7 außer­ge­wöhn­lich effektive Lerntipps für Schüler und Studenten

Zuletzt aktua­li­siert am 29. Juni 2019 von Dr. Jan Höpker.

Lerntipps gibt es ohne Ende, denn jeder hat irgend­einen Tipp parat. Die meisten Ratschläge sind jedoch nicht wirklich hilfreich, und ein Berg an Ratschlägen schadet mehr, als er nutzt. Wer besser lernen möchte, braucht nicht viele, sondern effektive Maßnahmen. Im Folgenden stelle ich sieben besonders wirksame Lerntipps vor.

Lerntipps - effektive Lerntipps für Studenten und Schüler

Was macht einen effek­tiven Lerntipp aus? Sein poten­zi­eller Nutzen ist groß, der Aufwand gering. Es folgen die effek­tivsten Lerntipps in abstei­gender Reihen­folge.

Lerntipp #1 | Erkläre deinen Schlaf zur höchsten Priorität

In stres­sigen Zeiten sparen viele Schüler und Studenten an ihrem Schlaf. Sie gehen davon aus, dass sie so mehr Zeit zum Lernen haben. Diese Taktik geht aber nicht auf, im Gegenteil: Am Schlaf zu sparen, ist sogar höchst kontra­pro­duktiv.

Wer in einer Lernphase am Schlaf spart, schießt sich selbst ins Knie!

Schlaf ist viel­leicht der wich­tigste Part des Lernens, denn was wir heute lernen, wird erst beim nächsten Mal schlafen in unser Lang­zeit­ge­dächtnis über­tragen. Je kürzer und schlechter wir schlafen, umso weniger des Gelernten kommt im Lang­zeit­ge­dächtnis an.

Lerntipp #2 | Definiere deine Lebens­ziele

  • Aufwand: einmalig etwa 30 Minuten.
  • Kosten: keine.
  • Wirkung: Verbes­se­rung um mindes­tens eine halbe Note (in allen Fächern und viel­leicht für den Rest des Lebens).

Sämtliche Lern­er­geb­nisse (und damit auch die Noten) werden dauerhaft deutlich besser, sobald man ein persön­li­ches lang­fris­tiges Ziel hat. Es handelt sich um einen psycho­lo­gi­schen Effekt, der in dem folgenden Video von dem bekannten Gehirn­for­scher Prof. Dr. Manfred Spitzer erklärt wird:

Inter­es­san­ter­weise muss das persön­liche lang­fris­tige Ziel gar nichts mit dem zu lernenden Stoff zu tun haben. Es geht einzig und allein darum, irgendein eigenes Ziel im Leben zu haben. Wie du dein persön­li­ches Ziel findest, erkläre ich in diesem Artikel.

Lerntipp #3 | Verhin­dere Ablen­kungen, bevor sie ablenken

  • Aufwand: einmalig etwa 30 Minuten.
  • Kosten: maximal 30 € pro Jahr.
  • Wirkung: Kann den täglichen Lern­auf­wand um Stunden redu­zieren.

»Konzen­triere dich doch mal!«

»Lasse dich doch nicht ständig ablenken!«

Schüler kennen diese gut gemeinten Ratschläge nur zu gut. Studenten werden nicht mehr so häufig zur Konzen­tra­tion ermahnt; sie sind selbst verant­wort­lich. Leider haben die meisten Schüler und Studenten niemals gelernt, was sie ganz konkret tun müssen, um konzen­trierter zu sein.

Im Umgang mit Ablen­kungen machen fast alle Menschen immer wieder den gleichen Fehler: Sie kämpfen gegen Ablen­kungen, indem sie sich willent­lich bemühen, diese zu igno­rieren. Doch wer so vorgeht, kann nur verlieren.

Willens­an­stren­gung geht zulasten der Konzen­tra­ti­ons­fä­hig­keit

Selbst wenn es gelingt, den Ablen­kungen mit purer Willens­an­stren­gung zu wider­stehen, ermüdet die Konzen­tra­ti­ons­fä­hig­keit schneller als nötig. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Univer­sität Chicago, die unter­sucht hatte, wie sehr die Konzen­tra­tion leidet, wenn poten­zi­elle Ablen­kungen in Reich­weite sind.

Ein Smart­phone wirkt sich auch dann negativ auf die Konzen­tra­tion aus, wenn es im Flugmodus und mit dem Display nach unten auf dem Tisch liegt!

Für viele andere poten­zi­elle Ablen­kungen gilt sehr wahr­schein­lich das Gleiche. Wer Ablen­kungen unschäd­lich machen möchte, ohne dabei wertvolle Energie zu verschwenden, sollte sich ein Beispiel am grie­chi­schen Helden Odysseus nehmen. Odysseus ließ sich an den Mast seines Schiffes fesseln, weil er wusste, dass sein Wille zu schwach sein würde, um dem Gesang der Sirenen zu wider­stehen.

Wie man die »Odysseus-Methode« mithilfe einer App auf das konzen­trierte Lernen und Arbeiten überträgt, erkläre ich in diesem Artikel.

Lerntipp #4 | Lerne mit gehirn­ge­rechten Lern­me­thoden

  • Aufwand: einmalig etwa 30 Minuten (um die Methoden zu recher­chieren).
  • Kosten: keine.
  • Wirkung: Kann den Spaß am Lernen steigern und den täglichen Lern­auf­wand deutlich redu­zieren.

Das Lang­zeit­ge­dächtnis speichert nur bestimmte Inhalte und das auch nur unter bestimmten Bedin­gungen. Das Gedächtnis ist selektiv. Passe deine Lern­ge­wohn­heiten an dieses Natur­ge­setz an. Unter welchen Bedin­gungen dein Gehirn am effek­tivsten lernt, erkläre ich in meinem Artikel über effektive Lern­me­thoden.

Lerntipp #5 | Plane Pausen im Voraus

  • Aufwand: etwa 5 Minuten Pause pro 30 Minuten Lernzeit.
  • Kosten: keine.
  • Wirkung: Spart unterm Strich mehr Zeit ein, als es kostet.

Die meisten Schüler und Studenten wollen das Lernen möglichst schnell hinter sich bringen, und Pausen scheinen das Leiden nur unnötig zu verlän­gern. Kein Wunder, dass sie erst dann eine Lernpause einlegen, wenn sie bereits völlig erschöpft sind. Das ist keine gute Idee.

Die Devise »länger ist besser« gilt beim Lernen nicht!

Plane deine Erho­lungs­pausen im Voraus und halte dich auch dann an deinen Plan, wenn du dich noch fit fühlst (verwende die Pomoroto-Technik). Inter­es­san­ter­weise äußert sich eine mentale Erschöp­fung oft gerade dadurch, dass man eine anste­hende Pause für unnot­wendig hält. Du brauchst die Pause also insbe­son­dere dann, wenn du sie für unnötig hältst.

Du solltest deinen Konzen­tra­ti­ons­muskel in den Pausen unbedingt entspannen. Computer und Smart­phone sollten tabu sein.

Lerntipp #6 | Verschaffe dir zuerst einen Überblick

Das Gedächtnis ist extrem schlecht darin, Wissen dauerhaft zu speichern, welches sich nicht in irgend­einer Weise an das bereits vorhan­dene Wissen anknüpfen lässt (mehr dazu). Wenn wir eine neue Sprache lernen, fallen uns die aller­ersten Vokabeln daher besonders schwer. Im Umkehr­schluss: Je mehr Wissen wir auf einem bestimmten Themen­ge­biet schon haben, umso mehr Anknüp­fungs­punkte gibt es und umso leichter können wir uns Neues merken.

Anstatt ein neues Themen­ge­biet der Reihe nach zu lernen, empfiehlt es sich, zunächst nach Anknüp­fungs­punkten zu suchen.

Lies den neuen Stoff zunächst einmal quer ...

So wird dein Vorwissen aktiviert (»priming«) und einige neue Inhalte, die sich an dein Vorwissen anknüpfen lassen, werden bereits verknüpft. Dabei entstehen einige neue Anknüp­fungs­punkte, die du beim zweiten Durchgang durch den Stoff nutzen kannst.

... und erstelle dann einen effek­tiven Lernplan

Während du deinen Lernplan erstellst, entstehen wieder neue Anknüp­fungs­punkte. Dadurch wird das Lernen in Zukunft noch einfacher. Ein Lernplan erleich­tert dir das Lernen auch dann, wenn du dich am Ende gar nicht an ihn hältst. Wie man einen effek­tiven Lernplan erstellt, sodass man schon bei der Erstel­lung des Lernplans lernt, erkläre ich in diesem Artikel.

Lerntipp #7 | Falle nicht auf Lern-Mythen herein

Einige Experten, Autoren und Unter­nehmen haben Lern­my­then in die Welt gesetzt, um nutzlose Produkte an Studenten, Schüler und besorgte Eltern verkaufen zu können. Wer sich an die in diesem Artikel beschrie­benen Tipps hält, braucht keinen neumo­di­schen Firlefanz, um effektiv lernen zu können.

Wie du ins Handeln kommst

Dass die effek­tivsten Lerntipps nur am Rande mit dem Lernen zu tun haben, hat einen einfachen Grund:

Unter den richtigen Bedin­gungen lernt das Gehirn fast wie von selbst. Die Kunst besteht letztlich darin, diese Bedin­gungen herzu­stellen.

Leider ist das gar nicht so einfach, denn es gilt einiges zu beachten, und viele Schüler und Studenten haben einge­schlif­fene Gewohn­heiten, die ihnen im Weg stehen. Der aller­wich­tigste Lerntipp lautet daher:

Lerntipp #8 | Erstelle einen Plan für die prak­ti­sche Umsetzung

Effektive Lerntipps zu kennen, bringt gar nichts, denn die Ratschläge müssen praktisch umgesetzt werden. Am besten du baust dir ein für alle Mal eine effektive Lern­stra­tegie, von der du für den Rest deines Lebens profi­tieren kannst.

  • Wie sieht deine optimale Lern­stra­tegie aus?
  • Welche Lern­be­din­gungen brauchst du?
  • Wie bringst du dich dazu, dich an deine Strategie zu halten?
  • Wie erreichst du, dass du ehrlich zu dir selbst bist?

Am besten du erstellst deine Strategie in einer entspannten Phase deines Lebens, zum Beispiel in den Ferien. Das entspre­chende Hinter­grund­wissen findest du in meinen Artikel und in meinem Buch Erfolg durch selbst­be­stimmtes Lernen.

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Über Dr. Jan Höpker

Eines Tages bin ich aufge­wacht und habe fest­ge­stellt, dass ich über viele spannende Dinge nicht nur nichts wusste, sondern dass ich nicht einmal wusste, dass ich nichts wusste (trotz Studium und Promotion). Seitdem lese ich viele Bücher und mache mir Gedanken, die ich auf dieser Webseite veröf­fent­liche.

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2 Antworten auf 7 außer­ge­wöhn­lich effektive Lerntipps für Schüler und Studenten

  1. AvatarThomas sagt:

    Zu 7. würde ich jedoch schon sagen, dass es unter­schied­liche Lerntypen gibt, das spielt dann auch in Punkt 3. wieder etwas herein.
    Manche Leute können einfach ziemlich gut auswendig lernen und auch abstrakte Dinge ohne Vorwissen verin­ner­li­chen. Oft haben diese Leute meiner Meinung nach in der Schule ganz gute Karten, da man dort meistens auch nicht vom Groben ins Kleine hinein lernt, sondern doch relativ stur nach Vorgabe.

    Mein Fall war das nie, z.B. hat mir in Mathe­matik immer der Zusam­men­hang gefehlt, wozu man in der echten Arbeits­welt die konrekte Mathe­auf­gabe überhaupt brauchen kann. Wenn man dann erst einmal im natur­wis­sen­schaft­li­chen Umfeld arbeitet, dann sieht das ganz anders aus; da wird einem erst bewusst, wofür man Mathe alles gebrau­chen kann.
    Ob man also klein­tei­lige Aufgaben direkt am Anfang abar­beiten möchte, oder vor dem Lernen sich ersteinmal ein Überblick über das Gesamte machen will, hängt schon ein wenig vom Lernenden ab – ich würde also schon sagen, dass es Lern­stra­te­gien gibt, welche indi­vi­duell viel oder eher wenig nützen!

    Viele Grüße
    Thomas

    • AvatarJan sagt:

      Hallo Thomas,

      Vielen Dank für deinen inter­es­santen Input. Ich glaube auch, dass Menschen auf unter­schied­liche Weise lernen. Das mit den Lerntypen (Punkt 7) war anders gemeint und ich hoffe, dass ich das in meinem Artikel über Lerntypen auch rüber­bringen konnte :)

      Viele Grüße,
      Jan