Das Pareto-Prinzip – Defi­ni­tion, Bei­spiele und Kritik an der 80/20-Regel

Pareto Prinzip - 80/20 Regel 1x1Laut Pareto-Prinzip lassen sich mit nur 20 % des Ein­sat­zes bereits 80 % der Resul­tate erzie­len. Daher die alter­na­tive Bezeich­nung als 80/20-Regel.

80/20 ist eine Abkür­zung für jeden, der mit weniger Aufwand mehr errei­chen will.

Der Teufel steckt im Detail

Wer das Pareto-Prinzip in den rich­ti­gen Situa­tio­nen anwen­det, kann sich jede Menge Aufwand sparen und erreicht trotz­dem (oder gerade des­we­gen) sehr viel.

Durch die Anwen­dung der Pareto-Regel kann man unterm Strich sogar deut­lich mehr errei­chen, denn die frei gewor­de­nen Res­sour­cen lassen sich reinves­tie­ren.

Soweit die Theorie.

In der Praxis wird das Pareto-Prinzip leider oft in den völlig fal­schen Situa­tio­nen ange­wen­det und ver­ur­sacht dort mehr Schaden als Nutzen.

Die Kunst besteht darin, die Situa­tio­nen zu erken­nen, in denen die Pareto-Regel ange­wen­det werden kann. (Mit der kor­rek­ten Anwen­dung befas­sen wir uns weiter unten in diesem Artikel noch ganz aus­führ­lich.)

Das Pareto-Prinzip – Defi­ni­tion und Ursprünge

Wer das Pareto-Prinzip beher­zigt, kann viele Pro­bleme schon mit lächer­lich gerin­gem Aufwand befrie­di­gend lösen.

Aller­dings sollte das Pareto-Prinzip nur in Situa­tio­nen ange­wen­det werden, in denen es nicht auf Per­fek­tion ankommt.

Das Putzen und Auf­räu­men der Wohnung eignet sich gut für eine Anwen­dung. Beim Bau einer Rakete sollte man lieber ver­zich­ten.

Das 80/20 Ver­hält­nis kommt in der Natur häufig vor

Vilfredo Pareto - Entdecker und Namensgeber des Pareto Prinzips

Vilf­redo Pareto (1848 – 1923) Ent­de­cker und Namens­ge­ber des Pareto-Prin­zips (Quelle: Wiki­pe­dia).

Vor über 100 Jahren hatte Vilf­redo Pareto die Ver­tei­lung des Boden­be­sit­zes in Italien  unter­sucht, und dabei fest­ge­stellt, dass 20 % der Men­schen 80 % des Bodens besaßen.

Bei genaue­rem Hin­se­hen wurde diese 80/20 Ver­tei­lung noch an vielen anderen Stellen gefun­den. (Weitere Bei­spiele gibt es weiter unten in diesem Artikel.)

Achtung: Das 80/20 Ver­hält­nis tritt häufig auch nicht auf!

Heute wird das Pareto-Prinzip infla­tio­när in jedem nur erdenk­li­chen Bereich ange­wen­det.

Dabei schei­nen die Anwen­der oft nicht zu ver­ste­hen, wann das Pareto-Prinzip über­haupt gültig ist. Sie gehen einfach davon aus, dass 80/20 immer gilt. Das stimmt aber nicht!

Auch die Folgen, die sich aus der Anwen­dung des Pareto-Prin­zips ergeben, werden oft nicht ver­stan­den.

Die 80/20-Regel ver­schlei­ert Selbst­be­trug

Oft habe ich den Ein­druck, dass das Pareto-Prinzip gar nicht im Voraus bedacht wurde, sondern bloß nach­träg­lich zur Recht­fer­ti­gung von Faul­heit ins Spiel gebracht wird.

Man sollte dem Pareto-Prinzip kri­tisch begeg­nen

Warum kri­tisch? Ein wich­ti­ges Erfolgs­prin­zip lautet:

Je wün­schens­wer­ter ein Ver­spre­chen, umso gründ­li­cher sollte man es prüfen

Die Gefahr von Selbst­be­trug ist dann nämlich beson­ders groß.

Nur durch die kor­rekte Anwen­dung der 80/20-Regel kann das Leben ein­fa­cher werden.

Wer das Pareto-Prinzip falsch anwen­det, schießt sich sprich­wört­lich selbst ins Knie.

Die Summe von 100 ist übri­gens reiner Zufall

Die beiden Zahlen 80 und 20 laden förm­lich dazu ein, addiert zu werden. Die Summe von 100 ist aber reiner Zufall.

Neben 80/20 lassen sich auch 80/10, 90/20 und viele andere Zah­len­paare beob­ach­ten. Im Prinzip ist jedes zwei­stel­lige Zah­len­paar möglich.

Ver­wir­rend? Fangen wir noch einmal ganz von vorne an.

Das Pareto-Prinzip am Bei­spiel von Zeit­ma­nage­ment erklärt

Im Zeit­ma­nage­ment wird das Pareto-Prinzip meist so for­mu­liert:

Nach 20 % der Zeit, die man zum Lösen eines Pro­blems auf­wen­det, ist das Problem zu 80 % gelöst

Stelle dir vor, du möch­test deine Wohnung gründ­lich auf­räu­men und putzen. Ins­ge­samt brauchst du dafür fünf Stunden.

Wenn du die auf­fäl­ligs­ten Arbei­ten zuerst erle­digst, sieht die Wohnung bereits nach nur einer Stunde zu 80 % perfekt auf­ge­räumt und sauber aus.

Aus eigener Erfah­rung kann ich das so bestä­ti­gen.

80/20 ent­spricht einem Punkt in einem Dia­gramm mit den beiden Dimen­sio­nen Ergeb­nis und Aufwand:

80 % der Ergebnisse lassen sich mit nur 20 % des Aufwandes erzielen

In seiner For­mu­lie­rung als 80/20-Regel besagt das Pareto-Prinzip, dass sich mit nur 20 % des Auf­wands 80 % der Ergeb­nisse erzie­len lassen. Wer keine per­fek­ten Ergeb­nisse benö­tigt, sollte demnach eine Menge Zeit sparen können, indem er sich auf das Nötigste beschränkt.

 Ein Paar Bei­spiele aus der Wirt­schaft

  • Mit nur 20 % seiner Pro­dukte erwirt­schaf­tet ein Unter­neh­men 80 % seines Gewinns
  • Mit nur 20 % seiner Kunden erwirt­schaf­tet ein Unter­neh­men 80 % seines Gewinns

Ein Paar Bei­spiele aus dem Alltag

  • 80 % der Zeit trägt man nur 20 % seiner Klei­dungs­stü­cke
  • 80 % der Zeit ver­bringt man mit nur 20 % der Men­schen die man kennt

(Weitere Bei­spiele für das Pareto-Prinzip in Alltag, Beruf und Finan­zen findest du hier.)

Es sind auch andere Zahlen als 80 und 20 möglich

Neben 80/20 lassen sich noch weitere Zah­len­paare beob­ach­ten. Diese ent­spre­chen anderen Punkten im Dia­gramm.

Die größere Zahl muss nicht immer vorne stehen

Es gibt Situa­tio­nen, in denen ins­be­son­dere die letzten Anstren­gun­gen ganz beson­ders stark zum Gesamt­er­geb­nis bei.

Ein gutes Bei­spiel ist das Kraft­trai­ning mit Gewich­ten: hier sind die letzten Wie­der­ho­lun­gen am wich­tigs­ten. Wer schon nach 20 % der Wie­der­ho­lun­gen aufhört, wird nicht 80 % der Resul­tate erzie­len, sondern so gut wie gar keine.

Pareto Prinzip: Neben 80-20 gibt es noch weitere Zahlenpaare

80/20 ist nur einer von vielen Fällen: Neben dem belieb­ten Zah­len­paar 80/20 gibt es in der Rea­li­tät noch viele weitere Zah­len­paare. Auch die Umkeh­rung des Pareto-Prinzip lässt sich in einigen Fällen beob­ach­ten: hier muss man fast alles richtig machen um über­haupt ein nen­nens­wer­tes Ergeb­nis zu erzie­len (Bei­spiel Kraft­trai­ning mit Gewich­ten).

Pareto-Prinzip für Fort­ge­schrit­tene

Was die meisten Men­schen nicht wissen: Hinter dem Pareto-Prinzip steckt nicht etwa ein ein­zel­ner Punkt im Dia­gramm, sondern eine Kurve.

Die 80/20-Regel lässt sich daher mehr­mals hin­ter­ein­an­der anwen­den. Wenn man möchte auch 2,5-mal oder nur ein halbes Mal.

Achtung: Die Kurve exis­tiert nur, wenn eine Pareto-Ver­tei­lung vor­liegt. (Die Kri­te­rien dafür schauen wir uns in Kürze an.)

Die Pareto Verteilung: Das Pareto Prinzip ist nur ein Punkt auf einer Kurve

Die Pareto-Ver­tei­lung: Was viele Men­schen nicht wissen: 80/20 ist nur ein Punkt auf einer Kurve. Wenn eine Pareto-Ver­tei­lung vor­liegt (was nicht immer der Fall ist – später mehr dazu), dann gilt die ganze Kurve.

Das steckt hinter dem Pareto-Prinzip: die Pareto-Ver­tei­lung

Wenn eine Pareto-Ver­tei­lung vor­liegt, dann durch­läuft eine Kurve, die den Punkt 80/20 schnei­det, außer­dem noch unend­lich viele weitere Punkte wie zum Bei­spiel 64/4 und 52/0,8

(diese Punkte ent­spre­chen dem zwei­ma­li­gen bezie­hungs­weise drei­ma­li­gen Anwen­den der 80/20 Regel).

Daraus ergibt sich das Poten­tial für krasse Effi­zi­enz­stei­ge­run­gen

Der Aufwand lässt sich unter Umstän­den also noch viel radi­ka­ler redu­zie­ren, als nur um den Faktor 5.

Wer mit knapp über 50 % des mög­li­chen Ergeb­nis­ses zufrie­den ist, kann den Aufwand theo­re­tisch um den Faktor 125 redu­zie­ren.

Das ent­spricht zum Bei­spiel nur knapp über einer Stunde Arbeit pro Monat anstelle eines Full­time-Jobs.

Spä­tes­tens jetzt sollte jedem Leser intui­tiv klar gewor­den sein, dass die Pareto-Regel nicht immer und überal gilt.

Auch für die extre­men Punkte lassen sich übri­gens Bei­spiele finden

Wann gilt die Pareto-Ver­tei­lung?

Nur wenn eine Pareto-Ver­tei­lung vor­liegt, kann man über­haupt davon aus­ge­hen, dass es den Punkt (80/20) gibt und sich das Pareto-Prinzip mehr­mals hin­ter­ein­an­der anwen­den lässt.

Laut Wiki­pe­dia liegt die Pareto-Ver­tei­lung cha­rak­te­ris­ti­scher­weise dann vor, wenn sich zufäl­lige, posi­tive Werte über mehrere Grö­ßen­ord­nun­gen erstre­cken und durch das Ein­wir­ken vieler unab­hän­gi­ger Fak­to­ren zustande kommen.

Diese 3 Kri­te­rien müssen erfüllt sein

  • Es gibt viele ein­zelne Werte
  • Die Werte erstre­cken sich über mehrere Grö­ßen­ord­nun­gen
  • Die Werte kommen durch das Ein­wir­ken unab­hän­gi­ger Fak­to­ren zustande

Am besten schauen wir uns dazu ein kon­kre­tes Bei­spiel an:

Die Pareto-Kri­te­rien am Bei­spiel der Ein­kom­mens­ver­tei­lung eines Landes

Bei der Ein­kom­mens­ver­tei­lung eines ganzen Landes gibt es viele Werte: Mil­lio­nen Men­schen. Das erste Kri­te­rium ist also erfüllt.

Bei einer Ein­kom­mens­ver­tei­lung eines Landes erstre­cken sich die Werte über mehrere Grö­ßen­ord­nun­gen: Manche Leute ver­die­nen nur 1.000 Euro im Monat, andere 10.000 oder 100.000 oder sogar eine Million und mehr. Das zweite Kri­te­rium ist also erfüllt.

Bei der Ein­kom­mens­ver­tei­lung eines ganzen Landes kommen die Werte durch das Ein­wir­ken unab­hän­gi­ger Fak­to­ren zustande. Men­schen haben unter­schied­li­che Ein­nah­me­quel­len. Zum Bei­spiel hat jeder Berufs­tä­tige einen eigenen Job. Ins­be­son­dere die Groß­ver­die­ner haben in der Regel mehrere Ein­nah­me­quel­len. Das dritte Kri­te­rium ist also eben­falls erfüllt.

Da im Falle der Ein­kom­mens­ver­tei­lung eines ganzen Landes alle drei Kri­te­rien erfüllt sind, kann damit gerech­net werden, dass eine Pareto-Ver­tei­lung vor­liegt.

Die Pareto-Ver­tei­lung ist kein Natur­ge­setz

Die Pareto-Ver­tei­lung ist ein Phä­no­men, das auf­tre­ten kann, aber nicht zwangs­weise auf­tre­ten muss.

Und selbst wenn eine Pareto-Ver­tei­lung vor­liegt, bedeu­tet das in der Praxis nicht zwangs­weise, dass sie den Punkt 80/20 enthält.

Genauso gut kann sie den Punkt 90/20 oder 70/20 ent­hal­ten.

Das Pareto-Prinzip gilt weniger oft, als man glaubt

Wenn man sich typi­sche Bei­spiele der Anwen­dung des Pareto-Prin­zips ansieht und dabei prüft, ob die drei oben genann­ten Kri­te­rien erfüllt sind, wird man schnell fest­stel­len, dass das sehr häufig nicht der Fall ist.

Das bedeu­tet nicht, dass ein 80/20 hier auf gar keinen Fall beob­ach­tet werden kann.

Es bedeu­tet aber, dass sich hinter einem beob­ach­te­ten 80/20 nicht die Pareto-Ver­tei­lung, sondern purer Zufall ver­birgt.

Das Pareto-Prinzip wird gerne blind auf irgend­wel­che Situa­tio­nen ange­wen­det

Ein naiver Anwen­der könnte bei­spiels­weise auf die Idee kommen, dass 20 % der Beine eines Tisches 80 % von seinem Gewicht tragen.

Schauen wir uns einige weitere Bei­spiele im Detail an.

Beliebte Bei­spiele auf dem Prüf­stand

Nochmal: Das Pareto-Prinzip ist kein Natur­ge­setz, sondern ein Phä­no­men, das unter bestimm­ten Bedin­gun­gen (die 3 oben genann­ten Kri­te­rien) cha­rak­te­ris­ti­scher­weise auf­tritt.

Wenn die ent­spre­chen­den Kri­te­rien nicht erfüllt sind, sollte das Pareto-Prinzip nicht einfach naiv ange­wen­det werden.

80 % der Kalo­rien nimmt man mit 20 % der Nahrung auf?

  • Viele Werte? JA
  • Die Werte erstre­cken sich über mehrere Grö­ßen­ord­nun­gen? JA
  • Ein­wir­ken unab­hän­gi­ger Fak­to­ren? JA

Hier sind alle drei Bedin­gun­gen erfüllt. Die Aussage, dass man mit den kalo­ri­en­reichs­ten 20 % der Nah­rungs­mit­tel 80 % der Kalo­rien auf­nimmt,  ist wahr­schein­lich wahr.

(Ein Bei­spiel: Ich koche manch­mal einen sehr lecke­ren Auber­gi­nen­ein­topf, bei dem 80 % der Kalo­rien nur aus Oli­venöl und Pini­en­ker­nen stammen. Den Groß­teil des Volu­mens machen aber Auber­gi­nen und Tomaten aus, die so gut wie gar keine Kalo­rien haben.)

20 % der Ange­stell­ten machen 80 % der Arbeit?

  • Viele Werte? JE NACHDEM
  • Die Werte erstre­cken sich über mehrere Grö­ßen­ord­nun­gen? NEIN
  • Ein­wir­ken unab­hän­gi­ger Fak­to­ren? JA

Hier sind die drei Bedin­gun­gen nicht erfüllt. Es ist daher äußerst unwahr­schein­lich, dass in einem typi­schen Unter­neh­men wirk­lich 20 % der Men­schen 80 % der Arbeit erle­di­gen.

(Ver­mut­lich glauben in vielen Unter­neh­men dennoch 20 % der Mit­ar­bei­ter, sie würden 80 % der Arbeit machen.)

80 % der Infos stehen auf 20 % der Seiten des Buches?

  • Viele Werte? JA
  • Die Werte erstre­cken sich über mehrere Grö­ßen­ord­nun­gen? NEIN
  • Ein­wir­ken unab­hän­gi­ger Fak­to­ren? JA

Auch hier sind die drei Bedin­gun­gen nicht erfüllt.

Hier wäre außer­dem zu klären, was mit Infor­ma­tion genau gemeint ist. Geht es darum, was ein ein­zel­ner Leser wissen möchte oder ist Infor­ma­tion hier objek­ti­ver gemeint.

20 % der bei Amazon am meisten ver­kauf­ten Bücher, sorgen für 80 % des Umsat­zes?

  • Viele Werte? JA
  • Die Werte erstre­cken sich über mehrere Grö­ßen­ord­nun­gen? JA
  • Ein­wir­ken unab­hän­gi­ger Fak­to­ren? JEIN

Hier sind die drei Bedin­gun­gen nur zum Teil erfüllt. Eine Beson­der­heit ist, dass Amazon die Best­sel­ler zusätz­lich pusht, um sie noch häu­fi­ger zu ver­kau­fen.

Außer­dem neigen die Kunden dazu, eher einen Best­sel­ler, als einen nicht-Best­sel­ler zu kaufen, da der Best­sel­ler­sta­tus als Qua­li­täts­kri­te­rium ange­se­hen wird.

Bei diesem Bei­spiel wäre zu erwar­ten, dass die 20 % meist­ver­kauf­ten Bücher für deut­lich mehr als nur 80 % des Umsat­zes sorgen.

Aus dem Pareto-Prinzip lernen (Anwen­dun­gen)

Im Vorfeld über Prio­ri­tä­ten nach­den­ken

Der meiner Meinung nach größte Nutzen des Pareto-Prin­zips ist der, dass es zum Nach­den­ken über Prio­ri­tä­ten anregt.

Wenn wir ohne nach­zu­den­ken an eine kom­plexe Aufgabe her­an­ge­hen, erle­di­gen wir häufig zuerst die ange­neh­men Auf­ga­ben und schie­ben alles Unan­ge­nehme auf die lange Bank.

Irgend­wann stellen wir dann fest, dass alles länger dauert, als geplant und am Ende werden wir mit unserer Aufgabe nicht fertig.

Hätte man sich bereits im Vorfeld Gedan­ken über die Prio­ri­tä­ten gemacht, wäre man zwar mög­li­cher­weise auch nicht ganz fertig gewor­den, aber man wäre dem Ziel ganz bestimmt ein gutes Stück näher gekom­men.

Anwen­dung: In jedem Lebens­be­reich die wich­tigs­ten 20 % iden­ti­fi­zie­ren und sie sich zur Gewohn­heit machen

In jedem Lebens­be­reich gibt es einige wenige wich­tige Basics, die für den Groß­teil der Ergeb­nisse ver­ant­wort­lich sind. Es macht sehr viel Sinn, diese Basics zu iden­ti­fi­zie­ren und sie sich zur Gewohn­heit zu machen, sodass sie auf keinen Fall ver­nach­läs­sigt werden.

Nur 2 Fak­to­ren sorgen für 80 % jeder Art von Erfolg!

Unter Erfolg ver­stehe ich das Errei­chen selbst­ge­steck­ter per­sön­li­cher Ziele – wie auch immer diese Ziele konkret aus­se­hen mögen. Wer sich Ziele setzt und diese erreicht, ist erfolg­reich!

Wis­sen­schaft­ler haben her­aus­ge­fun­den, dass es ins­be­son­dere zwei Fak­to­ren gibt, die für jede Art von Erfolg uner­läss­lich sind. Diese beiden Fak­to­ren machen sozu­sa­gen die 20 % aus, die für 80 % des Erfol­ges ver­ant­wort­lich sind. Die beiden Fak­to­ren sind:

  • Intel­li­genz
  • Fokus/Konzentration

Da sich die Intel­li­genz eines Men­schen nur schwer ändern lässt, sind Fokus und Kon­zen­tra­tion die ent­schei­den­den Fak­to­ren für jede Art von Erfolg.

Als ich davon erfuhr, dass Fokus und Kon­zen­tra­tion so extrem wichtig sind, begann ich sofort damit, mich inten­siv mit diesen Themen zu beschäf­ti­gen. Es war nicht einfach, alles Wich­tige über Fokus und Kon­zen­tra­tion zusam­men­zu­tra­gen.

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Unnö­ti­gen Per­fek­tio­nis­mus ver­mei­den

Das Pareto-Prinzip ruft uns ins Bewusst­sein, dass Per­fek­tio­nis­mus über­pro­por­tio­nal viel Zeit kostet. Die letzten 20 % zur Fer­tig­stel­lung eines Pro­jek­tes ver­schlin­gen 80 % des gesam­ten Auf­wan­des.

Es macht Sinn, sich im Vorfeld die Frage zu stellen, wie perfekt das End­ergeb­nis sein muss.

Achtung: Dies ist keine rhe­to­ri­sche Frage! In vielen Fällen macht es durch­aus Sinn, Per­fek­tion anzu­stre­ben (mehr dazu weiter unten in diesem Artikel), aber eben nicht immer.

Es lohnt nicht, die Ernäh­rung zu über­op­ti­mie­ren

Man muss heut­zu­tage nicht beson­ders lange suchen, um Men­schen zu finden, die es mit ihrer Ernäh­rung extrem genau nehmen. Man ver­sucht, die Ernäh­rung zu per­fek­tio­nie­ren.

Das Problem dabei ist, dass die Ernäh­rung nicht der einzige Faktor ist, der sich auf die Gesund­heit aus­wirkt.

Wer sich extrem auf einen ein­zel­nen Fak­to­ren fokus­siert (die Ernäh­rung), neigt dazu, alle anderen Fak­to­ren zu ver­nach­läs­si­gen.

Unterm Strich fährt man daher am besten, wenn man für alle rele­van­ten Fak­to­ren unge­fähr gleich viel Energie auf­wen­det.

Faul­heit ist kein Drama

Wer das Pareto-Prinzip ver­stan­den hat, setzt sich in Phasen der Faul­heit auto­ma­tisch weniger unter Druck.

Wer anstatt zehn Stunden mal nur zwei Stunden pro­duk­tiv ist, erreicht ja mög­li­cher­weise trotz­dem 80 % der Ergeb­nisse. Kein Grund zur Panik!

Sind schein­bar faule Men­schen wirk­lich faul?

Jeder kennt diese Men­schen, die sich mit Mini­mal­auf­wand irgend­wie durchs Leben mogeln.

Das Pareto-Prinzip lässt diese Men­schen in einem völlig neuen Licht erschei­nen. Sind diese Men­schen wirk­lich faul oder einfach nur Meister darin, die Prio­ri­tä­ten richtig zu setzen?

Schein­auf­ga­ben erken­nen

Jeder von uns führt regel­mä­ßig Tätig­kei­ten durch, die kaum einen Effekt auf das ent­spre­chende End­ergeb­nis haben.

Das Pareto-Prinzip moti­viert uns, auf die Suchen nach diesen Tätig­kei­ten zu gehen.

Solange wir den Glau­bens­satz haben, alles sei gleich wichtig, sind wir für das Erken­nen dieser Schein­auf­ga­ben blo­ckiert.

Das Wissen um das Pareto-Prinzip kann diese Blo­ckie­rung ent­fer­nen.

Pro­bleme und Gefah­ren bei der Anwen­dung des Pareto-Prin­zips

Das Pareto-Prinzip ist nicht ganz unpro­ble­ma­tisch. Mit den häu­figs­ten Fallen und Hin­der­nis­sen beschäf­ti­gen wir uns jetzt:

Sind das wirk­lich die ent­schei­den­den 20 %?

Gene­rell ist das mensch­li­che Gehirn sehr gut darin, Muster und Zusam­men­hänge und somit auch Erfolgs­fak­to­ren zu erken­nen.

Die wich­tigs­ten Erfolgs­fak­to­ren könnten uns in einigen Fällen aber so selbst­ver­ständ­lich erschei­nen, dass wir sie einfach über­se­hen.

Außer­dem neigt unser Gehirn dazu, Zusam­men­hänge zu sehen, wo in Wahr­heit gar keine Zusam­men­hänge sind.

Wer mit einem bestimm­ten Auf­ga­ben­typ erst wenig prak­ti­sche Erfah­rung sammeln konnte, neigt häufig dazu, bestimmte Fak­to­ren als ent­schei­dend anzu­se­hen, die in Wahr­heit gar nicht so wichtig sind.

Kom­ple­xi­tät

Das für die meisten Men­schen inter­es­sante am Pareto-Prinzip ist nicht die Tat­sa­che, dass es so ist, wie es ist, sondern, dass man es benut­zen kann, um Arbeits­zeit und Res­sour­cen zu sparen.

Wenn 80 % des Gewinns von nur 20 % der Kunden kommt, warum dann über­haupt noch die 80 % der Kunden bedie­nen, die nur zu 20 % zum Gewinn bei­tra­gen? Diese Frage ist nahe­lie­gend.

Hier darf man nicht aus den Augen ver­lie­ren, dass die 80 % der Kunden viel­leicht noch eine andere Funk­tion haben, als nur für den Gewinn zu sorgen.

Bei­spiel Face­book

Face­book macht Gewinn, indem es Geld für Wer­be­an­zei­gen ver­langt. Nur ein Bruch­teil der Nutzer von Face­book hat jemals eine Wer­be­an­zeige geschal­tet. Ver­mut­lich schal­ten weit weniger als ein Prozent der Face­book User Wer­be­an­zei­gen.

Das Pareto-Prinzip würde nun impli­zie­ren, dass Face­book sich von den meisten seiner Benut­zer trennen sollte, denn diese machen ja Arbeit (Spei­cher­platz für Urlaubs- und Kat­zen­fo­tos), bringen aber keinen Gewinn.

Das Ding ist: Ohne die große Menge der Face­book Nutzer, die niemals Werbung schal­tet, gäbe es auch die Wer­be­trei­ben­den nicht, denn irgend­je­mand muss die Werbung ja kon­su­mie­ren.

Auch in anderen Unter­neh­men könnten Kunden, die nicht direkt zum Umsatz bei­tra­gen, eine wich­tige, aber weniger offen­sicht­li­che Rolle im Gesamt­sys­tem spielen.

Bei­spiel Lern­auf­wand für eine Klausur

Viel­leicht werden in einer Prüfung oder Klausur wirk­lich nur 20 % des gelern­ten Stoffes abge­fragt und tragen damit zu min­des­tens 80 % des Prü­fungs­er­geb­nis­ses bei. Aber kann es nicht sein, dass das Lernen der zusätz­li­chen 80 % erst dazu bei­ge­tra­gen hat, dass die prü­fungs­re­le­van­ten 20 % ver­stan­den und bis zur Prüfung oder Klausur im Gedächt­nis abge­spei­chert wurden?

(Anstatt nur 20 % des Stoffes zu lernen, sollte man lieber auf die Suche nach effek­ti­ve­ren Lern­me­tho­den gehen.)

Zeit­li­cher Abstand zwi­schen Ursache und Wirkung (Nicht­li­nea­ri­tät)

Was die sinn­volle Anwen­dung des Pareto-Prin­zips zusätz­lich erschwert: Die Wirkung einer bestimm­ten Ursache muss nicht zwangs­weise sofort auf­tre­ten und es kann nicht­li­neare Effekte geben.

Ein sehr anschau­li­ches Bei­spiel ist der Josephs­pfen­nig.

Stelle dir einmal vor, Joseph hätte für seinen Sohn Jesus im Jahre Null einen ein­zi­gen Cent mit 5 % jähr­li­cher Ver­zin­sung ange­legt.

Bis zu welchem Betrag wäre das Ver­mö­gen bis zum Jahre 2000 ange­wach­sen?

  1. Mit Zin­ses­zins
  2. Ohne Zin­ses­zins

Rate mal!

Anmer­kung zum Zin­ses­zins: Der Zin­ses­zins ist der Zins auf den Zins.

Im ersten Jahre wächst das Ver­mö­gen mit und ohne Zin­ses­zins um 0,05 Cent auf 1,05 Cent.

Im Zweiten Jahr wächst das Ver­mö­gen ohne Zin­ses­zins wieder um 0,05 Cent auf 1,10 Cent und mit Zin­ses­zins um 0,0525 Cent auf 1,1025 Cent.

Der Unter­schied ist ver­schwin­dend gering. Die meisten Men­schen würden ihm keine Beach­tung schen­ken.

Ein Mensch mit Pareto-Brille würde mög­li­cher­weise einfach sagen „drauf gepfif­fen!“

Auf lange Sicht macht es aber einen gewal­ti­gen Unter­schied: Ohne Zin­ses­zins wäre aus dem einen Cent nach 2000 Jahren ein Gesamt­be­trag von 1,01 Euro gewor­den.

Immer­hin das Hun­dert­fa­che des Ursprungs­be­trags.

Mit Zin­ses­zins wäre ein Ver­mö­gen ent­stan­den, das sich in Geld über­haupt nicht mehr sinn­voll quan­ti­fi­zie­ren lässt.

In Gold aus­ge­drückt wären es über 400 Mil­li­ar­den Kugeln aus purem Gold, von denen jede ein­zelne so groß wie die gesamte Erde ist.

Das alles nur wegen eines ver­meint­lich kleinen Unter­schieds, der sich erst über die Jahre zu einem super krassen Unter­schied auf­schau­kelt.

Das Bei­spiel scheint dir viel­leicht weit her­ge­holt und mit der Rea­li­tät wenig zu tun zu haben. Ganz so irrele­vant ist es aber nicht.

Genau der gleiche kleine Unter­schied, der darüber ent­schei­det, ob man sich nach 2000 Jahren nur eine Kugel Eis leisten oder mit großem Abstand die Forbes Liste der reichs­ten Men­schen des Pla­ne­ten anfüh­ren kann, ent­schei­det sehr wahr­schein­lich auch darüber, welcher Blog und welcher YouTube- oder Social-Media-Kanal nach ein paar Jahren riesig groß ist, oder nie­man­den inter­es­siert.

Überall dort, wo expo­nen­ti­el­les Wachs­tum vor­liegt, lohnt es sich, die Extra-Meile zu gehen. Hier blind auf Pareto zu setzen wäre fatal!

Kom­pe­ti­tive Sze­na­rien

Auch in kom­pe­ti­ti­ven Sze­na­rien lohnt es sich fast nie, nur das nötigste zu machen.

Stelle dir eine Pro­fi­mann­schaft beim Fußball vor, die das Pareto-Prinzip anwen­det und statt fünfmal die Woche nur noch einmal die Woche trai­niert.

Sie erreicht dann zwar viel­leicht immer noch 80 % der vor­he­ri­gen Leis­tung, aber diese Leis­tung wird nicht mehr aus­rei­chen um sich in der Liga zu behaup­ten.

Unvor­her­seh­bar­keit

In vielen Fällen lassen sich die­je­ni­gen Fak­to­ren, die am meisten zum Erfolg bei­tra­gen, erst rück­wir­kend iden­ti­fi­zie­ren.

Bei­spiel Bücher

Nur die wenigs­ten Bücher werden ein Best­sel­ler und lohnen sich wirk­lich. Welches Buch ein Best­sel­ler wird, lässt sich im Vor­hin­ein jedoch nie so genau sagen.

Zu wissen, dass sich nur ein kleiner Bruch­teil der Bücher gut ver­kauft, hilft eben nicht dabei, die Best­sel­ler schon im Vor­hin­ein zu iden­ti­fi­zie­ren.

Fazit und Lehren aus dem Pareto-Prinzip

Das Pareto-Prinzip ist ein mäch­ti­ges Instru­ment. Wer es auf kluge Art und Weise ein­setzt, kann sich eine Menge Aufwand und Res­sour­cen sparen.

Wichtig zu erwäh­nen wäre noch, dass die Anwen­dung des Pareto-Prin­zips nur dann Sinn ergibt, wenn man sich darüber im Klaren ist, wo man über­haupt hin möchte.

Mit anderen Worten: Das Pareto-Prinzip ist nutzlos, wenn man kein kon­kre­tes Ziel ver­folgt.

Wie man per­sön­li­che Ziele findet, setzt und erreicht, erkläre ich in einem sepa­ra­ten Artikel.

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Ich bin pro­mo­vier­ter Che­mi­ker. Seit 2015 schreibe ich Bücher und Artikel über Themen, die Men­schen in ihrem Leben vor­an­brin­gen.

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In meinem Buch Erfolg durch Fokus & Kon­zen­tra­tion beleuchte ich den nach­weis­lich wich­tigs­ten Erfolgs­fak­tor FOKUS tief­grün­dig und pra­xis­nah.

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