Gewohn­heiten ändern in 4 Schritten (neuro­lo­gisch korrekt & schnell)

Zuletzt aktua­li­siert am 4. Juli 2019 von Dr. Jan Höpker.

Eine Gewohn­heit ist eine Handlung, die unter bestimmten Bedin­gungen immer wieder auto­ma­tisch durch­ge­führt wird. Eine bestimmte Gewohn­heit kann erwünscht oder uner­wünscht sein. Wie können wir eine schlechte Gewohn­heit loswerden? Wie können wir uns eine nützliche Gewohn­heit aneignen? Kurz, wie können wir unsere Gewohn­heiten ändern?

Gewohnheiten ändern und verstehen

Der bekannte Philosoph Aris­to­teles soll sich schon vor über 2.000 Jahren zur Macht von Gewohn­heiten geäußert haben:

»Wir sind, was wir wieder­holt tun. Vorzüg­lich­keit ist daher keine Handlung, sondern eine Gewohn­heit.«

Was ist eine Gewohn­heit?

Eine Gewohn­heit ist ein Auto­ma­tismus, den das Gehirn in einem bestimmten Kontext immer wieder unbewusst aktiviert. Gewohn­heiten können Hand­lungen, Gedanken oder Gefühle sein. Unser aller Leben wird maßgeb­lich von unseren Gewohn­heiten bestimmt, denn mehr als 40 % unserer alltäg­li­chen Entschei­dungen basieren auf Gewohn­heiten (Quelle).

Wie entsteht eine Gewohn­heit?

Eine Gewohn­heit ist immer antrai­niert. Am Anfang führt man eine bestimmte Handlung in einem bestimmten Kontext wieder­holt bewusst durch. Wenn dabei bestimmte Bedin­gungen erfüllt sind, wird diese Handlung mit der Zeit zu einem Auto­ma­tismus. Ob man das möchte oder nicht spielt keine Rolle.

Unsere Gewohn­heiten werden von den Basal­gan­glien gesteuert, einem evolu­tionär alten Teil des Gehirns, der auch für die Kontrolle von Herz­schlag und Atmung zuständig ist. Diese Tatsache lässt schon vermuten, dass sich auch die Gewohn­heiten kaum bewusst kontrol­lieren lassen.

Wie funk­tio­niert eine Gewohn­heit?

In dem Buch Die Macht der Gewohn­heit* beschreibt Charles Duhigg die soge­nannte Gewohn­heits­schleife. Diese besteht aus drei Elementen:

  1. Auslöser: Eine Gewohn­heit wird durch einen bestimmten Ort, eine Uhrzeit, ein Gefühl oder ein Ereignis ausgelöst.
  2. Routine: das Ausführen der Handlung (Naschen, Rauchen, Fluchen, in der Nase Bohren etc.).
  3. Belohnung: Durch die Handlung kommt es zur Ausschüt­tung des Beloh­nungs­bo­ten­stoffs Dopamin. Das Vorhan­den­sein einer Belohnung ist eine Grund­vor­aus­set­zung für die Entste­hung einer Gewohn­heit.

Jede Gewohn­heit ist anders, aber sie alle verfügen über einen Auslöser, eine Routine und eine Belohnung. Die Routine kann eine Handlung, ein Gedanke oder ein Gefühl sein.

Ein einfaches persön­li­ches Beispiel

Bis vor einigen Jahren hatte ich die schlechte Ange­wohn­heit, morgens im Halb­schlaf meinen Wecker auszu­schalten, um ungestört weiter­schlafen zu können. Das Läuten des Weckers war der Auslöser dieser Routine, und die Belohnung bestand darin, dass ich weiter­schlafen durfte.

Eine Gewohn­heit kann nicht »gelöscht« werden

Zu jeder einzelnen Gewohn­heit, die wir uns im Laufe unseres Lebens ange­eignet haben, gibt es im Gehirn ein Netzwerk aus neuro­nalen Verknüp­fungen. Die Natur verfügt über keinen Mecha­nismus, mit dem einmal entstan­dene Verknüp­fungen gezielt wieder entfernt werden können. Mit anderen Worten: Gewohn­heiten bleiben für immer bestehen. Es ist wie mit dem Schwimmen oder Radfahren: Einmal gelernt behält man diese Fähig­keiten ein Leben lang.

Trotzdem gibt es eine Möglich­keit, uner­wünschte Gewohn­heiten loszu­werden: Man muss die entspre­chende Gewohn­heit ändern, sprich: Die Routine ersetzen. Wie das konkret funk­tio­niert, schauen wir uns in Kürze an.

Wie man eine Gewohn­heit ändern kann

Zwar lässt sich eine Gewohn­heit nicht einfach löschen, aber eine uner­wünschte Routine kann durch eine bessere Routine ersetzt werden. Dazu sind vier Schritte notwendig:

Schritt #1: Die Routine iden­ti­fi­zieren

Die Routine ist die uner­wünschte Handlung, die man in Zukunft unter­lassen möchte. Schritt #1 ist daher bereits erledigt.

Schritt #2: Die Belohnung finden

Als Nächstes muss heraus­ge­funden werden, was genau die Belohnung ist. Bei vielen Gewohn­heiten ist das offen­sicht­lich, aber manchmal gibt es mehrere Möglich­keiten. Zum Beispiel abends vor dem Fernseher zwanghaft zu rauchen, kann verschie­dene Gründe haben:

  • Niko­tin­sucht
  • Lange­weile

Um heraus­zu­finden, welcher Grund zutref­fend ist, muss man ein wenig expe­ri­men­tieren. In unserem konkreten Fall könnte man, anstatt zu rauchen, eine andere Ablenkung auspro­bieren und schauen, ob man davon ebenfalls befrie­digt wird. Mit dem Smart­phone oder einem Anti-Stress-Ball spielen zum Beispiel.

Schritt #3: Den Auslöser suchen

Nun muss der Auslöser gefunden werden. Charles Duhigg erklärt, dass zwar alles Mögliche als Auslöser in Frage kommen kann, es aber fünf typische Auslöser gibt, die fast alle konkreten Fälle abdecken:

  • Eine bestimmte Tages- oder Uhrzeit
  • Ein bestimmter Standort
  • Ein bestimmter emotio­naler Zustand
  • Die Anwe­sen­heit von bestimmten anderen Menschen
  • Die unmit­telbar voran­ge­gan­gene Handlung

Um den Auslöser zu iden­ti­fi­zieren, legt man Stift und Papier bereit, und bei jedem Auftreten der uner­wünschten Routine notiert man die fünf oben genannten Faktoren. Wenn man einige Daten­sätze gesammelt hat, vergleicht man diese und sucht nach einem Muster: Welche der Bedin­gungen war immer gleich?

Schritt #4: Einen Plan aufstellen

Um die uner­wünschte Handlung zu unter­binden, muss nun bei jedem Auftreten des Auslösers bewusst eine alter­na­tive Handlung durch­ge­führt werden. Mit anderen Worten: Man muss sich eine neue Gewohn­heit antrai­nieren, welche die alte Gewohn­heit ersetzt.

Eine Gewohn­heit kann man nicht aus dem Fenster werfen. Man muss sie die Treppe hinun­ter­boxen, Stufe für Stufe (Mark Twain)

Wie lange dauert das Ändern einer Gewohn­heit?

Früher ging man davon aus, dass das Bilden einer neuen Gewohn­heit rund 30 Tage dauert. Im Jahr 2009 verbrei­teten die Medien, dass es angeblich 66 Tage dauert. Der Auslöser war eine Veröf­fent­li­chung eines Forscher­teams des Univer­sity College London (UCL). Wohl­ge­merkt geht es hier um das Bilden einer neuen Gewohn­heit und nicht um das Ändern einer bereits bestehenden Gewohn­heit. Das ist ein feiner, aber wichtiger Unter­schied, über den wir noch sprechen werden.

Woher die 66 Tage kommen

Im Rahmen eines Expe­ri­mentes wollten die Forscher vom UCL heraus­finden, wie lange es dauert, bis die für das Expe­ri­ment rekru­tierten Probanden eine neue Handlung weit­ge­hend unbewusst durch­führen. Die Forscher wählten sehr einfache Tätig­keiten, wie zum Beispiel:

  • Zum Mittag­essen ein Glas Wasser trinken.
  • Nach dem Essen ein Stück Obst essen.

Gemessen wurde das subjek­tive Empfinden der Probanden. Wie leicht war ihnen das Durch­führen der Tätigkeit an diesem Tag gefallen. Ab einer will­kür­lich fest­ge­legten empfun­denen Leich­tig­keit ging man von einer Gewohn­heit aus. Im kürzesten Fall dauerte es 18 Tage, und im längsten Fall waren es 254 Tage. Der Mittel­wert betrug 66 Tage.

Warum ich die Behaup­tung, des würde 66 Tage dauern, eine neue Gewohn­heit zu bilden, für frag­würdig halte, erkläre ich in diesem Video:

Wenn man sich die Rohdaten der Studie anschaut, könnte man auch zu dem Schluss kommen, dass das Bilden einer neuen Gewohn­heit nicht 66 Tage, sondern etwa 30 Tage lang dauert. Zu welchem Ergebnis man kommt, hängt davon ab, ob man die extremen Ausreißer berück­sich­tigt oder nicht. Bei den aller­meisten Probanden war die neue Gewohn­heit nach etwa 30 Tagen gebildet. Es gab aber auch einige wenige Probanden, bei denen es bis zu 254 Tage lang gedauert hat. Diese Ausreißer ziehen den Mittel­wert stark nach unten.

Von 66 Tagen auszu­gehen, wäre nur dann sinnvoll, wenn es bei den meisten Probanden etwa so lange gedauert hätte. Tatsäch­lich hat es bei den aller­meisten Probanden aber nur etwa 30 Tage gedauert, weshalb ich von dieser Zeit­spanne ausgehen würde.

Eine Gewohn­heit zu ändern, dauert viel länger ...

Wie lange genau? Dazu gibt es (bisher) noch keine Studien. Im Profi­sport gibt es die Faust­formel, dass es etwa 10-mal so lange dauert, eine falsch gelernte Bewegung zu korri­gieren, wie es gedauert hätte, die gleiche Bewegung von vorn­herein richtig zu lernen. Es dauert eben, was im Grunde aber gar nicht so wichtig ist, denn bei der Dauer geht es nur darum, wie lange man sich bewusst darum bemühen muss, auf die neue Art zu handeln.

... oder doch nicht?

Bei alledem darf man nicht vergessen, dass es sich nicht um Natur­ge­setze handelt, d. h. es kann Abwei­chungen von diesen Richt­werten geben. Tatsäch­lich kann sich eine Gewohn­heits­än­de­rung fast augen­blick­lich voll­ziehen – durch Hypnose oder einen Para­dig­men­wechsel. Was es mit dem Para­dig­men­wechsel auf sich hat, erkläre ich in dem folgenden Video:

9 Praxis­tipps zum Ändern von Gewohn­heiten

#1 | Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Wie genau sollte man sich kontrol­lieren? Die optimale Strategie hängt von deiner Persön­lich­keit ab. Konkret kommt es darauf an, wie du auf Erwar­tungen reagierst. In dem Buch Erfinde dich neu* teilt Gretchen Rubin Menschen in vier Kate­go­rien ein:

  1. Menschen, die gut darin sind, die Erwar­tungen anderer Personen zu erfüllen.
  2. Menschen, die gut darin sind, die eigenen Erwar­tungen zu erfüllen.
  3. Menschen, die gut darin sind, alle Sorten von Erwar­tungen zu erfüllen.
  4. Rebellen, die grund­sätz­lich aller­gisch auf Erwar­tungen reagieren.

Je nachdem, welcher Gruppe du angehörst, solltest du entweder externe oder interne Kontroll­in­stanzen wählen. Und falls du ein Rebell bist, solltest du lieber ganz auf Kontrollen verzichten.

Äußere Kontroll­in­stanzen

Freunde oder Fami­li­en­an­ge­hö­rige kommen als äußere Kontroll­in­stanzen in Frage. Erzähle ihnen, was du vorhast, und sage ihnen, wie sie dich dabei unter­stützen können.

Innere Kontroll­in­stanzen

Eine gute innere Kontroll­in­stanz ist das Moni­to­ring. Moni­to­ring sorgt dafür, dass dir die wichtigen Infor­ma­tionen über deinen Fort­schritt bewusst werden. Ohne Moni­to­ring würden diese Infor­ma­tionen leicht übersehen oder sogar (unbewusst) ignoriert. Moni­to­ring verhin­dert Selbst­be­trug. Moni­to­ring kann auf verschie­dene Art und Weise erfolgen:

  • Wiegen und Messen.
  • Ernäh­rungs­ta­ge­buch.
  • Sport­ler­ta­ge­buch.

Wer auf Moni­to­ring verzichtet, weil er glaubt alles unter Kontrolle zu haben, macht einen schweren Fehler. Studien haben gezeigt, dass wir zum Beispiel problemlos 20 % mehr essen können, ohne es zu merken. Bei anderen Tätig­keiten ist es ähnlich. Außerdem haben wir eine selektive Aufmerk­sam­keit, was bedeutet, dass wir immer irgend­etwas übersehen.

#2 | Optimiere die Qualität deiner Erfah­rungen

Studien haben gezeigt, dass unsere Erin­ne­rungen an vergan­gene Empfin­dungen lücken­haft, aber vorher­sagbar sind: Wir erinnern uns im Nach­hinein nicht mehr an unser Empfinden während des gesamten Ereig­nisses, sondern nur an die maximale Inten­sität und an die Inten­sität ganz am Ende des Ereig­nisses. Das gilt für alle möglichen Ereig­nisse, sei es ein Zahn­arzt­be­such, ein Trans­at­lan­tik­flug, ein Besuch bei den Schwie­ger­el­tern oder ein Mara­thon­lauf.

Auf die maximale Inten­sität der Empfin­dung hat man meist wenig Einfluss. Die Empfin­dung am Ende des Ereig­nisses lässt sich in vielen Fällen aber bewusst gestalten. Ich wähle meine Joggin­g­routen daher immer so, dass die letzten Minuten möglichst angenehm sind (bergab, langsames Tempo, Abend­sonne etc.). So bleibt mir der gesamte Lauf positiv in Erin­ne­rung, was sich vermut­lich positiv auf meine Moti­va­tion auswirkt, in Zukunft wieder joggen zu gehen.

#3 | Wähle möglichst zuver­läs­sige Auslöser

Je schwie­riger eine neue Gewohn­heit ist, umso mehr profi­tiert man von guten Auslösern. Chip und Dan Heath, die Autoren des Buches Switch*, berichten, dass die Wahr­schein­lich­keit, aktiv zu werden, durch entspre­chende Auslöser um bis zu 300 % steigt.

Warum Auslöser so wirksam sind

Ganz ohne Auslöser muss man sich jedes Mal bewusst dazu entscheiden, aktiv zu werden. Man hat also jedes Mal die Chance, die Sache aufzu­schieben oder einen Grund zu finden, warum genau jetzt ein guter Moment für eine Ausnahme ist. Wenn man aber einen Auslöser nutzt, dann wurde die Entschei­dung, die Sache durch­zu­ziehen schon im Vorfeld getroffen.

Wichtig ist, dass der Auslöser zuver­lässig ist

Wer beispiels­weise nur Sport macht, wenn der beste Freund/die beste Freundin auch zum Sport geht, wird wahr­schein­lich nicht mehr zum Sport gehen, wenn der Freund/die Freundin mal krank ist oder gar nicht mehr zum Sport geht. Idea­ler­weise koppelt man neue Gewohn­heiten daher an eine Uhrzeit oder an einen Wochentag.

#4 | Optimiere dein Timing

Solange sich eine neue Gewohn­heit noch in der Entste­hung befindet, müssen wir uns bewusst darum bemühen, die entspre­chende Handlung durch­zu­führen. Dafür brauchen wir Willens­kraft. Viel­leicht hast du schon mitbe­kommen, dass die Willens­kraft mit einem Muskel vergleichbar ist, der zum einen Energie in Form von Blut­zu­cker braucht und zum anderen im Laufe des Tages ermüdet.

Morgens nach dem Frühstück ist die Willens­kraft daher am stärksten. Das heißt: Wofür wir uns morgens nicht selbst moti­vieren können, dafür können wir uns später am gleichen Tag wahr­schein­lich auch nicht moti­vieren. Es macht daher Sinn, neue Gewohn­heiten am frühen Vormittag zu trai­nieren.

#5 | Optimiere dein Mindset

Je öfter wir mit einer Situation, Person oder Sache konfron­tiert sind, umso mehr mögen wir sie. Ursache ist der soge­nannte Mere-Exposure-Effekt. Wenn du ganz am Anfang eine Abneigung gegenüber einer neuen Hand­lungs­weise empfin­dest, solltest du daher ein wenig Geduld haben.

Bei einer Ernäh­rungs­um­stel­lung dürfte diese Erkenntnis besonders hilfreich sein. Du planst eine Diät, aber dir schmeckt kein Gemüse? Warte ein paar Tage ab. Viel­leicht kommt daher auch der Ausdruck, dass etwas gewöh­nungs­be­dürftig schmeckt. Mein erster Kaffee ohne Zucker war auch ein solcher Fall. Aber schon nach wenigen Tagen empfand ich Kaffee ohne Zucker als ganz normal.

#6 | Lass keine Unter­bre­chungen zu

Am Anfang sollte es dir mehr darum gehen, eine neue Gewohn­heit zu bilden, als auf Leistung aus zu sein. Es ist daher zum Beispiel besser, regel­mäßig nur 10 Minuten lang zu joggen als sich in unre­gel­mä­ßigen größeren Abständen zu veraus­gaben.

#7 | Schütze deine Gewohn­heiten

Beim Ersetzen einer uner­wünschte Routine gibt es eine Über­gangs­phase von einigen Wochen, in der die alte Routine (noch) stärker als die neue Routine ist. Dies ist insbe­son­dere dann kritisch, wenn der Willens­kraft-Muskel erschöpft ist. Für diese Fälle ist es sinnvoll, nicht nur äußere Fallen und Hinder­nisse, sondern auch die eigenen Ausreden zu kennen und wenn ... dann ... Pläne bereit zu haben.

#8 | Optimiere die Belohnung

Externe (extrinsi­sche) Beloh­nungen funk­tio­nieren zwar, aber intrinsi­sche Beloh­nungen sind besser. Bei extrinsi­schen Beloh­nungen bist du von Faktoren abhängig, die du nicht immer kontrol­lieren kannst. Sich mit einem Eis zu belohnen, wird zum Problem, wenn die Eisdiele geschlossen hat oder wenn du dich an einem Ort befindest, an dem es keine Eisdiele gibt. Nutze daher nach Möglich­keit immer intrinsi­sche Beloh­nungen.

#9 | Kenne dein Warum

Stelle dir diese Frage: Will ich diese Gewohn­heit ändern, weil mein Leben dadurch besser oder einfacher wird? Oder will ich die Gewohn­heit nur ändern, um anderen Menschen zu gefallen oder um ein bestimmtes Image aufzu­bauen?

Gretchen Rubin bringt es gut auf den Punkt:

»Die größte Zeit­ver­schwen­dung ist etwas gut zu tun, was gar nicht getan werden müsste.«

Fragen und Antworten (Q & A)

Funk­tio­niert es auch ohne Belohnung?

Ohne Belohnung wird sich keine Gewohn­heit bilden, denn aus Sicht des Gehirns besteht der alleinige Zweck einer Routine darin, die Belohnung zu erhalten. Wenn man eine neue Gewohn­heit einübt, lernt das Gehirn mit der Zeit, die Belohnung vorweg­zu­nehmen. Es entsteht ein Verlangen nach der Belohnung, und dieses Verlangen nach der Belohnung treibt die Gewohn­heits­schleife an.

Als Belohnung kommt wirklich alles in Frage, was im Gehirn zu einer Ausschüt­tung von Dopamin führt. Eine Belohnung kann auch ein schöner Gedanke oder ein Tagtraum sein, der mit positiven Gefühlen verbunden ist.

Was passiert, wenn man die Belohnung verwei­gert?

Wenn man die Belohnung verwei­gert, wird das Gehirn das Verlangen nach der Belohnung immer weiter verstärken. Meist ist die Belohnung aber ohnehin so eng mit der Routine gekoppelt, dass diese nicht vonein­ander getrennt werden können.

Gibt es besonders sinnvolle Gewohn­heiten?

Mit soge­nannten Schlüs­sel­ge­wohn­heiten lassen sich mehrere Fliegen mit nur einer Klappe schlagen. Wer sich zum Beispiel Sport zur regel­mä­ßigen Gewohn­heit macht, verändert dabei häufig auch seine innere Einstel­lung, wodurch sich unbewusst (und ungeplant) noch einige weitere Gewohn­heiten ändern. Zum Beispiel könnte sich die Person auto­ma­tisch gesünder ernähren und weniger Alkohol trinken und/oder weniger rauchen.

Bestimmte Gewohn­heiten können Schlüs­sel­ge­wohn­heiten sein, aber man kann es nicht erzwingen. Neben dem Sport zählen auch das Tagebuch Schreiben sowie Fokus und Konzen­tra­tion zu den poten­zi­ellen Schlüs­sel­ge­wohn­heiten.

P.S.: Wie du Fokus und Konzen­tra­tion als starken Hebel einsetzen kannst, um viele weitere positive Verän­de­rungen in deinem Leben anzu­stoßen, erfährst du in meinem Buch Erfolg durch Fokus & Konzen­tra­tion (für Lese­muffel gibt es auch eine Hörbuch-Version).

Ich wünsche dir viel Erfolg!
Jan Höpker

Dr. Jan Höpker - Foto Autorenbox

Über Dr. Jan Höpker

Eines Tages wachte ich auf und stellte fest, dass ich über viele spannende Themen nicht nur nichts wusste, sondern nicht einmal wusste, dass ich nichts über sie wusste (trotz Studium und Promotion). Seitdem lese ich viele schlaue Bücher und mache mir Gedanken, die ich auf dieser Webseite veröf­fent­liche.

Meine Artikel gehen in die Tiefe, weil ich für Ober­fläch­lich­keit keine Zeit habe. Warum die Seite HabitGym heißt? Weil es nicht darum geht, Dinge nur zu wissen, sondern Wissen auch anzu­wenden, was einiger Übung bedarf. Auch Geld ist nur ein Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger. Zurzeit arbeite ich übrigens an meiner zweiten Million – die erste Million hat leider nicht geklappt ;)

Schließe dich meinen rund 2.000 News­letter-Abon­nenten an, um mehr über mich und all die span­nenden Themen zu erfahren, von denen du viel­leicht noch nicht einmal weißt, dass du nichts über sie weißt ...

P.S.: Mitt­ler­weile habe ich selbst einige Bücher geschrieben (siehe hier).

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8 Antworten auf Gewohn­heiten ändern in 4 Schritten (neuro­lo­gisch korrekt & schnell)

  1. Avatarrainer sagt:

    Sehr cooler Ansatz und Stil den ich mag – wissen­schaft­li­chen Inhalt in eine mund­ge­rechte und bildhafte Sprache zu bringen so dass sie auch Samstag früh um 7h30 so gut verständ­lich ist.

  2. AvatarTimo sagt:

    Wieder mal klasse geschrieben, wie Gewohn­heiten entstehen, wie man sich welche zu- oder ablegen kann. Da muss ich doch gleich mal über meine Gewohn­heiten nach­denken.

  3. AvatarEwald sagt:

    Danke für diesen Artikel. Ich habe das Buch von Charles Duhigg natürlich auch gelesen, finde aber, dass es – typisch ameri­ka­nisch – viel zu aufge­blasen ist. Diese Zusam­men­fas­sung hier beinhaltet alle Kern­aus­sagen des Buches in aller Kürze. Gut gemacht!

    Auf meinem Blog schreibe ich regel­mäßig über Gewohn­heiten und Routinen und gehe dabei auch viel tiefer ins Detail. Zur Zeit habe ich gerade eine kleine Serie über Selbst­dis­zi­plin und Willens­kraft am Laufen.

    Zur Frage, wie lange es dauert, eine Gewohn­heit zu ändern, wird am 28. Sept. 2015 ein ausführ­li­cher Artikel erscheinen. Darin beschreibe ich, von welchen Faktoren es abhängt, wie lange eine Gewohn­heits­än­de­rung dauert. Und natürlich gibt’s auch Tipps, wie man die Zeit verkürzen kann.

    • AvatarJan sagt:

      Hallo Ewald,

      was den Stil von »die Macht der Gewohn­heiten« angeht, gebe ich dir recht. Da wird eine Idee, die man auf 10 Seiten präsen­tieren könnte, auf fast 400 Seiten ausge­dehnt. Beispiele und Stories ohne Ende. Geschichten sind ja wirklich hilfreich um Konzepte sehr eindring­lich zu vermit­teln. Viele Autoren über­tra­pa­zieren das aber sehr.

      Danke auch für den Hinweis auf deinen Blog.

  4. Pingback: idealkraft Wochenschau – KW 35/2015 » idealkraft

  5. AvatarRonny sagt:

    Hi,

    ist ja gerade unser Thema. Super Beitrag passt genau in unsere Arti­kel­serie.
    Gewohn­heiten zu erkennen und diese dann zu verändern ist der größte Schritt auf dem Weg, den sich jeder selbst stellt.
    Bei mir hat es Ewig gedauert bis ich meine Kaffee trink Gewohn­heit abgelegt habe. Immer wieder bin ich der alten Struktur nach gelaufen. Aber letzten Endes habe ich diese Gewohn­heit nach 12 Jahren endlich komplett aufge­geben. Vom Erkennen bis zum endgül­tigen Verändern ist es ein echt langer Weg.

    Liebe Grüße

    Ronny von Einfach anfangen

    • AvatarJan sagt:

      Danke für deinen Kommentar. Es freut mich, dass du es endlich geschafft hast, deine uner­wünschte Gewohn­heit abzulegen

      Bei mir hat es auch Jahre gedauert bis ich es geschafft habe, meinen Wecker nicht erst noch 12-mal auszu­schalten, bevor ich es morgens aus dem Bett schaffe.

      Gewohn­heiten zu ändern ist leider wirklich harte Arbeit.

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