
Konzentrationsprobleme können sich sehr unterschiedlich zeigen: Vielleicht schweifen deine Gedanken beim Lesen ständig ab, du vergisst, was dir gerade gesagt wurde, oder du verlierst während der Arbeit immer wieder den Faden.
Das kann harmlose Gründe haben. Vielleicht hast du schlecht geschlafen, bist gestresst oder versuchst gerade, eine besonders anstrengende Aufgabe zu erledigen. Konzentrationsprobleme können aber auch als Begleiterscheinung einer körperlichen oder psychischen Erkrankung auftreten.
Wenn du etwas gegen deine Konzentrationsprobleme unternehmen möchtest, solltest du deshalb zunächst herausfinden, wann sie auftreten und unter welchen Umständen sie stärker werden.
Dieser Artikel hilft dir dabei, mögliche Ursachen einzugrenzen und den richtigen nächsten Schritt zu wählen.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein vorübergehendes Konzentrationstief ist meist kein Grund zur Sorge: Nach einer schlechten Nacht, in stressigen Phasen oder bei besonders langweiligen oder schwierigen Aufgaben fällt es jedem schwerer, bei der Sache zu bleiben.
- Achte darauf, wann und wo die Probleme auftreten: Fällt dir die Konzentration ständig schwer oder nur bei bestimmten Aufgaben, zu bestimmten Tageszeiten oder in einer bestimmten Umgebung? Diese Unterschiede liefern wichtige Hinweise auf die Ursache.
- Setze beim wahrscheinlichsten Hindernis an: Verhindere Unterbrechungen, kläre deinen nächsten konkreten Schritt oder lege mehr echte Pausen ein – je nachdem, was deine Konzentration gerade am stärksten beeinträchtigt. Du musst nicht wahllos irgendwelche Konzentrationstipps ausprobieren.
- Lass starke oder anhaltende Beschwerden abklären: Ärztlicher Rat ist sinnvoll, wenn die Probleme über längere Zeit bestehen, immer stärker werden, verschiedene Lebensbereiche beeinträchtigen oder zusammen mit weiteren körperlichen oder psychischen Beschwerden auftreten.
Woran erkennt man Konzentrationsprobleme?
Konzentration bedeutet, dass du deine Aufmerksamkeit für eine gewisse Zeit bewusst auf eine Sache richtest und alles andere ausblendest.
Wenn du Konzentrationsprobleme hast, gelingt dir das nicht so gut, wie du es von dir gewohnt bist oder wie es für die jeweilige Situation notwendig wäre.
Typische Anzeichen sind:
- Deine Gedanken schweifen immer wieder ab.
- Du lässt dich leicht von Geräuschen, eingehenden E-Mails, Chatnachrichten oder anderen Menschen ablenken.
- Du liest denselben Satz mehrfach, ohne seinen Inhalt zu verstehen.
- Du kannst einem längeren Gespräch nur schwer folgen.
- Du vergisst während einer Aufgabe, was du gerade tun wolltest.
- Du machst ungewöhnlich viele Flüchtigkeitsfehler.
- Du brauchst für vertraute Aufgaben deutlich länger als sonst.
- Du beginnst mehrere Dinge, bringst aber kaum etwas zu Ende.
Im Alltag werden dafür unterschiedliche Begriffe verwendet. Menschen sprechen von Konzentrationsproblemen, Konzentrationsschwierigkeiten, einer Konzentrationsschwäche oder einfach von Unkonzentriertheit.
Diese Begriffe beschreiben zunächst nur, dass es jemandem schwerfällt, seine Aufmerksamkeit bei einer Sache zu halten und Ablenkungen auszublenden. Sie sagen noch nicht, warum das so ist oder ob eine Erkrankung dahintersteckt.
In einem eigenen Artikel erkläre ich ausführlicher, wie Konzentration funktioniert und wodurch sie beeinflusst wird.
Wann sind Konzentrationsprobleme noch normal?
Jeder Mensch hat hin und wieder Konzentrationsprobleme.
Unsere Konzentrationsfähigkeit ist keine konstante Größe. Sie schwankt im Laufe eines Tages und kann sich auch von Tag zu Tag verändern. Nach einer schlechten Nacht, während einer stressigen Phase oder bei einer langweiligen oder besonders schwierigen Aufgabe fällt es dir wahrscheinlich auch schwerer, bei der Sache zu bleiben.
Deshalb ist ein vorübergehendes Konzentrationstief noch kein Grund zur Sorge. Entscheidend ist, wie häufig, wie stark und in welchen Situationen deine Konzentrationsprobleme auftreten. Stelle dir dazu folgende Fragen:
- Seit wann kann ich mich schlechter konzentrieren?
- Sind die Probleme plötzlich oder allmählich aufgetreten?
- Treten sie ständig oder nur in bestimmten Situationen auf?
- Kann ich mich auf interessante Tätigkeiten besser konzentrieren?
- Sind die Schwierigkeiten zu bestimmten Tageszeiten besonders stark?
- Haben sich mein Schlaf, mein Stresslevel oder meine Lebensumstände verändert?
- Nehme ich seit Kurzem ein neues Medikament?
- Treten gleichzeitig weitere körperliche oder psychische Beschwerden auf?
- Wie stark beeinträchtigen mich die Probleme bei der Arbeit und im Alltag?
Es macht einen Unterschied, ob du nach einer kurzen Nacht bei deiner Steuererklärung unkonzentriert bist oder ob du schon seit mehreren Wochen selbst Gesprächen kaum noch folgen und dich auch beim Lesen oder bei angenehmen Tätigkeiten nicht konzentrieren kannst.
Wenn du dich grundsätzlich gut konzentrieren kannst und die Probleme hauptsächlich bei geistig anspruchsvoller Arbeit auftreten, liegt es möglicherweise weniger an deiner Konzentrationsfähigkeit als an der Art, wie du arbeitest. Darauf gehe ich am Ende dieses Artikels noch einmal genauer ein.
Konzentrationsprobleme: Was du jetzt tun kannst
Wenn du dich gerade nicht konzentrieren kannst, versuche nicht, dich mit noch mehr Druck zur Arbeit zu zwingen. Halte stattdessen kurz inne und prüfe, was dir im Moment fehlt.
1. Lege eine echte Pause ein
Wenn du schon längere Zeit ohne Pause gearbeitet hast, kann deine Konzentration inzwischen spürbar nachgelassen haben.
Steh auf und bewege dich oder geh nach Möglichkeit für einige Minuten nach draußen. Gönne deinen Augen und Gedanken dabei eine Pause vom Bildschirm. Durch Social Media zu scrollen oder Nachrichten zu lesen, ist deshalb keine gute Idee.
2. Prüfe, was dein Körper gerade braucht
Frage dich:
- Habe ich genug geschlafen?
- Habe ich ausreichend getrunken?
- Brauche ich etwas zu essen?
- Habe ich mich heute schon bewegt?
- Bin ich krank oder habe ich Schmerzen?
- Sitze ich seit Stunden ohne Pause am Schreibtisch?
Diese Fragen klingen vielleicht banal. Wenn ein grundlegendes Bedürfnis nicht erfüllt ist, hilft dir jedoch häufig auch die beste Konzentrationstechnik nicht weiter.
3. Kläre, was du konkret tun möchtest
Manchmal halten wir uns für unkonzentriert, obwohl wir in Wirklichkeit einfach nicht wissen, wie wir bei einer Aufgabe vorgehen sollen.
„Die Präsentation vorbereiten“ ist keine konkrete Handlungsanweisung, mit der dein Gehirn etwas anfangen kann. „Die drei wichtigsten Argumente für die Einleitung sammeln“ macht dagegen deutlich, was als Nächstes zu tun ist.
Frage dich deshalb: Welches konkrete Ergebnis möchte ich erreichen, und womit fange ich an?
4. Entferne die offensichtlichsten Ablenkungen
Schalte alle automatischen Benachrichtigungen aus, lege dein Smartphone außer Sichtweite und schließe Programme und Browser-Tabs, die du für deine aktuelle Aufgabe nicht brauchst.
Du musst nicht den ganzen Tag unerreichbar sein. Reserviere dir für anspruchsvolle Aufgaben aber Zeiten, in denen du keine E-Mails und Nachrichten beantwortest und für andere nicht sofort erreichbar bist.
5. Beobachte, ob die Probleme wiederkehren
Eine Pause kann bei einem akuten Konzentrationstief helfen. Wenn die Probleme jedoch regelmäßig auftreten, solltest du genauer hinschauen.
Beobachte deine Konzentration eine Woche lang. Notiere dir kurz:
- bei welcher Aufgabe die Probleme aufgetreten sind,
- zu welcher Tageszeit das passiert ist,
- wie lange du vorher bereits gearbeitet hattest,
- wie du in der vergangenen Nacht geschlafen hast,
- wie gestresst oder erschöpft du dich gefühlt hast und
- wodurch du dich hast ablenken lassen.
Du musst daraus kein wissenschaftliches Forschungsprojekt machen. Ein paar Stichpunkte reichen aus. Häufig wirst du schon nach wenigen Tagen ein Muster erkennen.
Häufige Ursachen von Konzentrationsproblemen
Konzentrationsprobleme haben nicht immer eine einzelne, eindeutig erkennbare Ursache. Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen.
Vielleicht hast du schlecht geschlafen, wirst bei der Arbeit ständig von E-Mails unterbrochen und versuchst gleichzeitig, unter Zeitdruck eine schwierige Aufgabe zu lösen. Jeder dieser Faktoren erschwert die Konzentration ein wenig. Zusammen können sie dafür sorgen, dass fast nichts mehr geht.
Lass uns deshalb einen Blick auf die häufigsten Ursachen werfen. So kannst du besser einschätzen, welche davon bei dir eine Rolle spielen könnten.
1. Schlafmangel, Stress und andere vorübergehende Belastungen
Schlafmangel
Schon eine einzelne schlechte Nacht kann dazu führen, dass du am folgenden Tag langsamer denkst, leichter Fehler machst und dich schlechter auf eine Aufgabe konzentrieren kannst.
Nicht nur zu kurzer Schlaf, sondern auch häufiges Aufwachen oder ein verschobener Schlafrhythmus können dafür sorgen, dass du morgens nicht erholt bist, obwohl du genug Zeit im Bett verbracht hast.
Wenn du tagsüber regelmäßig erschöpft bist, solltest du deshalb nicht nur auf die Anzahl der Stunden achten, die du geschlafen hast, sondern auch auf die Qualität deines Schlafs.
Stress und Sorgen
Zeitdruck, Überforderung, Konflikte und ständige Unterbrechungen können Stress verursachen. Ein wenig Stress kann dir sogar dabei helfen, dich auf eine anstehende Aufgabe zu konzentrieren. Wird der Stress jedoch zu stark oder hält er zu lange an, fällt es dir zunehmend schwerer, klar zu denken, Informationen im Kopf zu behalten und gute Entscheidungen zu treffen.
Stress kann aber auch durch Sorgen entstehen. Vielleicht kreisen deine Gedanken um einen persönlichen Konflikt, eine anstehende Entscheidung oder eine unsichere Zukunft. Solche Gedanken lassen sich nicht einfach abschalten. Sie drängen sich immer wieder in den Vordergrund und machen es dir schwer, dich auf etwas anderes zu konzentrieren.
Mentale Erschöpfung
Geistig anspruchsvolle Arbeit kann dir am späten Nachmittag deutlich schwerer fallen als am Vormittag. Denn du hast ja schon Probleme gelöst, Entscheidungen getroffen und Informationen verarbeitet. Eine Stunde bleibt zwar eine Stunde – wie gut du dich konzentrieren kannst, hängt jedoch auch davon ab, wie viel mentale Energie dir noch zur Verfügung steht.
Hunger, Flüssigkeitsmangel, Krankheit und Schmerzen
Wenn du Schmerzen hast, krank bist oder dich körperlich unwohl fühlst, fällt es dir häufig schwerer, dich auf etwas anderes zu konzentrieren. Das gilt insbesondere für Schmerzen, Fieber und allgemeines Unwohlsein, trifft aber auch auf Hunger und Durst zu.
Solche Beschwerden erklären ein vorübergehendes Konzentrationstief häufig besser als mangelnde Disziplin. Wenn du krank bist, braucht dein Körper eher Erholung als eine neue Produktivitätsmethode.
2. Überforderung und Langeweile bei der Aufgabe
Fehlende Klarheit
Du kannst deine Aufmerksamkeit nur schwer auf eine Aufgabe richten, wenn du gar nicht wirklich weißt, was du tun sollst.
Unklare Aufgaben zwingen dich dazu, ständig zwischen Planung und Ausführung hin und her zu wechseln. Du beginnst, hältst wieder inne, denkst über das weitere Vorgehen nach und wechselst vielleicht zu einer anderen Tätigkeit, die dir gerade einfacher erscheint.
Das fühlt sich wie ein Konzentrationsproblem an. Tatsächlich fehlt dir möglicherweise nur ein klarer nächster Schritt.
Überforderung
Wenn eine Aufgabe zu groß oder zu kompliziert ist, wissen wir häufig nicht, wo wir anfangen sollen. Jeder mögliche Einstieg scheint dann nur weitere Fragen aufzuwerfen.
Statt uns auf einen konkreten Handlungsschritt zu konzentrieren, versuchen wir, zu viele offene Fragen im Kopf zu jonglieren. Unsere Gedanken springen dabei zwischen verschiedenen Aspekten der Aufgabe hin und her.
Das kann sich wie Unkonzentriertheit anfühlen, obwohl uns in Wirklichkeit vor allem Klarheit und ein sinnvoller Einstieg fehlen.
Unterforderung und Langeweile
Auch zu einfache oder eintönige Aufgaben können Schwierigkeiten beim Konzentrieren verursachen. Wenn eine Tätigkeit kaum Aufmerksamkeit verlangt und dir außerdem wenig interessant oder wichtig erscheint, schweifen deine Gedanken leichter ab.
Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass mit deiner Konzentrationsfähigkeit etwas nicht stimmt. Möglicherweise bietet dir die Aufgabe nur zu wenig geistige Anregung.
Unangenehme Gefühle
Manche Aufgaben lösen unangenehme Gefühle wie Unsicherheit, Frustration oder Angst aus. Vielleicht hast du Angst davor, einen Fehler zu machen, fühlst dich der Aufgabe nicht gewachsen oder erwartest einen Konflikt.
Dann kann es passieren, dass du dich ablenkst, um diesen unangenehmen Gefühlen kurzfristig auszuweichen. Was wie Unkonzentriertheit aussieht, kann auch Prokrastination sein.
3. Ablenkungen und ungünstige Arbeitsbedingungen
Unterbrechungen
Bei jeder Unterbrechung musst du dich von deiner aktuellen Aufgabe lösen und auf etwas Neues einstellen. Wenn du anschließend zurückkehrst, musst du erst wieder rekonstruieren, wo du warst und was du als Nächstes tun wolltest.
Dabei gehen Unterbrechungen nicht nur auf Kollegen, Anrufe und eingehende Nachrichten zurück, sondern auch auf uns selbst.
Nachrichtenseiten, soziale Medien und Videos sind jederzeit nur einen Klick entfernt. Auch jeder spontane Gedanke lässt sich sofort im Internet verfolgen. Das erzeugt immer wieder den Drang, die aktuelle Aufgabe kurz zu unterbrechen – und macht es uns leichter, diesem Drang nachzugeben.
Multitasking
Wir Menschen können mehrere Dinge gleichzeitig tun. Wir können uns aber nicht auf mehrere geistig anspruchsvolle Aufgaben gleichzeitig konzentrieren.
Wenn du während einer Videokonferenz E-Mails beantwortest oder beim Schreiben Videos guckst, verarbeitet dein Gehirn die Aufgaben nicht wirklich parallel. Vielmehr springt deine Aufmerksamkeit ständig zwischen den Aufgaben hin und her.
Und bei jedem Wechsel musst du dich neu orientieren. Dadurch brauchst du länger, ermüdest schneller und machst leichter Fehler.
Die falsche Tageszeit
Eine Stunde deiner Zeit ist nicht zu jeder Tageszeit gleich viel wert.
Vielleicht kannst du morgens besonders gut schreiben und analysieren, während dir solche Aufgaben am Nachmittag deutlich schwerer fallen. Bei einem anderen Menschen kann es genau umgekehrt sein.
Wenn du eine anspruchsvolle Aufgabe zu einer Tageszeit erledigen möchtest, zu der du müde und geistig weniger leistungsfähig bist, wirst du leichter unkonzentriert. Das kann den Eindruck erwecken, dass du grundsätzlich Konzentrationsprobleme hast – obwohl du die Aufgabe zu einer anderen Tageszeit möglicherweise deutlich leichter bewältigen könntest.
Zu wenig Erholung
Wenn du längere Zeit keine Pause machst, lässt deine Konzentration allmählich nach. Dann wird es immer anstrengender, bei der Sache zu bleiben, und deine Gedanken schweifen häufiger ab.
Wie schnell das passiert, hängt unter anderem von der Aufgabe, der Tageszeit und deiner verfügbaren mentalen Energie ab. Typische Anzeichen sind, dass du Sätze mehrfach lesen musst, um sie zu verstehen, dir mehr Flüchtigkeitsfehler unterlaufen oder du einen stärker werdenden Drang verspürst, etwas anderes zu tun.
Fehlende Struktur
Wenn du keinen Überblick über deine Aufgaben hast, musst du während der Arbeit ständig neu entscheiden, was gerade wichtig ist.
Du beginnst mit einer Aufgabe, erinnerst dich an eine zweite und wechselst zu einer dritten, weil sie vermeintlich dringender ist. Deine Aufmerksamkeit wird dann nicht allein von der aktuellen Aufgabe beansprucht, sondern auch von der Frage, was du stattdessen tun könntest.
Eine mögliche Gegenmaßnahme ist eine strukturierte Arbeitsweise. Wenn du im Voraus festlegst, was du wann bearbeiten möchtest, musst du diese Entscheidungen nicht ständig während der Arbeit treffen und kannst dich stärker auf die aktuelle Aufgabe konzentrieren.
4. Erkrankungen und andere gesundheitliche Ursachen
Konzentrationsprobleme können auch als Begleiterscheinung körperlicher oder psychischer Erkrankungen auftreten. Außerdem können bestimmte Medikamente oder andere Substanzen die Konzentrationsfähigkeit beeinflussen.
Mögliche Zusammenhänge bestehen beispielsweise mit:
- Schlafstörungen,
- Depressionen und Angststörungen,
- ADHS,
- starker oder anhaltender Erschöpfung,
- hormonellen oder Stoffwechselerkrankungen,
- Infektionen und anderen körperlichen Erkrankungen,
- Schmerzen,
- Alkohol und anderen Substanzen sowie
- Nebenwirkungen von Medikamenten.
Eine solche Liste kann schnell verunsichern. Konzentrationsprobleme allein bedeuten aber noch nicht, dass du an einer dieser Erkrankungen leidest. Sie können bei ganz unterschiedlichen Belastungen und Erkrankungen auftreten.
Wenn du eine Erkrankung oder ein Medikament als Ursache in Betracht ziehst, solltest du das ärztlich abklären lassen. Verändere oder beende eine verordnete Medikation nicht auf eigene Faust.
So findest du heraus, was hinter deinen Konzentrationsproblemen steckt
Nachdem du deine Konzentration einige Tage lang beobachtet hast, kannst du nach wiederkehrenden Mustern suchen.
Wenn die Probleme hauptsächlich zu bestimmten Tageszeiten auftreten
Dann könnten Schlaf, Pausen, Mahlzeiten, dein Tagesrhythmus oder die vorherige Arbeitsbelastung eine Rolle spielen.
Teste, ob dir anspruchsvolle Aufgaben zu einer anderen Tageszeit leichter fallen. Plane außerdem Erholungspausen ein, bevor deine Leistung deutlich einbricht.
Wenn die Probleme nur bei einer bestimmten Aufgabe auftreten
Dann solltest du dir die Aufgabe genauer ansehen:
- Ist dir klar, was zu tun ist?
- Ist die Aufgabe zu groß oder zu kompliziert?
- Findest du sie langweilig oder sinnlos?
- Löst sie Unsicherheit, Frustration oder Angst aus?
- Fehlen dir Informationen oder Fähigkeiten?
In diesem Fall liegt das Problem möglicherweise weniger in deiner grundsätzlichen Konzentrationsfähigkeit als in der Aufgabe oder den Gefühlen, die du mit ihr verbindest.
Wenn die Probleme hauptsächlich in einer bestimmten Umgebung auftreten
Kannst du dich zu Hause gut konzentrieren, im Büro aber kaum? Oder funktioniert es in der Bibliothek, während du dich am heimischen Schreibtisch ständig ablenken lässt?
Dann könnte deine Umgebung das Problem verstärken. Achte darauf, was dich dort von der Arbeit abbringt. Vielleicht sind es Gespräche, Geräusche, eingehende Benachrichtigungen oder dein Smartphone.
Auch deine Gewohnheiten spielen eine Rolle. Wenn du deinen Schreibtisch nur zum Arbeiten nutzt, fällt es dir dort mit der Zeit leichter, in den Arbeitsmodus zu kommen. Wenn du am selben Platz auch spielst, Videos anschaust oder durch soziale Medien scrollst, ist die Versuchung größer, das auch während der Arbeit zu tun.
Wenn die Probleme vor allem nach Unterbrechungen auftreten
In diesem Fall solltest du nicht nur versuchen, dich stärker zusammenzureißen. Sorge auch dafür, dass es seltener zu Unterbrechungen kommt.
Versuche, dir vor einer unvermeidlichen Unterbrechung kurz zu notieren:
- woran du gerade gearbeitet hast,
- was du bereits herausgefunden hast und
- was du als Nächstes tun wolltest.
So findest du nach der Unterbrechung schneller wieder in deine Aufgabe zurück.
Wenn die Probleme überall und bei fast allen Tätigkeiten auftreten
Wenn du dich über längere Zeit weder bei der Arbeit noch in Gesprächen, beim Lesen oder bei Dingen, die dir eigentlich Freude machen, konzentrieren kannst, reichen Veränderungen am Arbeitsplatz möglicherweise nicht aus.
Das gilt besonders dann, wenn die Probleme neu sind, stärker werden oder zusammen mit anderen Beschwerden auftreten. In diesem Fall ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Wann solltest du mit Konzentrationsproblemen zum Arzt gehen?
Ein gelegentliches Konzentrationstief nach einer schlechten Nacht muss normalerweise nicht medizinisch abgeklärt werden.
Du solltest dir jedoch ärztlichen Rat holen, wenn deine Konzentrationsprobleme:
- plötzlich und ohne erkennbare Erklärung auftreten,
- ungewöhnlich stark sind,
- immer schlimmer werden,
- über längere Zeit bestehen bleiben,
- dich bei der Arbeit oder im Alltag deutlich beeinträchtigen,
- nach einer Erkrankung oder der Einnahme eines neuen Medikaments begonnen haben oder
- von weiteren körperlichen oder psychischen Beschwerden begleitet werden.
Bei plötzlich auftretender Verwirrtheit, Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen, starken ungewohnten Kopfschmerzen oder anderen akuten neurologischen Beschwerden solltest du sofort den Notruf 112 wählen.
Dieser Artikel kann dir dabei helfen, mögliche Zusammenhänge zu erkennen. Er ersetzt jedoch ausdrücklich keine medizinische Diagnose.
Wenn deine Konzentrationsprobleme vor allem bei der Arbeit auftreten
Vielleicht zeigen deine Beobachtungen, dass du dich grundsätzlich konzentrieren kannst, aber Probleme bekommst, sobald du am Schreibtisch sitzt und geistig anspruchsvolle Arbeit erledigen möchtest.
In diesem Fall liegt das Problem möglicherweise weniger an deiner Konzentrationsfähigkeit als an den Bedingungen, unter denen du arbeitest.
In meinem kostenlosen Webinar „Die Kunst & Wissenschaft des konzentrierten Arbeitens“ zeige ich dir, warum es uns heute immer schwerer fällt, längere Zeit bei einer Sache zu bleiben – und welche Bedingungen du schaffen kannst, damit konzentriertes Arbeiten wieder leichter wird.
Guten Tag!
Ich bin über den Mehrwert in diesem Blog wahnsinnig begeistert! So viel Content in so geballter Form. Vielen dank das du uns dein Wissen mitgibst!
Hallo Dirk,
Vielen Dank für das Feedback, hat mich wirklich sehr gefreut :)
Viele Grüße, Jan
Dankeschön. Der Artikel hat mich sehr beruhigt.
Ich befinde mich gerade in einer Online-Weilterbildung und während mir der Dozent ohne Punkt und Komma etwas Über Marketing Content, das AIDA-Prinzip und andere Sachen erzählt, habe ich das Problem, dass ich ihm einfach nicht länger als 5 Minuten am Stück zuhören kann ohne sofort in eigenen Gedanken zu versinken. Ich dachte das kann ja nicht sein!!!! Was stimmt mit mir nicht?
Und dann habe ich hier beim Absatz :
„Wie lange sollte man sich konzentrieren können?“
meine Antwort gefunden ^^
„……denn wie lange du dich tatsächlich konzentrieren kannst, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab:
Deinem Interesse an der Aufgabe.
Deinen Fähigkeiten, die Aufgabe zu erfüllen.
Deinem körperlichen und emotionalen Zustand.
Einer günstigen Umgebung mit wenigen Ablenkungen.
Es ist also ganz normal, dass du einem langweiligen Fachvortrag nicht so lange konzentriert folgen kannst wie einem spannenden Spielfilm.“
=) ein Glück ^^
Danke :)
ADHS ist keine Krankheit, sondern ein Symtomkomplex. Die Ursache ist in den meisten Fällen eine dopaminerge Stoffwechselstörung im Striatum. Da diese Störung (Striatofrontale Dysfunktion) nicht heilbar ist, müsste man sie im Grunde als Behinderung einstufen.
Die Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit im Schul- und Jugendalter durch ADHS wird ja auch mit bis zu 50 GdB (Grad der Behinderung) eingestuft.
Ich bin erst mit 38 mit ADHS diagnostiziert worden. Als behindert habe ich mich NIEMALS gefühlt, mein Kopf funktioniert nur anders… Meine Lehrer würden das bis heute sofort unterschreiben, Abi mit 1,9 geht mit „Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit“ nicht konform. Konzentrationsschwierigkeiten habe ich keine – solange es mein Interesse hat. Nur bei Dingen, die mein Gehirn als unwichtig / nicht relevant erachtet, habe ich Schwierigkeiten. Bitte unterscheiden! Wir sind nicht dumm und nicht behindert und KÖNNEN uns konzentrieren!
Hast du Tipps gegen Konzentrationsproblemen aufgrund von Kreativität? Da du dich auskennst, dürftest du ungefähr wissen, wie ich das meine, auch wenn andere das vielleicht merkwürdig finden.
Mein Kopf ist eine reine Ideenwerkstatt und bei mir heißt es an manchen Tagen nicht „in der Ruhe liegt die Kraft“ sondern „in der Ruhe liegt die neue Idee“.
Kreativität ist eigentlich etwas Schönes, aber manchmal wird sie auch anstrengend – zumindest in diesem Maße. Und du hast absolut Recht mit dem Artikel oben – soziale Medien machen es nicht besser. Rein privat nutze ich das für heutige Verhältnisse mäßig. Aber für mein Instagramprofil/YouTube-Kanal relativ häufig. Das hat meine Konzentrationsschwäche definitiv nicht besser gemacht, aber ich versuche gegenzusteuern.
Aber was kannst du mir raten, wie ich längerwierige Aufgaben wie jetzt im ehrenamtlichen Homeoffice konzentriert zuende führen kann? Ich schaff zurzeit immer ein bisschen und schon hab ich wieder den nächsten Gedanken. Ich hab das Gefühl, mein Gehirn ist auf mehreren Baustellen gleichzeitig unterwegs. Aber 1) können Fehler passieren und 2) hab ich Angst, dass es irgendwann psychische Folgen mit sich bringt…. LG
Hallo,
Danke für die Fragen. Was bei deinem Problem sehr gut funktioniert, sind Hintergrundgeräusche, die weißes Rauschen enthalten. Hier (https://asoftmurmur.com/) kannst du dir Naturgeräusche generieren lassen, zum Beispiel Meeresrauschen, Wind, Vogelgezwitscher usw. Das beruhigt das Gehirn und stoppt den Gedankenstrom. Ich persönliche habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Einfach ein Geräusch deiner Wahl bei der Arbeit hören – am besten über Kopfhörer.
Viel Erfolg und viele Grüße,
Jan
Hey Jan,
Richtig guter Artikel. Habe ich auf jeden fall einige Sachen mitnehmen können, die ich direkt anwenden kann!
Liebe Grüße
Tim
Hey Tim,
Danke :) … es freut mich wenn ich dir helfen konnte.
Viele Grüße,
Jan
Hallo Jan,
danke für den sehr informativen Artikel! Da ich u. a. ja zur schreibenden Zunft gehöre, ist Ablenkung durch die Berufs- und sozialen Netzwerke natürlich auch für mich immer verlockend. :-( Aber: Konzentrationsprobleme aus Mangel an Motivation habe ich zum Glück nicht, zumindest nicht beim Schreiben meiner Blogartikel. Da ist es eher so, dass ich verärgert bin über andere, notwendige (nicht lebenserhaltende ;-)) Dinge, die mich davon abhalten. Ich werde also gleich mal deine Anleitungen lesen, um die Konzentration wie einen Muskel trainieren zu können…
Viele Grüße
Gabriele
Hallo Gabriele,
danke für deinen Kommentar. Was die Motivation für das Schreiben angeht, geht es mir zum Glück genau wie dir. Ich habe Motivation im Überfluss :D
Viele Grüße,
Jan