Rosenwurz

Geschrieben am 10. Mai 2020 von Dr. Jan Höpker.

Insbe­son­dere in russi­schen, balti­schen und skan­di­na­vi­schen Ländern findet die Rosenwurz (Rhodiola rosea) seit langem medi­zi­ni­sche Verwen­dung. Zur Stei­ge­rung des Erin­ne­rungs­ver­mö­gens, der Konzen­tra­tion und des Aufnah­me­ver­mö­gens kommen Tees und Extrakte zum Einsatz. Rosavine (Rosavin, Rosarin, Rosin) und Salidrosid gelten als Haupt­wirk­stoffe.

Von russi­schen Wissen­schaft­lern wurde Rosenwurz als soge­nanntes Adaptogen klas­si­fi­ziert. (Adap­to­gene steigern die Wider­stands­fä­hig­keit gegenüber Stres­soren.) Mögli­cher­weise wird die stimu­lie­rende und adap­to­gene Wirkung durch eine Verän­de­rung des Serotonin- und Dopamin-Levels erreicht, die durch eine Hemmung der Monoamin-Oxidase und eine Erhöhung der Durch­läs­sig­keit der Blut-Hirn-Schranke für Neuro­trans­mit­ter­vor­stufen erzielt wird (Quelle1 Quelle2)

Eine Studie aus dem Jahr 2000 kam zu dem Schluss, dass Rhodiola rosea unter bestimmten Bedin­gungen gegen allge­meine Erschöp­fung helfen kann. Im Rahmen der Doppel­blind­studie wurde die kognitive Leis­tungs­fä­hig­keit von jungen Ärzten, die Nacht­schichten schieben mussten, unter­sucht (Quelle).

Im Jahr 2009 kam eine rando­mi­sierte place­bo­kon­trol­lierte Doppel­blind­studie an Personen mit stress­be­dingten Ermü­dungs­er­schei­nungen zu dem Schluss, dass Rhodiola rosea die mentale Leis­tungs­fä­hig­keit verbes­sern und die Konzen­tra­ti­ons­fä­hig­keit stärken kann (Quelle).

Die euro­päi­sche Arznei­mit­tel­agentur (EMA) kam zu dem Schluss, dass keine ausrei­chenden Beweise für eine thera­peu­ti­sche Wirk­sam­keit von Rhodiola rosea vorlägen. Wegen der geringen Risiken sei gegen eine vorüber­ge­hende Anwendung als pflanz­li­ches Arznei­mittel gegen Stress­sym­ptome aller­dings nichts einzu­wenden.

Es gibt keinerlei gesi­cherte Hinweise darauf, dass Rhodiola rosea die geistige Leis­tungs­fä­hig­keit und/oder Konzen­tra­ti­ons­fä­hig­keit von gesunden Personen unter normalen Umständen verbes­sern kann.

Vorsichts­halber sollten Rosenwurz-Extrakte nicht von Schwan­geren, Stil­lenden und unter 18-Jährigen verzehrt werden. Wegen möglicher Neben­wir­kungen und Wech­sel­wir­kungen sollte der Beipack­zettel gelesen werden.

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