Persön­liche Ziele finden, formu­lieren und erreichen

Geschrieben am 8. Juli 2019 von Dr. Jan Höpker.

Persön­liche Ziele sind Bestre­bungen von Privat­per­sonen, bei denen es darum geht, das eigene Leben und/oder sich selbst zu verbes­sern. In der Praxis werden leider nur 12 % aller guten Vorsätze verwirk­licht, weil diese oft unpassend, zu ambi­tio­niert oder schlecht formu­liert sind.

Persönliche Ziele im Leben finden und erreichen (SMART, Vision)

Warum persön­liche Ziele?

Alle Menschen haben Träume, aber die wenigsten haben persön­liche Ziele. Die meisten Menschen glauben, dass sie glück­li­cher sind, wenn sie ihre Freizeit genießen und sich treiben lassen. Woher kommt diese (falsche) Vorstel­lung? In der Kindheit hat man uns zur Arbeit an vorge­schrie­benen Zielen gezwungen. Wir haben gelernt: Arbeit an Zielen ist ein notwen­diges Übel; nur in der Freizeit sind wir glücklich.

Die Arbeit an fremden Zielen macht auch erwach­sene Menschen nicht glücklich, aber eigene Ziele sind eine völlig andere Kategorie. Persön­liche Ziele können unser Wohl­be­finden steigern, sogar wenn wir sie nicht erreichen. Durch die Arbeit an Zielen steigern wir außerdem unseren Lebens­er­folg. Alle erfolg­rei­chen Menschen verfolgen persön­liche Ziele oder haben dies die meiste Zeit ihres Lebens getan. Erfolg ist kein Zufall. Wer ein ange­nehmes Leben haben möchte, braucht eigene Ziele. Schauen wir uns die zahl­rei­chen positiven Auswir­kungen persön­li­cher Ziele einmal genauer an.

Persön­liche Ziele führen zu mehr Selbst­be­stim­mung

Der US-ameri­ka­ni­sche Autor und Moti­va­ti­ons­redner Jim Rohn hat gesagt:

»Man braucht einen eigenen Plan, sonst wird man ganz schnell Teil des Plans von anderen.«

»Und raten sie mal, was die anderen für sie geplant haben.«

»Nicht viel!«

Immer mehr Menschen haben das Gefühl, den ganzen Tag zu schuften und doch nicht vom Fleck zu kommen. Dieje­nigen, die sich dauerhaft in dieser Lage befinden, haben eines gemeinsam: Entweder wissen sie nicht, was sie vom Leben wollen, oder sie haben keine Ambi­tionen ihre Wünsche wahr werden zu lassen. Folglich haben sie keine andere Wahl, als sich mit dem zufrie­den­zu­geben, was andere für sie vorge­sehen haben: sinn­be­freite Arbeit, Betäubung und Konsum.

Persön­liche Ziele sorgen für Wachstum

Entweder man wächst oder man dege­ne­riert; Still­stand ist unwahr­schein­lich. Ambi­tio­nierte persön­liche Ziele sind ein Garant für Wachstum, denn wer ein solches Ziel verfolgt, ist gezwungen, sich Wissen und Fähig­keiten anzu­eignen, die für die Ziel­er­rei­chung notwendig sind. Wer hingegen keine eigenen Ziele verfolgt, wird in seiner Freizeit bevorzugt ange­nehmen und daher meist wenig fordernden Tätig­keiten nachgehen. Wachstum? Fehl­an­zeige!

Persön­liche Ziele steigern die Lebens­freude

Es gibt zwei grund­ver­schie­dene Arten von Zielen: intrinsi­sche und extrinsi­sche Ziele. Etwas verein­facht gespro­chen, drehen sich intrinsi­sche Ziele um unseren Zustand, während sich extrinsi­sche Ziele um unseren Besitz drehen. Die Psycho­login Dr. Katharina Tempel erklärt, dass sich intrinsi­sche Ziele positiv und extrinsi­sche Ziele negativ auf die Lebens­freude auswirken. Wer also etwa persön­li­ches Wachstum oder erfül­lende zwischen­mensch­liche Bezie­hungen anstrebt, wird dadurch glück­li­cher, während das Streben nach Geld und Ruhm unglück­li­cher macht.

Wie man ein persön­li­ches Ziel findet

Ein Problem der deutschen Sprache ist, dass wir nur ein Wort für „Ziel“ haben, obwohl es offen­sicht­lich verschie­dene Arten von Zielen gibt. Die englische Sprache wird dem besser gerecht: Goal, Purpose (im Sinne von Zwischen­ziel), Purpose (im Sinne von Zweck), Aim, Objective, Target, Desti­na­tion. Für die Ziel­set­zung von Bedeutung sind:

  • Goal (Endziel): Ein großes Ziel, das irgend­wann in der nicht näher bestimmten Zukunft erreicht werden soll. Beispiel: Ein bemanntes Raum­schiff mit Siedlern zum Planeten Mars schicken.
  • Purpose (Zweck): Der Grund, aus dem das Endziel als sinnvoll erachtet wird. Beispiel: Um sicher­zu­stellen, dass die Spezies Mensch nicht ausstirbt, falls die Erde von einem großen Meteo­riten getroffen wird.
  • Purpose (stra­te­gi­sches Zwischen­ziel): Ein Zwischen­ziel, an dem kein Weg vorbei führt. Beispiele: Geld auftreiben; ein Raum­schiff bauen; Siedler rekru­tieren.
  • Target (takti­sches Zwischen­ziel): Ein Etap­pen­ziel, das sich ergibt, wenn ein stra­te­gi­sches Zwischen­ziel weiter herun­ter­ge­bro­chen wird. Beispiele: Bis Ende nächster Woche eine über­zeu­gende Präsen­ta­tion erstellen. Bis zum Ende des Quartals mit zwanzig poten­zi­ellen Geld­ge­bern sprechen.

Da es mehrere Lebens­be­reiche gibt und weil ein Mensch in seinem Leben mehrere Rollen parallel spielt, können (und sollten) wir mehrere Endziele gleich­zeitig haben. Natürlich sollten sich unsere Endziele unter­stützen, anstatt sich gegen­seitig zu behindern.

Verschie­dene Lebens­be­reiche

  • Karriere
  • Finanzen
  • Bildung
  • Familie
  • Kunst
  • Mindset (geistige Einstel­lung)
  • Körper
  • Wohl­be­finden
  • Dienst an anderen Menschen

Verschie­dene Rollen

  • Mensch
  • Partner
  • Schüler
  • Student
  • Ange­stellter
  • Unter­nehmer

Oft sind unsere Endziele bereits nebulös irgendwo in uns vorhanden. Damit wir an ihnen arbeiten können, müssen wir uns diese jedoch bewusst machen. Dabei kann die folgende Übung helfen:

Die ergeb­nis­ori­en­tierte Visua­li­sie­rung

Das Ziel dieser Übung besteht darin, moti­vie­rende Endziele für die verschie­denen Lebens­be­reiche und/oder Rollen zu finden.

Konkrete Schritte

  1. Wähle einen Lebens­be­reich und/oder eine Rolle deines Lebens aus.
  2. Mache es dir bequem, schließe die Augen und versuche dir bildhaft und möglichst detail­reich vorzu­stellen, wo du dich in ferner, nicht näher bestimmter Zukunft siehst.
  3. Schreibe möglichst viele Details deiner Wunsch­vor­stel­lung auf.
  4. Optional: Wieder­hole die Visua­li­sie­rung mit weiteren Rollen und/oder Lebens­be­rei­chen.

Im Rahmen der ergeb­nis­ori­en­tierten Visua­li­sie­rung kommen ganz verschie­dene Arten von moti­vie­renden Endzielen an die Ober­fläche. Einige dieser Ziele haben das Potenzial, uns und unser Leben zu verbes­sern, während uns die Arbeit an anderen dieser Ziele eher schaden als nutzen würden. Als Nächstes müssen wir daher aussor­tieren, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Die Ziele hinter­fragen

Die folgenden Fragen können dabei helfen, schlechte Ziele auszu­sor­tieren.

  • Was ist der Zweck des Ziels? (Warum will ich dieses Ziel erreichen?)
  • Ist es mein eigenes Ziel? (Oder ist es die Erwartung von jemand anderem?)
  • Ist das Ziel realis­tisch?
  • Harmo­niert das Ziel mit meinen Werten?

Unterm Strich führt nur die Arbeit an erstre­bens­werten eigenen Zielen, die realis­tisch sind und mit den eigenen Werten harmo­nieren, zu einer echten Verbes­se­rung.

Wie groß sollten Ziele sein?

Einige Experten vertreten die Meinung, dass man sich große Ziele setzen sollte, während andere Experten dazu raten, realis­tisch zu bleiben. Wer hat recht? Sowohl große als auch realis­ti­sche Ziele haben Vor- und Nachteile.

Der Vorteil großer Ziele besteht darin, dass sie zur Höchst­leis­tung moti­vieren. Wer die Sterne anpeilt, aber nur den Mond erreicht, hat doch beacht­li­ches geleistet. Das Problem dürfte sein, dass man sich trotz der großen Leistung als Verlierer fühlen wird, denn Erfolg wird an den Zielen gemessen, und diese wurden de facto nicht erreicht. Wer seine großen Ziele regel­mäßig nicht erreicht, wird bald ausbrennen und in der Folge immer weniger motiviert sein, überhaupt noch Ziele in Angriff zu nehmen. Wozu ein Spiel spielen, das man nicht gewinnen kann? Realis­ti­sche Ziele hingegen werden fast immer erreicht, aber absolut gemessen, schöpft man nicht das volle Potenzial aus.

Die beste Lösung dürfte darin bestehen, mit kleinen Zielen zu beginnen und die Größe der nach­fol­genden Ziele immer weiter zu erhöhen. An den kleinen Zielen wird zunächst Momentum in Form von Selbst­ver­trauen und Zuver­sicht aufgebaut, und später erreicht man das maximal mögliche.

Wie man Ziele formu­liert

Ein moti­vie­rendes Endziel lässt sich nicht auf direktem Wege erreichen. Es muss daher in Teilziele herun­ter­ge­bro­chen werden, die ihrer­seits weiter herun­ter­ge­bro­chen werden, bis man bei konkreten To-dos ange­kommen ist. Dieses Vorgehen bezeichnet man als Sala­mi­taktik oder Reverse-Engi­nee­ring. Beim Herun­ter­bre­chen des moti­vie­renden Endziels erhält man Teilziele, die sich in verschie­dene Kate­go­rien einordnen lassen:

Diese Teilziele müssen so lange weiter herun­ter­ge­bro­chen werden, bis man bei konkreten To-dos ange­kommen ist.

»Ein Ziel ohne Plan ist nur ein Wunsch.«

Das Endziel darf nicht nur, es sollte sogar vage formu­liert sein, insbe­son­dere was den Zeitpunkt der Ziel­er­rei­chung angeht. Teilziele und konkrete To-dos sind anders: Hier kommt es auf Klarheit an. Das Maß aller Dinge zum Formu­lieren von Teil­zielen und konkreten To-dos ist die soge­nannte SMART-Methode oder SMART-Formel.

Die SMART-Methode

Das Akronym S.M.A.R.T. steht für fünf Kriterien, die ein Ziel erfüllen sollte:

  • Specific (spezi­fisch)
  • Measurable (messbar)
  • Achievable (erreichbar)
  • Reasonable (realis­tisch)
  • Time Bound (termi­niert)

Wie man die SMART-Methode konkret anwendet, erkläre ich in einem Artikel, den ich eigens über die SMART-Methode geschrieben habe.

Best Practices zur Formu­lie­rung von Zielen

  • Für Klarheit sorgen und Ziele so konkret wie möglich formu­lieren.
  • Formu­liere Ziele schrift­lich, am besten hand­schrift­lich.
  • Hin-zu-Ziele sind besser als weg-von-Ziele.
  • Erfolg an Hand­lungen messen, nicht an Resul­taten.

Hilfs­mittel zu Ziel­er­rei­chung

Neben konkreten To-dos stellten ausfor­mu­lierte Prin­zi­pien und Wenn-dann-Pläne nützliche Werkzeuge zur Ziel­er­rei­chung dar. Bei beiden handelt es sich um im Voraus getrof­fene Entschei­dungen. Ein Prinzip ist allgemein gehalten, während sich ein Wenn-dann-Plan auf eine ganz konkrete Situation bezieht.

Prak­ti­sche Beispiele für Prin­zi­pien und Pläne

Prin­zi­pien:

  • Keine Ausreden zulassen.
  • Keine Kohlen­hy­drate nach 18 Uhr.
  • Vor Mitter­nacht ins Bett gehen.

Wenn-dann-Pläne

  • Wenn man mir eine Zigarette anbietet, lehne ich ab.
  • Wenn der Wecker klingelt, stehe ich sofort auf.
  • Wenn ich müde werde, gehe ich für 10 Minuten nach draußen.

Wie man persön­liche Ziele erreicht

Wer einen guten Plan zur Ziel­er­rei­chung aufge­stellt hat, hat das schwie­rigste bereits geschafft. Alles, was getan werden muss, um das Ziel erreichen, steht jetzt auf dem Plan.

Schön wär’s!

Der ehemalige US-ameri­ka­ni­sche Präsident Dwight D. Eisen­hower hat gesagt:

»Pläne sind unwichtig, aber Planen ist alles.«

Schon bald werden Dinge passieren, die auch den besten Plan hinfällig machen. Trotzdem war es gut, geplant zu haben, denn wer geplant hat, hat sich Gedanken gemacht, und diese Gedanken sind das, worauf es letzt­end­lich ankommt. Am Plan muss regel­mäßig gear­beitet werden, wobei das Endziel möglichst beibe­halten und nur der Weg zum Ziel angepasst wird.

Einige Tipps zur Ziel­er­rei­chung

  • Gehe heute den ersten Schritt, weil sonst die Gefahr besteht, dass du niemals aktiv wirst.
  • Schreibe das aktuelle Endziel, Zwischen­ziel und Tagesziel jeden Tag hand­schrift­lich auf.
  • Sorge für realis­ti­sche Erwar­tungen (was du auf dem Weg zum Ziel realis­ti­scher­weise erwarten kannst).
  • Betrachte Rück­schläge als Lern­er­fah­rung; je mehr Fehler du machst, umso mehr lernst du.
  • Übe Dank­bar­keit für das, was du bereits erreicht hast, zum Beispiel indem du ein Dank­bar­keits­ta­ge­buch führst.
  • Vermeide Perfek­tio­nismus.
  • Vergiss nicht, dich für deine Erfolge zu feiern!

P.S.: Die viel­leicht wich­tigste Zutat zum Erreichen persön­li­cher ambi­tio­nierter Ziele ist Fokus und Konzen­tra­tion. Um es kurz zu machen: Lies mein Buch Erfolg durch Fokus & Konzen­tra­tion, um deine Ziele sicher zu erreichen. Für Lese­muffel gibt es auch eine Hörbuch-Version.

Meine Zusam­men­fas­sungen der 100 nütz­lichsten Sach- und Ratge­ber­bü­cher (kostenlos)

Um mich selbst weiter­zu­ent­wi­ckeln, habe ich mir vorge­nommen, die 100 nütz­lichsten Sach- und Ratge­ber­bü­cher erneut zu lesen und zusam­men­zu­fassen. Wenn du Interesse hast, schicke ich dir meine neuen Zusam­men­fas­sungen in Zukunft gerne per Email zu (kostenlos).
Klicke hier, wenn du Interesse hast!


Dr. Jan Höpker - Foto Autorenbox

Über Dr. Jan Höpker

Eines Tages bin ich aufge­wacht und habe fest­ge­stellt, dass ich über viele spannende Dinge nicht nur nichts wusste, sondern dass ich nicht einmal wusste, dass ich nichts wusste (trotz Studium und Promotion). Seitdem lese ich viele Bücher und mache mir Gedanken, die ich auf dieser Webseite veröf­fent­liche.

Meine Artikel gehen in die Tiefe, weil ich für Ober­fläch­lich­keit keine Zeit habe. Warum die Seite HabitGym heißt? Weil es nicht darum geht, Dinge nur zu wissen, sondern Wissen auch anzu­wenden, was einiger Übung bedarf. Auch Geld ist nur ein Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger. Zurzeit arbeite ich übrigens an meiner zweiten Million – die erste Million hat leider nicht geklappt ;)

Schließe dich meinen rund 3.100 News­letter-Abon­nenten an, um mehr über mich und all die span­nenden Dinge zu erfahren, von denen du viel­leicht noch nicht einmal weißt, dass du nichts über sie weißt.

Klicke hier, um mehr über mich und HabitGym zu erfahren.

Erfolg durch Fokus & Konzentration

(*) Die mit Sternchen gekenn­zeich­neten Links sind soge­nannte Affiliate-Links. Wenn du auf einen Affiliate-Link klickst und anschlie­ßend bei Amazon einkaufst, erhalte ich eine geringe Provision, die einen Teil meiner Server­kosten deckt. Für dich verändert sich der Preis natürlich nicht. Keine Sorge, dies ist keine Verkaufs­seite. Ich empfehle nur Bücher, die ich wirklich gelesen habe und die mich weiter­ge­bracht haben.

Diesen Artikel weiter­emp­fehlen:

4.67/5 (24)

Dein Feedback hilft mir, diesen Artikel zu verbes­sern.

2 Antworten auf Persön­liche Ziele finden, formu­lieren und erreichen

  1. AvatarJulian sagt:

    Ziele sind der Schlüssel für langris­tigen Erfolg. Zusätz­lich kann ich diesen Beitrag empfehlen, der u.a. eine Schritt für Schritt-Anleitung enthält, wie man seine Ziele erreicht: [Der Link wurde von der Redaktion entfernt]

    • AvatarJan sagt:

      Hallo Julian,

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Den von dir gepos­teten Link musste ich leider entfernen. (Ich habe deinen Artikel gelesen und für gut befunden, aber plumpe Eigen­wer­bung wird hier aus Prinzip nicht geduldet.)

      Viele Grüße,
      Jan

Schreibe einen Kommentar

Please use your real name instead of you company name or keyword spam.