Nir Eyal – Indis­trac­table

Die Kunst, sich nicht ablenken zu lassen bei Amazon ansehen*

 

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Über Nir Eyal

Nir Eyal (Jahrgang 1983) ist ein US-ameri­ka­ni­scher Autor und Experte für Produkt­de­sign. Sein erstes Buch Hooked* aus dem Jahr 2014 erlangte Best­seller-Status und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Die Kunst, sich nicht ablenken zu lassen (Indis­trac­table) ist sein zweites Buch.

Zusam­men­fas­sung

Immer mehr Menschen aus sämt­li­chen Alters­klassen lassen sich viele Stunden des Tages von (digitaler) Tech­no­logie, wie zum Beispiel Social Media, Videos, Chats und Spielen, ablenken. Das ist kein Zufall, denn Tech-Firmen wie Facebook, Google und Co. werden immer besser darin, unsere Aufmerk­sam­keit zu kontrol­lieren, um daraus Profit zu schlagen.

Zwar können diese Produkte uns Nutzern einen gewissen Mehrwert bieten, aber der Preis, den wir in Form unserer Zeit für die Nutzung bezahlen, ist in den aller­meisten Fällen viel zu hoch. Eine verbrei­tete Reaktion derje­nigen, die ihre missliche Lage erkannt haben, lautet: Total­ver­zicht.

Der Bran­chen­in­sider Nir Eyal hält diese Reaktion für subop­timal. Mit weiser Voraus­sicht und klugen Taktiken sei es möglich, die Vorzüge der (digitalen) Tech­no­logie für einen ange­mes­senen Preis zu bekommen. Doch bevor man das Problem für sich selbst lösen kann, muss man verstehen, wo genau es liegt und wo es nicht liegt.

Die Tech­no­logie ist nicht das Problem

Die verbrei­tete Ansicht lautet, dass die (digitale) Tech­no­logie ein Problem ist, weil sie das Potenzial hat, die Menschen süchtig zu machen. Als Autor des Buches Hooked, das die entspre­chenden Zusam­men­hänge im Detail beschreibt (und sogar eine Anleitung zur Erschaf­fung süchtig machender Produkte enthält) hat Eyal diese Tatsache natürlich verstanden. Trotzdem sagt er:

Die (digitale) Tech­no­logie ist nicht die Grund­ur­sache des Problems, sondern lediglich ein Symptom. Die wahren Ursachen liegen tiefer!

Eyal betrachtet die weit­ver­brei­tete Ablen­kungs­sucht als eine Bewäl­ti­gungs­stra­tegie. Etwas verein­facht gespro­chen, leiden die Betrof­fenen unter psycho­lo­gi­schen Schmerzen, und die Nutzung von (digitalen) Ablen­kungen ist ihre Art, mit diesen Schmerzen umzugehen (»Coping«).

»Alles, was Schmerzen lindern kann, ist poten­ziell Sucht erzeugend.«

Beispiele für psycho­lo­gi­sche Schmerzen:

  • Einsam­keit
  • Lange­weile
  • Fehlen von Kontrolle über das eigene Schicksal

Allgemein: uner­füllte Bedürf­nisse, die sich nicht (unmit­telbar) stillen lassen.

Eyals Gedanke lässt sich gut an einem Beispiel erklärt: Viele Kinder sind heut­zu­tage in beson­derem Maße fremd­be­stimmt; die Erwach­senen treffen (fast) alle Entschei­dungen für sie. Was diesen Kindern fehlt, ist Kontrolle, und das spüren sie in Form eines psychi­schen Schmerzes. Die Flucht in Compu­ter­spiele stellt aus ihrer Sicht eine funk­tio­nie­rende Bewäl­ti­gungs­stra­tegie dar, denn dort finden sie das, was ihnen in der echten Welt fehlt: die Möglich­keit, Kontrolle auszuüben.

Für notorisch abge­lenkte Ange­stellte in Unter­nehmen gilt prin­zi­piell das gleiche: Die Unter­neh­mens­kultur fügt ihnen Schmerzen zu, die sie durch die Ablen­kungen abmildern.

Wer diesen Gedanken akzep­tiert, muss logi­scher­weise auch folgendes akzep­tieren:

Zeit­ma­nage­ment ist Schmerz­ma­nage­ment

Wenn wir Ablen­kungen nutzen, um unsere Schmerzen zu lindern und wenn Ablen­kungen uns unsere Zeit kosten, dann ist Zeit­ma­nage­ment im Kern Schmerz­ma­nage­ment. Wir müssen lernen, besser mit unseren psycho­lo­gi­schen Schmerzen umzugehen.

Wie man mit psycho­lo­gi­schen Schmerzen umgehen sollte

Eyal empfiehlt, psycho­lo­gi­schen Schmerzen mit der soge­nannten Accep­t­ance and Commit­ment Therapy (ACT) zu begegnen. Im Kern läuft es darauf hinaus, den Schmerz zuzu­lassen und ihn bewusst mit Interesse zu »erfor­schen«, anstatt ihn zu igno­rieren oder bewusst zu unter­drü­cken. Auf diese Weise lässt sich der Schmerz am schnellste zum Verschwinden bringen.

Eine weitere Empfeh­lung ist die soge­nannte 10-Minuten-Regel. Wir sollen uns ange­wöhnen, immer noch 10 Minuten zu warten, bevor wir uns dem Verlangen, uns abzu­lenken, hingeben (auf dem Verlangen surfen). Auf diese Weise trai­nieren wir uns impul­sives Verhalten ab.

Wert-volle Zeit schützen

Schmerzen lassen sich am besten ertragen, wenn man Sinn erlebt. Sinn ist ein Gefühl, welches entsteht, wenn wir im Einklang mit unseren Werten leben. Eyal schlägt vor, dass wir uns unserer Werte bewusst werden und einen Teil unserer Zeit für die entspre­chenden Tätig­keiten blockieren.

Der Gedanke, die meiste Zeit des Tages zu verplanen, gefällt den meisten Menschen nicht, aber Eyal hält es für den besten Weg. Wer seine Zeit nicht selbst verplant, dessen Zeit wird von anderen Menschen und/oder Orga­ni­sa­tionen verplant. Und dass diese (meist) nicht in unserem Sinne planen, dürfte klar sein.

Eyal empfiehlt, die perfekte Woche zu planen und uns dabei als Wissen­schaftler zu betrachten, nicht als Skla­ven­treiber. Nach einer Woche sollen wir reflek­tieren und die Planung entspre­chend opti­mieren.

Externe Auslöser kontrol­lieren

Externe Auslöser wie zum Beispiel Push-Benach­rich­ti­gungen können fast so mächtig wie eine Fern­steue­rung sein – sie können unser Verhalten zu großen Teilen steuern.

Eyal empfiehlt, dass wir die externen Auslöser aufspüren, die uns in unserem Alltag begegnen. Wir sollen uns die folgende Frage stelle: Dient der Auslöser mir oder diene ich dem Auslöser?

»Heut­zu­tage wird der Kampf gegen Ablen­kungen größ­ten­teils vom Kampf gegen externe Auslöser bestimmt.«

Alle Auslöser, die uns nicht in die Karten spielen, sollten wir möglichst unschäd­lich machen, denn Ablen­kungen klauen uns unsere Zeit und sie lassen uns Fehler machen.

Konkrete Opti­mie­rungs­vor­schläge

Eyal liefert eine ganze Reihe konkreter Opti­mie­rungs­vor­schläge, die ich im Rahmen dieser Zusam­men­fas­sung nicht alle wieder­geben kann. Konkret geht es zum Beispiel um den …

Umgang mit E‑Mails

Die meisten E‑Mails, die den Weg in unseren Post­ein­gang finden, sind nicht dringend, aber unser Gehirn glaubt, dass sie dringend sind. Deshalb reagieren die meisten Menschen innerhalb weniger Sekunden auf jede neu herein­kom­mende E‑Mail, wodurch sie von ihrer aktuellen Tätigkeit abgelenkt werden. Außerdem sind viele E‑Mails unnötig, d. h. sie hätten gar nicht erst geschrieben bzw. verschickt werden sollen.

Eine wirksame Strategie muss zwei Zwecke erfüllen: Zum einen muss die Anzahl der herein­kom­menden E‑Mails reduziert werden und zum anderen muss die Zeit reduziert werden, die für die Bear­bei­tung einer E‑Mail draufgeht.

Konkrete Taktiken:

  • Fertig geschrie­bene E‑Mails nicht sofort losschi­cken, sondern einige Stunden vergehen lassen, ehe man sie abschickt.
  • Büro­zeiten einrichten und die Menschen bitten, während dieser Zeiten persön­lich vorbei­zu­kommen, anstatt uns eine E‑Mail zu schicken.

Umgang mit dem Smart­phone

App-Icons sind häufig Verhal­tens­aus­löser, die uns dazu bringen, uns mit den entspre­chenden Apps zu beschäf­tigen. Das ist ein Problem, denn es kann dazu führen, dass wir uns mitunter lange mit unserem Smart­phone ablenken, sobald wir es einmal in die Hand genommen haben.

Eyal schlägt vor, die verfüh­re­rischsten Icons zumindest vom Start­bild­schirm zu entfernen. Noch besser wäre es, die Apps zu löschen.

Umgang mit Artikel (Blogs, Nach­rich­ten­seiten)

Eyal empfiehlt, Artikel niemals im Browser zu lesen, sondern die App Pocket zu nutzen, um die entspre­chenden Artikel zu book­marken. Später kann man sich die auf diese Weise gesam­melten Artikel von der App auf dem Smart­phone vorlesen lassen (zum Beispiel bei einem Spazier­gang).

Dies waren nur einige von zahl­rei­chen kleinen Verbes­se­rungs­vor­schlägen, die in der Summe einen gewal­tigen Unter­schied machen können.

Fazit

Im Laufe von nur einem Jahr verbringt die durch­schnitt­liche Person über 1.500 Stunden mit Arbeit. Wenn sie es schafft, nur 1 % dieser Zeit zu sparen, indem sie sich mit den Taktiken aus Die Kunst, sich nicht ablenken zu lassen (Indis­trac­table) weniger ablenken lässt, hat sich die zeitliche und monetäre Inves­ti­tion in das Buch bereits gelohnt.

Ob 1 % Zeit­er­sparnis realis­tisch ist? Nein! Die tatsäch­liche Zeit­er­sparnis dürfte ein Viel­fa­ches davon betrage!

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Über Dr. Jan Höpker

Eines Tages bin ich aufge­wacht und habe fest­ge­stellt, dass ich über viele spannende Dinge nicht nur nichts wusste, sondern dass ich nicht einmal wusste, dass ich nichts wusste (trotz Studium und Promotion). Seitdem lese ich viele Bücher und mache mir Gedanken, die ich auf dieser Webseite veröf­fent­liche.

Meine Artikel gehen in die Tiefe, weil ich für Ober­fläch­lich­keit keine Zeit habe. Warum die Seite HabitGym heißt? Weil es nicht darum geht, Dinge nur zu wissen, sondern Wissen auch anzu­wenden, was einiger Übung bedarf. Auch Geld ist nur ein Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger. Zurzeit arbeite ich übrigens an meiner zweiten Million – die erste Million hat leider nicht geklappt ;)

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