Konzen­tra­tion auf das Wesent­liche – die 3 Säulen eines erfüllten Lebens

Konzentration auf das WesentlicheIn einer Welt mit immer mehr Ablen­kungen, wird es immer wichtiger (und gleich­zeitig schwie­riger), sich auf das Wesent­liche zu konzen­trieren. Um sich auf das Wesent­liche konzen­trieren zu können, muss man erst einmal wissen, was überhaupt das Wesent­liche ist.

Ein erfülltes Leben hängt in beson­derem Maße von drei Säulen ab. Welche drei Säulen das sind, und welche Sache von den meisten Menschen über­be­wertet wird, erkläre ich in diesem Artikel.

Ist glücklich sein das wich­tigste im Leben?

Wenn man ihnen die Frage stellt, worum es im Leben geht, dann werden viele Menschen diese Antwort geben:

Glücklich sein!

Anhand von zwei Fragen möchte ich zeigen, dass Glücklich sein nicht das wich­tigste Ziel im Leben sein kann.

Nehmen wir an dass, du das Glück hast, morgen eine Reise anzu­treten, auf die du dich schon lange freust. Du hast eine Reise­rück­tritts­ver­si­che­rung abge­schlossen, die es dir erlaubt, den Urlaub abzusagen, ohne einen Grund nennen zu müssen.

Frage #1:

Würdest du die Reise antreten, wenn du wüsstest, dass am Rück­rei­setag sämtliche Erin­ne­rungen an die Reise aus deinem Gedächtnis gelöscht werden?

Frage #2:

Würdest du dir für Geld Schmerzen zufügen lassen, wenn die Erin­ne­rung an die Schmerzen sofort wieder aus deinem Gedächtnis gelöscht würde?

(Hinweis: Die schmerz­liche Prozedur hinter­lässt keine blei­benden Schäden.)

Die meisten Menschen würden den Urlaub absagen, und sie wären bereit, sich Schmerzen zufügen zu lassen. Das jeden­falls schreibt der Nobel­preis­träger Daniel Kahneman in seinem sehr zu empfeh­lenden Buch Schnelles Denken, langsames Denken (*).

Seine Erklärung lautet folgen­der­maßen:

Glücklich sein ist nicht das wich­tigste im Leben

Das wich­tigste im Leben ist eine gute Lebens­ge­schichte!

Wir Menschen besitzen zwei Selbste: das erin­nernde Selbst und das erlebende Selbst. Die beiden Selbste verfolgen unter­schied­liche Ziele. Das erlebende Selbst möchte im Moment glücklich sein und Schmerzen vermeiden – und das erin­nernde Selbst möchte eine gute Lebens­ge­schichte in der Erin­ne­rung erschaffen.

Wir sind das erin­nernde Selbst

In dem Film Total Recall - die totale Erin­ne­rung spielt Arnold Schwar­zen­egger einen Bauar­beiter, der sich die Erin­ne­rung an einen Urlaub auf dem Mars in sein Gedächtnis einpflanzen lässt. Er bezahlt für eine Erin­ne­rung an ein Erlebnis, das niemals statt­ge­funden hat.

«Dem erle­benden Selbst geht es um ein glück­li­ches Leben ohne Schmerz und Nega­ti­vität, aber das erin­nernde Selbst möchte ein erfülltes Leben. Es möchte ein Leben, das eine gute Geschichte hermacht.»

Jede gute Geschichte braucht Höhen und Tiefen! Rück­schläge und Nieder­lagen sollten natürlich nicht geplant oder aktiv herbei­ge­führt werden – aber man sollte sie nicht um jeden Preis verhin­dern. Sonst hätte man zwar viel­leicht ein glück­li­ches aber garan­tiert kein erfülltes Leben.

Viele Dinge verspre­chen mehr Glück und Unglück, als sie tatsäch­lich liefern – und andere Dinge liefern mehr, als sie verspre­chen. Leider werden viele Menschen von einem erfüllten Leben abge­halten, weil sie immer wieder auf die gleichen leeren Verspre­chen herein­fallen, während sie die wahren Schätze übersehen.

Leere Verspre­chen

Im Grunde kann man auf alles verzichten, was weder dem erle­benden Selbst noch dem erin­nernden Selbst dabei hilft, seine Ziele zu erreichen. All die Dinge, die nicht das Glück liefern, das sie verspre­chen, und die außerdem nicht zu einer guten Lebens­ge­schichte beitragen, können aus dem Leben entfernt werden, denn sie gehören nicht zum Wesent­li­chen.

Das Problem ist, dass wir Menschen nicht besonders gut darin sind, einzu­schätzen, wie lange Glück und Unglück anhalten werden.

Eine tragische Geschichte

Zwei eineiige Zwil­lings­brüder haben zeit­gleich einen Schick­salstag. Der eine Bruder hat einen Unfall, der ihn für den Rest seines Lebens an einen Rollstuhl fesseln wird, und der andere Bruder gewinnt den Jackpot im Lotto. Wer von den beiden wird ein Jahr später glück­li­cher sein? Die Intuition sagt: der Lotto­ge­winner wird sehr viel glück­li­cher sein! Die Wissen­schaft kann diese Einschät­zung nicht bestä­tigen. Die meiste Zeit des Tages werden die beiden in etwa gleich glücklich sein.

Nur die Dinge, die wir im Fokus haben, tragen zum empfun­denen Glück und Unglück bei

Wie glücklich wir die meiste Zeit über sind, wird von zwei Faktoren bestimmt:

  1. Von unserem Charakter.
  2. Von den Dinge, die wir im Fokus haben (die Sachen, an die wir denken).

Nach einem Jahr wird sich der eine Bruder soweit an seine Lähmung – und die neuen Lebens­be­din­gungen – gewöhnt haben, dass er nicht mehr ständig daran denken muss. Für den Lotto­ge­winner gilt das gleiche: Das Geld ist zu einer Selbst­ver­ständ­lich­keit geworden.

Die Empa­thie­lücke vernebelt die Zukunft

Das Gehirn ist so verdrahtet, dass wir uns andere emotio­nale Zustände nur schwer vorstellen können. Man spricht von einer Empa­thie­lücke. In einem völlig entspannten Zustand können wir uns nur schwer vorstellen, in einer stres­sigen Situation die Fassung zu verlieren. Auf einer ratio­nalen Ebene wissen wir schon, dass uns bestimmte Ereig­nisse aufregen werden – aber wir unter­schätzen unsere tatsäch­liche Reaktion.

Aufgrund der Empa­thie­lücke können wir uns nicht vorstellen, eines Tages an einen aus heutiger Sicht erstre­bens­werten Zustand gewöhnt zu sein – zum Beispiel daran, dass ein teurer Sport­wagen in der Garage steht. Wir über­schätzen den lang­fris­tigen Einfluss mate­ri­eller Dinge auf unser Wohl­be­finden. Wir sind dem Irrtum verfallen, dass das Glücks­ge­fühl ewig anhält.

Wir gewöhnen uns an positive und negative Dinge. Bei den negativen Dingen gibt es jedoch einige Ausnahmen.

An diese negativen Dinge gewöhnt man sich niemals

Daniel Kahneman nennt drei Dinge, an die man sich niemals gewöhnt:

  • Chro­ni­sche Schmerzen
  • Lärm
  • Eine schwere Depres­sion

Der Glücks­for­scher Jonathan Haidt fügt einen vierten Punkt hinzu:

  • Stressige Wege zur Arbeit (Stau, über­füllte Bahnen und Busse etc.)

Wer dauerhaft glück­li­cher werden möchte, sollte nicht auf dieje­nigen (vermeint­li­chen) Glücks­bringer setzen, an die man sich bereits nach kurzer Zeit gewöhnt hat. In diese Kategorie fallen die aller­meisten mate­ri­ellen Dinge.

Dauer­hafte Glücks­bringer

Dauer­hafte Glücks­bringer sind das Wesent­liche im Leben – an sie gewöhnt man sich nie. Was brauchen wir für ein glück­li­ches und erfülltes Leben?

#1 | Erfül­lende soziale Bezie­hungen

Studien haben gezeigt, dass erfül­lende soziale Bezie­hungen einen positiven Einfluss auf sämtliche Lebens­be­reiche haben – je älter man ist, umso mehr profi­tiert man von lang­jäh­rigen sozialen Bezie­hungen. Es kommt nicht auf die Anzahl der Freunde an, sondern auf die Qualität der Freund­schaften. Je mehr man gemeinsam erlebt hat, umso stärker ist die Bindung.

Freund­schaften müssen aufgebaut werden, bevor man sie dringend braucht.

«Es ist nur leicht über­trieben, zu sagen, dass Glück die Erfahrung des Zusam­men­seins mit Menschen ist, die einen lieben und die man liebt.» (Daniel Kahneman)

#2 | Einen gesunden Körper und Geist

Dass eine gute Gesund­heit wichtig ist und zu einem glück­li­chen und erfüllten Leben beiträgt, muss nicht erklärt werden. Erklä­rungs­be­dürftig scheint nur die Tatsache, dass man nicht gesund bleibt, indem man sich schont.

Die Wahr­schein­lich­keit für einen dauerhaft gesunden Körper und Geist lässt sich mit gezielt einge­setzten Reizen erhöhen – man braucht Reize, die den Körper und Geist stärken. Reize, die uns schwächen, sollten verhin­dert werden. Wer sich zu sehr schont, baut ab – und wer sich zu sehr bean­sprucht, verbraucht sich. Es gilt einen Mittelweg zu finden.

#3 | Erstre­bens­werte Ziele, an denen man persön­lich wächst

Nicht jeder Mensch muss sich selbst verwirk­li­chen und eine «Delle im Universum» hinter­lassen, aber jeder Mensch braucht eigene Ziele im Leben.

Worauf es ankommt, ist proak­tives Handeln. Man sollte nicht bloß Dinge tun, die von Eltern, Lehrer, Chefs und Partnern gefordert werden – man sollte auch aus eigenem Antrieb heraus Dinge tun. Nur so kann man die Erfahrung machen, selbst etwas bewirken zu können. Diese Erfahrung ist wichtig, denn sie bildet die Grundlage von Selbst­be­wusst­sein und Opti­mismus.

Was uns vom Wesent­li­chen abhält

Die Werbung und die Gesell­schaft halten uns ständig Schein­ziele vor die Nase, die das große Glück verspre­chen, es am Ende aber nicht halten, weil es schnell zu Gewöh­nungs­ef­fekten kommt.

  • Heiraten (weil die Beziehung dann angeblich besser wird).
  • Karriere machen (um endlich anzu­kommen).
  • Luxus­güter (damit jeder sieht, wie erfolg­reich man ist).

Das Streben nach diesen Zielen hält uns davon ab, an denje­nigen Zielen zu arbeiten, die unser Leben wirklich besser machen.

Fazit

Nur dieje­nigen Dinge und Ziele, die dauerhaft in unserem Fokus sind, machen uns dauerhaft glücklich. Daher gilt: Die Kontrolle über den eigenen Fokus ist eine Grund­vor­aus­set­zung für ein glück­li­ches und erfülltes Leben. Wenn du lernen möchtest, wie du dich besser auf das Wesent­liche konzen­trieren kannst, dann könnte mein Buch Erfolg durch Fokus und Konzen­tra­tion inter­es­sant für dich sein.

Ich wünsche viel Erfolg!
Jan

Dr. Jan Höpker - Foto Autorenbox

Dr. Jan Höpker

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4 Antworten auf Konzen­tra­tion auf das Wesent­liche – die 3 Säulen eines erfüllten Lebens

  1. Hey Jan,

    mal wieder ein sehr guter Artikel. Besonders zu, sagt mir der Part 3: «Ein erstre­bens­wertes Ziel. an dem man persön­lich wächst». Wobei ich immer mehr glaube, dass wir kein «Ziel» brauchen, sonder eine Aufgabe und MIssion. Etwas, was wir erfüllen müssen, um erfüllt zu sein. :)

    Grüßken,
    Yasemin.

    • Jan sagt:

      Hey und Danke Yasemin,

      Aufgabe oder Mission passt auch. Wichtig finde ich, dass man proaktiv etwas tut, woran man wachsen kann.

      Viele Grüße,
      Jan

      • he Jan,

        was verstehst du eigent­lich unter «pro-aktiv»? Ich weiß, dass Stephen Covey den Begriff benutzt, aber bei ihm immer genutzt in der Gegen­über­stel­lung proaktiv vs reaktiv.

        Ohne diese Dicho­tomie ist es sinnfrei vor «aktiv etwas tun» auch noch ein pro vorzu­schalten. Mir scheint es etwas unnötig.

        Gruß,
        Yasemin

      • Jan sagt:

        Ja, ich meine pro-aktiv im Gegensatz zu re-aktiv (nach Stephen Covey). Ich glaube du hast recht und «aktiv» hätte es auch getan. Mir war die Unter­schei­dung wichtig, weil ich Leute kannte, deren einziges «Hobby» es war, YouTube Videos und Fern­seh­se­rien zu schauen. Von sowas wollte ich es abgrenzen, weil diese Art der Groß­hirn­sti­mu­la­tion meiner Meinung nach nicht genügt. Man muss etwas tun und nicht nur konsum­mieren.

        Ja, wenn ich länger darüber nachdenke, dann genügt «aktiv» ohne «pro-».

        Danke für den Hinweis :)

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