Gewohn­heiten ändern in 4 Schritten (neuro­bio­lo­gisch korrekt und schnell)

Gewohnheiten ändern und verstehenWie kann man Gewohn­heiten ändern?

Wie kann man schlechte Ange­wohn­heiten loswerden, um sich statt­dessen Erfolgs­ge­wohn­heiten anzu­eignen? Warum haben Gewohn­heiten so viel Macht?

Inhalts­ver­zeichnis

Schon vor über 2.000 Jahren hatte Aris­to­teles die Macht der Gewohn­heiten verstanden:

Wir sind, was wir wieder­holt tun.

Vorzüg­lich­keit ist daher keine Handlung, sondern eine Gewohn­heit.

Wer sein Leben verändern möchte, muss seine Gewohn­heiten ändern

Viele der Tätig­keiten, die wir wieder­holt auf die gleiche Weise und im gleichen Kontext durch­führen, werden mit der Zeit zu Gewohn­heiten.

Ob wir das wollen oder nicht, spielt dabei keine Rolle.

Unser Leben wird von Gewohn­heiten bestimmt

Mehr als 40 % unserer alltäg­li­chen Entschei­dungen basieren auf Gewohn­heiten.

Unsere Gewohn­heiten sind in einem evolu­tionär alten Teil des Gehirns gespei­chert: den Basal­gan­glien. Dort werden auch Herz­schlag und Atmung kontrol­liert.

Genau wie Herz­schlag und Atmung, laufen auch unsere Gewohn­heiten weit­ge­hend unbewusst und auto­ma­tisch ab.

So funk­tio­nieren Gewohn­heiten

In dem Buch Die Macht der Gewohn­heit (*) beschreibt Charles Duhigg den Aufbau der Gewohn­heiten als soge­nannte Gewohn­heits­schleife.

Die Gewohn­heits­schleife besteht aus drei Elementen

Diese drei Ereig­nisse finden der Reihe nach statt:

  1. Auslöser: Die Gewohn­heit wird durch einen bestimmten Ort, eine Uhrzeit, ein Gefühl oder ein Ereignis ausgelöst.
  2. Routine: Das Ausführen der beob­acht­baren Gewohn­heit (Naschen, Rauchen, Fluchen, Nase­bohren etc.).
  3. Belohnung: Die Ausschüt­tung des Beloh­nungs-Botten­stoffs Dopamin im Gehirn. Die Belohnung ist der Grund, warum es zur Entste­hung von Gewohn­heiten kommt.

Ein persön­li­ches Beispiel

Früher hatte ich die schlechte Ange­wohn­heit, morgens meinen Wecker auszu­schalten, um mich wieder zurück ins warme Bett zu legen.

Das Läuten des Weckers war der Auslöser dieser Routine, und die Belohnung bestand darin, dass ich mich wieder ins warme Bett begeben und weiter­schlafen durfte.

Gewohn­heiten können nicht wieder gelöscht werden

Für jede Gewohn­heit gibt es entspre­chende Verknüp­fungen im Gehirn.

Da diese Verknüp­fungen dauerhaft bestehen bleiben, lassen sich uner­wünschte Gewohn­heiten nicht so einfach wieder aus dem Reper­toire der Verhal­tens­weisen entfernen.

Wer einmal das Schwimmen oder Radfahren gelernt hat, behält diese Fähigkeit ein Leben lang. Für Gewohn­heiten gilt das gleiche.

Wer Gewohn­heiten loswerden möchte, muss die Routinen durch eine neue Routinen zu ersetzen.

Jede Gewohn­heit ist anders

Es gibt einfache Gewohn­heiten, wie zum Beispiel nach dem Essen das Besteck auf den leeren Teller zu legen, und es gibt kompli­zier­tere Gewohn­heiten, wie beispiels­weise ein Auto rückwärts einzu­parken.

Manche Gewohn­heiten werden mehrmals pro Stunde ausge­führt, während andere Gewohn­heiten nur einmal pro Tag oder noch seltener auftreten.

Wie lange dauert es eine Gewohn­heit zu ändern?

Vor einigen Jahren wurde über die Medien bekannt, dass es 66 Tage lang dauert, um eine neue Gewohn­heit zu bilden.

Hinter dieser Infor­ma­tion steckt eine Veröf­fent­li­chung eines Forscher­teams des Univer­sity College London aus dem Jahre 2009.

Wie die Forscher auf 66 Tage kamen

Die Forscher wollten heraus­finden, wie lange es dauert, bis die Probanden eine neue regel­mä­ßige Tätigkeit weit­ge­hend unbewusst durch­führen.

Es handelte sich um sehr einfache Tätig­keiten. Hier zwei Beispiele aus der Studie:

  • Zum Mittag­essen ein Glas Wasser trinken
  • Nach dem Essen ein Stück Obst essen

Die Probanden mussten angeben, wie leicht ihnen die Tätigkeit gefallen war.

Ab einer will­kür­lich fest­ge­legten empfun­denen Leich­tig­keit ging man von einer Gewohn­heit aus.

Im kürzesten Fall dauerte es 18 Tage, und im längsten Fall waren es 254 Tage. Der Mittel­wert betrug 66 Tage.

Warum ich nichts davon halte, zu sagen, es würde 66 Tage dauern, um eine Gewohn­heit zu bilden, erkläre ich im Video:

Gewohn­heiten und Menschen sind unter­schied­lich

Wer sich die Rohdaten der Studie anschaut, wird zu dem Schluss kommen, dass 30 Tage besser passen als 66 Tage.

Die extrem große Spanne von 18 bis 254 Tagen deutet schon darauf hin, dass exakte Zeit­an­gaben ohnehin witzlos sind.

Eine alte Gewohn­heit zu ersetzen, dauert deutlich länger, als eine neue Gewohn­heiten zu bilden

Angeblich dauert es rund 10mal so lang, eine falsch gelernte Bewegung im Sport zu korri­gieren, wie es dauert, die gleiche Bewegung von vorn­herein richtig zu lernen.

Für das Ersetzen von unlieb­samen Gewohn­heiten heißt das: Es dauert wohl deutlich länger als 30 oder 66 Tage.

Durch einen Para­dig­men­wechsel können einige Gewohn­heiten sofort geändert werden

Unter gewissen Umständen kann eine Gewohn­heit auf der Stelle geändert werden: Durch einen Para­dig­men­wechsel.

Mehr dazu in diesem Video:

Auf die Belohnung kommt es an

In der Gewohn­heits­schleife folgt die Belohnung nach der Routine, das heißt wenn man die Belohnung erhält, hat man die Routine bereits ausge­führt.

Kann man die Belohnung nicht einfach weglassen?

Nein, die Belohnung ist zwingend notwendig.

Ohne Belohnung wird sich keine Gewohn­heit bilden

Aus Sicht des Gehirns besteht der Sinn einer Routine ausschließ­lich darin, die Belohnung zu erhalten. Die Routine ist nur ein Mittel zum Zweck.

Wenn man eine neue Gewohn­heits­schleife einübt, lernt das Gehirn mit der Zeit, die Belohnung vorweg­zu­nehmen.

Es entsteht ein Verlangen nach der Belohnung, und dieses Verlangen treibt die Gewohn­heits­schleife an.

Als Belohnung kommt alles in Frage, was im Gehirn zu einer Ausschüt­tung von Dopamin führt.

Eine Belohnung kann auch ein schöner Gedanke oder ein Tagtraum sein der mit positiven Gefühlen verbunden ist.

Das Entfernen der Belohnung wird das Verlangen verstärken

Wenn die Belohnung verwei­gert wird, wird das Gehirn das Verlangen nach der Belohnung verstärken.

Meist ist die Belohnung aber ohnehin so eng mit der Routine gekoppelt, dass diese nicht vonein­ander getrennt werden können.

Beim Ändern von Gewohn­heiten spielen Training und Taktik eine Rolle

Eine Gewohn­heit kann man nicht aus dem Fenster werfen. Man muss sie die Treppe hinun­ter­boxen, Stufe für Stufe (Mark Twain)

Bis sich eine neue Gewohn­heits­schleife gebildet hat, muss die neue Routine bewusst ausge­führt werden.

Es sollte immer der gleiche Auslöser verwendet werden. Auch die Belohnung ist wichtig.

Schlüs­sel­ge­wohn­heiten: Mehrere Fliegen mit nur einer Klappe schlagen

Schlüs­sel­ge­wohn­heiten sind Gewohn­heiten, die wie Hebel wirken oder Ketten­re­ak­tionen auszu­lösen.

Bestimmte Gewohn­heiten können Schlüs­sel­ge­wohn­heiten sein. Man kann es aber nicht erzwingen.

Beispiel-Schlüs­sel­ge­wohn­heit Sport

Es kann vorkommen, dass jemand, der damit anfängt, regel­mäßig Sport zu treiben, unbewusst außerdem noch damit anfängt, sich gesünder zu ernähren oder weniger zu rauchen.

Durch den Sport hat sich eine innere Einstel­lung verändert.

Auch das Tagebuch Schreiben ist häufig eine Schlüs­sel­ge­wohn­heit.

Gewohn­heiten ändern – konkretes Vorgehen

Eine uner­wünschte Gewohn­heit lässt sich in vier Schritten durch eine bessere Gewohn­heit ersetzen.

#1 | Die Routine iden­ti­fi­zieren

Der erste Schritt besteht darin, die Routine zu iden­ti­fi­zieren. Dies ist einfach und in den aller­meisten Fällen bereits erledigt.

#2 | Die Belohnung finden

Im zweiten Schritt muss heraus­ge­funden werden, was die Belohnung ist. In einigen Fällen ist die Belohnung offen­sicht­lich, aber in anderen Fällen gibt es mehrere Möglich­keiten.

Für das abend­liche Naschen von Süßig­keiten gibt es (mindes­tens) diese beiden Möglich­keiten für die Belohnung:

  • Befrie­di­gung eines Hunger­ge­fühls
  • Ablenkung von Lange­weile

Um heraus­zu­finden, welche der Möglich­keiten zutref­fend ist, muss man expe­ri­men­tieren.

Anstelle von Süßig­keiten könnte man einen Apfel essen und beob­achten, ob man dadurch befrie­digt wird.

#3 | Den Auslöser suchen

Im dritten Schritt wird der Auslöser gesucht. Duhigg erklärt, dass alles Mögliche als Auslöser in Frage kommen kann.

Es gibt aber fünf typische Auslöser, die in der Praxis fast alles abdecken:

  • Eine bestimmte Tages- oder Uhrzeit
  • Ein bestimmter Standort
  • Ein bestimmter emotio­naler Zustand
  • Die Anwe­sen­heit von bestimmten anderen Menschen
  • Die unmit­telbar voran­ge­gan­gene Handlung

Um den Auslöser der Gewohn­heit zu iden­ti­fi­zieren, schreibt man sich bei  jedem Auftreten der Gewohn­heit zu jedem der fünf wahr­schein­lich in Frage kommenden Auslöser den entspre­chenden Zustand auf.

Sobald man einige Daten­sätze gesammelt hat, vergleicht man diese und sucht nach einem Muster: Welche der Bedin­gungen war immer gleich?

#4 | Einen Plan aufstellen

Der vierte Schritt besteht darin, einen Plan aufzu­stellen, um die uner­wünschte Routine zu ersetzen.

Überlege dir, was du tun wirst, wenn der Auslöser wieder auftritt.

Gewohn­heiten geraten im heißen Zustand ausser Kontrolle

Einige Gewohn­heiten werden von starken Emotionen ausgelöst oder begleitet. Beim Ändern dieser Sorte von Gewohn­heiten gibt es einen Fall­strick.

Wer den Fall­strick kennt, kann vermeiden, ihm zum Opfer zu fallen.

Das Konzept vom heißen und vom kalten Gemüts­zu­stand

Man bezeichnet den emotional aufge­la­denen Zustand als heiß und den emoti­ons­armen Zustand als kalt.

Wir nehmen uns das Ändern von schlechten Ange­wohn­heiten fast immer im kalten Zustand vor.

Den heißen Zustand blenden wir dabei völlig aus, denn wenn wir emotional entspannt sind, können wir uns nicht in einen emotional aufge­la­denen Zustand hinein­ver­setzen.

Wir sollten für den heißen Zustand planen, um nicht rück­fällig zu werden

Wir müssen im kalten Zustand Taktiken entwi­ckeln, die uns im heißen Zustand kontrol­lieren.

Es gibt zwei Möglich­keiten:

  1. Lang­fristig kann der kalten Zustand durch Training (beispiels­weise Medi­ta­tion) gestärkt und der heiße Zustand geschwächt werden.
  2. Kurz­fristig kann das heiße Ich mit Hilfe von Taktiken daran gehindert werden, das uner­wünschte Verhalten auszu­führen.

Ein Praxis­bei­spiel

Wenn jemand zum Beispiel mit dem Rauchen aufhören möchte, könnte er dafür sorgen, dass ...

  • ...  sich in der Wohnung (und im Auto) keine Feuer­zeuge befinden.
  • Man könnte die für den Ziga­ret­ten­kauf erfor­der­li­chen Münzen immer sofort in ein Spar­schwein tun.
  • Man könnte Freunde und Kollegen um Unter­stüt­zung bitten.

9 Tipps zum Ändern von Gewohn­heiten

#1 | Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Gewohnheiten ändern - Tipps und Tricks für die PraxisDiese alte Weisheit gilt auch für selbst aufer­legte Verhal­tens­än­de­rungen.

Die optimale Strategie hängt von deiner Persön­lich­keit ab.

Es kommt darauf an, wie du auf Erwar­tungen reagierst.

Die folgende Eintei­lung stammt aus dem Buch Erfinde dich neu (*) von Gretchen Rubin.

Sie teilt Menschen in vier Kate­go­rien ein:

  1. Menschen, die gut darin sind, die Erwar­tungen anderer Personen zu erfüllen
  2. Menschen, die gut darin sind, die eigenen Erwar­tungen zu erfüllen
  3. Menschen, die gut darin sind, alle Sorten von Erwar­tungen zu erfüllen
  4. Rebellen, die grund­sätz­lich aller­gisch auf Erwar­tungen reagieren

Je nachdem, welcher Gruppe du angehörst, solltest du entweder externe oder interne Kontroll­in­stanzen wählen.

Falls du ein Rebell bist, solltest du lieber ganz auf Kontrollen verzichten.

Äußere Kontroll­in­stanzen

Freunde oder Fami­li­en­an­ge­hö­rige kommen als äußere Kontroll­in­stanzen in Frage.

Erzähle ihnen, was du vorhast und sage ihnen, wie sie dich dabei unter­stützen können.

Innere Kontroll­in­stanzen

Eine gute innere Kontroll­in­stanz ist das Moni­to­ring. Moni­to­ring sorgt dafür, dass dir die wichtigen Infor­ma­tionen über deinen Fort­schritt bewusst werden.

Ohne Moni­to­ring würden diese Infor­ma­tionen leicht übersehen oder sogar (unbewusst) ignoriert. Moni­to­ring verhin­dert Selbst­be­trug.

Moni­to­ring kann auf verschie­dene Art und Weise erfolgen:

  • Wiegen und Messen.
  • Ernäh­rungs­ta­ge­buch.
  • Sport­ler­ta­ge­buch.

Wer auf Moni­to­ring verzichtet, weil er glaubt alles unter Kontrolle zu haben, begeht definitiv einen Fehler

Studien haben gezeigt, dass wir Menschen ohne Probleme 20 % mehr essen können, ohne es zu merken. Bei anderen Tätig­keiten ist es vermut­lich ähnlich.

Außerdem haben wir eine selektive Aufmerk­sam­keit, was bedeutet, dass wir immer irgend­etwas übersehen.

#2 | Optimiere die Qualität deiner Erfah­rungen

Wissen­schaft­liche Studien haben gezeigt, dass unsere Erin­ne­rungen an vergan­gene Empfin­dungen lücken­haft, aber vorher­sagbar sind: Wir erinnern uns im Nach­hinein nicht mehr an unser Empfinden während des gesamten Ereig­nisses, sondern nur an die maximale Inten­sität und an die Inten­sität ganz am Ende des Ereig­nisses.

Das gilt für alle möglichen Ereig­nisse, sei es ein Zahn­arzt­be­such, ein Trans­at­lan­tik­flug, ein Besuch bei den Schwie­ger­el­tern oder ein Mara­thon­lauf.

Auf die maximale Inten­sität der Empfin­dung hat man meist wenig Einfluss. Die Empfin­dung am Ende des Ereig­nisses lässt sich in vielen Fällen aber bewusst gestalten.

Ich wähle meine Joggin­g­routen immer so, dass die letzten Minuten möglichst angenehm sind (bergab, langsames Tempo, Abend­sonne etc.). So bleibt mir der gesamte Lauf möglichst positiv in Erin­ne­rung. Das hilft mir vermut­lich dabei, mich für meine künftigen Läufe zu moti­vieren.

#3 | Wähle möglichst zuver­läs­sige Auslöser

Je schwie­riger eine neue Gewohn­heit, umso mehr profi­tiert man von guten Auslösern.

Chip und Dan Heath, die Autoren des Buches Switch (*), berichten, dass die Wahr­schein­lich­keit, aktiv zu werden, durch entspre­chende Auslöser um 300 % steigt.

Warum Auslöser so wirksam sind

Ganz ohne Auslöser muss man sich jedes Mal bewusst dazu entscheiden, aktiv zu werden. Man hat also jedes Mal die Chance, die Sache aufzu­schieben oder einen Grund zu finden, warum genau jetzt ein guter Moment für eine Ausnahme ist.

Wenn man aber einen Auslöser nutzt, dann wurde die Entschei­dung, die Sache durch­zu­ziehen schon im Vorfeld getroffen.

Wichtig ist, dass der Auslöser zuver­lässig ist

Wer beispiels­weise nur Sport macht wenn der beste Freund/die beste Freundin auch zum Sport geht, wird wahr­schein­lich nicht mehr zum Sport gehen, wenn der Freund/die Freundin mal krank ist oder gar nicht mehr zum Sport geht.

Idea­ler­weise koppelt man neue Gewohn­heiten daher an eine Uhrzeit oder an einen Wochentag.

#4 | Optimiere dein Timing

Du hast vermut­lich schon mitbe­kommen, dass die Willens­kraft mit einem Muskel vergleichbar ist. Wie ein echter Muskel, ist auch die Willens­kraft vom Blut­zu­cker­spiegel abhängig und sie ermüdet im Laufe des Tages.

Morgens nach dem Frühstück ist die Willens­kraft am stärksten. Wofür wir uns morgens nicht selbst moti­vieren können, das schaffen wir später am Tag mit hoher Sicher­heit auch nicht.

Da junge Gewohn­heiten noch stark von Willens­kraft abhängig sind, macht es Sinn, diese möglichst auf den frühen Vormittag zu legen.

Wenn das zeitlich nicht möglich ist, müssen starke Auslöser und Kontroll­in­stanzen die schwä­chere Willens­kraft zu späterer Stunde kompen­sieren.

Timing ist wichtig beim Ändern von Gewohnheiten

#5 | Optimiere dein Mindset

Situa­tionen, Personen und Dinge, mit denen wir öfters konfron­tiert sind, werden uns mit der Zeit ange­nehmer. Diese Tatsache ist auch unter dem Ausdruck Mere-Exposure-Effekt bekannt.

Wenn dir eine neue Tätigkeit zu Beginn unan­ge­nehm ist, kannst du dich darauf verlassen, dass die negativen Empfin­dungen mit der Zeit schwächer werden oder sogar ganz verschwinden.

Bei einer Ernäh­rungs­um­stel­lung dürfte diese Erkenntnis besonders hilfreich sein. Du planst eine Diät, aber dir schmeckt kein Gemüse? Warte ein paar Tage ab.

Viel­leicht kommt daher auch der Ausdruck, dass etwas gewöh­nungs­be­dürftig schmeckt. Mein erster Kaffee ohne Zucker war auch ein solcher Fall. Aber schon nach wenigen Tagen empfand ich Kaffee ohne Zucker als ganz normal.

#6 | Lass keine Unter­bre­chungen zu

Ganz am Anfang ist es am wich­tigsten, die Gewohn­heit zu bilden. Leistung ist zweit­ran­ging.

Es macht daher mehr Sinn, jeden 2ten Tag nur 10 Minuten zu joggen, als sich nur zweimal im Monat zwei Stunden lang zu veraus­gaben. Das gilt zumindest für Gewohn­heiten, die für eine möglichst lange Zeit erhalten bleiben sollen.

Ich würde dir empfehlen, dir zur obersten Priorität zu machen, keinen Termin ausfallen zu lassen. Statt­dessen solltest du aber weniger streng mit dir selbst sein, was die Erwartung an deine Leistung angeht.

#7 | Schütze deine Gewohn­heiten mit wenn … dann … Plänen

Insbe­son­dere junge Gewohn­heiten, die in Konkur­renz zu alten (aber uner­wünschten) Gewohn­heiten stehen, müssen geschützt werden.

Es sinnvoll, nicht nur äußere Fallen und Hinder­nisse, sondern auch die eigenen Ausreden zu kennen und für den Fall der Fälle wenn ... dann ... Pläne bereit zu haben.

#8 | Optimiere die Belohnung

Externe (extrinsi­sche) Beloh­nungen funk­tio­nieren zwar, sie sind aber nicht optimal. Intrinsi­sche Moti­va­tion ist besser.

Nutze nach Möglich­keit immer intrinsi­sche Beloh­nungen.

Bei extrinsi­schen Beloh­nungen bist du von der Belohnung abhängig. Wenn du dich nach dem Sport mit einem Eis belohnst, wirst du Probleme bekommen, wenn du im Urlaub bist oder an einen anderen Ort umziehst, an dem es keine passende Eisdiele gibt.

#9 | Sei dir sicher, warum du eine Gewohn­heit ändern möchtest

Auch mit der richtigen Strategie ist es nicht einfach, Gewohn­heiten zu verändern. Wenn du das nicht glaubst, denke mal darüber nach, welche Personen in deinem Umfeld es geschafft haben, eine Gewohn­heit dauerhaft zu verändern.

Wir Menschen glauben zwar gerne, dass wir solche Dinge besser können, als unsere Mitmen­schen, aber das ist eine Illusion.

Daher: Überlege dir gut, was du ändern möchtest und mache dir vor allem klar, warum du diese Gewohn­heit ändern möchtest.

Wer einfach mal ins Blaue hinein irgend­etwas ändert, schafft sich damit nur eine unan­ge­nehme Erfahrung und wird in Zukunft eher weniger motiviert sein, Verän­de­rungen in Angriff zu nehmen.

Stelle dir folgende Frage: Will ich diese Gewohn­heit ändern, weil mein Leben dadurch besser oder einfacher wird? Oder will ich sie nur ändern um anderen Menschen zu gefallen oder um ein bestimmtes Image aufzu­bauen?

Gretchen Rubin bringt es gut auf den Punkt:

Die größte Zeit­ver­schwen­dung ist etwas gut zu tun, was gar nicht getan werden müsste. (Gretchen Rubin)

Bücher zum Thema Gewohn­heiten ändern

Ich wünsche viel Erfolg!
Jan

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6 Antworten auf Gewohn­heiten ändern in 4 Schritten (neuro­bio­lo­gisch korrekt und schnell)

  1. Timo sagt:

    Wieder mal klasse geschrieben, wie Gewohn­heiten entstehen, wie man sich welche zu- oder ablegen kann. Da muss ich doch gleich mal über meine Gewohn­heiten nach­denken.

  2. Ewald sagt:

    Danke für diesen Artikel. Ich habe das Buch von Charles Duhigg natürlich auch gelesen, finde aber, dass es – typisch ameri­ka­nisch – viel zu aufge­blasen ist. Diese Zusam­men­fas­sung hier beinhaltet alle Kern­aus­sagen des Buches in aller Kürze. Gut gemacht!

    Auf meinem Blog schreibe ich regel­mäßig über Gewohn­heiten und Routinen und gehe dabei auch viel tiefer ins Detail. Zur Zeit habe ich gerade eine kleine Serie über Selbst­dis­zi­plin und Willens­kraft am Laufen.

    Zur Frage, wie lange es dauert, eine Gewohn­heit zu ändern, wird am 28. Sept. 2015 ein ausführ­li­cher Artikel erscheinen. Darin beschreibe ich, von welchen Faktoren es abhängt, wie lange eine Gewohn­heits­än­de­rung dauert. Und natürlich gibt’s auch Tipps, wie man die Zeit verkürzen kann.

    • Jan sagt:

      Hallo Ewald,

      was den Stil von «die Macht der Gewohn­heiten» angeht, gebe ich dir recht. Da wird eine Idee, die man auf 10 Seiten präsen­tieren könnte, auf fast 400 Seiten ausge­dehnt. Beispiele und Stories ohne Ende. Geschichten sind ja wirklich hilfreich um Konzepte sehr eindring­lich zu vermit­teln. Viele Autoren über­tra­pa­zieren das aber sehr.

      Danke auch für den Hinweis auf deinen Blog.

  3. Pingback: idealkraft Wochenschau – KW 35/2015 » idealkraft

  4. Ronny sagt:

    Hi,

    ist ja gerade unser Thema. Super Beitrag passt genau in unsere Arti­kel­serie.
    Gewohn­heiten zu erkennen und diese dann zu verändern ist der größte Schritt auf dem Weg, den sich jeder selbst stellt.
    Bei mir hat es Ewig gedauert bis ich meine Kaffee trink Gewohn­heit abgelegt habe. Immer wieder bin ich der alten Struktur nach gelaufen. Aber letzten Endes habe ich diese Gewohn­heit nach 12 Jahren endlich komplett aufge­geben. Vom Erkennen bis zum endgül­tigen Verändern ist es ein echt langer Weg.

    Liebe Grüße

    Ronny von Einfach anfangen

    • Jan sagt:

      Danke für deinen Kommentar. Es freut mich, dass du es endlich geschafft hast, deine uner­wünschte Gewohn­heit abzulegen

      Bei mir hat es auch Jahre gedauert bis ich es geschafft habe, meinen Wecker nicht erst noch 12-mal auszu­schalten, bevor ich es morgens aus dem Bett schaffe.

      Gewohn­heiten zu ändern ist leider wirklich harte Arbeit.

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