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Dr. Jan Höpker

Aktualisiert am 23. August 2021


Wie können Menschen geändert werden – andere Menschen und man selbst? Wie können Menschen dazu gebracht werden, ihr Verhalten zu ändern – ohne Zwang? In diesem Artikel möchte ich ein einfaches Modell vorstellen, das Verhaltensänderungen einfacher macht. Es stammt aus dem sehr zu empfehlenden Buch Switch* von Chip und Dan Heath

Menschen ändern mit dem Reiter-Elefant-Weg-Modell

Das schöne am Reiter-Elefant-Weg-Modell ist, dass es einprägsam und selbsterklärend ist.

Genau da liegt meiner Meinung nach der Schwachpunkt vieler Selbsthilfebücher über persönliche Veränderung: Sie sind unkonkret und schwammig. Switch ist anders.

Die Veränderungssituation wird durch einen Reiter auf einem Elefanten repräsentiert

Das Verhalten von Menschen zu ändern, bedeutet, den Elefanten samt Reiter in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Der Reiter steht für das Bewusstsein des Menschen, und der Elefant repräsentiert das Unbewusste.

Beide Protagonisten haben Stärken und Schwächen:

Stärken und Schwächen des Reiters

Die Stärke des Reiters ist seine Fähigkeit, vorauszuschauen und zu planen. Der Reiter kann Belohnungen aufschieben und Probleme kommen sehen.

Die Schwächen des Reiters sind seine begrenzte Ausdauer und, dass er dazu neigt, sich zu verzetteln. Der Reiter denkt lieber noch eine Weile lang nach, bevor er endlich ins Handeln kommt.

Stärken und Schwächen des Elefanten

Die Stärken des Elefanten sind seine ungeheure Kraft und Ausdauer. Der Elefant kann durch Wände gehen.

Leider kann der Elefant aber weder planen, noch vorausschauen. Sein Verhalten wird von Trieben bestimmt, und er lässt sich von Belohnungen leicht ablenken.

Einen Menschen ändern, heißt den Elefanten zu bewegen

Dabei kann man an drei Rädchen drehen. Das dritte Rädchen ist der berittene Weg.

Dieser dritte Faktor wird oft übersehen, was mit dem sogenannten fundamentalen Attributionsfehler erklärt werden kann.

Wir Menschen neigen dazu, die Ursache für ein bestimmtes Verhalten fast immer nur in den Köpfen der Menschen vermuten. Der Situation trauen wir nur wenig Macht zu.

In Wahrheit ist aber umgekehrt: In vielen Fällen ist unser Verhaltensrepertoire durch die Situation stark eingeschränkt. Wir sind Sklaven der Situation, in der wir uns befinden.

Wie man dauerhafte Veränderungen anstößt

Eine dauerhafte Veränderung ist umso wahrscheinlicher, je mehr Hebel in Bewegung gesetzt werden.

Angesichts der Tatsache, dass etwa 90 % aller guten Vorsätze auf Dauer scheitern, tut man gut daran, alle zur Verfügung stehenden Knöpfe zu drücken.

1. Maßnahme: den Reiter informieren

Um sinnvoll planen und vorausschauen zu können, braucht der Reiter Informationen.

Der Reiter braucht klare Anweisungen, was in welcher Situation zu tun ist.

2. Maßnahme: den Elefanten motivieren

Der Elefant braucht einen Anreiz, um sich in eine bestimmte Richtung zu bewegen.

Der Anreiz muss die Bedürfnisse des Elefanten ansprechen.

3. Maßnahme: den Weg ebnen

Der Elefant wird lieber bergauf, als bergab laufen, vor Gräben und Hindernissen schreckt er zurück. Diese Tatsachen sollten zielführend ausgenutzt werden.

Durch die Gestaltung des Weges sollte es dem Elefanten möglichst leicht gemacht werden, in die gewünschte Richtung zu laufen, während die unerwünschte Richtung versperrt werden sollte.

Die Wahrscheinlichkeit für eine dauerhafte Veränderung ist dann am größten, wenn alle drei Hebel gleichzeitig in Bewegung gesetzt werden

Die meisten Menschen betätigen nur einen der Hebel

Vermutlich ist das der Hauptgrund, warum etwa 90 % aller guten Vorsätze langfristig scheitern.

Anhand des Reiter-Elefant-Weg-Modells werden in dem Buch Switch* ganz verschiedene Veränderungssituationen besprochen.

An verschiedenen Stellen fließen weitere kluge Konzepte und Taktiken ein.

Das Buch ist ein absolutes Muss für jeden, der nicht auf der Stelle treten möchte, denn sich selbst ändern zu können, ist eine Grundvoraussetzung für die bewusste Persönlichkeitsentwicklung.

Dr. Jan Höpker ist Wissenschaftler, Autor und Gründer der Websites HabitGym und Der perfekte Ratgeber. Mit seinem Buch Erfolg durch Fokus & Konzentration hat er bis heute mehr als 20.000 Leser erreicht und ihnen dabei geholfen, fokussierter zu leben, zu lernen und zu arbeiten.

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  • Vielen Dank Jan. Veränderung im eigenen Leben schaffen: Der Weg, auf dem ich gehe ist als gleichberechtigter Faktor zu den bewussten Aspekten, vornehmlich des Wollens, Denkens und Handelns anzunehmen? Die unbewussten Aspekte aus Empfindungen und Erinnerungen ebenso. Kann es die eine oder andere Zielsetzung blockieren, weil es mitunter so ist, dass das angestrebte Ziel nicht auf dem eingeschlagenen Lebensweg liegt? Kann ein Ziel, was abseis oder weit ab von dem jetzigen Lebensweg liegt, überhaupt eine Chance eingeräumt werden? Ich finde es wertvoll über den Ausgangspunkt einer Lebensveränderung nachzudenken und besonders auch mit dem Elefanten nachzuempfinden, wo ich gerade stehe und mit welchem Kraftaufwand die Reise zu jedwedem Ziel verbunden wäre. Liebe Grüße von Karin

    • Hallo Karin,

      Danke für deinen Kommentar. Mit »Weg« ist in dem Buch nicht der Lebensweg gemeint. Es geht dabei ganz konkret um die äußeren Bedingungen.

      Wenn jemand beispielsweise abnehmen möchte, dann sind die Lebensmittelvorräte und Mitmenschen der »Weg«. All diese Sachen haben einen Einfluss auf den Erfolg. Wenn keine ungesunden Versuchungen in Form von Süßigkeiten in den Schränken vorhanden sind, steigt die Erfolgswahrscheinlichkeit. Wenn unsere Mitmenschen ein Auge auf uns haben und uns in schwachen Momenten unterstützen, steigt die Erfolgswahrscheinlichkeit.

      Viele Grüße,
      Jan

  • Hey Jan,

    das ist echt ein gutes Bild! :) Im ersten Moment denkt man »Ja, klar muss ich das so machen..« Aber wenn man wirklich mal eine Situation damit durchspielt, merkt man, dass man vielleicht einen oder zwei Faktoren vergessen hat.

    Danke für den Input! :)

    Liebe Grüße,
    Ronja

    • Hallo Ronja,

      Da gebe ich dir absolut Recht. Ich selbst habe bei meinen »Veränderungen« (die meistens nicht geklappt haben – man fragt sich »warum« ;) ) eigentlich immer nur mit dem Reiter gearbeitet. Einfach beschlossen, dass sich ab jetzt etwas ändert. Der Elefant hat mich daraufhin ausgelacht :D

      Viele Grüße,
      Jan

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