Phos­pha­ti­dyl­serin

Geschrieben am 11. Mai 2020 von Dr. Jan Höpker.

Das Phos­pho­lipid Phos­pha­ti­dyl­serin ist Bestand­teil der Zell­mem­bran. In der Kommu­ni­ka­tion zwischen Zellen, insbe­son­dere bei der Apoptose, dem program­mierten Zelltod, spielt es eine Schlüs­sel­rolle. (Beim Menschen befindet sich das Phos­pha­ti­dyl­serin ausschließ­lich im inneren Layer der Doppel­mem­bran.)

Phos­pha­ti­dyl­serin besteht aus Glycerin, das über Ester­bin­dungen mit zwei Fett­säuren und einem Serin verbunden ist. Je nachdem, ob das Phos­pha­ti­dyl­serin aus Tieren oder Pflanzen stammt, unter­schieden sich die Fett­säuren.

Phos­pha­ti­dyl­serin kommt haupt­säch­lich in Fleisch und Fisch vor. In Milch­pro­dukten und Gemüse sind hingegen nur geringe Mengen enthalten. Eine Ausnahme bilden weiße Bohnen, die große Mengen Phos­pha­ti­dyl­serin enthalten.

Ein Review aus dem Jahr 2015 hat 127 Origi­nal­ar­tikel zur Rolle von Phos­pha­ti­dyl­serin im mensch­li­chen Gehirn zusam­men­ge­fasst. Dort heißt es unter anderem, dass Phos­pha­ti­dyl­serin für die Nerven­zell­mem­bran und Myelin benötigt würde. Das Altern des mensch­li­chen Gehirns sei mit bioche­mi­schen Verän­de­rungen und struk­tu­rellen Verschlech­te­rungen verbunden, welche die Neuro­trans­mis­sion beein­träch­tigen. Exogenes Phos­pha­ti­dyl­serin (300–800 mg pro Tag) würde effizient aufge­nommen und durch­quere die Blut-Hirn-Schranke. Struk­tu­relle Schä­di­gungen an Nerven­zellen würden verlang­samt, gestoppt oder gar rück­gängig gemacht. Phos­pha­ti­dyl­serin unter­stütze kognitive Funk­tionen, einschließ­lich der Bildung des Kurz­zeit­ge­dächt­nisses, der Gedächt­nis­kon­so­li­die­rung (= Bildung des Lang­zeit­ge­dächt­nisses), Aufmerk­sam­keit, Konzen­tra­tion, der Fähigkeit, Probleme zu lösen und zu erkennen, der Sprach­kom­pe­tenz und der Kommu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit. Es unter­stütze auch die Bewe­gungs­ab­läufe, insbe­son­dere schnelle Reak­tionen und Reflexe. (Hier geht es wohl­ge­merkt nicht um die Wirkung von supple­men­tiertem Phos­pha­ti­dyl­serin, sondern um die Rolle von Phos­pha­ti­dyl­serin im Allge­meinen.)

Der mensch­liche Körper stellt Phos­pha­ti­dyl­serin aus Phos­pha­ti­dyl­etha­nol­amin her. Zu einem Mangel kann es nur dann kommen, wenn dem Körper keine ausrei­chenden Mengen von Phenyl­alanin, Lysin, Tyrosin, Methionin, Tryp­tophan, Cholin, Folsäure und Vitamin B12 zur Verfügung steht. Phos­pha­ti­dyl­serin wird als Nahrungs­er­gän­zungs­mittel zur Vorbeu­gung von Demenz und allge­meiner kogni­tiver Dysfunk­tion beworben, aller­dings fehlt es an wissen­schaft­li­chen Belegen für diese Behaup­tung. (Nicht mit einem Beweis für die Unwirk­sam­keit verwech­seln, denn den gibt es auch nicht.)

Die Ergeb­nisse einiger Studien deuten darauf hin, dass eine Nahrungs­er­gän­zung mit täglich 200 bis 800 mg Phos­pha­ti­dyl­serin Menschen, die intensiv Sport treiben, einige Vorteile nach ihrem Training bescheren kann: eine posi­ti­vere Stim­mungs­lage, besseres Denken, ein nied­ri­gerer Stress­hor­mon­level und weniger Schmerzen (Quelle1 Quelle2).

Die Ergeb­nisse einer Studie aus dem Jahr 2008 deuten darauf hin, dass die tägliche Gabe von 200 mg Phos­pha­ti­dyl­serin Menschen, die einer stres­sigen Umgebung ausge­setzt sind, in einen entspann­teren Zustand versetzen kann (Quelle).

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