Lern­me­thoden – die 7 Geheim­nisse der besten Schüler und Studenten

Zuletzt aktua­li­siert am 28. Juni 2019 von Dr. Jan Höpker.

Die Noten der meisten Schüler und Studenten hängen nicht von ihrem Fleiß und Talent ab, sondern von den Lern­me­thoden, die sie sich zufällig ange­eignet haben. Millionen Schüler und Studenten bleiben hinter ihren Möglich­keiten zurück, weil sie mit Lern­me­thoden lernen, die nicht funk­tio­nieren.

Lernmethoden - Die 7 Geheimnisse der erfolgreichsten Schüler und Studenten

Es ist doch verrückt: In der Schule, Uni oder Ausbil­dung lässt man uns jahrelang lernen, ohne uns jemals beizu­bringen, wie man richtig lernt. Kein Wunder, dass Lernen zu den am meisten miss­ver­standen Tätig­keiten gehört.

Dabei weiß die Gehirn­for­schung längst, warum so viele Menschen Schwie­rig­keiten mit dem Lernen haben und auch, was sie besser machen könnten. Dieser Artikel fasst die wich­tigsten Punkte zusammen.

Was ist eine Lern­me­thode?

Eine gute Lern­me­thode ist eine Taktik, die deinen Lern­er­folg steigert, indem sie deinen Lern­pro­zess verbes­sert. Sie unter­stützt dein Gedächtnis optimal bei seiner Arbeit. Dabei spielt es keine Rolle, ob du Schüler, Student, Auszu­bil­dender oder Auto­di­dakt bist.

Worauf es beim Lernen ankommt

Etwas zu lernen heißt, es im Gedächtnis abzulegen, sodass es bei Bedarf wieder abgerufen werden kann. Dieser Prozess kann in drei Schritte unter­teilt werden:

Lernmethoden für Schüler und Studenten - Worauf es beim Lernen wirklich ankommt

Lernen ist simpel: Den Stoff im Gedächtnis speichern, behalten und bei Bedarf wieder erinnern. Jeder dieser drei Schritte kann optimiert werden.
  1. Einspei­chern: Der Stoff muss im Gedächtnis gespei­chert werden.
  2. Behalten: Das Gelernte muss so lange wie möglich im Gedächtnis gespei­chert bleiben.
  3. Erinnern: Der Gedächt­nis­in­halt muss bei Bedarf aus dem Gedächtnis abgerufen werden können.

Alle Schritte können optimiert werden

Opti­mie­rung lohnt sich, denn schon eine kleine Stei­ge­rung auf jeder einzelnen Stufe kann zu einer beacht­li­chen Verbes­se­rung des Gesamt­ergeb­nisses führen. Dazu ein Rechen­bei­spiel:

Kleine Stei­ge­rung führt zu starker Verbes­se­rung

50 % Erfolg auf jeder einzelnen Stufe bedeutet, dass der Gesamt­erfolg 12,5 % ist. (0,5 * 0,5 * 0,5 = 0,125)

60 % Erfolg auf jeder einzelnen Stufe bedeuten 21,6 % Gesamt­erfolg. (0,6 * 0,6 * 0,6 = 0,216)

Eine Stei­ge­rung um nur 20 % auf jeder einzelnen Stufe führt hier also zu einer beacht­li­chen Gesamt­stei­ge­rung um satte 73 %.

Was hat das zu bedeuten? Um sich deutlich zu verbes­sern, bedarf es keiner Revo­lu­tion, im Gegenteil: Ein wenig Opti­mie­rung an mehreren Punkten könnte schon ausrei­chen, um einen schlechten Schüler oder Studenten in einen guten Schüler oder Studenten zu verwan­deln.

Es folgen sieben Maßnahmen, die sich sofort umsetzen lassen. (Die 7 Geheim­nisse der besten Schüler und Studenten.)

#1 | Glaubens­sätze über das Lernen

Viele schlechte Schüler und Studenten haben limi­tie­rende Glau­bens­sätze, die ihren Lern­er­folg behindern. Diese drei Glau­bens­sätze sind besonders verbreitet:

  1. Lernen muss unan­ge­nehm sein! Viele Schüler, Studenten und deren Eltern glauben, dass Lernen nur dann zählt, wenn es eine Qual ist. Intuitiv machen sie einen großen Bogen um alle Lern­me­thoden, die angenehm sind.
  2. Ich soll den Stoff auswendig lernen! Sie glauben, dass ihre Lehrer und Dozenten verlangen, dass sie den Stoff stumpf­sinnig auswendig lernen; Verständnis sei nicht gefragt oder sogar uner­wünscht.
  3. Neu ist gut, alt ist schlecht! Sie glauben, dass moderne Lern­me­thoden, wie zum Beispiel Lern-Apps und Lern­vi­deos auto­ma­tisch besser sind, als altmo­di­sche Lern­me­thoden, wie zum Beispiel Lernen mit Kartei­karten.

Diese Glau­bens­sätze behindern den Lern­er­folg, weil sie falsch sind. Erfolg­reiche Schüler und Studenten haben keine limi­tie­renden Glau­bens­sätze.

#2 | Der Unter­schied zwischen Lernen und Üben

Es gibt Schul- und Studi­en­fä­cher, in denen der Stoff zu lernen ist, und es gibt Fächer, in denen der Stoff geübt werden muss. Viele schlechte Schüler und Studenten machen den Fehler, Stoff zu lernen, der jedoch geübt werden muss.

Einige Dinge können nur geübt werden

Zum Beispiel lernt man eine Fremd­sprache nicht, indem man die Gram­ma­tik­re­geln auswendig lernt, um sie bewusst anzu­wenden. Trotzdem versuchen viele Schüler und Studenten, eine Fremd­sprache auf diese Art und Weise zu lernen. Der Fremd­spra­chen­un­ter­richt an Schulen trägt definitiv eine Mitschuld, weil er den Schülern diese kontra­pro­duk­tive Lern­me­thode implizit vermit­telt.

Das Gehirn findet die Regeln selbst­ständig heraus

Das Gehirn lernt eine Sprache, indem es die Gram­ma­tik­re­geln selbst­ständig aus korrekten Beispiel­sätzen extra­hiert. Es handelt sich um einen unbe­wussten Lern­vor­gang. Ein gutes Beispiel ist unsere Mutter­sprache: Wir alle sind intuitiv in der Lage, gram­ma­ti­ka­lisch korrekte Sätze zu bilden und falsche Sätze als falsch zu erkennen. Die Grammatik kann jedoch fast niemand erklären. Man spricht von einer unbe­wussten Kompetenz.

Ein weiteres Fach, in dem der Stoff geübt werden muss, ist Mathe. Erfolg­reiche Schüler und Studenten rechnen so lange Übungs­auf­gaben, bis das Gehirn die Regeln selbst­ständig extra­hiert hat. Die Regeln auswendig zu lernen, um sie bewusst anzu­wenden, funk­tio­niert in den aller­meisten Fällen nicht.

Wir können nicht nicht üben!

Unser Lebens­er­folg hängt von unbe­wussten Lern­vor­gängen ab. Viele Menschen kriti­sieren die Schule, weil sie unnötiges Wissen vermit­telt und angeblich nötiges Wissen vorent­hält. Der tatsäch­liche Skandal ist ein ganz anderer: Man trainiert uns Verhal­tens­weisen an, die unseren Lebens­er­folg nach­haltig behindern.

#3 | Das paradoxe Gedächtnis

Am Abend vor einer Prüfung oder Klausur haben viele Schüler und Studenten das Gefühl, dass sie im Grunde gar nichts wissen. Obwohl sie lange gelernt haben, scheint der Stoff einfach nicht in ihrem Kopf ange­kommen zu sein. Nicht selten geraten sie deswegen in Panik und lernen bis tief in die Nacht weiter. Oder sie stehen am Morgen vor der Prüfung oder Klausur extrem früh auf, um sich das Kurz­zeit­ge­dächtnis voll­zu­pa­cken.

Wer verstanden hat, wie das Gedächtnis funk­tio­niert, würde weder in Panik geraten noch auf diese Art und Weise reagieren. Wer das Gedächtnis verstanden hat, würde am Abend vor der Prüfung oder Klausur entspannen und recht­zeitig ins Bett gehen, um am nächsten Tag ausge­schlafen zu sein.

Ein Lern­ma­ra­thon ist immer kontra­pro­duktiv!

Das Gelernte wandert erst im Schlaf ins Lang­zeit­ge­dächtnis

Wir haben ein Kurz­zeit­ge­dächtnis, das Inhalte für einige Sekunden speichern kann, sowie ein Lang­zeit­ge­dächtnis, dessen Spei­cher­dauer nahezu unbe­grenzt ist. Beim Lernen besteht das Ziel darin, den Stoff ins Lang­zeit­ge­dächtnis zu bekommen.

Was leider kaum ein Schüler oder Student weiß: Was wir während eines Tages lernen, wird erst beim nächsten Mal schlafen ins Lang­zeit­ge­dächtnis geschrieben. Bis dahin befindet sich das Gelernte an einem Ort im Gehirn, auf den wir nicht zugreifen können. Es ist nicht mehr Kurz­zeit­ge­dächtnis, aber noch nicht Lang­zeit­ge­dächtnis.

Ein Gefühl von Unwis­sen­heit am Abend vor einer Prüfung oder Klausur bedeutet gar nichts!

Es ist daher völlig normal, nach dem Lernen das Gefühl zu haben, dass der Stoff nicht im Gedächtnis ange­kommen ist, denn in gewisser Weise ist er das auch nicht – noch nicht.

Viele schlechte Schüler und Studenten stecken in einem Teufels­kreis fest

Viele schlechte Schüler lernen wie verrückt und vernach­läs­sigen das Schlafen. Dann schreiben sie schlechte Noten und glauben, sie hätten nicht genug gelernt, wobei sie in Wahrheit eher zu viel gelernt haben. Vor der nächsten Klausur lernen sie dann noch mehr und schlafen noch weniger, was alles nur noch schlimmer macht.

#4 | Timing und Glück

Über die Wahl der Lern­me­thode kann der Lern­er­folg gestei­gert werden. Das bedeutet aber nicht, dass Glück und Zufall gar keine Rolle spielen.

Die persön­liche Verbin­dung zum Lehrer

In dem Buch Bildung braucht Persön­lich­keit* erklärt der Gehirn­for­scher Gerhard Roth, dass wir von einem Lehrer oder Dozenten nur dann effektiv lernen können, wenn wir ihm vertrauen. Wir besitzen sozusagen feine Antennen, welche die Vertrau­ens­wür­dig­keit unserer Lehrer genau prüfen. Einem Lehrer zu vertrauen ist also keine willent­liche Entschei­dung.

Wer das Pech hat, an einen Lehrer oder Dozenten geraten zu sein, den das Gehirn als nicht vertrau­ens­würdig einge­stuft hat, wird nicht die gleichen Lern­er­folge erzielen können, die bei einem vertrau­ens­wür­digen Lehrer möglich wären. Manchmal liegt das Problem also wirklich beim Lehrer.

Das Gehirn hat manchmal keinen Hunger

Auch Timing spielt eine Rolle. Es gibt Zeit­fenster, in denen wir bestimmte Dinge besonders gut lernen können. Unser Gehirn hat dann sozusagen großen Hunger nach genau diesem Stoff, was sich in einem starken Interesse äußert. Auch das ist keine willent­liche Entschei­dung.

Einem Schüler, bei dem das Zeit­fenster für ein bestimmtes Thema gerade geöffnet ist, wird das Lernen leichter fallen, als einem Mitschüler, für den der Stoff gerade nicht so inter­es­sant ist.

#5 | Lerntyp vs. Ver­arbeitungs­tiefe

Das Konzept der Lerntypen geht davon aus, dass jeder Mensch über einen bestimmten Sinnes­kanal am effek­tivsten lernen kann. Die Anhänger dieser Idee unter­scheiden meist diese vier Lerntypen:

  • Auditiver Lerntyp – er lernt am besten über das Hören.
  • Visueller Lerntyp – er lernt am besten über das Sehen.
  • Kommu­ni­ka­tiver Lerntyp – er lernt durch den Austausch mit anderen.
  • Moto­ri­scher Lerntyp – er lernt durch Auspro­bieren.

Lerntypen sind irre­füh­rend

Es mag schon sein, dass der eine über das Hören etwas besser lernt, als über das Sehen, während es bei einer anderen Person genau umgekehrt ist. Diese Idee führt aber in die Irre, denn sie sugge­riert, dass man entspre­chend seines Lerntyps lernen sollte.

Sollte nicht der auditive Typ den Stoff hören und der visuelle Typ den Stoff sehen? Nein!

Jeder Lerntyp sollte möglichst viele Kanäle nutzen

Bei den meisten Menschen ist der rechte Arm auch etwas stärker als der linke Arm, aber trotzdem kommt niemand auf die Idee, schwere Gegen­stände immer nur mit dem starken rechten Arm anzuheben. Man nimmt beide Arme. Genau so sollte man auch die Sinnes­ka­näle handhaben.

Auf die Verar­bei­tungs­tiefe kommt es an

Dass man möglichst viele Kanäle gleich­zeitig nutzen sollte, ergibt sich aus dem Aufbau und der Funk­ti­ons­weise des Gedächt­nisses. Das Gehirn verfügt nicht etwa über ein einziges Lang­zeit­ge­dächtnis, in dem alles gespei­chert wird, sondern es gibt mehrere Gedächt­nisse – eines pro Sinnes­kanal.

Etwas verein­facht gespro­chen, wird Gehörtes im auditives Gedächtnis gespei­chert, während Gesehenes ins visuelles Gedächtnis gelangt. Schließ­lich gibt es noch das kinäs­the­ti­sches Gedächtnis, das Körper­be­we­gungen speichert.

Lernmethoden für Schüler und Studenten - Die verschiedenen Gedächtnisse

Das mensch­liche Gehirn hat mehrere Gedächt­nisse, die mit den einzelnen Sinnen zusam­men­hängen. Um etwas tief und fest im Gedächtnis zu verankern, sollten mehrere Gedächt­nisse gleich­zeitig genutzt werden.

Wenn ich etwas nur höre, dann wird die Sache nur in meinem auditiven Gedächtnis gespei­chert. Die Sache wird also genau einmal gespei­chert. Wenn ich diese Sache aber höre und gleich­zeitig sehe, dann wird sie doppelt abge­spei­chert. Und doppelt hält bekannt­lich besser.

Je mehr Sinne gleich­zeitig benutzt werden, umso größer ist die Verar­bei­tungs­tiefe

Je höher die Verar­bei­tungs­tiefe, umso zuver­läs­siger wird das Wissen abge­spei­chert und umso größer ist die Wahr­schein­lich­keit, dass man das gespei­cherte Wissen bei Bedarf wieder­findet. Wie man die Verar­bei­tungs­tiefe erhöht, um sich Dinge besser und schneller zu merken, beschreibe ich in meinem Artikel über Gedächt­nis­trai­ning.

Nur aktives Lernen führt zum Erfolg

Das soge­nannte Arbeits­ge­dächtnis ist ein Teil des Kurz­zeit­ge­dächt­nisses. Im Arbeits­ge­dächtnis können wir die Gedächt­nis­in­halte nicht nur zwischen­spei­chern, sondern bewusst bear­beiten. Wenn wir kopf­rechnen, dann tun wir das im Arbeits­ge­dächtnis. Auch beim logischen Denken ist das Arbeits­ge­dächtnis im Spiel.

Ohne Arbeits­ge­dächtnis kein Lang­zeit­ge­dächtnis

Der Weg ins Lang­zeit­ge­dächtnis führt durch das Arbeits­ge­dächtnis hindurch. Einen anderen Weg gibt es nicht. Wir behalten nur dieje­nigen Dinge im Lang­zeit­ge­dächtnis, über die wir bewusst nach­ge­dacht haben. Es genügt nicht, den Stoff passiv zu konsu­mieren. Wer sich nur nebenbei mit dem Stoff berieseln lässt, zum Beispiel, indem er ein Lernvideo laufen lässt, ohne mitzu­denken, wird sich nichts merken können. Lernen ist eine aktive Handlung.

Der Beweis

Hast du ein Smart­phone? Beant­worte diese Frage, ohne nach­zu­sehen: Welches Icon befindet sich auf dem Start­bild­schirm unten rechts? Statis­tiken zufolge schaut der Durch­schnitts­deut­sche 92-mal pro Tag auf sein Smart­phone. Trotzdem führt diese hohe Anzahl an Wieder­ho­lungen nicht dazu, dass wir uns die Icons auf dem Start­bild­schirm merken. Wir merken uns nur Dinge, über die wir bewusst nach­ge­dacht haben!

#6 | Wieder­ho­lung, Wieder­ho­lung, ...

Die Ameri­kaner sagen:

»Wieder­ho­lung ist die Mutter des Lernens!«

»Wieder­ho­lung ist die Mutter des Könnens!«

Das Gedächtnis ist ständig damit beschäf­tigt, alte Erin­ne­rungen wieder zu löschen. Das ist völlig normal und sinnvoll, aber wenn wir etwas mühevoll gelernt haben, wollen wir natürlich nicht, dass es wieder gelöscht wird. Die Wahr­schein­lich­keit, mit der das Gelernte nicht wieder gelöscht wird, hängt von diesen Faktoren ab:

  • Verar­bei­tungs­tiefe (Siehe Geheimnis #5)
  • Gefühle (Wenn beim Lernen Gefühle im Spiel waren, bleibt der Stoff eher im Gedächtnis)
  • Wieder­ho­lung

Durch Wieder­ho­lung signa­li­sieren wir dem Gedächtnis, dass wir den entspre­chenden Inhalt noch brauchen. Nach etwa sechs­ma­ligem Wieder­holen gilt ein Inhalt als dauerhaft gespei­chert.

In welchen Abständen sollte wieder­holt werden?

Die Abstände sollten immer länger werden. Eine Faust­formel, die man sich einfach merken kann:

  • Einmal in der nächsten Minute
  • Noch ein weiteres Mal in der nächsten Stunde
  • Noch ein weiteres Mal am gleichen Tag
  • Noch ein weiteres Mal in der gleichen Woche
  • Noch ein weiteres Mal im gleichen Monat
  • Noch ein weiteres Mal im gleichen Jahr

#7 | Konzen­triert lernen

Weiter oben (siehe Geheimnis #5) hatte ich erwähnt, dass der zu lernende Stoff nur dann ins Lang­zeit­ge­dächtnis geschrieben wird, wenn er zuvor im Arbeits­ge­dächtnis war. Doch wie bekommen wir den Stoff ins Arbeits­ge­dächtnis? Es ist ganz einfach: Wir müssen uns bewusst konzen­trieren.

Ohne Konzen­tra­tion kein effek­tives Lernen

Unsere Konzen­tra­ti­ons­fä­hig­keit bestimmt maßgeb­lich unseren Lern­er­folg. Die gute Nachricht: Mit geeig­neten Methoden und Maßnahmen kann die Konzen­tra­ti­ons­fä­hig­keit wie ein Muskel gestärkt werden. Die schlechte Nachricht: Die aller­meisten Lehrer und Dozenten wissen selbst nicht wie es geht.

Wie man die Konzen­tra­tion steigert

In meiner Arti­kel­serie zum Thema Fokus und Konzen­tra­tion stelle ich Dutzende wirksame Maßnahmen und Übungen zur Stärkung des Konzen­tra­ti­ons­mus­kels vor:

All das und noch viel mehr zum Thema Fokus und Konzen­tra­tion findest du auch in meinem Buch/Hörbuch Erfolg durch Fokus & Konzen­tra­tion.

Übersicht konkrete Lern­methoden

Auf der Basis des gewon­nenen Wissens können wir nun einige der belieb­testen Lern­me­thoden unter die Lupe nehmen.

Achtung: Dies ist keine Rangliste!

Lern­me­thode #1: Lesen

Lesen ist eine passive Lern­me­thode mit niedriger Verar­bei­tungs­tiefe und ohne Wieder­ho­lung. Die Wahr­schein­lich­keit, dass etwas von dem gelesenen Stoff ins Gedächtnis gelangt und dort­bleibt, ist gering. Lesen ist eine schlechte Lern­me­thode.

Lern­me­thode #2: Lesen und Unter­strei­chen

Lesen und Unter­strei­chen ist schon eine etwas bessere Lern­me­thode als nur zu lesen. Man muss sich Gedanken darüber machen, was man unter­strei­chen möchte und anhand der Unter­strei­chungen lässt sich der relevante Teil des Stoffs später noch einmal wieder­holen. Trotzdem ist Lesen und Unter­strei­chen keine besonders gute Lern­me­thode.

Lern­me­thode #3: Notizen machen, Schreib­denken

Wer sich in eigenen Worten Notizen macht, zwingt sich dadurch selbst zum Nach­denken. Wie gut sich diese Methode als Lern­me­thode eignet, hängt natürlich stark davon ab, wie gut die Gedanken und Notizen sind.

(Mehr über das Schreib­denken)

Lern­me­thode #4: Mindmap erstellen

Um eine Mindmap erstellen zu können, muss man sich zwangs­läufig Gedanken über den Stoff machen. Auch hier gilt wieder, dass die Ausfüh­rung der Übung letztlich darüber entscheidet, wie effektiv diese Lern­me­thode ist.

Lern­me­thode #5: Kartei­karten schreiben und lernen

Kartei­karten erst zu schreiben und dann zu lernen, ist eine Lern­me­thode, die darauf beruht, den Stoff mehrmals zu wieder­holen. Da die Verar­bei­tungs­tiefe jedoch gering ist und die Methode außerdem noch auf stumpfes Auswen­dig­lernen abzielt, anstatt den Stoff mit bereits vorhan­denem Wissen zu verknüpfen, ist diese Lern­me­thode nicht besonders effektiv.

Lern­me­thode #6: Übungen machen

Übungen zum Stoff durch­zu­führen, ist eine der besten Lern­me­thoden überhaupt.

Lern­me­thode #7: Esels­brü­cken bilden

Diese Lern­me­thode eignet sich besonders gut, um einzelne, schwer zu merkende Teile des Stoffs zu lernen. Leider ist es oft schwierig und zeit­in­tensiv, eine geeignete Esels­brücke zu finden. Wenn gute Esels­brü­cken vorge­geben werden, funk­tio­nieren diese meist sehr gut.

Lern­me­thode #8: Sprechen

Sofern in eigenen Worten gespro­chen wird – was einen dazu zwingt, über den Stoff nach­zu­denken – kann Sprechen eine gute Lern­me­thode sein. Wie gut das Sprechen als Lern­me­thode genau abschneidet, hängt natürlich maßgeb­lich davon ab, was genau gesagt wird und welche Gedanken dem Sprechen voraus­gehen.

Lern­me­thode #9: Diktieren

In vielen Fällen ist das Diktieren, zum Beispiel mithilfe der Diktier­gerät-Funktion des Smart­phones, noch besser als das Sprechen, weil es dazu animiert, dabei zu bleiben. Man schweift also nicht so schnell ab.

Lern­me­thode #10: Disku­tieren

Mit anderen Menschen über den zu lernenden Stoff zu disku­tieren, ist eine der besten Lern­me­thoden überhaupt.

Lern­me­thode #11: Selbst unter­richten

Vermut­lich die beste aller Lern­me­thoden.

Welche Lern­me­thode ist die beste?

Die ideale Lern­me­thode ist vermut­lich, den Stoff selbst zu unter­richten, und zwar an Menschen, die viele gute Fragen stellen. Ebenfalls sehr gute Lern­me­thoden sind das Bear­beiten von Aufgaben sowie das Disku­tieren mit Mitschü­lern oder Kommi­li­tonen.

Eine Sache noch

Kennst du die Geschichte vom Säger aus dem Buch Die 7 Wege zur Effek­ti­vität* von Stephen Covey?

An einem schönen Tag kommt ein Spazier­gänger an einem Mann vorbei, der gerade dabei ist, einen Baum zu zersägen. Der Säger sägt und sägt und sägt … und der Spazier­gänger sieht sofort, dass die Säge stumpf ist.

Er spricht den Säger an: »Ihre Säge ist ja total sumpf!«

Die Antwort des Sägers: »Ja, ich weiß, aber ich muss hier fertig werden und habe deswegen keine Zeit, die Säge zu schärfen!«

Ganz schön dumm, oder? An anderen Menschen fällt uns dieses dumme Verhalten sofort auf, aber in gewisser Weise sind wir alle dieser Säger. Wir arbeiten mit stumpfen Werk­zeugen und kommen deshalb nicht voran. Doch anstatt die Säge zu schärfen, machen wir immer weiter.

Weißt du, warum wir so handeln? Ich glaube, dass es an zwei Dingen liegt: Erstens bekommen wir unter Stress einen Tunnel­blick und können nicht mehr klar denken. Und zweitens tun wir einfach das, was die anderen Menschen in der gleichen Situation auch tun.

Das Para­de­bei­spiel für dieses dumme Verhalten ist das Lernen. Ich bin 13 Jahre lang zur Schule und noch einmal 5 Jahre lang zur Uni gegangen, ohne mich ein einziges Mal um meine Säge zu kümmern. Wie fast alle Schüler und Studenten habe ich jahrelang diesen Fehler gemacht: Ich habe gelernt, ohne zu wissen, wie Lernen funk­tio­niert.

Erst kürzlich wurde mir klar, wie das passieren konnte. In den ersten Jahren waren mir die Ergeb­nisse im Grunde egal. Wichtig war nur, dass ich in der Schule und zu Hause keinen Ärger bekam. Später waren meine schlechten Lern­ge­wohn­heiten so fest verankert, dass ich mir gar nicht mehr vorstellen konnte, anders zu handeln. Wie Millionen andere Schüler auch, hatte ich das Lernen falsch gelernt.

Viel­leicht denkst du jetzt, dass mir das nun ja egal sein kann – weil ich ja nie wieder lernen muss. Diese Vorstel­lung ist falsch, denn das Lernen hört niemals auf …

… und deswegen habe ich mich 2017 und 2018 endlich um meine Säge gekümmert. Besser spät als nie! Was ich über das Lernen heraus­ge­funden habe, kannst du auch für dich nutzen, denn ich habe es aufge­schrieben. In meinem neuen Buch Erfolg durch selbst­be­stimmtes Lernen.

Ich wünsche dir viel Erfolg!
Jan Höpker

Dr. Jan Höpker - Foto Autorenbox

Über Dr. Jan Höpker

Eines Tages wachte ich auf und stellte fest, dass ich über viele spannende Themen nicht nur nichts wusste, sondern nicht einmal wusste, dass ich nichts über sie wusste (trotz Studium und Promotion). Seitdem lese ich viele schlaue Bücher und mache mir Gedanken, die ich auf dieser Webseite veröf­fent­liche.

Meine Artikel gehen in die Tiefe, weil ich für Ober­fläch­lich­keit keine Zeit habe. Warum die Seite HabitGym heißt? Weil es nicht darum geht, Dinge nur zu wissen, sondern Wissen auch anzu­wenden, was einiger Übung bedarf. Auch Geld ist nur ein Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger. Zurzeit arbeite ich übrigens an meiner zweiten Million – die erste Million hat leider nicht geklappt ;)

Schließe dich meinen rund 2.000 News­letter-Abon­nenten an, um mehr über mich und all die span­nenden Themen zu erfahren, von denen du viel­leicht noch nicht einmal weißt, dass du nichts über sie weißt ...

P.S.: Mitt­ler­weile habe ich selbst einige Bücher geschrieben (siehe hier).

Meine Bücher

(*) Die mit Sternchen gekenn­zeich­neten Links sind soge­nannte Affiliate-Links. Wenn du auf einen Affiliate-Link klickst und anschlie­ßend bei Amazon einkaufst, erhalte ich eine geringe Provision, die einen Teil meiner Server­kosten deckt. Für dich verändert sich der Preis natürlich nicht. Keine Sorge, dies ist keine Verkaufs­seite. Ich empfehle nur Bücher, die ich wirklich gelesen habe und die mich weiter­ge­bracht haben.

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6 Antworten auf Lern­me­thoden – die 7 Geheim­nisse der besten Schüler und Studenten

  1. AvatarKarin sagt:

    Hallo Jan,
    schöne Seite, intor­mativ, gut zusam­men­ge­fasst und alles drin was man erst mal braucht um loszu­legen. Nicht jeder möchte über das Lernen selbst so viel lernen, sondern einfach nur wissen, wie er sich selbst helfen kann. Das genau vermit­telt deine Seiten. Spitze.
    Aber ich hab auch eine kleine Anmerkung: Bei deiner Rechnung kommst du bei 20% Stei­ge­rung pro Stufe zu einer Gesamt­stei­ge­rung um 73%. Nach deinen eigenen Rechen­bei­spielen kommt aber 8% raus (0,2*0,2*0,2=0,08). Das ist in sofern richtig doof, denn in dem Moment denkt man »Was? Das ist Quatsch! Ist der Artikel es dann überhaupt wert weiter­ge­lesen zu werden?« Ich bin sehr froh, dass ich den Artikel weiter gelesen habe, denn der Rest ist, wie schon erwähnt, sehr gut.
    Viel­leicht möchtest du da was ändern ;-)
    Grüße aus Berlin
    Karin

    • AvatarJan sagt:

      Hallo Karin,
      Es freut mich, zu hören, dass dir die Seite gefällt. Danke auch für das Feedback zur Rechnung. Für mich ist die Rechnung nicht falsch, aber viel­leicht schlecht erklärt? Die Rechnung besteht aus zwei Schritten. In Schritt 1 rechne ich aus, wie effizient das Lernen mit 50 % und 60 % auf jeder Stufe insgesamt ist, und in Schritt 2 vergleiche ich die beiden Ergeb­nisse aus Schritt 1 und komme dabei auf einen Unter­schied von 73 %. Wer die Effizienz also auf jeder Stufe um 20 % steigert, steigert sich insgesamt um 73 %.
      Viele Grüße,
      Jan

  2. AvatarIrina sagt:

    Ich beginne mit 38 Jahren nun eine Umschu­lung und beschäf­tige mich daher intensiv mit Lern­me­thoden, Lern­mo­ti­va­toren und Tipps hierzu.
    Danke für diesen guten Artikel!
    Ich bin schließ­lich über 22 Jahre aus der Schule raus und möchte einen guten IHK Abschluß erzielen.

  3. Hallo Jan,

    Das ist ein wirklich sehr schöner, umfang­rei­cher und infor­ma­tiver Beitrag rund ums Lernen!

    Abschnitt Nr.5 hat mir am besten gefallen und die Augen geöffnet, da ich norma­ler­weise immer gelesen hatte, man solle sich auf einen der 4 Lerntypen konzen­trieren, der einem am besten liegt. Aber wie es scheint und macht ja irgendwie auch Sinn, ist das doch nicht die richtige Art zum Lernen.

    Alles Gute und weiter so!

    Dawid

    • AvatarJan sagt:

      Hallo Dawid,
      Danke für die Blumen und fürs Kommen­tieren :) Bei mir hat es auch lange gedauert, bis mir die Sache mit den Lerntypen klar wurde. Es ist durchaus gut, dem eigenen Lerntyp entspre­chend zu lernen, aber es ist noch besser, wenn man mit einer Lern­me­thode lernt, bei der viele Kanäle genutzt werden.
      Dir auch alles Gute und weiterhin viele Erfolg,
      Jan

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