Gewohn­hei­ten ändern in 4 Schrit­ten (neu­ro­bio­lo­gisch korrekt und schnell)

Gewohnheiten ändern und verstehenWie kann man seine Gewohn­hei­ten ändern? Wie kann man schlechte Ange­wohn­hei­ten los­wer­den, und sich statt­des­sen Erfolgs­ge­wohn­hei­ten aneig­nen? Warum haben Gewohn­hei­ten so viel Macht?

Schon vor über 2.000 Jahren hatte Aris­to­te­les die Macht der Gewohn­hei­ten ver­stan­den:

Wir sind, was wir wie­der­holt tun.

Vor­züg­lich­keit ist daher keine Hand­lung, sondern eine Gewohn­heit.

Inhalt dieses Arti­kels

Wer sein Leben ver­än­dern möchte, muss seine Gewohn­hei­ten ändern

Viele der Tätig­kei­ten, die wir wie­der­holt auf die gleiche Weise und im glei­chen Kontext durch­füh­ren, werden mit der Zeit zu Gewohn­hei­ten.

Ob wir das wollen oder nicht, spielt dabei keine Rolle.

Unser Leben wird von Gewohn­hei­ten bestimmt

Mehr als 40 % unserer all­täg­li­chen Ent­schei­dun­gen basie­ren auf Gewohn­hei­ten.

Unsere Gewohn­hei­ten sind in einem evo­lu­tio­när alten Teil des Gehirns gespei­chert: den Basal­gan­glien. Dort werden auch Herz­schlag und Atmung kon­trol­liert.

Genau wie Herz­schlag und Atmung, laufen auch unsere Gewohn­hei­ten weit­ge­hend unbe­wusst und auto­ma­tisch ab.

So funk­tio­nie­ren Gewohn­hei­ten

In dem Buch Die Macht der Gewohn­heit (*) beschreibt Charles Duhigg den Aufbau der Gewohn­hei­ten als soge­nannte Gewohn­heits­schleife.

Die Gewohn­heits­schleife besteht aus drei Ele­men­ten

Diese drei Ereig­nisse finden der Reihe nach statt:

  1. Aus­lö­ser: Die Gewohn­heit wird durch einen bestimm­ten Ort, eine Uhrzeit, ein Gefühl oder ein Ereig­nis aus­ge­löst.
  2. Routine: Das Aus­füh­ren der beob­acht­ba­ren Gewohn­heit (Naschen, Rauchen, Fluchen, Nase­boh­ren etc.).
  3. Beloh­nung: Die Aus­schüt­tung des Beloh­nungs-Bot­ten­stoffs Dopamin im Gehirn. Die Beloh­nung ist der Grund, warum es zur Ent­ste­hung von Gewohn­hei­ten kommt.

Ein per­sön­li­ches Bei­spiel

Früher hatte ich die schlechte Ange­wohn­heit, morgens meinen Wecker aus­zu­schal­ten, um mich wieder zurück ins warme Bett zu legen.

Das Läuten des Weckers war der Aus­lö­ser dieser Routine, und die Beloh­nung bestand darin, dass ich mich wieder ins warme Bett begeben und wei­ter­schla­fen durfte.

Gewohn­hei­ten können nicht wieder gelöscht werden

Für jede Gewohn­heit gibt es ent­spre­chende Ver­knüp­fun­gen im Gehirn.

Da diese Ver­knüp­fun­gen dau­er­haft bestehen bleiben, lassen sich uner­wünschte Gewohn­hei­ten nicht so einfach wieder aus dem Reper­toire der Ver­hal­tens­wei­sen ent­fer­nen.

Wer einmal das Schwim­men oder Rad­fah­ren gelernt hat, behält diese Fähig­keit ein Leben lang. Für Gewohn­hei­ten gilt das gleiche.

Wer Gewohn­hei­ten los­wer­den möchte, muss die Rou­ti­nen durch eine neue Rou­ti­nen zu erset­zen.

Jede Gewohn­heit ist anders

Es gibt ein­fa­che Gewohn­hei­ten, wie zum Bei­spiel nach dem Essen das Besteck auf den leeren Teller zu legen, und es gibt kom­pli­zier­tere Gewohn­hei­ten, wie bei­spiels­weise ein Auto rück­wärts ein­zu­par­ken.

Manche Gewohn­hei­ten werden mehr­mals pro Stunde aus­ge­führt, während andere Gewohn­hei­ten nur einmal pro Tag oder noch sel­te­ner auf­tre­ten.

Wie lange dauert es eine Gewohn­heit zu ändern?

Vor einigen Jahren wurde über die Medien bekannt, dass es 66 Tage lang dauert, um eine neue Gewohn­heit zu bilden.

Hinter dieser Infor­ma­tion steckt eine Ver­öf­fent­li­chung eines For­scher­teams des Uni­ver­sity College London aus dem Jahre 2009.

Wie die For­scher auf 66 Tage kamen

Die For­scher wollten her­aus­fin­den, wie lange es dauert, bis die Pro­ban­den eine neue regel­mä­ßige Tätig­keit weit­ge­hend unbe­wusst durch­füh­ren.

Es han­delte sich um sehr ein­fa­che Tätig­kei­ten. Hier zwei Bei­spiele aus der Studie:

  • Zum Mit­tag­essen ein Glas Wasser trinken
  • Nach dem Essen ein Stück Obst essen

Die Pro­ban­den mussten angeben, wie leicht ihnen die Tätig­keit gefal­len war.

Ab einer will­kür­lich fest­ge­leg­ten emp­fun­de­nen Leich­tig­keit ging man von einer Gewohn­heit aus.

Im kür­zes­ten Fall dauerte es 18 Tage, und im längs­ten Fall waren es 254 Tage. Der Mit­tel­wert betrug 66 Tage.

Warum ich nichts davon halte, zu sagen, es würde 66 Tage dauern, um eine Gewohn­heit zu bilden, erkläre ich im Video:

Gewohn­hei­ten und Men­schen sind unter­schied­lich

Wer sich die Roh­da­ten der Studie anschaut, wird zu dem Schluss kommen, dass 30 Tage besser passen als 66 Tage.

Die extrem große Spanne von 18 bis 254 Tagen deutet schon darauf hin, dass exakte Zeit­an­ga­ben ohnehin witzlos sind.

Eine alte Gewohn­heit zu erset­zen, dauert deut­lich länger, als eine neue Gewohn­hei­ten zu bilden

Angeb­lich dauert es rund 10mal so lang, eine falsch gelernte Bewe­gung im Sport zu kor­ri­gie­ren, wie es dauert, die gleiche Bewe­gung von vorn­her­ein richtig zu lernen.

Für das Erset­zen von unlieb­sa­men Gewohn­hei­ten heißt das: Es dauert wohl deut­lich länger als 30 oder 66 Tage.

Durch einen Para­dig­men­wech­sel können einige Gewohn­hei­ten sofort geän­dert werden

Unter gewis­sen Umstän­den kann eine Gewohn­heit auf der Stelle geän­dert werden: Durch einen Para­dig­men­wech­sel.

Mehr dazu in diesem Video:

Auf die Beloh­nung kommt es an

In der Gewohn­heits­schleife folgt die Beloh­nung nach der Routine, das heißt wenn man die Beloh­nung erhält, hat man die Routine bereits aus­ge­führt.

Kann man die Beloh­nung nicht einfach weg­las­sen?

Nein, die Beloh­nung ist zwin­gend not­wen­dig.

Ohne Beloh­nung wird sich keine Gewohn­heit bilden

Aus Sicht des Gehirns besteht der Sinn einer Routine aus­schließ­lich darin, die Beloh­nung zu erhal­ten. Die Routine ist nur ein Mittel zum Zweck.

Wenn man eine neue Gewohn­heits­schleife einübt, lernt das Gehirn mit der Zeit, die Beloh­nung vor­weg­zu­neh­men.

Es ent­steht ein Ver­lan­gen nach der Beloh­nung, und dieses Ver­lan­gen treibt die Gewohn­heits­schleife an.

Als Beloh­nung kommt alles in Frage, was im Gehirn zu einer Aus­schüt­tung von Dopamin führt.

Eine Beloh­nung kann auch ein schöner Gedanke oder ein Tag­traum sein der mit posi­ti­ven Gefüh­len ver­bun­den ist.

Das Ent­fer­nen der Beloh­nung wird das Ver­lan­gen ver­stär­ken

Wenn die Beloh­nung ver­wei­gert wird, wird das Gehirn das Ver­lan­gen nach der Beloh­nung ver­stär­ken.

Meist ist die Beloh­nung aber ohnehin so eng mit der Routine gekop­pelt, dass diese nicht von­ein­an­der getrennt werden können.

Beim Ändern von Gewohn­hei­ten spielen Trai­ning und Taktik eine Rolle

Eine Gewohn­heit kann man nicht aus dem Fenster werfen. Man muss sie die Treppe hin­un­ter­bo­xen, Stufe für Stufe (Mark Twain)

Bis sich eine neue Gewohn­heits­schleife gebil­det hat, muss die neue Routine bewusst aus­ge­führt werden.

Es sollte immer der gleiche Aus­lö­ser ver­wen­det werden. Auch die Beloh­nung ist wichtig.

Schlüs­sel­ge­wohn­hei­ten: Mehrere Fliegen mit nur einer Klappe schla­gen

Schlüs­sel­ge­wohn­hei­ten sind Gewohn­hei­ten, die wie Hebel wirken oder Ket­ten­re­ak­tio­nen aus­zu­lö­sen.

Bestimmte Gewohn­hei­ten können Schlüs­sel­ge­wohn­hei­ten sein. Man kann es aber nicht erzwin­gen.

Bei­spiel-Schlüs­sel­ge­wohn­heit Sport

Es kann vor­kom­men, dass jemand, der damit anfängt, regel­mä­ßig Sport zu treiben, unbe­wusst außer­dem noch damit anfängt, sich gesün­der zu ernäh­ren oder weniger zu rauchen.

Durch den Sport hat sich eine innere Ein­stel­lung ver­än­dert.

Auch das Tage­buch Schrei­ben ist häufig eine Schlüs­sel­ge­wohn­heit.

Gewohn­hei­ten ändern – kon­kre­tes Vor­ge­hen

Eine uner­wünschte Gewohn­heit lässt sich in vier Schrit­ten durch eine bessere Gewohn­heit erset­zen.

#1 | Die Routine iden­ti­fi­zie­ren

Der erste Schritt besteht darin, die Routine zu iden­ti­fi­zie­ren. Dies ist einfach und in den aller­meis­ten Fällen bereits erle­digt.

#2 | Die Beloh­nung finden

Im zweiten Schritt muss her­aus­ge­fun­den werden, was die Beloh­nung ist. In einigen Fällen ist die Beloh­nung offen­sicht­lich, aber in anderen Fällen gibt es mehrere Mög­lich­kei­ten.

Für das abend­li­che Naschen von Süßig­kei­ten gibt es (min­des­tens) diese beiden Mög­lich­kei­ten für die Beloh­nung:

  • Befrie­di­gung eines Hun­ger­ge­fühls
  • Ablen­kung von Lan­ge­weile

Um her­aus­zu­fin­den, welche der Mög­lich­kei­ten zutref­fend ist, muss man expe­ri­men­tie­ren.

Anstelle von Süßig­kei­ten könnte man einen Apfel essen und beob­ach­ten, ob man dadurch befrie­digt wird.

#3 | Den Aus­lö­ser suchen

Im dritten Schritt wird der Aus­lö­ser gesucht. Duhigg erklärt, dass alles Mög­li­che als Aus­lö­ser in Frage kommen kann.

Es gibt aber fünf typi­sche Aus­lö­ser, die in der Praxis fast alles abde­cken:

  • Eine bestimmte Tages- oder Uhrzeit
  • Ein bestimm­ter Stand­ort
  • Ein bestimm­ter emo­tio­na­ler Zustand
  • Die Anwe­sen­heit von bestimm­ten anderen Men­schen
  • Die unmit­tel­bar vor­an­ge­gan­gene Hand­lung

Um den Aus­lö­ser der Gewohn­heit zu iden­ti­fi­zie­ren, schreibt man sich bei  jedem Auf­tre­ten der Gewohn­heit zu jedem der fünf wahr­schein­lich in Frage kom­men­den Aus­lö­ser den ent­spre­chen­den Zustand auf.

Sobald man einige Daten­sätze gesam­melt hat, ver­gleicht man diese und sucht nach einem Muster: Welche der Bedin­gun­gen war immer gleich?

#4 | Einen Plan auf­stel­len

Der vierte Schritt besteht darin, einen Plan auf­zu­stel­len, um die uner­wünschte Routine zu erset­zen.

Über­lege dir, was du tun wirst, wenn der Aus­lö­ser wieder auf­tritt.

Gewohn­hei­ten geraten im heißen Zustand ausser Kon­trolle

Einige Gewohn­hei­ten werden von starken Emo­tio­nen aus­ge­löst oder beglei­tet. Beim Ändern dieser Sorte von Gewohn­hei­ten gibt es einen Fall­strick.

Wer den Fall­strick kennt, kann ver­mei­den, ihm zum Opfer zu fallen.

Das Konzept vom heißen und vom kalten Gemüts­zu­stand

Man bezeich­net den emo­tio­nal auf­ge­la­de­nen Zustand als heiß und den emo­ti­ons­ar­men Zustand als kalt.

Wir nehmen uns das Ändern von schlech­ten Ange­wohn­hei­ten fast immer im kalten Zustand vor.

Den heißen Zustand blenden wir dabei völlig aus, denn wenn wir emo­tio­nal ent­spannt sind, können wir uns nicht in einen emo­tio­nal auf­ge­la­de­nen Zustand hin­ein­ver­set­zen.

Wir sollten für den heißen Zustand planen, um nicht rück­fäl­lig zu werden

Wir müssen im kalten Zustand Tak­ti­ken ent­wi­ckeln, die uns im heißen Zustand kon­trol­lie­ren.

Es gibt zwei Mög­lich­kei­ten:

  1. Lang­fris­tig kann der kalten Zustand durch Trai­ning (bei­spiels­weise Medi­ta­tion) gestärkt und der heiße Zustand geschwächt werden.
  2. Kurz­fris­tig kann das heiße Ich mit Hilfe von Tak­ti­ken daran gehin­dert werden, das uner­wünschte Ver­hal­ten aus­zu­füh­ren.

Ein Pra­xis­bei­spiel

Wenn jemand zum Bei­spiel mit dem Rauchen auf­hö­ren möchte, könnte er dafür sorgen, dass …

  • …  sich in der Wohnung (und im Auto) keine Feu­er­zeuge befin­den.
  • Man könnte die für den Ziga­ret­ten­kauf erfor­der­li­chen Münzen immer sofort in ein Spar­schwein tun.
  • Man könnte Freunde und Kol­le­gen um Unter­stüt­zung bitten.

9 Tipps zum Ändern von Gewohn­hei­ten

#1 | Ver­trauen ist gut, Kon­trolle ist besser

Gewohnheiten ändern - Tipps und Tricks für die PraxisDiese alte Weis­heit gilt auch für selbst auf­er­legte Ver­hal­tens­än­de­run­gen.

Die opti­male Stra­te­gie hängt von deiner Per­sön­lich­keit ab.

Es kommt darauf an, wie du auf Erwar­tun­gen reagierst.

Die fol­gende Ein­tei­lung stammt aus dem Buch Erfinde dich neu (*) von Gret­chen Rubin.

Sie teilt Men­schen in vier Kate­go­rien ein:

  1. Men­schen, die gut darin sind, die Erwar­tun­gen anderer Per­so­nen zu erfül­len
  2. Men­schen, die gut darin sind, die eigenen Erwar­tun­gen zu erfül­len
  3. Men­schen, die gut darin sind, alle Sorten von Erwar­tun­gen zu erfül­len
  4. Rebel­len, die grund­sätz­lich all­er­gisch auf Erwar­tun­gen reagie­ren

Je nachdem, welcher Gruppe du ange­hörst, soll­test du ent­we­der externe oder interne Kon­troll­in­stan­zen wählen.

Falls du ein Rebell bist, soll­test du lieber ganz auf Kon­trol­len ver­zich­ten.

Äußere Kon­troll­in­stan­zen

Freunde oder Fami­li­en­an­ge­hö­rige kommen als äußere Kon­troll­in­stan­zen in Frage.

Erzähle ihnen, was du vorhast und sage ihnen, wie sie dich dabei unter­stüt­zen können.

Innere Kon­troll­in­stan­zen

Eine gute innere Kon­troll­in­stanz ist das Moni­to­ring. Moni­to­ring sorgt dafür, dass dir die wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen über deinen Fort­schritt bewusst werden.

Ohne Moni­to­ring würden diese Infor­ma­tio­nen leicht über­se­hen oder sogar (unbe­wusst) igno­riert. Moni­to­ring ver­hin­dert Selbst­be­trug.

Moni­to­ring kann auf ver­schie­dene Art und Weise erfol­gen:

  • Wiegen und Messen.
  • Ernäh­rungs­ta­ge­buch.
  • Sport­ler­ta­ge­buch.

Wer auf Moni­to­ring ver­zich­tet, weil er glaubt alles unter Kon­trolle zu haben, begeht defi­ni­tiv einen Fehler

Studien haben gezeigt, dass wir Men­schen ohne Pro­bleme 20 % mehr essen können, ohne es zu merken. Bei anderen Tätig­kei­ten ist es ver­mut­lich ähnlich.

Außer­dem haben wir eine selek­tive Auf­merk­sam­keit, was bedeu­tet, dass wir immer irgend­et­was über­se­hen.

#2 | Opti­miere die Qua­li­tät deiner Erfah­run­gen

Wis­sen­schaft­li­che Studien haben gezeigt, dass unsere Erin­ne­run­gen an ver­gan­gene Emp­fin­dun­gen lücken­haft, aber vor­her­sag­bar sind: Wir erin­nern uns im Nach­hin­ein nicht mehr an unser Emp­fin­den während des gesam­ten Ereig­nis­ses, sondern nur an die maxi­male Inten­si­tät und an die Inten­si­tät ganz am Ende des Ereig­nis­ses.

Das gilt für alle mög­li­chen Ereig­nisse, sei es ein Zahn­arzt­be­such, ein Trans­at­lan­tik­flug, ein Besuch bei den Schwie­ger­el­tern oder ein Mara­thon­lauf.

Auf die maxi­male Inten­si­tät der Emp­fin­dung hat man meist wenig Ein­fluss. Die Emp­fin­dung am Ende des Ereig­nis­ses lässt sich in vielen Fällen aber bewusst gestal­ten.

Ich wähle meine Jog­gin­g­rou­ten immer so, dass die letzten Minuten mög­lichst ange­nehm sind (bergab, lang­sa­mes Tempo, Abend­sonne etc.). So bleibt mir der gesamte Lauf mög­lichst positiv in Erin­ne­rung. Das hilft mir ver­mut­lich dabei, mich für meine künf­ti­gen Läufe zu moti­vie­ren.

#3 | Wähle mög­lichst zuver­läs­sige Aus­lö­ser

Je schwie­ri­ger eine neue Gewohn­heit, umso mehr pro­fi­tiert man von guten Aus­lö­sern.

Chip und Dan Heath, die Autoren des Buches Switch (*), berich­ten, dass die Wahr­schein­lich­keit, aktiv zu werden, durch ent­spre­chende Aus­lö­ser um 300 % steigt.

Warum Aus­lö­ser so wirksam sind

Ganz ohne Aus­lö­ser muss man sich jedes Mal bewusst dazu ent­schei­den, aktiv zu werden. Man hat also jedes Mal die Chance, die Sache auf­zu­schie­ben oder einen Grund zu finden, warum genau jetzt ein guter Moment für eine Aus­nahme ist.

Wenn man aber einen Aus­lö­ser nutzt, dann wurde die Ent­schei­dung, die Sache durch­zu­zie­hen schon im Vorfeld getrof­fen.

Wichtig ist, dass der Aus­lö­ser zuver­läs­sig ist

Wer bei­spiels­weise nur Sport macht wenn der beste Freund/die beste Freun­din auch zum Sport geht, wird wahr­schein­lich nicht mehr zum Sport gehen, wenn der Freund/die Freun­din mal krank ist oder gar nicht mehr zum Sport geht.

Idea­ler­weise koppelt man neue Gewohn­hei­ten daher an eine Uhrzeit oder an einen Wochen­tag.

#4 | Opti­miere dein Timing

Du hast ver­mut­lich schon mit­be­kom­men, dass die Wil­lens­kraft mit einem Muskel ver­gleich­bar ist. Wie ein echter Muskel, ist auch die Wil­lens­kraft vom Blut­zu­cker­spie­gel abhän­gig und sie ermüdet im Laufe des Tages.

Morgens nach dem Früh­stück ist die Wil­lens­kraft am stärks­ten. Wofür wir uns morgens nicht selbst moti­vie­ren können, das schaf­fen wir später am Tag mit hoher Sicher­heit auch nicht.

Da junge Gewohn­hei­ten noch stark von Wil­lens­kraft abhän­gig sind, macht es Sinn, diese mög­lichst auf den frühen Vor­mit­tag zu legen.

Wenn das zeit­lich nicht möglich ist, müssen starke Aus­lö­ser und Kon­troll­in­stan­zen die schwä­chere Wil­lens­kraft zu spä­te­rer Stunde kom­pen­sie­ren.

Timing ist wichtig beim Ändern von Gewohnheiten

#5 | Opti­miere dein Mindset

Situa­tio­nen, Per­so­nen und Dinge, mit denen wir öfters kon­fron­tiert sind, werden uns mit der Zeit ange­neh­mer. Diese Tat­sa­che ist auch unter dem Aus­druck Mere-Expo­sure-Effekt bekannt.

Wenn dir eine neue Tätig­keit zu Beginn unan­ge­nehm ist, kannst du dich darauf ver­las­sen, dass die nega­ti­ven Emp­fin­dun­gen mit der Zeit schwä­cher werden oder sogar ganz ver­schwin­den.

Bei einer Ernäh­rungs­um­stel­lung dürfte diese Erkennt­nis beson­ders hilf­reich sein. Du planst eine Diät, aber dir schmeckt kein Gemüse? Warte ein paar Tage ab.

Viel­leicht kommt daher auch der Aus­druck, dass etwas gewöh­nungs­be­dürf­tig schmeckt. Mein erster Kaffee ohne Zucker war auch ein solcher Fall. Aber schon nach wenigen Tagen empfand ich Kaffee ohne Zucker als ganz normal.

#6 | Lass keine Unter­bre­chun­gen zu

Ganz am Anfang ist es am wich­tigs­ten, die Gewohn­heit zu bilden. Leis­tung ist zweit­ran­ging.

Es macht daher mehr Sinn, jeden 2ten Tag nur 10 Minuten zu joggen, als sich nur zweimal im Monat zwei Stunden lang zu ver­aus­ga­ben. Das gilt zumin­dest für Gewohn­hei­ten, die für eine mög­lichst lange Zeit erhal­ten bleiben sollen.

Ich würde dir emp­feh­len, dir zur obers­ten Prio­ri­tät zu machen, keinen Termin aus­fal­len zu lassen. Statt­des­sen soll­test du aber weniger streng mit dir selbst sein, was die Erwar­tung an deine Leis­tung angeht.

#7 | Schütze deine Gewohn­hei­ten mit wenn … dann … Plänen

Ins­be­son­dere junge Gewohn­hei­ten, die in Kon­kur­renz zu alten (aber uner­wünsch­ten) Gewohn­hei­ten stehen, müssen geschützt werden.

Es sinn­voll, nicht nur äußere Fallen und Hin­der­nisse, sondern auch die eigenen Aus­re­den zu kennen und für den Fall der Fälle wenn … dann … Pläne bereit zu haben.

#8 | Opti­miere die Beloh­nung

Externe (extrin­si­sche) Beloh­nun­gen funk­tio­nie­ren zwar, sie sind aber nicht optimal. Intrin­si­sche Moti­va­tion ist besser.

Nutze nach Mög­lich­keit immer intrin­si­sche Beloh­nun­gen.

Bei extrin­si­schen Beloh­nun­gen bist du von der Beloh­nung abhän­gig. Wenn du dich nach dem Sport mit einem Eis belohnst, wirst du Pro­bleme bekom­men, wenn du im Urlaub bist oder an einen anderen Ort umziehst, an dem es keine pas­sende Eis­diele gibt.

#9 | Sei dir sicher, warum du eine Gewohn­heit ändern möch­test

Auch mit der rich­ti­gen Stra­te­gie ist es nicht einfach, Gewohn­hei­ten zu ver­än­dern. Wenn du das nicht glaubst, denke mal darüber nach, welche Per­so­nen in deinem Umfeld es geschafft haben, eine Gewohn­heit dau­er­haft zu ver­än­dern.

Wir Men­schen glauben zwar gerne, dass wir solche Dinge besser können, als unsere Mit­men­schen, aber das ist eine Illu­sion.

Daher: Über­lege dir gut, was du ändern möch­test und mache dir vor allem klar, warum du diese Gewohn­heit ändern möch­test.

Wer einfach mal ins Blaue hinein irgend­et­was ändert, schafft sich damit nur eine unan­ge­nehme Erfah­rung und wird in Zukunft eher weniger moti­viert sein, Ver­än­de­run­gen in Angriff zu nehmen.

Stelle dir fol­gende Frage: Will ich diese Gewohn­heit ändern, weil mein Leben dadurch besser oder ein­fa­cher wird? Oder will ich sie nur ändern um anderen Men­schen zu gefal­len oder um ein bestimm­tes Image auf­zu­bauen?

Gret­chen Rubin bringt es gut auf den Punkt:

Die größte Zeit­ver­schwen­dung ist etwas gut zu tun, was gar nicht getan werden müsste. (Gret­chen Rubin)

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Hallo, ich bin Jan Höpker

Ich bin pro­mo­vier­ter Che­mi­ker. Seit 2015 schreibe ich Bücher und Artikel über Themen, die Men­schen in ihrem Leben vor­an­brin­gen.

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In meinem Buch Erfolg durch Fokus & Kon­zen­tra­tion beleuchte ich den nach­weis­lich wich­tigs­ten Erfolgs­fak­tor FOKUS tief­grün­dig und pra­xis­nah.

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5/5 (8)

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6 Antworten auf Gewohn­hei­ten ändern in 4 Schrit­ten (neu­ro­bio­lo­gisch korrekt und schnell)

  1. Timo sagt:

    Wieder mal klasse geschrie­ben, wie Gewohn­hei­ten ent­ste­hen, wie man sich welche zu- oder ablegen kann. Da muss ich doch gleich mal über meine Gewohn­hei­ten nach­den­ken.

  2. Ewald sagt:

    Danke für diesen Artikel. Ich habe das Buch von Charles Duhigg natür­lich auch gelesen, finde aber, dass es – typisch ame­ri­ka­nisch – viel zu auf­ge­bla­sen ist. Diese Zusam­men­fas­sung hier beinhal­tet alle Kern­aus­sa­gen des Buches in aller Kürze. Gut gemacht!

    Auf meinem Blog schreibe ich regel­mä­ßig über Gewohn­hei­ten und Rou­ti­nen und gehe dabei auch viel tiefer ins Detail. Zur Zeit habe ich gerade eine kleine Serie über Selbst­dis­zi­plin und Wil­lens­kraft am Laufen.

    Zur Frage, wie lange es dauert, eine Gewohn­heit zu ändern, wird am 28. Sept. 2015 ein aus­führ­li­cher Artikel erschei­nen. Darin beschreibe ich, von welchen Fak­to­ren es abhängt, wie lange eine Gewohn­heits­än­de­rung dauert. Und natür­lich gibt’s auch Tipps, wie man die Zeit ver­kür­zen kann.

    • Jan sagt:

      Hallo Ewald,

      was den Stil von „die Macht der Gewohn­hei­ten“ angeht, gebe ich dir recht. Da wird eine Idee, die man auf 10 Seiten prä­sen­tie­ren könnte, auf fast 400 Seiten aus­ge­dehnt. Bei­spiele und Stories ohne Ende. Geschich­ten sind ja wirk­lich hilf­reich um Kon­zepte sehr ein­dring­lich zu ver­mit­teln. Viele Autoren über­tra­pa­zie­ren das aber sehr.

      Danke auch für den Hinweis auf deinen Blog.

  3. Pingback: idealkraft Wochenschau – KW 35/2015 » idealkraft

  4. Ronny sagt:

    Hi,

    ist ja gerade unser Thema. Super Beitrag passt genau in unsere Arti­kel­se­rie.
    Gewohn­hei­ten zu erken­nen und diese dann zu ver­än­dern ist der größte Schritt auf dem Weg, den sich jeder selbst stellt.
    Bei mir hat es Ewig gedau­ert bis ich meine Kaffee trink Gewohn­heit abge­legt habe. Immer wieder bin ich der alten Struk­tur nach gelau­fen. Aber letzten Endes habe ich diese Gewohn­heit nach 12 Jahren endlich kom­plett auf­ge­ge­ben. Vom Erken­nen bis zum end­gül­ti­gen Ver­än­dern ist es ein echt langer Weg.

    Liebe Grüße

    Ronny von Einfach anfan­gen

    • Jan sagt:

      Danke für deinen Kom­men­tar. Es freut mich, dass du es endlich geschafft hast, deine uner­wünschte Gewohn­heit abzu­le­gen

      Bei mir hat es auch Jahre gedau­ert bis ich es geschafft habe, meinen Wecker nicht erst noch 12-mal aus­zu­schal­ten, bevor ich es morgens aus dem Bett schaffe.

      Gewohn­hei­ten zu ändern ist leider wirk­lich harte Arbeit.

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