Die 7 besten Lerntipps für Schüler und Studenten

Lerntipps - effektive Lerntipps für Studenten und SchülerLerntipps gibt es wie Sand am Meer. Jeder hat irgend­einen Tipp parat. Eine Sammlung mit 20, 30 oder sogar 100 Lerntipps wäre schnell zusammen­getragen.

Die meisten Tipps sind aber wenig hilfreich, und große Mengen an Ratschlägen über­for­dern und demo­ti­vieren.

Wer effektiv und mit Erfolg lernen möchte, braucht nicht viele sondern effektive Ratschläge. Für diesen Artikel habe ich die große Menge an Lerntipps auf die 7 nütz­lichsten Tipps einge­dampft.

(Übrigens: Die Inhalte dieses Artikels stammen aus meinem Buch Erfolg durch selbst­be­stimmtes Lernen.)

Man braucht nicht viele, sondern gute Tipps

Die Pareto-Regel erklärt, warum man ein gewünschtes Ergebnis mit nur 20% des Aufwandes bereits zu 80% erreichen kann.

In der Theorie wäre man mit vielen Lerntipps knapp besser bedient als mit wenigen guten Lerntipps.

Aber.

In der Praxis gelten andere Regeln

Das Pareto Prinzip gilt nur unter der Voraus­set­zung, dass man eine große Menge Lerntipps genauso effektiv umsetzen kann wie eine kleine Menge.

In der Praxis ist diese Voraus­set­zung nicht erfüllt.

Während sich 7 Lerntipps noch eini­ger­maßen verlust­frei umsetzen lassen, wäre man mit 35 Lerntipps garan­tiert über­for­dert. Es käme zu Reibungs­ver­lusten, und dadurch würde der ohnehin nur sehr kleine theo­re­ti­sche Vorteil von 35 Lerntipps wieder zerstört werden.

Die 7 effek­tiv­sten Lerntipps

Die folgende Auflis­tung enthält die meiner Meinung nach effek­tivsten Lerntipps in abstei­gender Reihen­folge: Der effek­tivste Tipp steht oben, der zweit­beste Tipp steht an zweiter Stelle, usw.

#1 | Erkläre deinen Schlaf zur höchsten Priorität

Wenn Menschen viel zu tun haben, dann neigen sie dazu, am Schlaf zu sparen. Sie glauben, dass sie für jede Stunde, die sie weniger schlafen, tagsüber eine Stunde mehr Zeit haben.

Diese Rechnung geht nicht auf.

Wer in einer Lernphase am Schlaf spart, schießt sich nicht nur selbst ins Knie, sondern in den Kopf!

Der Schlaf selbst ist einer der wich­tigsten Bestand­teile des Lernens, denn was wir heute lernen, wird erst im Schlaf in unser Lang­zeit­ge­dächtnis über­tragen. (Sämtliche Inhalte des Kurz­zeit­ge­dächt­nisses verblassen über Nacht.)

Je kürzer und schlechter wir schlafen, umso weniger des Gelernten kommt im Lang­zeit­ge­dächtnis an.

#2 | Definiere deine Lebens­ziele

Aufwand: Einmalig etwa 30 Minuten.

Kosten: Keine.

Wirkung: Verbes­se­rung um mindes­tens eine halbe Note (in allen Fächern und viel­leicht für den Rest des Lebens).

Sämtliche Lern­er­geb­nisse (und damit auch die Noten) werden dauerhaft deutlich besser, sobald man ein persön­li­ches lang­fris­tiges Ziel hat.

Inter­es­san­ter­weise muss dieses Ziel weder mit dem zu lernenden Stoff zu tun haben, noch muss es sich überhaupt um ein Lernziel handeln. Es geht einzig und allein darum, ein eigenes Ziel im Leben zu haben.

(Wie du dein persön­li­ches Ziel findest, erkläre ich in diesem Artikel.)

Dieser Tipp beruht auf einem psycho­lo­gi­schen Effekt, der in dem folgenden Video von dem bekannten Gehirn­for­scher Prof. Dr. Manfred Spitzer erklärt wird.

#3 | Verhin­dere Ablen­kungen bevor sie ablenken

Aufwand: Einmalig etwa 30 Minuten.

Kosten: Maximal 30 € pro Jahr.

Wirkung: Kann den täglichen Lern­auf­wand um Stunden redu­zieren.

Konzen­triere dich!

Lasse dich nicht ablenken!

Diese gut gemeinten Ratschläge erhalten viele Schüler von ihren Eltern und Lehrern. Spätes­tens im Studium ist man für seine Konzen­tra­tion selbst verant­wort­lich.

Leider haben die meisten Menschen niemals gelernt wie man Konzen­tra­tion erzeugt.

Fast alle Menschen machen den gleichen Fehler

Der Fehler besteht darin, gegen Ablen­kungen anzu­kämpfen indem man sich bemüht diese zu igno­rieren.

Wer so vorgeht kann nur verlieren.

Große Willens­an­stren­gungen ermüden den Konzen­tra­ti­ons­muskel

Selbst wenn es uns gelingt, den Ablen­kungen durch Willens­an­stren­gung zu trotzen, ermüdet unsere Konzen­tra­tion deutlich schneller als nötig!

Zu diesem Ergebnis kam eine Studie, die unter­sucht hatte, wie sehr die Konzen­tra­tion leidet wenn poten­ti­elle Ablen­kungen in Reich­weite sind.

Ein Smart­phone wirkt sich auch dann negativ auf die Konzen­tra­tion aus, wenn es im Flugmodus und mit dem Display nach unten auf dem Tisch liegt!

Für viele andere poten­ti­elle Ablen­kungen gilt das gleiche.

Um poten­ti­elle Ablen­kungen wirklich unschäd­lich zu machen, sollte man sich ein Beispiel am grie­chi­schen Helden Odysseus nehmen, der sich an den Mast seines Schiffes binden ließ, weil er wusste, dass sein Wille zu schwach sein würde, um dem Gesang der Sirenen wider­stehen zu können.

(Wie man die Odysseus-Methode mit einer App auf das konzen­trierte Lernen und Arbeiten überträgt, erkläre ich in diesem Artikel.)

#4 | Lerne mit gehirn­ge­rechten Lern­me­thoden

Aufwand: Einmalig etwa 30 Minuten (um die Methoden zu recher­chieren).

Kosten: Keine.

Wirkung: Kann den Spaß am Lernen steigern und den täglichen Lern­auf­wand deutlich redu­zieren.

Das Gedächtnis ist kein Video­re­korder

Im Gedächtnis werden nur ganz bestimmte Inhalte unter ganz bestimmten Bedin­gungen dauerhaft gespei­chert.

Passe deine Lern­ge­wohn­heiten entspre­chend an.

(Unter welchen Bedin­gungen dein Gehirn am effek­tivsten lernt, erkläre ich in meinem Artikel über Lern­me­thoden.)

#5 | Plane Pausen ein

Aufwand: Etwa 5 Minuten Pause pro 30 Minuten Lernzeit.

Kosten: Keine.

Wirkung: Spart unterm Strich mehr Zeit ein als es kostet.

Die meisten Schüler und Studenten wollen das Lernen möglichst schnell hinter sich bringen. Pausen scheinen das Lernen unnötig zu verlän­gern. Kein Wunder, dass sie erst dann eine Lernpause einlegen, wenn sie bereits erschöpft sind.

Das ist keine gute Idee.

Die Devise «länger ist besser» gilt beim Lernen nicht!

Plane deine Erho­lungs­pausen im Voraus und halte dich auch dann an deinen Plan wenn du dich noch fit fühlst.

Inter­es­san­ter­weise äußert sich eine mentale Erschöp­fung oft gerade dadurch, dass man eine anste­hende Pause für nicht notwendig hält. Du brauchst die Pause also insbe­son­dere dann, wenn du sie für unnötig hältst ;)

Wichtig: Den Konzen­tra­ti­ons­muskel in den Pausen unbedingt entspannen. Computer und Smart­phone sind tabu!

#6 | Verschaffe dir zuerst einen Überblick

Das Gedächtnis ist nicht dazu in der Lage, Wissen zu speichern, welches sich nicht in irgend­einer Weise an das bereits vorhan­dene Wissen anknüpfen lässt.

Wenn wir eine neue Sprache lernen, fallen uns die aller­ersten Vokabeln besonders schwer.

Je mehr wir über ein Themen­ge­biet bereits wissen, umso mehr Anknüp­fungs­punkte gibt es in unserem Gedächtnis und umso leichter können wir uns Neues merken.

Anstatt ein neues Themen­ge­biet der Reihe nach zu lernen, empfiehlt es sich, zunächst nach Anknüp­fungs­punkten zu suchen.

Lies den neuen Stoff zunächst einmal quer

So wird dein Vorwissen aktiviert («priming») und einige neue Inhalte, die sich an dein Vorwissen anknüpfen lassen, werden bereits verknüpft.

Dabei entstehen neue Anknüp­fungs­punkte, die du beim zweiten Durchgang durch den Stoff bereits nutzen kannst.

Erstelle dann einen effek­tiven Lernplan

Während du deinen Lernplan erstellst, entstehen wieder neue Anknüp­fungs­punkte. Dadurch wird das Lernen in Zukunft noch einfacher.

Ein Lernplan erleich­tert dir das Lernen auch dann, wenn du dich am Ende gar nicht an ihn hältst ;)

(In einem anderen Artikel habe ich bereits ausführ­lich über den 5-Schritte-Lernplan geschrieben. Dort erfährst du, wie man einen effek­tiven Lernplan erstellt.)

#7 | Falle nicht auf Lern-Mythen herein

Einige Unter­nehmen haben Lern­my­then in die Welt gesetzt, um nutzlose Produkte an Studenten, Schüler und besorgte Eltern verkaufen zu können.

Wer sich an die in diesem Artikel beschrie­benen Tipps hält, braucht keine Nahrungs­er­gän­zungs­mittel, Trau­ben­zu­cker, Ener­gy­drinks oder Lern-Apps, um effektiv lernen zu können.

Man muss auch nicht gemäß seines Lerntyps lernen.

Falle nicht auf diese Masche herein!

Die optimalen Lern­bedingungen

Viel­leicht bist du über­rascht, dass viele der 7 Lerntipps gar nicht direkt mit dem Lernen zu tun haben.

Dafür gibt es einen einfachen Grund:

Unter den richtigen Bedin­gungen lernt das Gehirn fast wie von selbst. Die Kunst besteht letztlich darin, diese Bedin­gungen herzu­stellen.

Leider ist das gar nicht so einfach.

Obwohl es «nur» 7 Tipps sind, gibt es doch einiges zu beachten, und die meisten Menschen haben einge­schlif­fene Gewohn­heiten, die ihnen im Weg stehen. (Viele dieser Gewohn­heiten haben wir der Schule zu verdanken.)

Baue eine Strategie für die prak­ti­sche Umsetzung

Effektive Lerntipps zu kennen bringt gar nichts.

Man muss sie auch anwenden!

Dass es in der Praxis so schwer ist, die Tipps anzu­wenden und optimale Lern­be­din­gungen herzu­stellen, liegt vor allem daran, dass man das Ziel größ­ten­teils nur über Umwege erreichen kann.

  • Sich in stres­sigen Phasen vorzu­nehmen, mehr zu schlafen, führt nur selten dazu, dass man auch tatsäch­lich früher ins Bett geht
  • Sich vorzu­nehmen, regel­mäßig Erho­lungs­pausen einzu­legen, führt bei vielen Menschen nicht dazu, dass sie sich an ihren Plan halten

Um nur einige der vielen Probleme zu nennen.

Erschwe­rend kommt noch hinzu, dass viele neue Gewohn­heiten gleich­zeitig zu imple­men­tieren sind.

Mein Tipp #8 lautet daher:

Baue dir ein für alle Mal eine effektive Strategie, und du wirst für den Rest deines Lebens davon profi­tieren!

  • Wie sieht deine optimale Lern­stra­tegie aus?
  • Welche Lern­be­din­gungen brauchst du?
  • Wie bringst du dich dazu, dich an deine Strategie zu halten?
  • Wie erreichst du, dass du ehrlich zu dir selbst bist?

Am besten baust du deine Strategie nicht während der Lernphase, sondern in einer ruhigen Phase deines Lebens – zum Beispiel in den Ferien. Das entspre­chende Hinter­grund­wissen findest du in meinem Buch Erfolg durch selbst­be­stimmtes Lernen.

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Dr. Jan Höpker - Foto Autorenbox

Über Jan Höpker

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2 Antworten auf Die 7 besten Lerntipps für Schüler und Studenten

  1. Thomas sagt:

    Zu 7. würde ich jedoch schon sagen, dass es unter­schied­liche Lerntypen gibt, das spielt dann auch in Punkt 3. wieder etwas herein.
    Manche Leute können einfach ziemlich gut auswendig lernen und auch abstrakte Dinge ohne Vorwissen verin­ner­li­chen. Oft haben diese Leute meiner Meinung nach in der Schule ganz gute Karten, da man dort meistens auch nicht vom Groben ins Kleine hinein lernt, sondern doch relativ stur nach Vorgabe.

    Mein Fall war das nie, z.B. hat mir in Mathe­matik immer der Zusam­men­hang gefehlt, wozu man in der echten Arbeits­welt die konrekte Mathe­auf­gabe überhaupt brauchen kann. Wenn man dann erst einmal im natur­wis­sen­schaft­li­chen Umfeld arbeitet, dann sieht das ganz anders aus; da wird einem erst bewusst, wofür man Mathe alles gebrau­chen kann.
    Ob man also klein­tei­lige Aufgaben direkt am Anfang abar­beiten möchte, oder vor dem Lernen sich ersteinmal ein Überblick über das Gesamte machen will, hängt schon ein wenig vom Lernenden ab – ich würde also schon sagen, dass es Lern­stra­te­gien gibt, welche indi­vi­duell viel oder eher wenig nützen!

    Viele Grüße
    Thomas

    • Jan sagt:

      Hallo Thomas,

      Vielen Dank für deinen inter­es­santen Input. Ich glaube auch, dass Menschen auf unter­schied­liche Weise lernen. Das mit den Lerntypen (Punkt 7) war anders gemeint und ich hoffe, dass ich das in meinem Artikel über Lerntypen auch rüber­bringen konnte :)

      Viele Grüße,
      Jan