Kommt man mit der SMART-Formel schneller zum Ziel?

In gefühlten 99 Prozent aller Artikel über Ziel­er­rei­chung geht es fast ausschließ­lich um SMART-Ziele. Das Verspre­chen lautet: Die mit der SMART-Formel formu­lierten Ziele lassen sich oft schneller und einfach erreichen. Ist diese Methode wirklich so leis­tungs­fähig?

SMART Ziele

Was sind SMART Ziele?

SMART-Ziele sind ein beliebtes Tool aus dem Projekt­ma­nage­ment, wo sie im Rahmen der Ziel­ver­ein­ba­rung genutzt werden.

SMART ist ein Akronym (S.M.A.R.T.) und steht für die folgenden Eigen­schaften:

  • Specific (spezi­fisch)
  • Measurable (messbar)
  • Achievable (erreichbar)
  • Reasonable (realis­tisch)
  • Time Bound (termi­niert)

Hin und wieder stößt man auf andere Bedeu­tungen. So kann das »A« für »Accepted« (akzep­tiert) stehen und das »M« kann »Moti­va­tional« (moti­vie­rend) bedeuten.

Bei vage formu­lierten Zielen besteht die Gefahr, dass sie unter­schied­lich inter­pre­tiert werden. Dabei ist den Betei­ligten oft nicht einmal klar, dass das vage formu­lierte Ziel auch anders verstanden werden kann. Am Ende kommt das böse Erwachen.

Für Orga­ni­sa­tionen und Teams sind SMART Ziele insofern sinnvoll, als dass sie wenig Raum für Miss­ver­ständ­nisse lassen. Sie beugen Frust vor, wie das folgende Beispiel für die Folgend eines schlecht verein­barten Ziels eindrück­lich zeigt:

Kunde: »Das Auto meiner Frau muss neu lackiert werden.«

Lackierer: »Welche Farbe?«

Kunde: »Rot.«

Lackierer: »Rot ist teuer. Rot kostet 5.000 Euro.«

Kunde: »Teuer ist schlecht. Können sie es schwarz machen?«

Lackierer: »Na sicher!«

Zwei Tage später ist das Auto neu lackiert. In der Farbe schwarz. Der Kunde wollte aber ein rotes Auto. Er wollte nur keine Steuern zahlen. Hätten die sich  mal lieber an die SMART Formel gehalten!

Wie man SMART Ziele formu­liert

Schauen wir uns ein Beispiel aus meinem Alltag an.

»Ich möchte die Reich­weite meines Blogs HabitGym erhöhen. Ich möchte bis zum Ende des nächsten Jahres (2019) 70.000 monat­liche Besucher haben.«

(Im Oktober 2018 waren es rund 40.000 Besucher.)

Dieses Ziel ist schlecht! Warum? Weil ich keinen direkten Einfluss auf die Anzahl meiner Besucher habe. Zwar kann ich dafür sorgen, dass der Blog das Potential für 70.000 monat­liche Besucher hat, aber ob die Besucher tatsäch­lich kommen werden, steht nicht in meiner Macht.

Formu­lieren wir ein besseres Ziel:

»Ich möchte, dass mein Blog bis zum 31. Dezember 2019 ausrei­chend viele Artikel enthält, sodass 70.000 Besucher realis­tisch sind.«

Das Ziel ist schon besser, aber immer noch nicht wirklich gut. Der Fort­schritt ist nicht gut messbar. Ob das Ziel realis­tisch ist? Keine Ahnung!

Schaffen wir Klarheit:

Meine derzeit 40.000 monat­li­chen Besucher finden meine rund 80 Artikel haupt­säch­lich über Google. Das macht 500 Besucher pro Artikel. Für zusätz­liche 30.000 Besucher bräuchte ich also 60 weitere Artikel. Dafür habe ich 14 Monate Zeit. Das macht ziemlich genau einen Artikel pro Woche.

Damit haben wir folgendes Ziel:

»Ich werde bis zum 31. Dezember 2019 insgesamt 60 neue Artikel auf meiner Webseite veröf­fent­li­chen. Das entspricht einem Artikel pro Woche.«

Perfekt! Schauen wir uns an, ob das Ziel alle SMART Kriterien erfüllt.

Spezi­fisch

Ein Ziel sollte möglichst spezi­fisch, also nicht vage, sondern eindeutig formu­liert sein.

»… 60 neue Artikel …«

Ist das spezi­fisch? Ich denke schon!

Messbar

Man sollte sich nicht darüber streiten können, ob ein Ziel erreicht wurde oder nicht. Um zwei­fels­frei beur­teilen zu können, ob ein Ziel erreicht worden ist, sollte es messbar sein.

»… 60 …«

Mein Ziel ist eindeutig messbar!

Erreichbar

Kann das Ziel erreicht werden?

»… ein Artikel pro Woche.«

Sollte machbar sein.

Realis­tisch

Ein Ziel darf ambi­tio­niert sein, aber es sollte keines­falls so hoch gesteckt sein, dass man von vorn­herein keine Chance sieht, es zu erreichen.

»… ein Artikel pro Woche.«

Sollte machbar sein.

Termi­niert

Wie schon gesagt, sollte ein Ziel messbar sein. Dazu gehört auch, dass eindeutig definiert ist, wann es gemessen wird.

»… bis zum 31. Dezember 2019 …«

Perfekt!

Stopp! Ich habe den Fehler gemacht, erreichbar und realis­tisch gleich­zu­setzen. Diese beiden Kriterien sollten wir noch einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Bei der Erreich­bar­keit geht es nicht so sehr darum, ob ich, als Mensch mit zwei Händen und zehn Fingern, theo­re­tisch dazu in der Lage bin, dieses Ziel zu erreichen. Das entspräche dem Kriterium »Realistic« (realis­tisch).

Bei der Erreich­bar­keit geht es vielmehr darum, ob ich dieses Ziel erstre­bens­wert finde, denn das »A« steht auch für »Accepted« (akzep­tiert). Dass ich es schaffen kann, einen Artikel pro Woche zu schreiben, steht außer Frage. Jeder würde das schaffen. Die Frage ist, ob ich dabei denke: »Oh ja, das mache ich gerne« oder: »Ich werde es hassen!«

Das bringt uns zu einem wichtigen Punkt: Moti­va­tion.

SMART Ziele und die Moti­va­tion sie zu erreichen

Moti­va­tion ist insofern wichtig, als dass sie darüber entscheidet, wie leis­tungs­fähig wir sind. Wer ein Ziel unbedingt erreichen möchte, kann deutlich länger und härter arbeiten als jemand, der zur Arbeit gezwungen wird.

Welchen Einfluss haben SMART Ziele auf die Moti­va­tion?

Um diese Frage beant­worten zu können, müssen wir zwei grund­ver­schie­dene Arten der Moti­va­tion unter­scheiden: die intrinsi­sche Moti­va­tion und die extrinsi­sche Moti­va­tion.

Intrinsi­sche und extrinsi­sche Moti­va­tion

Von extrinsi­scher Moti­va­tion spricht man, wenn die Tätigkeit nur für eine Belohnung oder aufgrund von äußerem Druck durch­ge­führt wird. Ein Bank­an­ge­stellter ist nicht intrinsisch motiviert, einem Fremden Zugang zum Tresor der Bank zu gewähren, aber eine geladene Pistole kann ihn dazu moti­vieren, es doch zu tun.

Intrinsisch moti­vierte Tätig­keiten bedürfen weder äußerem Druck noch einer Belohnung, denn die Tätigkeit selbst ist die Belohnung. Intrinsi­sche Moti­va­tion kann nicht erzwungen werden – weder bei sich selbst noch bei anderen Menschen. Wer von intrinsi­scher Moti­va­tion profi­tieren möchte, muss nach einer Tätigkeit suchen, die intrinsi­sche Moti­va­tion hervor­ruft.

Intrinsi­sche Moti­va­tion kann leicht im Keim erstickt werden

Wie Daniel Pink ausführ­lich in seinem Buch Drive (*) erklärt, ist intrinsi­sche Moti­va­tion nur unter der Bedingung möglich, dass man sich nicht fremd­be­stimmt fühlt.

SMARTE Ziele sollten also nicht als Fremd­be­stim­mung empfunden werden, weil sonst die intrinsi­sche Moti­va­tion verschwindet. Um die Gefahr von Fremd­be­stim­mung möglichst klein zu halten, sollte derjenige, der später am SMART Ziel arbeiten wird, auch an dessen Formu­lie­rung beteiligt sein.

SMART Ziele, die einem von oben aufs Auge gedrückt werden, sind tödlich für die intrinsi­sche Moti­va­tion. Daran wird auch eine geschickte Rhetorik wenig ändern.

Haben SMART Ziele auch Nachteile?

Über die Grenzen und Nachteile der SMART Ziele habe ich in meinem ausführ­li­chen Artikel über persön­liche Ziele geschrieben. An dieser Stelle nur so viel: Für lang­fris­tige persön­liche Ziele ist die SMART-Methode nur bedingt geeignet.

P.S. Wenn dir deine Zeit wichtig ist, dann schaue dir meinen Über­sichts­ar­tikel über Zeit­ma­nage­ment an. Dort wirst du weitere Methoden und Prin­zi­pien des Zeit­ma­nage­ments kennen­lernen, die dich noch produk­tiver machen werden.

Falls du gerade keine Zeit für weitere Artikel hast, dann bestelle dir doch zumindest kurz mein Buch Erfolg durch Fokus & Konzen­tra­tion, damit du demnächst wieder mehr Zeit hast!

Ich wünsche dir viel Erfolg!
Jan Höpker

Dr. Jan Höpker - Foto Autorenbox

Über Dr. Jan Höpker

Eines Tages wachte ich auf und stellte fest, dass ich über viele spannende Themen nicht nur nichts wusste, sondern nicht einmal wusste, dass ich nichts über sie wusste (trotz Studium und Promotion). Seitdem lese ich viele schlaue Bücher und mache mir Gedanken, die ich auf dieser Webseite veröf­fent­liche.

Meine Artikel gehen in die Tiefe, weil ich für Ober­fläch­lich­keit keine Zeit habe. Warum die Seite HabitGym heißt? Weil es nicht darum geht, Dinge nur zu wissen, sondern Wissen auch anzu­wenden, was einiger Übung bedarf. Auch Geld ist nur ein Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger. Zurzeit arbeite ich übrigens an meiner zweiten Million – die erste Million hat leider nicht geklappt ;)

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P.S.: Mitt­ler­weile bin ich selbst Autor mehrerer Bücher (siehe hier).

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