Wie man sich mit Gedächt­nis­trai­ning 10-mal mehr merken kann

Gedächtnistraining 1x1Mit Gedächt­nis­trai­ning kann das Gedächt­nis jedes gesun­den Men­schen schnell ver­bes­sert werden. Sich 10-mal mehr merken zu können, könnte sogar noch unter­trie­ben sein.

Der Begriff Gedächt­nis­trai­ning ist irre­füh­rend, denn Gedächt­nis­trai­ning ist kein Trai­ning, sondern eine Methode, mit der sich Namen, Geburts­tage, Pins und Pass­wör­ter fast wie von selbst merken.

Wie man Gedächt­nis­trai­ning mit Erfolg ein­setzt, erkläre ich in diesem Artikel.

Das Gedächt­nis scheint ein­zu­ros­ten

In einer digi­ta­li­sier­ten Welt, in der man gut zurecht­kom­men kann, ohne allzu viele Dinge im Kopf zu haben, ist das Gedächt­nis nicht gefor­dert und scheint daher immer weiter ein­zu­ros­ten.

Wir alle haben die Erfah­rung gemacht, dass es schwer ist, bestimmte Dinge im Gedächt­nis zu behal­ten: Für Namen, Voka­beln, Pins und Pass­wör­ter scheint unser Gedächt­nis einfach nicht gemacht zu sein.

Sich diese Dinge zu merken, funk­tio­niert in etwa so gut, wie tro­cke­nen Sand in einem Sieb zu trans­por­tie­ren

Ich per­sön­lich habe große Pro­bleme mit den Namen von Film­cha­rak­te­ren. Wenn ich mir einen Film anschaue, kann ich mir keinen ein­zi­gen Namen merken – die Namen rut­schen einfach durch die Poren meines Gedächt­nis-Siebs.

Auf der anderen Seite gibt Dinge, die ich mir ganz auto­ma­tisch merke.

Wenn ich zum Bei­spiel einen Krimi schaue, in dem gezeigt wird, wie ein Mord pas­siert, dann kann ich viele Details dieser Szene noch Stunden später detail­liert wie­der­ge­ben.

Diese Ereig­nisse sind wie Steine in meinem Gedächt­nis-Sieb: Ich kann gar nicht anders als sie zu behal­ten

Gedächtnis­training ist eine Merk­tech­nik

Als ich Schüler war, konnte ich mir an guten Tagen viel­leicht 30 bis 40 eng­li­sche oder fran­zö­si­sche Voka­beln ein­prä­gen. (Am nächs­ten Tag hatte ich min­des­tens die Hälfte davon wieder ver­ges­sen.)

Für gewöhn­li­che Men­schen, die heute damit anfan­gen, sich mit Gedächt­nis­trai­ning  zu befas­sen, sind 30 bis 40 Voka­beln pro Tag schon bald lächer­lich wenig.

Sich 100 und mehr Voka­beln pro Stunde ein­prä­gen zu können, ist mit der rich­ti­gen Technik gar kein Problem. So jeden­falls lauten die Ver­spre­chen der Gedächt­nis­trai­ner.

Anders als die meisten Men­schen glauben, beruht das Gedächt­nis­trai­ning nicht darauf, das Gedächt­nis als Organ zu ver­bes­sern …

… die Stei­ge­rung der Gedächt­nis­leis­tung ergibt sich aus­schließ­lich aus einer effek­ti­ve­ren Nutzung des Gedächt­nis­ses.

Gedächt­nis­trai­ning beruht darauf, dass man den tro­cke­nen Sand nass macht, sodass er nicht mehr durch die Poren des Gedächt­nis-Siebs rinnt. Das Sieb selbst bleibt unver­än­dert

Gedächt­nis­trai­ning ist nicht neu

Schon die alten Grie­chen kannten soge­nannte Mne­mo­tech­ni­ken und nutzten sie, um sich lange Reden ein­zu­prä­gen.

Warum man diese Tech­ni­ken heute nicht in der Schule unter­rich­tet, weiß ich nicht. Ein Grund könnte sein, dass man dann ja zugeben müsste, Jahr­zehn­te­lang die Zeit der Schüler ver­schwen­det und sie unnötig gequält zu haben!?

Die meisten Men­schen haben eine falsche Vor­stel­lung von Gedächt­nis­trai­ning

Die meisten Men­schen, die Pro­bleme damit haben, sich Namen, Pins und Pass­wör­ter zu merken, attes­tie­ren sich selbst ein schlech­tes Gedächt­nis und begeben sich damit in die Opfer­rolle.

Sie erklä­ren ihr Problem für unlös­bar und beschlie­ßen, sich für den Rest des Lebens mit ihrem ver­meint­lich schlech­ten Gedächt­nis abzu­fin­den.

Die Wahr­heit ist:

Die Mensch­heit ist nicht zwei­ge­teilt in Men­schen mit einem guten Gedächt­nis und Men­schen mit einem schlech­ten Gedächt­nis

Die Mensch­heit ist zwei­ge­teilt in Men­schen, die ihr Gedächt­nis zu nutzen wissen und Men­schen, die diese Fähig­keit bisher nicht erwor­ben haben!

Gedächt­nis­welt­meis­ter sind gewöhn­li­che Men­schen

Gedächt­nis­welt­meis­ter haben auch kein Wunder-Organ (oder Mikro­chip) in ihrem Kopf. Sie haben nur gelernt, ihr Gedächt­nis effek­ti­ver zu nutzen.

Dass sich Gedächt­nis­welt­meis­ter alles merken können, bedeu­tet aber nicht, dass sie sich zwangs­weise auch an alles erin­nern können.

Merken und Erin­nern sind zwei Paar Schuhe

Sich die ersten 100.000 Nach­kom­ma­stel­len der Zahl Pi zu merken (diesen Gedächt­nis-Welt­re­kord stellte der Japaner Akira Hara­gu­chi im Alter von 60 Jahren auf), ist etwas völlig anderes, als erin­nern zu können, wo man seinen Auto­schlüs­sel depo­niert hat.

Auch Gedächt­nis­welt­meis­ter können ihre Auto­schlüs­sel ver­le­gen, denn sie können sich nur dann erstaun­lich viele Dinge merken, wenn sie sich bewusst dazu ent­schlie­ßen, sich diese Dinge zu merken

Die Ent­schei­dung für ein starkes Gedächt­nis wird beim Merken oder Ein­prä­gen getrof­fen, nicht beim Erin­nern.

Hinter einem starken Gedächt­nis steckt also nicht die Fähig­keit, die Dinge besser erin­nern zu können, sondern das Wissen, wie man sie gedank­lich ver­ar­bei­ten muss, damit sie auto­ma­tisch besser erin­nert werden.

So funk­tio­niert Gedächtnis­training

Das Gedächt­nis wird nicht besser, indem man die gewohn­ten Merk­tech­ni­ken immer und immer wieder anwen­det (das wäre Gehirn­jog­ging, was in den meisten Fällen wir­kungs­los ist) – das Gedächt­nis wird besser, indem man sich bessere Merk­tech­ni­ken aneig­net.

Im Grunde ist der Betriff Gedächt­nisTrai­ning irre­füh­rend, denn er sug­ge­riert, dass das Gedächt­nis wie ein Muskel trai­niert wird.

Gedächt­nis­trai­ning ist eher mit Kampf­sport, als mit Body­buil­ding ver­gleich­bar. Technik schlägt Kraft!

Hinter einem starken Gedächt­nis stecken bestimmte Merk­stra­te­gien, die bestimmte Eigen­schaf­ten des Gedächt­nis­ses aus­nut­zen (gleich mehr dazu).

Warum wenden so wenige Men­schen Gedächt­nis­trai­ning an?

Viel­leicht werden diese Tech­ni­ken ja bereits von vielen Men­schen ange­wen­det, nur fällt uns das nicht auf, weil wir den Men­schen nicht in die Köpfe gucken können!?

Die meisten Gedächt­nis­tech­ni­ken wirken auf den ersten Blick son­der­bar und skurril, viel­leicht sogar dämlich und bescheu­ert. Sie sind das Gegen­teil von dem, wie sich normale Men­schen in der Öffent­lich­keit geben.

Das größte Hin­der­nis besteht nicht darin, Gedächt­nis­tech­ni­ken zu kennen, sondern diese auch anzu­wen­den. :)

Gedächtnis­training beruht auf bestimm­ten Eigen­schaf­ten des Gedächt­nis­ses

Eine für das Gedächt­nis­trai­ning ent­schei­dende Eigen­schaft des Gedächt­nis­ses haben wir schon ken­nen­ge­lernt: Das Gedächt­nis merkt sich nur bestimmte Dinge auto­ma­tisch. (Nur den feuch­ten Sand.)

Das Gedächt­nis ist nicht gut oder schlecht sondern selek­tiv

Schauen wir uns weitere Eigen­schaf­ten des Gedächt­nis­ses an.

Es gibt nicht nur ein Gedächt­nis, sondern mehrere

Im Gehirn gibt es nicht einen ein­zi­gen Ort, an dem Erin­ne­run­gen gespei­chert werden.

Ver­ein­facht gespro­chen gibt es für jeden Sin­nes­ka­nal ein eigenes Gedächt­nis:

  • Ein audi­tives Gedächt­nis, für Töne
  • Ein visu­el­les Gedächt­nis für sta­ti­sche und bewegte Bilder (Bild­ge­dächt­nis)
  • Ein moto­ri­sches Gedächt­nis für Kör­per­be­we­gun­gen
  • Ein Wis­sens­ge­dächt­nis für Fakten

Lernmethoden für Schüler und Studenten - Die verschiedenen Gedächtnisse

Jedes dieser Gedächt­nisse hat andere Eigen­schaf­ten

Das Wis­sens­ge­dächt­nis soll sich gerade nicht alle Daten, Zahlen und Fakten merken, mit denen wir in Berüh­rung kommen, sondern nur die wirk­lich rele­van­ten Erkennt­nisse.

Würden wir uns alles merken, würde uns das nicht von Vorteil sein – im Gegen­teil

Ein paar stich­punkt­ar­tige Notizen zu einem Vortrag den wir gesehen haben, helfen uns anschlie­ßend mehr, als ein Video des gesam­ten Vor­tra­ges.

Beim visu­el­len Gedächt­nis sieht es anders aus: Es ist ein großer Vorteil, sich in einer neuen Umge­bung schnell ori­en­tie­ren zu können. Aus Sicht des Gedächt­nis­ses ist es daher sinn­voll, die­je­ni­gen visu­el­len Ein­drü­cke, die der Ori­en­tie­rung dienen, sofort abzu­spei­chern.

Wenn ich die Augen schließe, kann ich meinen Wohnort vor meinem geis­ti­gen Auge erkun­den. Zwar sehe ich nicht die Details, wie zum Bei­spiel die Farben die Häuser und wie die Fas­sa­den beschaf­fen sind, aber ich sehe die rele­van­ten Zusam­men­hänge:

  • Wie sind die Straßen mit­ein­an­der ver­bun­den?
  • Wo geht es bergauf und bergab?
  • Wo sind die für mich rele­van­ten Orte (Geschäfte etc.)?

Auch in einer neuen Umge­bung kann ich mir diese Zusam­men­hänge wesent­lich besser merken als zum Bei­spiel Stra­ßen­na­men oder die Namen irgend­wel­cher Kneipen und Restau­rants.

Um sich Infor­ma­tio­nen wie zum Bei­spiel Voka­beln oder Pass­wör­ter zu merken, nutzen die meisten Men­schen auto­ma­tisch das Wis­sens­ge­dächt­nis. Der Trick besteht darin, das Bil­der­ge­dächt­nis zu nutzen.

Noch besser: Mög­lichst viele Gedächt­nisse gleich­zei­tig nutzen.

Das Gedächt­nis ist selek­tiv

Das ideale Gedächt­nis würde sich nur die­je­ni­gen Dinge merken, die uns in Zukunft nütz­lich sein könnten.

Da das Gedächt­nis die Zukunft aber nicht kennt, muss es raten, welches Wissen für die Zukunft rele­vant ist. Im Laufe der Evo­lu­tion wurde es darin immer besser.

Das Gedächt­nis ver­lässt sich auf bestimmte Indi­ka­to­ren

  • Erregt die Sache meine Auf­merk­sam­keit oder bringt sie mich zum nach­zu­den­ken, etwa weil sie uner­war­tet oder unge­wohnt ist? Wenn ja, dann wird sie gespei­chert
  • Hat diese Sache Gefühle bei mir aus­ge­löst? Wenn ja, dann wird die Sache gespei­chert

Merk­wür­dig = würdig gemerkt zu werden

Daraus folgt, dass wir uns Dinge besser merken können, indem wir sie künst­lich in einen unge­wohn­ten oder emo­tio­na­len Zusam­men­hang bringen.

Anknüp­fungs­punkte sind wichtig für das Erin­nern

Wenn wir uns Dinge auf Anhieb merken können, dann liegt das daran, dass diese Dinge in Ver­bin­dung zu bereits vor­han­de­nen Gedächt­nis­in­hal­ten stehen.

Ist ja klar: Was wir bereits wissen, ist aus Sich unseren Gedächt­nis­ses wichtig. Was daran anknüpft, ist eben­falls wichtig.

Anknüp­fungs­punkte sind auch deshalb so wichtig, weil sie uns als eine Art Angel­ha­ken dienen, mit dem wir die gewünschte Erin­ne­rung aus dem Gedächt­nis her­aus­zie­hen können

Es ist ja nicht so, dass wir in unserem Gedächt­nis stöbern könnten wie in einer Socken­schub­lade. Wir können nicht in unser Gedächt­nis hin­ein­bli­cken und nach­schauen, was da alles drin ist.

Das einzige was wir tun können, ist das Gedächt­nis dazu anzu­re­gen, Asso­zia­tio­nen aus­zu­spu­cken.

Wenn ich an „links“ denke, dann spuckt mein Gehirn auto­ma­tisch das Wort „rechts“ aus.

Die Wörter „links“ und „rechts“ sind in meinem Gedächt­nis ver­knüpft.

Weitere ein­fa­che Asso­zia­tio­nen

Denke ich an „oben“ … dann spruckt das Gedächt­nis „unten“ aus.

Vorne … hinten

Schwarz … weiß

Auf ähn­li­che Weise sind auch die Erin­ne­run­gen an ein bestimm­tes Ereig­nis mit­ein­an­der ver­knüpft:

  • Wenn ich an eine Szene aus einem fast ver­ges­se­nen Film erin­nert werde, dann spuckt mein Gedächt­nis in den fol­gen­den Minuten auto­ma­tisch immer mehr Szenen aus diesem Films aus.
  • Wenn ich wieder ich eine Stadt komme, in der ich schon lange nicht mehr war, dann weiß ich plötz­lich wieder, was sich hinter der nächs­ten Stra­ßen­ecke ver­birgt.

Dieses Wissen taucht einfach in meinem Bewusst­sein auf, plötz­lich ist es da.

Einfach so!

Asso­zia­tio­nen sind der Schlüs­sel zu einem guten Gedächt­nis

Über Asso­zia­tio­nen können wir unser Gedächt­nis durch­stö­bern.

Und über Asso­zia­tio­nen können wir neue Gedächt­nis­in­halte struk­tu­rie­ren, sodass wir sie leicht wie­der­fin­den, weil wir im Voraus fest­le­gen, über welche Gedan­ken wir sie zum Vor­schein bringen wollen.

Auf diese Art und Weise gelang es Akira Hara­gu­chi, die ersten 100.000 Nach­kom­ma­stel­len der Zahl Pi in seinem Gedächt­nis abzu­le­gen, um sie unter der Auf­sicht der Juri des Guin­ness Buch der Rekorde wieder zu erin­nern.

Ver­ein­facht gespro­chen hat er die ein­zel­nen Ziffern mit Bildern ver­knüpft und diese Bilder hat er mit Hilfe einer Geschichte in die rich­tige Rei­hen­folge gebracht.

Gedächt­nis­kunst ist reine Fleiß­ar­beit

Hat man sich die Dinge einmal in der rich­ti­gen Struk­tur ein­ge­prägt, dann spuckt das Gedächt­nis die gewünschte Erin­ne­rung zum gewünsch­ten Zeit­punkt auto­ma­tisch wieder aus.

5 be­liebtes­te Ge­dächtnis­techniken

Im Grunde basie­ren sämt­li­che Merk­tech­ni­ken auf ein und dem­sel­ben Prinzip:

Man lernt einmal eine Art Raster aus­wen­dig, und dann ver­knüpft man die zu mer­ken­den Infor­ma­tio­nen über mentale Bilder mit diesem Raster

Welche kon­krete Technik die geeig­netste ist, hängt davon ab, was man sich ein­prä­gen möchte.

Methode #1 | Die Loci-Methode (Routen-Methode)

Für die Loci- oder Routen-Methode benö­tigt man eine bereits im Gedächt­nis gespei­cherte Route, die man immer nach dem glei­chen Schema durch­läuft.

Man lernt die Route einmal aus­wen­dig und nutzt sie dann immer wieder.

Geeig­nete Routen:

  • Die eigene Wohnung
  • Der Weg zur Arbeit oder die Jog­gingstre­cke
  • Der eigne Körper
  • Eine bestimmte U-Bahn-Linie

Jede Route besteht aus ein­zel­nen Rou­ten­punk­ten die als Anker­punkte dienen:

  • Dau­er­hafte Gegen­stände in der Wohnung
  • Punkte auf dem Weg zur Arbeit
  • Kör­per­teile

Wenn man sich eine Liste wie zum Bei­spiel eine Auf­ga­ben- oder Ein­kaufs­liste ein­prä­gen möchte, dann ver­knüpft man die ein­zel­nen Lis­ten­punkte mit den Rou­ten­punk­ten, indem man sich jeweils ein mög­lichst emo­tio­na­les, skur­ri­les oder lus­ti­ges men­ta­les Bild aus­denkt. Dieses Bild wird vom Gedächt­nis auto­ma­tisch gespei­chert.

Wenn man sich später an die Lis­ten­punkte erin­nern möchte, muss man die Route nur noch der Reihe nach in Gedan­ken durch­ge­hen, und das Gedächt­nis spuckt die ent­spre­chen­den men­ta­len Bilder auto­ma­tisch aus.

Bei­spiel-Routen

Kör­per­teile: großer Zeh – Fuss­ge­lenk – Schien­bein – Knie – Ober­schen­kel – Hüfte – Bauch­na­bel – Brust – Hals – Mund – Nase – Ohr – Haare.

Bei­spiel-Merk­liste

Ein­kaufs­zet­tel: Tomaten – Salat – Toi­let­ten­pa­pier – Toast­brot – Mar­me­lade – Hack­fleisch – Salami – gerie­be­ner Käse – Spa­ge­hetti – Kekse – Bier – Salat­sauce – Milch

Bei­spiel-Paa­run­gen

  • großer Zeh – Tomaten (Der große Zeh ist dick wie eine rote Tomate weil etwas darauf gefal­len ist)
  • Fuss­ge­lenk – Salat (Man humpelt barfuss durch ein Salat­feld und spürt wie die Salat­blät­ter am Fluss­ge­lenk kitzeln)
  • Schien­bein – Fluss­ge­lenk (Das Toi­let­ten­pa­pier ist wie ein Verband um das Schien­bein gewi­ckelt)

Usw.

Methode #2 | Der Gedächt­nis­pa­last

Die Gedächt­nis­pa­last Methode ist anspruchs­vol­ler und mäch­ti­ger als die Loci-Methode.

Vom Prinzip her funk­tio­niert die Methode gleich, aller­dings nutzt man für die Ver­knüp­fung keine ein­di­men­sio­nale Route sondern ein drei­di­men­sio­na­les Kon­strukt wie zum Bei­spiel einen Palast oder ein anderes Gebäude.

Der Palast kann ver­schie­dene Stock­werke, Flügel, Zimmer und Inhalte ent­hal­ten, die mit den zu mer­ken­den Infor­ma­tio­nen ver­knüpft werden.

Je skur­ri­ler, umso wir­kungs­vol­ler. Zum Bei­spiel könnte es in dem Palast ein Stock­werk geben, in dem Schwe­re­lo­sig­keit herrscht, oder ein Teil des Palas­tes könnte ein Baum­haus sein.

#3 | Eine Methode zum Merken von Zahlen

Eine effek­tive Methode zum Ein­prä­gen von Zahlen, wie zum Bei­spiel Telefon- oder Kon­to­num­mern, beruht auf einem fest im Gedächt­nis gespei­cher­ten System von Bildern, die den Ziffern 0 bis 9 (oder 0 bis 99) zuge­ord­net sind.

Idea­ler­weise erin­nern diese Gegen­stände der Form nach an die Ziffern. Zum Bei­spiel:

1: Baum oder Kerze (wegen der Form)
2: Schwan (wegen der Form des Halses)
3: 3-Zack (wegen der 3 Zacken)
4: Koffer (kompakt)
5: Hand (wegen der 5 Finger)
6: Würfen (wegen der 6 Seiten)
7: Wimpel (wegen der Form)
8: Sanduhr (wegen der Form)
9: Kegel (weil es beim Kegeln 9 Kegel gibt)
10: Golf­schlä­ger + Golf­ball

Wenn man sich eine lange Zahl merken möchte, ver­knüpft man die ein­zel­nen Ziffern mit den ent­spre­chen­den Bildern und bringt diese durch eine ein­präg­same Geschichte in die rich­tige Rei­hen­folge.

Um sich riesig große Zahlen zu merken, wie zum Bei­spiel die ersten 100.000 Stellen der Zahl Pi, könnte man viele dieser ein­zel­nen Geschich­ten der Reihe nach in einem Gedächt­nis­pa­last unter­brin­gen.

#4 | Eine Methode zum Merken von Namen

Auch die Namen von Per­so­nen merkt man sich am besten über Bilder.

Beim Über­set­zen eines Namens wie „Müller“ ist das relativ einfach: Man stellt sich Herrn Müller in weißem Kittel in einer Mühle vor.

Bei einem Namen wie „Csíks­zent­mi­há­lyi“ (der Name des Psy­cho­lo­gen der den Flow­zu­stand erforscht hat) ist etwas mehr Fan­ta­sie gefragt.

#5 | Eine Methode zum Merken von Voka­beln

Voka­beln merkt man sich am besten genauso wie Namen. Sobald man ein gutes Bild gefun­den hat, merkt sich die Vokabel fast wie von selbst.

Ich erin­nere mich heute noch an einige solcher Bilder, die ich mir vor über zwanzig Jahren für ein­zelne Voka­beln aus­ge­dacht hatte.

Wer es sich zur Gewohn­heit macht, Voka­beln in mög­lichst skur­rile Bilder zu über­set­zen, wird im Finden dieser Bilder mit der Zeit immer besser.

Trotz Gedächt­nis­trai­ning ver­gisst man

Auch nasser Sand trock­net und rinnt somit irgend­wann durch die Poren des Gedächt­nis-Siebs

Mit Hilfe von Gedächt­nis­trai­ning können wir uns die Dinge besser ein­prä­gen und sie in unserem Gedächt­nis leich­ter wie­der­fin­den, aber natür­lich ist man nicht gegen das normale Ver­ges­sen und andere Gedächt­nis­feh­ler nicht gefeit.

(In einem anderen Artikel habe ich aus­führ­lich über die 7 ver­schie­de­nen Gedächt­nis­feh­ler geschrie­ben).

Gedächt­nis­trai­ning hilft uns zwar dabei, uns die Dinge besser zu merken, aber dem geis­ti­gen Verfall kann man damit nur bedingt ent­ge­gen­wir­ken.

Mit Gedächt­nis­trai­ning Demenz vor­beu­gen?

Gedächt­nis­trai­ning bietet sehr wahr­schein­lich keinen Schutz vor Demenz. Wer Demenz ver­hin­dern möchte, sollte lieber (oder zusätz­lich):

  • Für gesun­den Schlaf aus­rei­chen­der Länge sorgen
  • Seine Ernäh­rung ver­bes­sern
  • Sich aus­rei­chend kör­per­lich bewegen

Außer­dem kann durch das Erlenen von Fremd­spra­chen und Musik­in­stru­men­ten nach­weis­lich der Demenz vor­ge­beugt werden.

Fazit

Wir können unser Gedächt­nis sehr viel besser nutzen, wenn wir dazu bereit sind, neue Metho­den anzu­wen­den.

P.S.: In meinem Artikel über Lern­me­tho­den gehe ich auf einige weitere wich­tige Punkte für ein starkes Gedächt­nis ein.

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Ich bin pro­mo­vier­ter Che­mi­ker. Seit 2015 schreibe ich Bücher und Artikel über Themen, die Men­schen in ihrem Leben vor­an­brin­gen.

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6 Antworten auf Wie man sich mit Gedächt­nis­trai­ning 10-mal mehr merken kann

  1. Monika sagt:

    Habe den Artikel ver­schlun­gen. Namen und Zahlen kann ich mir nur schlecht merken, und deshalb werde die emp­foh­le­nen Metho­den anwen­den. Ich freue mich darauf endlich meine Mit­men­schen mit Namen anspre­chen zu können.
    Liebe Grüße
    Monika

  2. Waldemar sagt:

    Hallo Jan,
    sehr inter­es­san­ter Beitrag. Ich ver­su­che mir immer noch die Dinge auf die gute alt­mo­di­sche Art zu merken, aller­dings gerate ich da schnell an die Grenzen des Mach­ba­ren. Die Idee mit dem Gedächt­nis­pa­last gefällt mir sehr gut. Muss ich mal pro­bie­ren. Vielen Dank für den Beitrag!
    Herz­lichst,
    Wal­de­mar

    • Jan sagt:

      Hey Wal­de­mar,

      Danke :) Ich wünsche dir viel Erfolg! Kannst ja nach ner Weile mal von deinen Erfah­run­gen mit dem Gedächt­nis­pa­last berich­ten.

      Viele Grüße,
      Jan

  3. Nico sagt:

    Starker Beitrag, bisher dachte ich immer ich hätte ein starkes Gedächt­nis, aber glaube da gibt es noch viel Ver­bes­se­rungs­po­ten­tial :)

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