Ginkgo biloba

Geschrieben am 11. Mai 2020 von Dr. Jan Höpker.

Der Traditionellen Chinesischen Medizin ist Ginkgo biloba seit Jahrhunderten bekannt, wobei im Gegensatz zur modernen westlichen Medizin nicht nur die Blätter des Baumes, sondern auch die Samen und Wurzeln genutzt werden.

Extrakte der Pflanze Ginkgo biloba finden sich in Arznei- und Nahrungsergänzungsmitteln. Während Arzzeimittel auf ihre Wirksamkeit hin überprüft und nur dann zugelassen werden, wenn sie wirken, ist die Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln unklar.

Etwas vereinfacht gesprochen, werden Arzneimittel auf Basis von Ginkgo biloba mehr oder weniger erfolgreich bei Demenzerkrankungen eingesetzt. Ob Nahrungsergänzungsmittel dem Gedächtnis und/oder der Konzentrationsfähigkeit von gesunden Menschen auf die Sprünge helfen können, steht auf einem völlig anderen Blatt.

Die angeblich konzentrationssteigernde Wirkung entsprechender Nahrungsergänzungsmittel soll auf einer verbesserten Durchblutung des Gehirns beruhen.

Im Rahmen einer placebokontrollierten Doppelblindstudie aus dem Jahr 2000 erhielten gesunde Probanden entweder 120, 240 der 360 mg Ginkgo-Extrakt oder ein entsprechendes Placebo. 60, 150, 240 und 360 Minuten später wurden diverse kognitive Tests durchgeführt. Die Wissenschaftler stellten sowohl positive als auch negative zeit- und dosisspezifische Effekte fest. Mit anderen Worten: Es gab sowohl Verbesserungen als auch Verschlechterungen. Ob diese tatsächlich existieren oder der Tatsache geschuldet sind, dass insgesamt nur 20 Personen an der Studie teilgenommen haben, lässt sich nicht beantworten (Quelle).

Nahrungsergänzungsmitteln auf Ginkgo-Basis wird eine stressreduzierende Wirkung nachgesagt.

Im Rahmen einer placebokontrollierten Doppelblindstudie sollte diese Hypothese im Jahre 2002 überprüft werden. 70 junge gesunde Probanden erhielten entweder 120mg eines Ginkgo-Extraktes oder ein Placebo. Anschließend wurden sie sowohl körperlich als auch geistig gestresst. Das Ausmaß der Stressreaktion wurde anhand des Blutdrucks und der Konzentration des Stresshormons Cortisol im Speichel der Probanden verfolgt. Bei denjenigen Probanden, die das Ginkgo-Extrakt erhalten hatten, fiel der stressbedingte Anstieg des Blutdrucks signifikant geringer aus. Auf die Speichel-Konzentration des Stresshormons Cortisol hatte das Ginkgo-Extrakt jedoch keinen Einfluss, es sei denn man ignoriert alle weiblichen Probanden, was zwar interessant, aber wissenschaftlich betrachtet fragwürdig ist (Quelle).

Die Verbraucherzentrale kommt völlig zu Recht zu dem Schluss, dass positive Auswirkungen auf Konzentration und Gedächtnisleistung von gesunden Menschen für Nahrungsergänzungsmittel auf Ginkgo-Basis nicht nachgewiesen sind. (Was die Vertreiber der entsprechenden Mittel aber nicht davon abhält, die beiden o.g. Studien als eindeutige Beweise für die Wirksamkeit ihrer Produkte zu zitieren.)

Im Jahr 2007 kam eine Studie zu dem Schluss, dass die Gabe von 120 mg Extrakt aus Ginkgo biloba keinerlei positive Auswirkungen auf die kognitive Leistungsfähigkeit bei gesunden jungen Erwachsenen hat. In Kombination mit Phosphatidylserin konnten jedoch positive Effekte festgestellt werden. Warum es zu diesen positiven Effekten kam, konnte die Studie nicht beantworten (Quelle).

>