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Dr. Jan Höpker

Aktualisiert am 26. August 2021


Gedächtnisfehler gehören zum Alltag. In diesem Artikel möchte ich sieben Fehler vorstellen, die jedes gesunde Gedächtnis macht – sogar mit voller Absicht!

Zufällig laufe ich beim Joggen einem alten Freund über den Weg.

Spontan werde ich zu seiner Geburtstagsfeier eingeladen:

»Komm doch nächsten Samstag um 20.15 Uhr bei mir zu Hause vorbei!«

Ich habe keine Möglichkeit, mir diese Info aufzuschreiben.

Zum Glück gibt es das Gedächtnis. Idealerweise würde mein Gedächtnis folgendes tun:

  • Die Info abspeichern: Samstag – 20.15 Uhr – bei ihm zu Hause
  • Die Info behalten
  • Die Info zum passenden Zeitpunkt wieder ausspucken
  • Die Info löschen, sobald sie nicht mehr gebraucht wird

Rein – Halten – Raus – Löschen

Auf allen vier Stufen können unerwünschte Dinge passieren. Die folgenden Situationen haben wir alle schon erlebt:

Das Gedächtnis hat die Infos einfach nicht gespeichert

Die Info geht zum einen Ohr rein, und zum anderen Ohr wieder raus.

Das Gedächtnis besitzt eine Art Türsteher. Welche Infos der Türsteher akzeptiert, hängt von einigen Faktoren ab, auf die ich in einem Artikel über kluge Lernmethoden genauer eingehe.

Das Gedächtnis hat die Infos nachträglich verändert

Gedächtnisinhalte können sich nachträglich verändern. Aus 20.15 Uhr wird 20 Uhr, und aus Samstag wird Freitag.

Das Gedächtnis spuckt die Infos nicht wieder aus

Manchmal lassen sich Gedächtnisinhalte einfach nicht abrufen. Der Name unseres Gesprächspartners liegt uns auf der Zunge, aber das Gedächtnis rückt den Namen nicht raus.

Bestimmte Erinnerungen gehen nicht mehr weg

Gelegentlich kommt es vor, dass wir eine Erinnerung einfach nicht mehr loswerden. Wie ein Ohrwurm drängt sich eine bestimmte Szene ständig wieder ins Bewusstsein.

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Die Gedächtnis­forschung kennt sieben verschiedene Gedächtnisfehler

In dem Buch Aussetzer* stellt der Gedächtnisforscher Daniel Schacter insgesamt sieben verschiedene Gedächtnisfehler vor.

(Interessanter als die Beschreibung dieser Fehler, ist Schacters Theorie über ihre Entstehung: Sie sind vielleicht gar keine Fehler. Später mehr dazu.)

Die sieben Gedächtnisfehler im Überblick

#1 | Transienz (Vergänglichkeit)

Theoretisch könnte das Gedächtnis deutlich mehr Dinge speichern, als es tatsächlich dauerhaft speichert. Unterm Strich würde unser Leben dadurch aber nicht einfacher werden.

Unwichtige Gedächtnisinhalte werden aussortiert, sie verblassen mit der Zeit. Vereinfacht gesagt, wird all das wieder gelöscht, was wir nicht regelmäßig benutzen.

Es gibt Ausnahmen: Einige Dinge sind so wichtig, dass sie niemals vergessen werden.

#2 | Geistesabwesenheit

Das Gedächtnis speichert nur diejenigen Dinge, die uns in Zukunft wichtig sein könnten.

Bei der Entscheidung, was wichtig ist, spielt unsere Aufmerksamkeit eine Rolle: Nur Dinge, auf die wir unsere Aufmerksamkeit richten, werden abgespeichert.

Alles, was nur am Rande passieren, geht zum einen Ohr rein und zum anderen Ohr wieder raus. Wenn wir nicht aufpassen, dann kann es ja nicht so wichtig sein.

#3 | Blockierung

Wir haben etwas auf der Zunge, können es aber nicht sagen. Die Ursache der Blockierung sind mangelnde Anknüpfungspunkte.

Dieses Phänomen tritt häufig bei Namen auf. Namen sind meistens zufällig, das heißt, es gibt keine Eselsbrücken.

Wenn Namen gleichzeitig Berufe bezeichnen, wie zum Beispiel Bäcker, tritt die Blockierung seltener auf.

#4 | Fehlattribution

Gelegentlich erinnern wir Ereignisse, die niemals auf die erinnerte Art und Weise stattgefunden haben. Oder wir glauben, einen genialen Einfall zu haben, aber in Wahrheit ist es bloß die Erinnerung an eine fremde Idee, von der wir vor einiger Zeit gehört oder gelesen hatten.

Auf diese Art und Weise ist es schon zu Plagiaten gekommen.

Schacter sagt, dass Fehlattributionen häufig vorkommen, meist aber unbemerkt bleiben.

#5 | Suggestibilität

Wir sehen etwas im Fernsehen und glauben anschließend, dass es uns selbst passiert wäre.

(Wurde eigentlich schon untersucht, ob Science-Fiction-Fans häufiger von Außerirdischen entführt werden, als Menschen, die keine Science-Fiction mögen?)

#6 | Verzerrung

Unsere Erinnerungen werden nachträglich verändert, denn das Gehirn passt die Vergangenheit an die Gegenwart an.

Jeder kennt das: Ein Freund hat seine Meinung geändert, und jetzt behauptet er, dass er schon immer diese neue Meinung gehabt hätte.

#7 | Persistenz (Beharrlichkeit)

Wir würden bestimmte Erinnerungen gerne wieder loswerden, aber es passiert einfach nicht. Das bekannteste Beispiel ist der Ohrwurm.

Persistenz tritt insbesondere bei emotional besetzen Ereignissen auf. Wie ich bei der Geistesabwesenheit (#2) schon geschrieben hatte, möchte das Gedächtnis möglichst nur solche Dinge dauerhaft abspeichern, die wichtig sind.

Um die Wichtigkeit zu beurteilen, nutzt das Gedächtnis Indikatoren wie die Aufmerksamkeit und den emotionalen Zustand. Wenn wir etwas fühlen, dann ist es wichtig!

Positive Emotionen mag das Gedächtnis am liebsten: Die entsprechenden Erinnerungen bleiben länger im Gedächtnis, als das bei den negativen Emotionen der Fall ist.

Übrigens: Wer aktiv versucht, etwas zu vergessen, erreicht damit oft genau das Gegenteil. Ohrwürmer sollten wir uns einfach so lange anhören, bis das Gehirn selbst genug hat.

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Gedächtnis­fehler sind keine Fehler (sondern Features)

Der Gedächtnisforscher Daniel Schacter vertritt die These, dass die Gedächtnisfehler von der Natur beabsichtigt sind, weil sie sinnvoll waren, als unsere Urururur-Großeltern als Jäger und Sammler durch die Landschaft zogen.

Die Aufgabe des Gehirns bestand schon immer darin, intelligentes Handeln zu planen, ohne dabei zu viele Ressourcen zu verbrauchen.

In der Steinzeit wäre es klug gewesen, eine Telefonnummer sofort wieder zu vergessen, denn es gab ja ohnehin keine Telefone.

Die Aufgabe des Gehirns ist noch die gleiche, aber die Umwelt hat sich verändert

Heute gibt es Telefone, und es wäre wünschenswert, sich einige Nummern merken zu können.

Im Zusammenhang mit all den Dingen, die es in der Steinzeit nicht gab, sollten wir uns nicht zu sehr auf unser Gedächtnis verlassen.

Die meisten Menschen verlassen sich zu sehr auf ihr Gedächtnis

Auch ich habe geglaubt, dass ich ein unfehlbares Supergedächtnis habe.

Aufschreiben? Nee! Kann ich mir merken!

Ich kann mir ALLES merke!

Hausaufgaben? Wir hatten Hausaufgaben auf?

Wenn sich meine eigene Erinnerung nicht mit der Erinnerung eines Freundes deckte, bin ich automatisch davon ausgegangen, dass ich recht habe und er sich irrt. Meine Erinnerung fühlte sich ja echt an.

Fakt ist: Die Wahrscheinlichkeit, dass mein Kumpel recht hatte, war genau so groß, wie die Wahrscheinlichkeit, dass ich recht hatte.

Jeder ist von Gedächtnisfehlern betroffen

Natürliche Gedächtnisfehler sind unvermeidlich. Es gibt keine funktionierende Pille gegen diese Fehler, und es wird auch niemals eine solche Pille geben.

Wir müssen diese Gedächtnisfehler akzeptieren, und wenn wir uns keine Fehler leisten können, brauchen wir Prothesen, wie zum Beispiel Notizbücher.

In einem Artikel über kluge Lernmethoden stelle ich übrigens eine Art Gebrauchsanweisung für das Gedächtnis vor: Methoden, um sich mehr Infos länger und besser zu merken.

Interessante Bücher über das Gedächtnis

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Dr. Jan Höpker ist Wissenschaftler, Autor und Gründer der Websites HabitGym und Der perfekte Ratgeber. Mit seinem Buch Erfolg durch Fokus & Konzentration hat er bis heute mehr als 20.000 Leser erreicht und ihnen dabei geholfen, fokussierter zu leben, zu lernen und zu arbeiten.

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