Konzentration: Wie sie funktioniert und wodurch sie beeinflusst wird

16.09.2026 / Dr. Jan Höpker / Kategorie: Fokus & Konzentration

Konzentration bei der Arbeit: Handgezeichnete Illustration eines Schreibtischs, auf dem verschiedene Informationen auf eine beleuchtete Arbeitsseite zulaufen.

Konzentration ist die Fähigkeit, die eigene Aufmerksamkeit für eine gewisse Zeit bewusst auf eine bestimmte Aufgabe zu richten und alles andere möglichst auszublenden.

Wie gut dir das gelingt, hängt von verschiedenen Faktoren ab: etwa davon, wie ausgeschlafen du bist, wie anspruchsvoll die Aufgabe ist, ob du ungestört daran arbeiten kannst und ob du weißt, was du konkret tun möchtest.

Deshalb gibt es auch nicht den einen Konzentrationstipp, der jedem Menschen in jeder Situation hilft.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie Konzentration funktioniert, wovon deine Konzentrationsfähigkeit abhängt und wie du sie gezielt verbessern kannst.

Was bedeutet Konzentration?

Wenn du dich konzentrierst, richtest du deine Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Sache, während alle anderen Reize und Gedanken vorübergehend in den Hintergrund treten.

Das bedeutet aber nicht, dass alles andere komplett ausgeblendet wird. Wenn der Feueralarm losgeht, bekommst du das natürlich trotzdem mit.

Was Konzentration konkret bedeutet, hängt davon ab, womit du dich gerade beschäftigst:

  • Beim Lesen musst du den Inhalt des Textes aufnehmen und einen Gedankengang über mehrere Sätze hinweg verfolgen.
  • Beim Schreiben musst du deine Gedanken ordnen, passende Formulierungen finden und dabei das Ziel deines Textes im Blick behalten.
  • In einem Gespräch musst du zuhören, das Gesagte verstehen und deine eigenen Gedanken für einen Moment zurückstellen.
  • Beim Lösen eines Problems musst du verschiedene Möglichkeiten durchspielen und unpassende Lösungen verwerfen.
  • Bei einer Routineaufgabe musst du aufmerksam bei der Sache bleiben, auch wenn du gelangweilt bist.

Diese Beispiele zeigen, dass Konzentration je nach Tätigkeit unterschiedliche Anforderungen an dich stellt.

Was ist der Unterschied zwischen Aufmerksamkeit, Konzentration und Fokus?

Im Alltag verwenden wir die Begriffe Aufmerksamkeit, Konzentration und Fokus häufig als Synonyme. Dabei kann eine Unterscheidung hilfreich sein.

Aufmerksamkeit bestimmt, welche Informationen du bewusst wahrnimmst und welche du ausblendest. Du kannst deine Aufmerksamkeit bewusst auf etwas richten. Sie kann aber auch automatisch zu einem Geräusch, einer Bewegung oder einem Gedanken wandern.

Damit du aufmerksam sein kannst, arbeiten drei verschiedene Netzwerke in deinem Gehirn zusammen. Eines sorgt dafür, dass du wach und reaktionsbereit bist. Ein zweites richtet deine Aufmerksamkeit auf bestimmte Informationen aus. Das dritte hilft dir, bei einer Sache zu bleiben, obwohl etwas anderes deine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Wie diese drei Netzwerke zusammenarbeiten, erkläre ich ausführlicher in meinem Artikel über die drei Aufmerksamkeitsnetzwerke nach Posner.

Konzentration ist bewusst gelenkte Aufmerksamkeit. Wenn du dich konzentrierst, richtest du deine Aufmerksamkeit bewusst auf eine bestimmte Sache und blendest alles andere möglichst aus.

Fokus bedeutet, dass du über einen längeren Zeitraum immer wieder zu einem wichtigen Ziel zurückkehrst und dich darauf konzentrierst, bis du es erreicht hast.

Konzentration hilft dir also dabei, bei einer Tätigkeit zu bleiben. Fokus sorgt dafür, dass du dich auf die richtige Tätigkeit konzentrierst.

Was passiert im Kopf, wenn du dich konzentrierst?

Konzentration entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer geistiger Prozesse.

Zunächst muss dein Gehirn für ausreichende Wachheit sorgen und deine Aufmerksamkeit auf die Aufgabe ausrichten. Gleichzeitig musst du störende Reize ausblenden und dem Impuls widerstehen, dich mit etwas anderem zu beschäftigen.

Während der Arbeit musst du dein Ziel im Blick behalten und Informationen im Kopf verarbeiten. Sobald deine Gedanken abschweifen, musst du deine Aufmerksamkeit wieder zur Aufgabe zurückbringen.

Bei diesen Prozessen kommen insbesondere dein Arbeitsgedächtnis und deine exekutiven Funktionen zum Einsatz.

Das Arbeitsgedächtnis: dein mentales Whiteboard

Bei vielen Denkaufgaben musst du Informationen für kurze Zeit im Kopf behalten und gleichzeitig mit ihnen weiterarbeiten. Beim Kopfrechnen musst du dir zum Beispiel ein Zwischenergebnis merken, während du den nächsten Rechenschritt ausführst. Dafür ist dein Arbeitsgedächtnis zuständig.

Du kannst dir das Arbeitsgedächtnis wie ein mentales Whiteboard vorstellen, auf dem die Informationen stehen, die du für deine Aufgabe brauchst. Der Platz im Arbeitsgedächtnis ist allerdings stark begrenzt. Daher können neue Informationen und Gedanken leicht Inhalte verdrängen, die du noch für deine Aufgabe brauchst.

Deshalb reicht eine kurze Ablenkung oder Unterbrechung manchmal schon aus, damit du den Faden verlierst. Dann musst du erst wieder rekonstruieren, was du tun wolltest und an welcher Stelle du stehen geblieben bist.

Deine exekutiven Funktionen steuern dein Denken

Um mit den Inhalten in deinem Arbeitsgedächtnis arbeiten zu können, brauchst du mentale Werkzeuge, die sogenannten exekutiven Funktionen.

Mit ihnen kannst du:

  • unpassende Gedanken und Handlungsimpulse unterdrücken,
  • nicht mehr benötigte Inhalte in deinem Arbeitsgedächtnis durch neue ersetzen,
  • deine Aufmerksamkeit verlagern,
  • einen Ablauf planen und
  • dein Verhalten an einem Ziel ausrichten.

Wenn eine Aufgabe ungewohnt oder sehr anspruchsvoll ist, werden deine exekutiven Funktionen besonders stark beansprucht. Diese starke Beanspruchung trägt dazu bei, dass du geistig ermüdest. Und je müder du wirst, desto schwerer fällt es dir, dein Denken und Verhalten bewusst zu steuern.

Deshalb kannst du nach einigen Stunden intensiver Denkarbeit möglicherweise noch problemlos Unterlagen sortieren, während du beim Formulieren eines komplizierten Textes kaum noch vorankommst. Das Sortieren der Unterlagen folgt weitgehend eingeübten Abläufen. Beim Schreiben musst du dagegen weiterhin planen, Informationen ordnen und unpassende Formulierungen verwerfen.

In meinem Artikel über geistige Arbeit erfährst du, wie du bei anspruchsvoller Denkarbeit länger leistungsfähig bleiben kannst.

Warum schwankt deine Konzentrationsfähigkeit?

Vielleicht fällt es dir leicht, am Vormittag eine Stunde lang konzentriert an einem schwierigen Text zu arbeiten. Am Nachmittag schweifen deine Gedanken bei derselben Arbeit schon nach wenigen Minuten ab, und du greifst immer wieder zum Smartphone.

Bis zu einem gewissen Grad sind solche Schwankungen völlig normal. Wie gut du dich in einem bestimmten Moment konzentrieren kannst, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • wie gut du geschlafen hast,
  • wie lange du bereits wach bist,
  • wie fit und leistungsfähig du dich fühlst,
  • wie stark du unter Stress stehst,
  • wie viel anstrengende Denkarbeit du zuvor geleistet hast,
  • wie sehr dich die Aufgabe interessiert,
  • wie anspruchsvoll die Aufgabe ist,
  • wie klar dir ist, was du tun möchtest, und
  • wie häufig du abgelenkt oder unterbrochen wirst.

Im Alltag kommen oft mehrere ungünstige Faktoren zusammen.

Ein einzelner ungünstiger Faktor macht vielleicht noch keinen großen Unterschied. Wenn du aber schlecht geschlafen hast, unter Zeitdruck stehst und gleichzeitig ständig Nachrichten auf deinem Bildschirm erscheinen, kann dir eine grundsätzlich lösbare Aufgabe plötzlich sehr schwerfallen.

Gehe deshalb nicht vorschnell davon aus, dass du dich generell schlecht konzentrieren kannst. Versuche zunächst herauszufinden, unter welchen Umständen die Schwierigkeiten auftreten.

Frage dich:

  • Wann fällt es mir besonders schwer, mich zu konzentrieren?
  • Bei welchen Aufgaben treten die Schwierigkeiten auf?
  • Bei welchen Tätigkeiten kann ich dagegen problemlos bei der Sache bleiben?
  • Zu welchen Tageszeiten kann ich mich besonders gut oder schlecht konzentrieren?
  • Was geschieht unmittelbar bevor meine Gedanken abschweifen?
  • Welche äußeren Bedingungen stören meine Konzentration?

In meinem Artikel über Konzentrationsprobleme findest du eine ausführliche Übersicht möglicher Ursachen und Hinweise dazu, wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.

Was hilft bei deinem Konzentrationsproblem?

Es gibt zwei grundlegende Möglichkeiten, deine Konzentration zu verbessern.

Maßnahmen setzen bei den Faktoren an, die deine Konzentration beeinträchtigen. Dazu gehören zum Beispiel Müdigkeit, fehlende Pausen, ein unklares Ziel und Ablenkungen.

Übungen trainieren Fähigkeiten, die du zum konzentrierten Arbeiten brauchst. Du kannst zum Beispiel üben, länger bei einer Sache zu bleiben, früher zu bemerken, dass deine Gedanken abschweifen, und deine Aufmerksamkeit wieder zur Aufgabe zurückzubringen.

Du weißt nicht genau, warum du dich nicht gut konzentrieren kannst? Dann schau dir die folgenden Situationen an und wähle die aus, in der du dich am ehesten wiedererkennst. Dort erfährst du, was du als Nächstes tun kannst.

Müdigkeit, Unruhe oder Ablenkungen erschweren dir die Konzentration

Wenn du müde, geistig erschöpft, innerlich unruhig oder ständig abgelenkt bist, musst du nicht deine Konzentrationsfähigkeit trainieren. Du solltest zuerst bei dem Hindernis ansetzen, das dich gerade vom konzentrierten Arbeiten abhält.

Das gilt auch, wenn deine Aufgabe unklar ist oder du versuchst, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen.

In meinem Artikel darüber, wie du deine Konzentration steigern kannst, findest du Sofortmaßnahmen für solche Situationen sowie die wichtigsten Grundlagen für eine dauerhaft bessere Konzentration.

Du möchtest länger bei einer Sache bleiben können

Wenn deine Gedanken bei anspruchsvollen Aufgaben immer wieder abschweifen, kannst du genau diese Fähigkeit trainieren.

Konzentrationsübungen helfen dir dabei,

  • deine Aufmerksamkeit länger bei einer Aufgabe zu halten,
  • das Abschweifen deiner Gedanken früher zu bemerken und
  • deine Aufmerksamkeit wieder zur Aufgabe zurückzubringen.

In meinem Artikel über Konzentrationsübungen für Erwachsene findest du sieben passende Übungen.

Du möchtest deine Aufmerksamkeit besser steuern können

Damit du deine Aufmerksamkeit bewusst steuern kannst, musst du zunächst bemerken, worauf sie gerade gerichtet ist. Diese Fähigkeit wird als Meta-Aufmerksamkeit bezeichnet. Sie hilft dir zum Beispiel dabei, frühzeitig zu erkennen, dass deine Gedanken abgeschweift sind.

Mit Aufmerksamkeitstraining kannst du deine Meta-Aufmerksamkeit stärken. Außerdem übst du, deine Aufmerksamkeit bewusst zu verlagern und sie je nach Situation zu verengen oder zu erweitern.

Fünf Übungen dafür findest du in meinem Artikel über Aufmerksamkeitstraining.

Deine Arbeitsweise stört deine Konzentration

Vielleicht kannst du dich grundsätzlich gut konzentrieren, machst es dir während der Arbeit aber unnötig schwer.

Wenn du ohne klares Ziel beginnst, ständig zwischen Aufgaben wechselst oder nebenbei Nachrichten beantwortest, wirst du immer wieder aus deinem Gedankengang gerissen.

In diesem Fall brauchst du einen klar vorbereiteten Arbeitsblock, in dem du für eine festgelegte Zeit bei einer Aufgabe bleibst. Wie du einen solchen Arbeitsblock gestaltest, erkläre ich in meinem Artikel über konzentriertes Arbeiten.

Du konzentrierst dich zu oft auf die falschen Aufgaben

Du kannst hoch konzentriert arbeiten und trotzdem kaum vorankommen. Dann liegt das Problem nicht an deiner Konzentration, sondern an deinem Fokus.

Konzentration hilft dir, bei einer Tätigkeit zu bleiben. Fokus bestimmt, welcher Tätigkeit du deine Zeit und Aufmerksamkeit gibst.

In meinem Artikel über fokussiertes Arbeiten erfährst du, wie du dich auf die Aufgaben ausrichtest, die für deine Ziele am wichtigsten sind. Wenn du diese Fähigkeit gezielt trainieren möchtest, findest du außerdem fünf Übungen im Artikel Fokussieren lernen.

Dr. Jan Höpker

Hi, hier schreibt Dr. Jan Höpker. Ich bin promovierter Biochemiker und Unternehmer. Ich beschäftige mich seit 2015 intensiv mit den Themen Fokus, Konzentration und Produktivität.

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