Die Konzen­tra­tion beim Lernen verbes­sern (3‑Stufen-Modell)

Geschrieben am 11. Januar 2017 von Dr. Jan Höpker.

Wer mit wenig Zeit­auf­wand bessere ­Ergeb­nisse beim Lernen erzielen möchte, sollte bei seiner Kon­zen­trations­fähig­keit ansetzen. Hier zeige ich dir anhand des 3‑Stufen-Modells, worauf es dabei ankommt. Lies den Artikel oder sieh dir mein Video an:

Das 3‑Stufen-Modell verbes­sert die Konzen­tra­ti­ons­fä­hig­keit zwar nicht direkt, aber wer es versteht, vermeidet einen schwer­wie­genden Fehler, dem viele Schüler und Studenten immer wieder zum Opfer fallen.

Konzen­triert Lernen: ein 3‑Stufen-Prozess

Man sollte sich das konzen­trierte Lernen nicht als eine einzelne Sache vorstellen.

In Wahrheit handelt es sich nämlich um einen 3‑stufigen Prozess:

  1. Zunächst muss man sich zum Lernen/Arbeiten akti­vieren/aufraffen
  2. Dann folgt eine Aufwärm­phase von etwa 8 bis 10 Minuten Länge, in der das Gehirn die Konzen­tra­tion aufbaut
  3. Erst im Anschluss an die Aufwärm­phase ist effek­tives Lernen/Arbeiten möglich

Die drei Stufen werden grund­sätz­lich der Reihe nach durch­laufen. Man kann nicht direkt bei Stufe zwei oder drei einsteigen.

Wer auf Stufe zwei oder drei war, und durch eine Ablenkung unter­bro­chen wurde, muss wieder von vorne beginnen.

Da Unter­bre­chungen unver­meid­lich sind, was unter anderem daran liegt, dass wir auch durch unsere eigenen Gedanken unter­bro­chen werden können, durch­laufen wir bei längerem Arbeiten/Lernen immer mehrere Zyklen dieser drei Stufen (ein-zwei-drei-eins-zwei-drei-eins-zwei-drei usw.).

Eine einzige Unter­bre­chung kann dich 20 bis 30 Minuten kosten

(Diese Zeit­an­gaben stammen übrigens aus Unter­su­chungen an Büro­an­ge­stellten.)

Jede Unter­bre­chung, die deine volle Aufmerk­sam­keit erfordert, wird dich mindes­tens 8 bis 10 Minuten deiner Zeit kostet, denn so lange dauert es in etwa, bis das Gehirn die volle Konzen­tra­tion wieder aufgebaut hat.

Da es aber auch Zeit kostet, sich dazu aufzu­raffen, nach einer Unter­bre­chung wieder an die Arbeit zu gehen, kostet dich die Unter­bre­chung eher 20 bis 30 Minuten.

Den meisten Menschen ist diese Tatsache leider nicht bewusst.

Insbe­son­dere wenn sie andere Menschen beim konzen­trierten Arbeiten/Lernen unter­bre­chen, gehen die meisten Menschen davon aus, dass eine 1‑minütige Unter­bre­chung nur eine Minute vernichtet. (»Ich will dich nicht stören, aber kannst du mal kurz ...«)

In Wahrheit ist der Zeit­ver­lust deutlich größer! (Eben jene 8 bis 10 oder sogar 20 bis 30 Minuten.)

Das Beste, was du im Kampf gegen Ablen­kungen tun kannst: Sie verhin­dern, bevor sie da sind.

Wir können noch weitere Erkennt­nisse gewinnen. Schauen wir uns dazu einmal die erste Stufe des drei­stu­figen Prozesses genauer an.

Für die erste Stufe benötigt man einen Ener­gie­schub

Die erste Stufe stellt eine Hürde dar, die zu nehmen Energie kostet (jeden­falls unter der Annahme, dass man nicht intrinsisch für das Lernen motiviert ist).

Ich bin mir sicher, dass du diese Erfahrung selbst schon gemacht hast: Man braucht einen Ener­gie­schub, um loslegen zu können.

Es gibt drei grund­ver­schie­dene Ener­gie­quellen, die uns über die erste Stufe bringen können, die uns also dazu bringen können, uns aufzu­raffen, mit dem konzen­trierten Lernen oder Arbeiten zu beginnen:

  • Moti­va­tion
  • Druck
  • Willens­kraft

Wie wir gleich sehen werden, ist es ganz und gar nicht egal, für welche dieser Ener­gie­quellen man sich entscheidet!

Moti­va­tion: Man will lernen

Da du diesen Artikel ange­klickt hast, gehe ich davon aus, dass du eher nicht für deine Arbeit oder für das Lernen motiviert bist. Vielen Menschen geht es so.

Wer intrinsisch motiviert ist, hat großes Glück, denn unter dieser Voraus­set­zung nimmt sich die Hürde der ersten Stufe wie von selbst.

Leider kann man intrinsi­sche Moti­va­tion nicht erzwingen.

Wer nicht motiviert ist, kann seine Moti­va­tion mögli­cher­weise trotzdem verbes­sern, nämlich dann, wenn sie zwar vorhanden ist, aber durch irgend­etwas unter­drückt wird.

(Mehr dazu in meinem Über­sichts­ar­tikel über Methoden zur Selbst­mo­ti­va­tion.)

Druck: Man hat Angst vor den Konse­quenzen, die sich ergeben würden, wenn man nicht lernt

Viele Menschen sagen von sich selbst, dass sie ohne Druck nicht lernen oder arbeiten können. Es gibt einfach viel zu viele Dinge, die inter­es­santer sind.

Wenn es eine Deadline gibt, zum Beispiel einen Prüfungs- oder Abga­be­termin, dann baut sich immer mehr Druck auf, je näher der Termin heran­rückt.

Wenn dieser Druck eine bestimmte Stärke erreicht hat, kann man sich plötzlich doch dazu aufraffen, die Hürde von Stufe eins zu nehmen.

Bei dieser Heran­ge­hens­weise an das Lernen, gibt es ein großes Problem: Druck eignet sich zwar als Ener­gie­quelle, um die Hürde der ersten Stufe zu nehmen, aber Druck wirkt sich negativ auf das effektive Arbeiten/Lernen aus.

Mit anderen Worten: Druck schafft Stufe eins, zerstört aber die Stufen zwei und drei.

Warum ist das so? Druck führt zur Ausschüt­tung von Stress­hor­monen, wie Adrenalin und Cortisol. Leider ist das logische Denken bei hohem Stress unter­drückt.

Verein­facht ausge­drückt schaltet der Körper unter Stress einfach das Großhirn ab.

Natürlich ist das alles nicht so schwarz-weiß, wie es sich viel­leicht anhört. Ein Mensch ist durchaus fähig, unter leichtem Druck zu arbeiten, aber die Leis­tungen werden unter starkem Druck deutlich schlechter.

Leider ist dieses Wissen nicht besonders weit verbreitet, sodass immer noch viele Schüler und Studenten glauben, Druck zu brauchen, um Lernen/Arbeiten zu können.

Willens­kraft: Man lernt, weil man vernünftig ist (obwohl man keine Lust oder Angst hat)

Willens­kraft benutzen wir, um Dinge, auf die wir keine Lust haben, trotzdem zu tun, zum Beispiel, weil wir einsehen, dass sie wichtig sind.

Die Schwie­rig­keit besteht darin, dass Willens­kraft nicht in belie­biger Menge, und auch nicht jederzeit zur Verfügung steht.

Willens­kraft verbraucht sich, wenn man sie anwendet, und sie wird erst nachts im Schlaf rege­ne­riert.

Jedes Mal, wenn der drei­stu­fige Prozess nach einer Unter­bre­chung wieder von vorne durch­laufen werden muss, wird eine gewisse Portion von der Tages­ra­tion Willens­kraft abgezogen.

Wie ein Muskel unter Anstren­gung erschlafft auch die Willens­kraft. Nach ein paar Durch­läufen ist sie nicht mehr stark genug, um die Hürde der ersten Stufe des Prozesses zu nehmen. Die Folge ist Prokras­ti­na­tion. Der Tag ist gelaufen.

Wie man die Konzen­tra­tion beim Lernen verbes­sert

Wer effek­tiver lernen und arbeiten möchte, kommt nicht umhin, aktiv zu werden, bevor sich großer Druck aufgebaut hat.

Wer nicht gerade hoch motiviert ist, benötigt dafür Willens­kraft.

Bei der Willens­kraft geht es weniger darum, sich mental mehr anzu­strengen, sondern vielmehr darum, die vorhan­dene Willens­kraft klüger einzu­setzen.

Was kaum jemand weiß: Willens­kraft und Konzen­tra­tion holen ihre Energie aus ein und derselben Ener­gie­quelle. Wer lernt, seine Konzen­tra­tion zu steigern, steiger dadurch gleich­zeitig auch seine Willens­kraft. Hier kannst du zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

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Über Dr. Jan Höpker

Eines Tages bin ich aufge­wacht und habe fest­ge­stellt, dass ich über viele spannende Dinge nicht nur nichts wusste, sondern dass ich nicht einmal wusste, dass ich nichts wusste (trotz Studium und Promotion). Seitdem lese ich viele Bücher und mache mir Gedanken, die ich auf dieser Webseite veröf­fent­liche.

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2 Antworten auf Die Konzen­tra­tion beim Lernen verbes­sern (3‑Stufen-Modell)

  1. AvatarCaro sagt:

    Hey Jan,

    deswegen versuche ich gerade, meine Arbeits­phasen genau fest­zu­legen und mich dann auch nicht ablenken zu lassen. Viel zu oft denke ich mir noch »Ach, ich hab ja schon so viel geschafft – jetzt erstmal eine Pause«... Obwohl die gar nicht nötig ist und ich hinterher nicht mehr in Gang komme :D

    Schöne Grüße,
    Caro

    • AvatarJan sagt:

      Hey Caro,

      ich denke auch, dass Planung das A&O ist. Wenn man nämlich gut plant, dann hält sich der Aufwand stark in Grenzen und man kann hinterher guten Gewissens all die Sachen tun, die Spaß machen.

      Viele Grüße,
      Jan

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