Selbst (erken­nendes Selbst, erkanntes Selbst, Selbst­wert, Selbst­kon­zept, Selbstbild)

Geschrieben am 16. November 2020 von Dr. Jan Höpker.

Wir sind die Empfänger, nicht die Erzeuger des Bewusst­seins­stroms; Die Quelle der Gedanken und Empfin­dungen ist dem Bewusst­sein nicht zugäng­lich. Entspre­chend dieser Erkenntnis hat der US-ameri­ka­ni­sche Psycho­loge William James den Menschen schon vor über hundert Jahren in zwei Teile geteilt, die er als erken­nendes Selbst und erkanntes Selbst bezeichnet hat. Das erkannte Selbst ist weit mehr als nur der Erzeuger unserer flüch­tigen Gedanken und Gefühle – auch zeitlich über­dau­ernde Aspekte wie zum Beispiel körper­liche Merkmale, Fähig­keiten und Verhal­tens­weise gehören dazu. (Zum erkannten Selbst gehört alles, was vom Menschen übrig bleibt, wenn man das erken­nende Selbst abzieht.)

Unsere subjek­tiven Beob­ach­tungen dieser nicht­flüch­tigen Aspekte unseres erkannten Selbst sind in unserem Lang­zeit­ge­dächtnis gespei­chert und werden als Selbst­kon­zept bezeichnet. Es ist unser Wissen über uns selbst. Wie sehen wir aus? Was sind unsere Fähig­keiten? Welche Verhal­tens­weisen sind typisch für uns? Neben diesem Wissen über uns haben wir auch eine wertende Meinung über uns, den soge­nannten Selbst­wert (auch als Selbst­wert­ge­fühl bezeichnet). Einige Menschen halten sich selbst für den wert­vollsten Menschen überhaupt (und gehen dementspre­chend mit sich um) und andere betrachten sich selbst als weniger wertvoll.

Ein niedriger Selbst­wert stellt eine Gefahr für die psychi­sche Gesund­heit dar, weshalb das soge­nannte psycho­lo­gi­sche Immun­system daran inter­es­siert ist, den Selbst­wert vor Nieder­lagen und anderen Bedro­hungen zu schützen. Die Strategie besteht unter anderem darin, externe Faktoren für unsere Nieder­lagen verant­wort­lich zu machen, aber unsere Erfolge auf unserem eigenen Konto zu verbuchen. Bis zu einem gewissen Grad sind positiven Illu­sionen wie die selbst­wert­dien­liche Verzer­rung nützlich, weil sie unsere Moti­va­tion und Ausdauer erhöhen. Wenn der Bezug zur Realität aber gänzlich verlo­ren­geht, schaden sie uns mehr als sie uns nutzen.

Das soge­nannte Selbst­bild ist die Summe aus Selbst­wert und Selbst­kon­zept – was wir über uns selbst wissen (oder zu wissen glauben) und was wir von uns selbst halten.

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