Die SMART-Formel: Ziel­ver­ein­ba­rung mit Zufrie­den­heits­ga­rantie

Zuletzt aktua­li­siert am 27. Juni 2019 von Dr. Jan Höpker.

SMART-Ziele ist ein Konzept aus dem Projekt­ma­nage­ment, das zwischen mehreren Parteien, wie zum Beispiel Auftrag­ge­bern und Dienst­leis­tern, im Rahmen von Ziel­ver­ein­ba­rungen, ange­wendet wird. Das Akronym SMART (Specific – Measurable – Achievable – Reasonable – Time Bound) steht für fünf Kriterien, deren Erfüllung alle Betei­ligten befrie­digt. Unklar­heiten, zu denen es bei vage formu­lierten Zielen häufig kommt, werden minimiert.

Warum SMART Ziele?

Bei vage formu­lierten Zielen besteht grund­sätz­lich die Gefahr, dass diese unter­schied­lich verstanden werden. Dabei ist den Betei­ligten oft nicht einmal klar, dass man das Ziel überhaupt anders verstehen kann. Erst am Ende kommt das böse Erwachen.

Ein nicht ganz ernst gemeintes Beispiel

Kunde: »Das Auto meiner Frau muss neu lackiert werden.«

Lackierer: »Welche Farbe?«

Kunde: »Rot.«

Lackierer: »Rot ist teuer. Rot kostet 5.000 Euro.«

Kunde: »Teuer ist schlecht. Können sie es schwarz machen?«

Lackierer: »Na sicher!«

Zwei Tage später ist das Auto neu lackiert. In der Farbe schwarz. Der Kunde wollte aber ein rotes Auto. Er wollte nur keine Steuern zahlen. Hätten die sich mal lieber an die SMART-Formel gehalten!

Die SMART-Formel

Auch für Teams und Orga­ni­sa­tionen sind SMART-Ziele sinnvoll, da sie Miss­ver­ständ­nissen vor beugen.

SMART ist ein Akronym (S.M.A.R.T.) und steht für fünf Kriterien, die eine Ziel­for­mu­lie­rung erfüllen sollte:

  • Specific (spezi­fisch)
  • Measurable (messbar)
  • Achievable (erreichbar)
  • Reasonable (realis­tisch)
  • Time Bound (termi­niert)

Hin und wieder stößt man auf leicht andere Bedeu­tungen. So kann das »A« auch für »Accepted« (akzep­tiert) stehen, und das »M« kann auch »Motiva­tional« (moti­vie­rend) bedeuten. Im Prinzip ist aber das gleiche gemeint.

Wie man SMART-Ziele formu­liert – ein Beispiel

Schauen wir uns ein Beispiel aus meinem Alltag an.

»Ich möchte die Reich­weite meiner Webseite HabitGym erhöhen. Ich möchte bis zum Ende des Jahres (2019) 70.000 monat­liche Besucher haben.«

(Im Oktober 2018 waren es rund 40.000 Besucher.)

Dieses Ziel ist schlecht! Warum? Weil ich keinen direkten Einfluss auf die Anzahl meiner Besucher habe. Zwar kann ich dafür sorgen, dass die Webseite das Potenzial für 70.000 monat­liche Besucher hat, aber ob die Besucher tatsäch­lich kommen werden, steht nicht in meiner Macht.

Formu­lieren wir ein besseres Ziel:

»Ich möchte, dass meine Webseite bis zum 31. Dezember 2019 ausrei­chend viele Artikel enthält, sodass 70.000 Besucher realis­tisch sind.«

Diese Ziel­for­mu­lie­rung ist schon besser, aber immer noch nicht wirklich gut. Der Fort­schritt ist nicht gut messbar. Ob das Ziel realis­tisch ist? Keine Ahnung!

Schaffen wir Klarheit: Meine derzeit 40.000 monat­li­chen Besucher finden meine rund 80 Artikel haupt­säch­lich über Google. Das macht 500 Besucher pro Artikel. Für zusätz­liche 30.000 Besucher bräuchte ich also 60 weitere Artikel. Dafür habe ich 14 Monate Zeit. Das macht ziemlich genau einen Artikel pro Woche.

Damit haben wir folgendes Ziel:

»Ich werde bis zum 31. Dezember 2019 insgesamt 60 neue Artikel auf meiner Webseite veröf­fent­li­chen. Das entspricht einem Artikel pro Woche.«

Perfekt! Schauen wir uns an, ob das Ziel alle SMART Kriterien erfüllt.

Spezi­fisch

Ein Ziel sollte möglichst spezi­fisch, also nicht vage, sondern eindeutig formu­liert sein.

»… 60 neue Artikel …«

Ist das spezi­fisch? Ich denke schon!

Messbar

Man sollte sich nicht darüber streiten können, ob ein Ziel erreicht wurde oder nicht. Um zwei­fels­frei beur­teilen zu können, ob ein Ziel erreicht worden ist, sollte es messbar sein.

»… 60 …«

Mein Ziel ist eindeutig messbar!

Erreichbar

Kann das Ziel erreicht werden?

»… ein Artikel pro Woche.«

Das sollte machbar sein.

Realis­tisch

Ein Ziel darf ambi­tio­niert sein, aber es sollte keines­falls so hoch­ge­steckt sein, dass man von vorn­herein keine Chance sieht, es zu erreichen.

»… ein Artikel pro Woche.«

Das sollte machbar sein.

Termi­niert

Wie schon gesagt, sollte ein Ziel messbar sein. Dazu gehört auch, dass eindeutig definiert ist, wann es gemessen wird.

»… bis zum 31. Dezember 2019 …«

Perfekt!

Stopp! Ich habe den Fehler gemacht, erreichbar und realis­tisch gleich­zu­setzen. Diese beiden Kriterien sollten wir noch einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Bei der Erreich­bar­keit geht es nicht so sehr darum, ob ich – als Mensch mit zwei Händen und zehn Fingern – theo­re­tisch in der Lage bin, dieses Ziel zu erreichen. Das entspräche dem Kriterium »Realistic« (realis­tisch).

Bei der Erreich­bar­keit geht es vielmehr darum, ob ich dieses Ziel erstre­bens­wert finde, denn das »A« steht auch für »Accepted« (akzep­tiert). Dass ich es schaffen kann, einen Artikel pro Woche zu schreiben, steht außer Frage. Jeder würde das schaffen. Die Frage ist, ob ich dabei denke: »Oh ja, das mache ich gerne« oder: »Ich werde es hassen!«

Das bringt uns zu einem wichtigen Punkt: Moti­va­tion.

SMART Ziele und die Moti­va­tion, sie zu erreichen

Moti­va­tion ist insofern wichtig, als dass sie darüber entscheidet, wie leis­tungs­fähig wir sind. Wer ein Ziel unbedingt erreichen möchte, kann deutlich länger und härter daran arbeiten, als jemand, der zur Arbeit gezwungen wird.

Welchen Einfluss haben SMART Ziele auf die Moti­va­tion?

Um diese Frage beant­worten zu können, müssen wir zwei grund­ver­schie­dene Arten der Moti­va­tion unter­scheiden: die intrinsi­sche Moti­va­tion und die extrinsi­sche Moti­va­tion.

Intrinsi­sche und extrinsi­sche Moti­va­tion

Von extrinsi­scher Moti­va­tion spricht man, wenn die Tätigkeit nur für eine Belohnung oder aufgrund von äußerem Druck durch­ge­führt wird. Ein Bank­an­ge­stellter ist nicht intrinsisch motiviert, einem Fremden Zugang zum Tresor der Bank zu gewähren, aber eine geladene Pistole kann ihn dazu moti­vieren, es doch zu tun.

Im Gegensatz dazu bedürfen intrinsisch moti­vierte Tätig­kei­ten­weder äußerem Druck noch einer Belohnung, denn die Tätigkeit selbst ist die Belohnung. Intrinsi­sche Moti­va­tion kann nicht erzwungen werden – weder bei sich selbst noch bei anderen Menschen. Wer von intrinsi­scher Moti­va­tion profi­tieren möchte, muss nach einer Tätigkeit suchen, die intrinsi­sche Moti­va­tion hervor­ruft.

Intrinsi­sche Moti­va­tion kann leicht im Keim erstickt werden

Wie Daniel Pink ausführ­lich in seinem Buch Drive* erklärt, ist intrinsi­sche Moti­va­tion nur unter der Bedingung möglich, dass man sich nicht fremd­be­stimmt fühlt.

SMART-Ziele sollten also nicht als Fremd­be­stim­mung empfunden werden, weil sonst die intrinsi­sche Moti­va­tion verschwindet. Um die Gefahr von Fremd­be­stim­mung möglichst klein zu halten, sollte derjenige, der später am SMART-Ziel arbeiten wird, auch an dessen Formu­lie­rung beteiligt sein.

SMART-Ziele, die einem von oben aufs Auge gedrückt werden, sind tödlich für die intrinsi­sche Moti­va­tion. Daran wird auch eine geschickte Rhetorik wenig ändern.

Haben SMART Ziele auch Nachteile?

Für lang­fris­tige persön­liche Ziele ist die SMART-Methode nur bedingt geeignet. Über die Grenzen und Nachteile der SMART-Ziele habe ich in meinem Artikel über persön­liche Ziele schon ausführ­lich geschrieben.

P.S.: Wenn du diesen Artikel inter­es­sant fandest, sieh dir unbedingt auch meinen Über­sichts­ar­tikel über Selbst­ma­nage­ment an. Dort findest du viele weitere nützliche Methoden und einleuch­tende Prin­zi­pien des Selbst­ma­nage­ments, die dir garan­tiert dabei helfen werden, dein volles Potenzial zu entfalten.

Und falls du gerade keine Zeit hast, weil dir alles über den Kopf wächst, solltest du dir unbedingt mein Buch Erfolg durch Fokus & Konzen­tra­tion bestellen. Für Lese­muffel gibt es auch eine Hörbuch-Version.

Ich wünsche dir viel Erfolg!
Jan Höpker

Dr. Jan Höpker - Foto Autorenbox

Über Dr. Jan Höpker

Eines Tages wachte ich auf und stellte fest, dass ich über viele spannende Themen nicht nur nichts wusste, sondern nicht einmal wusste, dass ich nichts über sie wusste (trotz Studium und Promotion). Seitdem lese ich viele schlaue Bücher und mache mir Gedanken, die ich auf dieser Webseite veröf­fent­liche.

Meine Artikel gehen in die Tiefe, weil ich für Ober­fläch­lich­keit keine Zeit habe. Warum die Seite HabitGym heißt? Weil es nicht darum geht, Dinge nur zu wissen, sondern Wissen auch anzu­wenden, was einiger Übung bedarf. Auch Geld ist nur ein Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger. Zurzeit arbeite ich übrigens an meiner zweiten Million – die erste Million hat leider nicht geklappt ;)

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P.S.: Mitt­ler­weile habe ich selbst einige Bücher geschrieben (siehe hier).

Meine Bücher

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