Selbst­dis­zi­plin – der Schlüssel zu einem erfolg­rei­chen Leben

Geschrieben am 8. Oktober 2015 von Dr. Jan Höpker.

Selbstdisziplin - Schlüssel zu einem erfolgreichen Leben

Die meisten Menschen sind mit ihrer Selbst­dis­zi­plin unzu­frieden

So steht es in dem Buch Die Macht der Disziplin* von Roy Baumeister, der an der Florida State Univer­sity über Moti­va­tion und Selbst­kon­trolle forscht.

Selbst­dis­zi­plin ist der Schlüssel zu einem erfolg­rei­chen Leben

Dass die meisten Menschen nur eine schwache Selbst­dis­zi­plin haben, wird dadurch noch bedau­er­li­cher.

Warum ist Selbst­dis­zi­plin so wichtig?

  • Der beruf­liche Erfolg hängt mit einer einzigen Fähigkeit zusammen: Selbst­dis­zi­plin
  • Die Lebens­zu­frie­den­heit hängt von nur zwei Faktoren ab, eine davon ist die Selbst­dis­zi­plin
  • Viele persön­liche und gesell­schaft­liche Probleme hängen mit mangelnder Selbst­dis­zi­plin zusammen
  • Menschen mit Selbst­dis­zi­plin führen bessere Bezie­hungen zu anderen Menschen
  • Selbst­dis­zi­plin ist eine wichtige Voraus­set­zung für die bewusste Persön­lich­keits­ent­wick­lung

Wäre es nicht toll, wenn man seine Selbst­dis­zi­plin irgendwie verbes­sern könnte?

Eine gestei­gerte Selbst­dis­zi­plin würde einen ganzen Ratten­schwanz von Verbes­se­rungen nach sich ziehen:

  • Mehr Erfolg in Schule und Beruf
  • mehr Lebens­zu­frie­den­heit
  • weniger Probleme aller Art
  • bessere soziale Bezie­hungen

Selbst­dis­zi­plin kann trainiert werden

Was noch viel besser ist: Wer stra­te­gisch vorgeht, kann auch mit wenig Willens­kraft sehr diszi­pli­niert sein.

Der Zusam­men­hang zwischen Willens­kraft und Selbst­dis­zi­plin

Zugegeben, mir war der Unter­schied zwischen Willens­kraft und Selbst­dis­zi­plin bis vor Kurzem nicht so wirklich klar.

Die Chancen stehen hoch, dass es dir genauso geht. Lass uns die Begriffe ein für alle Mal klären.

Willens­kraft ist geistige Anstren­gung

Die Willens­kraft ist eine Art von Energie oder Kraft, die du Hinder­nissen entge­gen­setzt, um dein Ziel zu erreichen.

Nehmen wir an, du möchtest an deinem Computer arbeiten, ohne nach­zu­schauen was in den Sozialen Netz­werken passiert. Facebook und Co. sind tabu.

Je nachdem, wie stark du an die Nutzung von Facebook und Co. gewöhnt bist, stellt diese Aufgabe hohe oder weniger hohe Anfor­de­rungen an deine Willens­kraft.

Selbst­dis­zi­plin muss nicht anstren­gend sein

Diszi­pli­niert bist du, wenn es dir gelingt, deine Willens­kraft ziel­füh­rend einzu­setzen.

Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Wenn du es schaffst, dich von Facebook und Co. fern­zu­halten, bist du diszi­pli­niert. Wie sehr du dich dafür anstrengen musstest, spielt dabei keine Rolle.

Willens­kraft trägt zur Selbst­dis­zi­plin bei, aber der Einsatz von Willens­kraft ist nicht die einzige Möglich­keit, die du hast, um diszi­pli­niert zu sein.

Zum Beispiel könntest du deine Inter­net­ver­bin­dung kappen oder eine spezielle Software nutzen, um Facebook und Co. zu blockieren. einzu­loggen.

Willens­kraft hat verschie­dene Aufgaben

Entgegen verbrei­teten falschen Vorstel­lungen nutzen wir unsere Willens­kraft nicht, um mit dem Kopf durch Wände zu gehen.

Im Gegenteil: Willens­kraft dient vor allem dazu, Dinge nicht zu tun.

Für diese vier Aufgaben nutzen wir unsere Willens­kraft:

  • Kontrolle der Gedanken
  • Impuls­kon­trolle (Gelüsten wider­stehen)
  • Affekt­re­gu­la­tion (Nicht streiten, obwohl man es gerne tun würde)
  • Leis­tungs­kon­trolle (Eine Aufgabe zu Ende bringen, auch wenn man keine Lust mehr hat)

Jeden Tag sind wir durch­schnitt­lich 3 bis 4 Stunden damit beschäf­tigt, irgend­wel­chen Versu­chungen zu wider­stehen.

Wir verbinden das Wort Willens­kraft mit einma­ligen Helden­taten. Das ist weit von der Realität entfernt.
(Roy Baumeister)

Selbstdisziplin - Die Frage eines großen Kraftaktes?

Das Geheimnis der diszi­pli­nierten Menschen

Haben diszi­pli­nierte Menschen eine besonders starke Willens­kraft?

Nein! Diszi­pli­nierte Menschen sorgen dafür, dass sie möglichst wenig Willens­kraft brauchen, um diszi­pli­niert zu sein.

Diszi­pli­nierte Menschen verlassen sich nicht auf ihre Willens­kraft.

Zum Beispiel vermeiden sie es, Versu­chungen ausge­setzt zu sein. Kein Mensch schafft es, eine Diät durch­zu­stehen, wenn die Schränke voller Süßig­keiten sind.

Diszi­pli­nierte Menschen wissen das und sorgen entspre­chend vor.

Spielt Willens­kraft überhaupt keine Rolle?

Die Willens­kraft spielt durchaus eine Rolle. Willens­kraft ist immer dann erfor­der­lich, wenn unser Handeln vom gewohnten Handeln abweichen soll.

Ange­nommen, du bist es gewohnt, dich jeden Abend vor den Fernseher zu setzen. Wenn du dir jetzt vorge­nommen hast, diese schlechte Ange­wohn­heit aufzu­geben, um statt­dessen ein Buch zu lesen, brauchst du Willens­kraft, um dein Vorhaben umzu­setzen.

Ist Willens­kraft immer verfügbar?

Eine der wich­tigsten neuen Erkennt­nisse über Willens­kraft ist, dass sie vom Blut­zu­cker­spiegel abhängt.

Nur bei ausrei­chend hohem Blut­zu­cker­spiegel ist die Willens­kraft stark genug, um gegen die Gewohn­heit ankommen zu können.

Das bedeutet nicht, dass es Sinn macht, sich mit Zucker voll­zu­stopfen.

Das Ziel ist ein konstanter Blut­zu­cker­spiegel

Einen konstanten Blut­zu­cker­spiegel erreicht man mit einer ausge­wo­genen Ernährung und nicht durch den Konsum von Zucker.

Die Erschöp­fung der Willens­kraft (Ego-Depletion)

Eine weitere wichtige Entde­ckung war, dass Willens­kraft – ähnlich, wie ein Muskel – bei inten­siver Bean­spru­chung erschöpfen kann.

Wer seine Willens­kraft früh am Tag intensiv nutzt, hat später am Tag nichts mehr übrig (die Willens­kraft rege­ne­riert sich im Schlaf).

Wer einen Job hat, der die Willens­kraft tagsüber stark bean­sprucht, wird am Abend keine Willens­kraft übrig haben, um sich gegen gewohntes Handeln durch­zu­setzen.

Wer sich das Fern­seh­gu­cken abends im Bett abge­wöhnen möchte, sollte darüber nach­denken, den Fernseher aus dem Schlaf­zimmer zu entfernen.

Das ist die taktisch sinn­vollste Maßnahme. Viel­leicht sogar die einzige Maßnahme, die wirklich funk­tio­niert. Die Willens­kraft ist abends einfach erschöpft. Es bringt nichts, sich morgens zu schwören, am nächsten Abend nicht mehr so lange fern­zu­sehen. Glaub mir, ich habe das jahrelang versucht ;)

Das größte Problem ist, dass wir uns bei voll aufge­la­denem Willens­kraft-Akku nicht vorstellen können, wie es ist wenn der Akku leer ist. Man spricht von einer Empathie-Lücke.

Wie man den Willens­kraft-Muskel trainiert

Baumeister nennt zwei Übungen, die den Willens­kraft-Muskel nach­weis­lich stärken können:

  1. Sich stets bemühen, aktiv eine aufrechte Körper­hal­tung einzu­halten
  2. Sich stets bemühen, klare Sätze ohne ähm, öhm usw. zu formu­lieren

Verein­facht gesagt, wird die Willens­kraft trainiert, indem man sie bewusst gegen das gewohnte Handeln einsetzt.

Die Willens­kraft ist univer­sell einsetzbar

Man kann die Willens­kraft einem Lebens­be­reich trai­nieren, um sie in einem anderen Lebens­be­reich einzu­setzen.

Willens­kraft-Training ist übrigens nicht die einzige Möglich­keit, wie man diszi­pli­nierter werden kann.

Eine andere Möglich­keit besteht darin, sparsamer mit der vorhan­denen Willens­kraft umzugehen und außerdem Maßnahmen zu treffen, die einen vor den Auswir­kungen von erschöpfter Willens­kraft schützen.

10 konkrete Tipps für maximale Selbst­dis­zi­plin findest du hier.

Was kann man tun, um die Willens­kraft zu schonen?

Wer glaubt, unter einem Mangel an Willens­kraft zu leiden, sollte versuchen heraus­finden, wofür er seine vorhan­dene Willens­kraft einsetzt.

Gibt es ein Willens­kraft-Leck? Forderst du zu viel von deiner Willens­kraft?

Der Zusam­men­hang zwischen Willens­kraft und Konzen­tra­tion

Die Willens­kraft und die Konzen­tra­ti­ons­fä­hig­keit ziehen ihre Energie aus der gleichen begrenzten Ener­gie­quelle (dem Blut­zu­cker).

Verschwendet man das eine, dann verschwendet man auch das andere.

Trainiert man eines von beidem, dann wird auch das andere trainiert.

Ich wünsche dir viel Erfolg!
Jan Höpker

Dr. Jan Höpker - Foto Autorenbox

Über Dr. Jan Höpker

Eines Tages wachte ich auf und stellte fest, dass ich über viele spannende Themen nicht nur nichts wusste, sondern nicht einmal wusste, dass ich nichts über sie wusste (trotz Studium und Promotion). Seitdem lese ich viele schlaue Bücher und mache mir Gedanken, die ich auf dieser Webseite veröf­fent­liche.

Meine Artikel gehen in die Tiefe, weil ich für Ober­fläch­lich­keit keine Zeit habe. Warum die Seite HabitGym heißt? Weil es nicht darum geht, Dinge nur zu wissen, sondern Wissen auch anzu­wenden, was einiger Übung bedarf. Auch Geld ist nur ein Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger. Zurzeit arbeite ich übrigens an meiner zweiten Million – die erste Million hat leider nicht geklappt ;)

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P.S.: Mitt­ler­weile habe ich selbst einige Bücher geschrieben (siehe hier).

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6 Antworten auf Selbst­dis­zi­plin – der Schlüssel zu einem erfolg­rei­chen Leben

  1. AvatarTobias sagt:

    Sehr guter und Weiser Text. Auch ich selbst habe schon heraus finden müssen, dass Selbst­dis­zi­plin absolut wichtig ist.
    Vor einigen hatte ich noch ca. 25 Kilo Über­ge­wicht. Durch meine Selbst­dis­zi­plin, die ich aber auch erst trai­nieren musste, konnte ich es schaffen, ca. 20 Kilo zu verlieren. Jetzt sehe ich, wie sich der ganze Acht gelohnt hat. Ich habe mehr Freude am leben, kann mich in der Öffent­lich­keit wieder wohl fühlen und habe Glück mit Frauen. Selbst­dis­zi­plin lohnt sich immer, auch wenn es manchmal schwer wird.

  2. AvatarMichael sagt:

    Wie viel Selbst­dis­zi­plin man hat, hängt davon ab, wie abge­härtet man ist bzw. hart gegen sich selbst ist. Je härter man gegen sich selbst ist, desto mehr kann sich ein Mensch anstrengen. Selbst­dis­zi­plin und Willens­kraft fast das Gleiche, nur dass Selbst­dis­zi­plin nicht äqui­va­lent zu Willens­kraft steht. Ich hatte mal eine Zeit lang so viel Selbst­dis­zi­plin, dass ich keine Gefühle mehr hatte, aber meine Willens­kraft lag etwas unter dem Level abge­stumpfte Gefühle. Selbst­dis­zi­plin zu haben heißt, auf sich selbst und auf die eigene Bedüf­nisse keine Rücksicht zu nehmen.

  3. AvatarEwald sagt:

    Super Artikel! Ich muss aber gestehen, dass sich mir der Unter­schied zwischen Willens­kraft und Disziplin noch immer nicht ganz erschließt.

    Ich habe es jetzt so verstanden, dass der Begriff Disziplin dafür steht, eine Entschei­dung zu treffen, etwas anders zu machen. Willens­kraft ist die geistige Energie, die man dafür aufwenden muss.

    Für mich sind diese beiden Begriffe dennoch viel enger mitein­ander verwoben, also du es hier darstellst. Das eine hängt mehr oder minder vom anderen ab: Disziplin von Willens­kraft, aber auch Willen­kraft von Disziplin.

    Wen es inter­es­siert: Ich habe auf meinem Blog auch eine Anleitung, wie man mit geringem Aufwand an Willens­kraft sich mehr Disziplin ange­wöhnen kann.
    http://​www​.macht​-der​-gewohn​heit​.com/​d​i​s​z​i​p​l​i​n​-​l​e​rnen/

    Liebe Grüße und weiter so
    Ewald

    • AvatarJan sagt:

      Hallo Ewald,

      Disziplin ist meinem Verständnis nach das, was auch VON AUSSEN sichtbar ist: Jemand geht jeden Tag zum Sport. Jemand isst jeden Tag gesund. Jemand steht jeden Tag früh auf.

      Willens­kraft hingegen ist das, was IM MENSCHEN DRIN passiert, also die tatsäch­liche Anstren­gung, die derjenige aufbringt um die Dinge zu tun, die er tut.

      Willens­kraft und Disziplin hängen also schon mitein­ander zusammen, aber es ist keine 1:1‑Beziehung, denn die äußeren Umstände spielen auch eine Rolle.

      Nehmen wir als Beispiel die Diät: Jemand, der den Schrank voll mit Süssig­keiten hat, braucht deutlich mehr Willens­kraft um diszi­pli­niert Diät zu halten, als jemand, der die Süßig­keiten vorsichts­halber entsorgt hat.

      Ob diese Defi­ni­tionen zu 100% akkurat sind, weiß ich leider auch nicht (Wikipedia war keine gute Hilfe). Ich finde aber, dass sie nützlich sind.

      Sollte sich jemand besser auskennen, würde ich mich über einen Kommentar freuen :)

      Viele Grüße,
      Jan

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