Omega-Fettsäuren

Geschrieben am 10. Mai 2020 von Dr. Jan Höpker.

Bei den Omega-Fettsäuren handelt es sich um eine Klasse von Stoffen, die der Körper braucht, aber nicht selbst herstellen kann. Sie kommen natürlicherweise in Pflanzen und Meereslebewesen vor.

Es ist zwischen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren zu unterscheiden. Ein Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis von nicht mehr als 4:1 bis 6:1 gilt als günstig. Ein höheres Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis könnte in Zusammenhang mit Entzündungen stehen. Das Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis der Ernährung der meisten Menschen ist mit >7:1 sehr ungünstig.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, geben den täglichen Bedarf an DHA und EPA mit jeweils 250 mg an.

Pflanzen enthalten fast ausschließlich alpha-Linolensäure (ALA), während Fettfische (Lachs, Hering, Sardine, Makrele, usw.) vorwiegend Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) enthalten.

Der Körper eines Erwachsenen wandelt ALA zu einem geringen Teil in EPA und DHA um, wofür er zwei Enzyme (Delta-6-Desaturase und Delta-5-Desaturase) benötigt. Diese beiden Enzyme verarbeiten jedoch ebenfalls eine Omega-6-Fettsäure (Linolsäure). Das heißt: Je mehr Linolsäure über die Nahrung aufgenommen wird, umso geringer ist die Rate, mit der ALA in EPA und DHA umgewandelt werden kann. Stress, Alter sowie Vitamin- und Mineralienmangel können die Umwandlung von ALA in EPA und DHA ebenfalls verlangsamen.

Die Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren könnte auch zu einer Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit und des Gedächtnisses bei Erwachsenen führen. (Die Aussagen, Omega-3-Fettsäuren würden zur Konzentration, Lernfähigkeit, Denkfähigkeit und/oder geistigen Entwicklung von Kindern beitragen, sind gesetzlich verboten.)

Der Körper setzt die über die Nahrung aufgenommenen Fettsäuren als Baustoffe ein. Je höher die »Qualität« der aufgenommenen Fettsäuren, desto besser funktionieren unsere Zellen.

EPA und DHA sind Bestandteile der Zellmembran. Es gilt als wissenschaftlich belegt, dass insbesondere DHA zur Aufrechterhaltung der normalen Gehirnfunktion beiträgt. (EPA scheint einen kleinen Beitrag und ALA überhaupt keinen Beitrag zu leisten.)

Es wurde beobachtet, dass das Risiko für geistigen Verfall von Patienten mit kognitiven Einschränkungen und Alzheimer-Krankheit, die mehr Fisch aßen – und insbesondere jene, die einen höheren Spiegel von EPA und DHA hatten – im Vergleich niedriger war (Quelle).

Die Verabreichung von mehr als 1 g EPA pro Tag wirkt antidepressiv (Quelle).

Bei Jugendlichen und Erwachsenen mit ADHS wurden niedrigere Omega-3-Fettsäure-Spiegel gefunden (Quelle).

Es gibt mehrere klinische Studien, bei denen Kinder mit ADHS erfolgreich mit Omega-3- und Omega-6-Präparaten behandelt wurden. Eine Querschnittstudie aus dem Jahr 2016 fasste diese Studien zusammen und kam insgesamt zu dem Schluss, dass es zwar vielversprechende Hinweise auf eine Wirksamkeit dieser Präparate gibt, dass der konkrete wissenschaftliche Beweis jedoch noch fehle (Quelle).

Sollte man Omega-3-Präparate zu sich nehmen?

Die Verbraucherzentrale sagt: Omega-3-Fettsäure-haltige Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel und nicht für die Behandlung von Krankheiten geeignet.

Gesunde Menschen, die sich ausgewogen ernähren, nehmen über die Nahrung bereits genug Omega-3-Fettsäuren auf. Wer keinen Fisch isst, erhält zu wenig DHA und EPA und sollte daher supplementieren.

Krill ist ein kleines Krebstier, das sich vorwiegend von grünen Kieselalgen ernährt. Das aus dem Krill gewonnene Krillöl enthält große Mengen der Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA).

Eine weitere beliebte Quelle für Omega-3-Fettsäuren ist Fischöl, allerdings enthält Krillöl weniger Schwermetalle wie Quecksilber (Meereslebewesen enthalten umso mehr Schwermetalle, je höher sie in der Nahrungskette stehen. Außerdem ist die Schwermetallbelastung im Lebensraum des Krill, rund um die Antarktis, vergleichsweise niedrig) und die Bioverfügbarkeit der Omega-3-Fettsäuren scheint bei Krillöl höher zu sein (Quelle).

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