel Erfolg!
Jan Höpker

Dr. Jan Höpker - Foto Autorenbox

Über Dr. Jan Höpker

Eines Tages wachte ich auf und stellte fest, dass ich über viele spannende Themen nicht nur nichts wusste, sondern nicht einmal wusste, dass ich nichts über sie wusste (trotz Studium und Promotion). Seitdem lese ich viele schlaue Bücher und mache mir Gedanken, die ich auf dieser Webseite veröf­fent­liche.

Meine Artikel gehen in die Tiefe, weil ich für Ober­fläch­lich­keit keine Zeit habe. Warum die Seite HabitGym heißt? Weil es nicht darum geht, Dinge nur zu wissen, sondern Wissen auch anzu­wenden, was einiger Übung bedarf. Auch Geld ist nur ein Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger. Zurzeit arbeite ich übrigens an meiner zweiten Million – die erste Million hat leider nicht geklappt ;)

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P.S.: Mitt­ler­weile habe ich selbst einige Bücher geschrieben (siehe hier).

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6 Antworten auf Werde Früh­auf­steher, aber ohne dich zu quälen (in 2 Schritten)

  1. Hey Jan,

    danke für diesen tollen und sehr ausführ­li­chen Beitrag, der mir sehr weiter­ge­holfen hat. Ich konnte viele neue Impulse sammeln, dafür bin ich dankbar.Auf jeden Fall werde ich mir einen Schlaf­pha­sen­we­cker besorgen.

    Liebe Grüße
    Felix von der Adpoint

    • AvatarJan sagt:

      Hey Felix,
      Danke für das Feedback. Es freut mich, dass ich dir weiter­helfen konnte.
      Viele Grüße und weiterhin viel Erfolg,
      Jan

  2. AvatarAndrea sagt:

    Ein kleines bisschen nadelt es noch immer im Text (»Man bekommt mit höherer Wahr­schein­lich­keit den Job nicht, sondern eine LÄrche«). Doch davon abgesehen: Spannende neue Erkennt­nisse zu einem Thema, das eigent­lich nicht neu ist, dazu noch praktisch umsetz­bare Tipps. Danke dafür.

  3. AvatarBini Katz sagt:

    ich habe deinem artikel 4 von 5 sternen gegeben wegen eines perma­nenten, pein­li­chen recht­schreib­feh­lers. eine LÄRCHE ist ein einhei­mi­sches nadel­ge­hölz, das im gegensatz zu allen anderen koniferen im winter die nadeln verliert; die LERCHE ist eigent­lich ein vogel, der vom aussterben bedroht ist – nicht durch die EULEN, sondern durch uns menschen. ob er wirklich so früh aufsteht, sei dahin­ge­stellt ;-)

    • AvatarJan sagt:

      Liebe Bini,
      Vielen Dank für den Hinweis. Da habe ich im Bio-Unter­richt wohl nicht aufge­passt. Habe die 20 Fehler sofort korri­giert :D
      Liebe Grüße,
      Jan

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