Die 30 produktivsten Tage deines Lebens 

Mit dieser cleveren Umsetzungsstrategie
verwirklichst du dein Projekt schnell und ohne Stress ...

Dr. Jan Höpker

Aktualisiert am 8. Dezember 2021


Die schlechte Nachricht zuerst: Die Art, wie du lernst, ist ineffektiv, um nicht zu sagen falsch. Das war geraten. Aber es könnte auf 90 Prozent der Schüler, Studenten und Berufstätigen zutreffen. 

Die gute Nachricht: Du kannst lernen, effektiver zu lernen. Dann kommt der Lernerfolg wie von selbst.

Lernen lernen - So lernt man das Lernen (Schüler, Studenten, Berufstätige)

Vielleicht fragst du dich, wie es sein kann, dass so viele Schüler, Studenten und Berufstätige ineffektiv oder sogar falsch lernen. Die Antwort lautet:

Wir Menschen sind so gestrickt, dass wir das tun, was sich intuitiv richtig anfühlt. Doch blöderweise ist der Zusammenhang zwischen tatsächlicher und gefühlter Effektivität bei Lerntechniken umgedreht: Schlechte Techniken fühlen sich gut an, und gute Techniken fühlen sich schlecht an.

Als die Lern- und Gedächtnisforschung noch in den Kinderschuhen steckte, konnte man es nicht besser wissen. Heute gilt diese Ausrede aber nicht mehr, denn das Rätsel um die effektivsten Lerntechniken wurde weitestgehend gelöst.

In einer perfekten Welt hätten sich die besten Methoden bereits herumgesprochen, und Schüler, Studenten und Berufstätige würden sie anwenden.

In unserer Welt ist leider etwas anderes passiert: Es haben sich Lernmythen verbreitet, die so tun, als basierten sie auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, während sie den Lernerfolg in Wahrheit sabotieren.

Bevor wir die gefährlichsten Lernmythen aus der Welt schaffen und uns die wahren Erfolgsfaktoren anschauen, sollten wir die wichtigsten Begriffe klären und uns anschauen, wie der Lernvorgang im Gehirn abläuft.

Was ist Lernen?

Unter Lernen verstehe ich den beabsichtigten Erwerb von Wissen und Fähigkeiten, die das Gedächtnis im richtigen Moment bereitwillig wieder abspult.

  • Einen komplexen Zusammenhang begreifen, erklären und als Grundlage für Entscheidungen verwenden können.
  • Ein mathematisches Verfahren anwenden können.
  • Eine Fremdsprache verstehen und sprechen können.
  • Und so weiter.

Du hast etwas erst dann erfolgreich gelernt, wenn es sich in deinem Langzeitgedächtnis befindet und du gezielt darauf zugreifen kannst. Etwas nur nachvollziehen oder wiedererkennen zu können, genügt nicht.

Der Lernprozess

Nachhaltiges Lernen ist ein Prozess, der mindestens drei Schritte umfasst: Encodierung, Konsolidierung und Rekonsolidierung. Erst wenn die Lerninhalte diese drei Schritte durchlaufen haben, hast du sie nachhaltig gelernt.

Encodierung (Schritt #1)

Die Lerninhalte erreichen dich in Form von Licht- und Schallwellen, die von deinen Sinnesorganen registriert und in neuronale Aktivität umgewandelt werden. Dann wird der Sinngehalt extrahiert und in die Sprache deiner Gedanken übersetzt. Dieser kognitive Vorgang wird als Encodierung bezeichnet.

Es klingt komplizierter, als es ist. Du hörst oder liest etwas und denkst über die Bedeutung nach. Je intensiver du nachdenkst und je mehr Verbindungen zu bereits Bekanntem du dabei entdeckst, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der entsprechende Lerninhalt im nächsten Schritt konsolidiert, d. h. in dein Langzeitgedächtnis übertragen wird.

Konsolidierung (Schritt #2)

Nach der Encodierung sind die Lerninhalte zunächst im sogenannten Hippocampus gespeichert, der auch als »Lernzentrum« oder »Organisator des Gedächtnisses« bezeichnet wird.

Ewas vereinfacht gesprochen, sammelt dein Hippocampus alles, was du tagsüber lernst, um in der folgenden Nacht im Schlaf zu entscheiden, was damit geschehen soll. Unwichtiges wird gelöscht, und Wichtiges wird in dein Langzeitgedächtnis übertragen. Letzteres wird als Konsolidierung bezeichnet.

Bei der Konsolidierung werden die Lerninhalte nicht etwa eins zu eins kopiert, sondern dein Gehirn verarbeitet, verknüpft und ordnet die Inhalte neu. Das ist der Grund, warum dir morgens unter der Dusche plötzlich Zusammenhänge bewusst werden (die entsprechenden Verknüpfungen sind in der letzten Nacht durch Konsolidierung entstanden).

Nach der Konsolidierung setzt das Vergessen ein. Welche Inhalte du wie schnell wieder vergessen wirst, erfährst du in meinem Artikel über die Vergessenskurve.

Um die Lerninhalte vor dem Vergessenwerden zu bewahren, musst du dafür sorgen, dass sie regelmäßig erneut konsolidiert werden – in diesem Fall spricht man von Rekonsolidierung.

Rekonsolidierung (Schritt #3)

Immer dann, wenn du einen bereits konsolidierten Lerninhalt aus deinem Langzeitgedächtnis hervorkramst, durchläuft dieser Inhalt den gesamten Prozess der Encodierung und Konsolidierung noch einmal. Man spricht von Rekonsolidierung.

Durch Rekonsolidierung werden die neuronalen Netzwerke verstärkt und ausgebaut, sodass die Lerninhalte mit jedem erneuten Durchlauf leichter abrufbar und weniger schnell vergessen werden.

Um ein zufriedenstellendes Lernergebnis zu erzielen, musst du dafür sorgen, dass die Lerninhalte mehrfach rekonsolidiert werden.

Deine Lernstrategie bestimmt deinen Lernerfolg

Ob du beim Lernen Erfolg hast und welchen Aufwand du dafür betreiben musst, ist eine Frage deiner Lernstrategie, d. h., wann, wie oft und in welchem Kontext du mit welchen Lerntechniken lernst.

Und wie schon gesagt, ist eine wirksame Lernstrategie nicht intuitiv – du kommst nicht von selbst drauf. Du musst das Lernen bewusst lernen.

Die größte Schwierigkeit besteht darin, verbreitete Lernmythen aufzugeben und wissenschaftlichen Erkenntnissen mehr zu vertrauen als deiner Intuition.

Lernmythen sabotieren deinen Lernerfolg

Die meisten Menschen, die Lernmythen verbreiten, tun dies mit guter Absicht. Sie wissen es nicht besser und geben einfach solche Ratschläge, die sich richtig anfühlen. (Wie schon gesagt, trifft das vor allem auf die schlechten Ratschläge zu.)

Ich möchte dir nun zwei verbreitete Lernmythen vorstellen, die ich für besonders gefährlich halte, weil sie deinen Lernerfolg sabotieren.

Lernmythos #1: Lerntypen

Bestimmt hast du bereits davon gehört, dass es visuelle, auditive und haptische Lerntypen geben soll, und dass du angeblich dann am effektivsten lernst, wenn das Lernmaterial zu deinem Lerntyp passt.

Diese Theorie klingt plausibel, aber sie entbehrt jeglicher wissenschaftlichen Grundlage – sie ist frei erfunden!

Laut Henry L. Roediger und Mark A. McDaniel, zwei Psychologieprofessoren und absoluten Lern- und Gedächtnisexperten, existieren mehr als 70 verschiedene Lerntypen-Modelle, die sich untereinander so sehr widersprechen, dass die meisten von ihnen schon allein deswegen falsch sein müssen.

Der Glaube an Lerntypen untergräbt deine Eigenverantwortung. Wer glaubt, ein bestimmter Lerntyp zu sein, wird dazu verleitet, die Verantwortung an die Bereitsteller des Lernmaterials abzugeben. Vergiss Lerntypen!

Für weitere Argumente siehe meinen ausführlichen Artikel über Lerntypen.

Lernmythos #2: Lernen muss die reinste Freude sein

In bestimmten Kreisen wird behaupten, dass wir dann am besten lernen – oder sogar nur dann lernen können –, wenn das Lernen die reinste Freude ist. Diese falsche Vorstellung verleitet dazu, beim kleinsten Anzeichen von Missmut aufzugeben und/oder grundsätzlich den bequemsten Weg zu wählen.

Tatsächlich lenken die beim Lernen erlebten Gefühle unsere Aufmerksamkeit, und auch die Abrufbarkeit von Gedächtnisinhalten hängt von Gefühlszuständen ab. Es stimmt aber nicht, dass positive Gefühle grundsätzlich lernförderlich und negative Gefühle lernhinderlich sind. Schon allein die Vorstellung, dass wir während einer mehrstündigen Lerneinheit durchgehend das gleiche (positive) Gefühl erleben könnten, ist unrealistisch.

Idealerweise sollten deine Lerneinheiten diese emotionale Struktur haben: Zunächst musst du dich anstrengen, um dein Etappenziel zu erreichen. Die Anstrengung selbst wirst du zwar als negativ empfinden, aber die Zielerreichung wird positive Gefühle bei dir auslösen.

7 unbequeme Erfolgsfaktoren

#1 Anstrengung hilft

Anstrengende Lerntechniken sind effektiver als Lerntechniken, die keine geistige Anstrengung erfordern. Das liegt daran, dass der Lernprozess gründlicher und nachhaltiger verläuft, wenn er Mühe macht.

Immer dann, wenn die Encodierung geistige Anstrengung erfordert, schüttet dein Gehirn bestimmte Neurotransmitter aus, die den entsprechenden Lerninhalt für die dauerhafte Speicherung im Langzeitgedächtnis markieren. Die markierten Inhalte werden bei der Konsolidierung bevorzugt.

In meinem Artikel über Lerntechniken zeige ich dir, welche Lerntechniken laut Lernforschung am effektivsten sein.

#2 Es selbst zu versuchen zahlt sich aus

Wenn du wie die meisten Menschen tickst, lässt du dir unbekannte Zusammenhänge und Vorgehensweisen, die du noch nicht beherrschst, von anderen erklären. Laut Lernforschung wäre es besser, wenn du zunächst versuchen würdest, selbst auf eine Lösung bzw. Antwort zu kommen – auch dann, wenn dein Versuch scheitert.

Diese Vorgehensweise wird als generatives Lernen bezeichnet. Es hat sich herausgestellt, dass dein Gehirn eine später präsentierte Lösung gründlicher und nachhaltiger verarbeitet, wenn du zuvor versucht hast, selbst eine Lösung zu finden.

#3 Nur aktives Erinnern zählt als Wiederholung

Dass man Lernstoff wiederholt auffrischen sollte, ist dir sicherlich bekannt. Aber ist dir bewusst, dass eine Wiederholung nur dann etwas bewirkt, wenn du den Lernstoff aus deinem Langzeitgedächtnis heraus aktiv abrufst? Wiederholtes Lesen oder Hören bringt hingegen praktisch gar nichts.

Psychologen sprechen vom sogenannten Testing-Effekt. Nur durch aktives Abrufen in unterschiedlichen Zusammenhängen festigen sich die entsprechenden neuronalen Netzwerke durch Rekonsolidierung. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Hinweisreize, die den Lerninhalt aktivieren.

Mit Karteikarten zu lernen, mag altmodisch erscheinen, aber es handelt sich um eine der effektivsten Lerntechniken.

#4 Zwischenzeitliches Vergessen ist gut

Wie schon gesagt, solltest du den Lernstoff wiederholt aus deinem Langzeitgedächtnis heraus abrufen, um das Vergessen zu stoppen (siehe #3). Außerdem hast du erfahren, dass der Lernstoff gründlicher verarbeitet wird, wenn der Lernprozess anstrengend ist (siehe #1).

Eine logische Folge daraus ist, dass es nicht nur ganz normal, sondern sogar gut ist, wenn du einen Teil des Lernstoffs zwischenzeitlich wieder vergessen hast. Solltest du gar nichts vergessen haben, kam die Wiederholung zu früh.

Mehr dazu in meinem Artikel über die Vergessenskurve.

#5 Aufgaben zu mischen ist gut

Es fühlt sich intuitiv richtig an, einen bestimmten Aufgabentyp so lange zu üben, bis man ihn aus dem Effeff beherrscht. In ein und derselben Lerneinheit verschiedene Aufgabentypen parallel zu üben, fühlt sich hingegen falsch an.

Die Lernforschung hat allerdings gezeigt, dass es besser ist, verschiedene Aufgabentypen zu mischen – am besten so, dass man im Vorhinein nicht weiß, mit welchem Typ Aufgabe man es zu tun hat.

Zur Erklärung: Damit wir das Gelernte in der Praxis anwenden können, müssen wir lernen zu erkennen, um welchen Typ Aufgabe es sich handelt. Wenn wir den Aufgabentyp im Vorhinein bereits kennen, lernen wir das aber nicht.

#6 Du kannst auch ohne Motivation lernen

Die meisten Menschen rechtfertigen ihre Disziplinlosigkeit mit einem angeblichen Mangel an Motivation. Sie delegieren die Verantwortung an eine Instanz, die sie nicht recht verstehen und von der sie glauben, dass sie launisch und unkontrollierbar ist.

Warte nicht auf Motivation! Setz dich hin und fang an!

#7 Leistungsziele vs. Lernziele

Es ist wichtig, Ziele zu haben, doch nicht jedes Ziel ist gut. Es gibt zwei grundverschiedene Arten von Zielen:

  • Bei einem Leistungsziel strebst du ein bestimmtes Ergebnis an: Bestnote, die Eins vor dem Komma oder einfach nur bestehen.
  • Bei einem Lernziel geht es dir um das, was du tatsächlich tust: Das komplette Lehrbuch durcharbeiten, jeden Tag zwei Stunden konzentriert lernen usw.

Ein realistisches Lernziel zu erreichen, liegt in deiner Macht, aber ob du ein realistisches Leistungsziel erreichst, hängt von Faktoren ab, die du nicht beeinflussen kannst. Aus psychologischen Gründen (Stichwort: Selbstwirksamkeit) solltest du dir Lernziele setzen und Leistungsziele möglichst vermeiden.

Lernen lernen

Die Beherrschung effektiver Lerntechniken stellt eine von drei Stellschrauben dar, über die du deinen Lernerfolg maßgeblich beeinflussen kannst. Die komplette Geschichte steht in meinem Buch Überflieger-Formel*. Es enthält die wichtigsten aktuellen Forschungsergebnisse und wirksamsten Ratschläge zu allen drei Stellschrauben:

  1. Lerntechniken
  2. Lern-Bedingungen
  3. Praktische Umsetzung

PS: Du wirst sehen, dass Überflieger-Formel* einige sehr schlechte und zum Teil sogar wirklich böse Rezensionen bei Amazon bekommen hat. Angeblich sind meine Methoden so schlecht, dass sie zu Alzheimer führen. In anderen Shops wird das Buch mit Klopapier verglichen und als Auslöser für Anal-Krebs bezeichnet. Da hat wohl jemand Angst davor, bald nicht mehr Jahrgangsbester zu sein.

Bitte lasse dich von diesem kindischen Shitstorm nicht davon abhalten, das Lernen zu lernen. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, hole dir die kostenlose XXL-Leseprobe (72 Seiten) auf der Website des Verlags.

Dr. Jan Höpker ist Wissenschaftler, Autor und Gründer der Websites HabitGym und Der perfekte Ratgeber. Mit seinem Buch Erfolg durch Fokus & Konzentration hat er bis heute mehr als 20.000 Leser erreicht und ihnen dabei geholfen, fokussierter zu leben, zu lernen und zu arbeiten.

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