Soziale Bezie­hungen verbes­sern – 6 Tipps (einfach und wirkungs­voll)

Wie kann ich meine sozialen Bezie­hungen auffri­schen oder berei­chern? Wie kann ich eine chao­ti­sche soziale Bezie­hungen retten? Wer sich diese Fragen stellt, findet hier sechs Antworten.

Soziale Beziehungen verbessern, Kommunikation verbessern

Bezie­hungen sind der Sinn des Lebens

Eine wissen­schaft­liche Lang­zeit­studie hat ergeben, dass nichts im Leben auch nur annähernd so wichtig ist, wie die Qualität unserer sozialen Bezie­hungen.

Die Qualität unserer Bezie­hungen ist ein zuver­läs­siger Indikator für:

  • Unsere Lebens­er­war­tung
  • Den körper­li­chen Verfall im mittleren und fort­ge­schrit­tenen Alter
  • Unsere Gehirn­ge­sund­heit und Gedächt­nis­leis­tung im Alter
  • Unsere allge­meine Lebens­zu­frie­den­heit

Auf die Qualität der Bezie­hungen kommt es an

Inter­es­san­ter­weise spielte die Anzahl der sozialen Bezie­hungen kaum eine Rolle.

Eine einzige erfül­lende Freund­schaft oder Part­ner­schaft ist besser, als hunderte ober­fläch­liche Bekannt­schaften.

In diesem Artikel stelle ich sechs Methoden vor, mit denen man die Qualität jeder sozialen Bezie­hungen auf einfache Weise deutlich verbes­sern kann.

#1 | Nicht mutmaßen, sondern nach­fragen!

Diese Methode stammt aus dem Buch Machen wir uns nichts vor (*) von Nicholas Eppley.

Bezie­hungen leiden unter Miss­ver­ständ­nissen

Miss­ver­ständ­nisse entstehen immer dann, wenn wir über die Gefühle, Pläne und Meinungen unserer Mitmen­schen mutmaßen, ohne uns zu verge­wis­sern, ob wir richtig geraten haben.

Wir bilden uns viel auf unsere Fähigkeit ein, die Gedanken unserer Mitmen­schen zu lesen.

Unter­su­chungen haben aber gezeigt, dass wir diese Fähigkeit massiv über­schätzen, und zwar umso mehr, je stärker wir unsere Gedan­ken­le­se­fä­hig­keit einschätzen.

In Bezie­hungen sammeln sich mit der Zeit immer mehr Miss­ver­ständ­nisse an

Insbe­son­dere in lang­jäh­rigen zwischen­mensch­li­chen Bezie­hungen kommt es häufig zu Miss­ver­ständ­nissen.

Je länger wir uns kennen, umso mehr glauben wir, unser Gegenüber richtig einschätzen zu können. Es handelt sich leider um eine Illusion.

Praxis­tipp #1: Nach­fragen

Nicht so viel mutmaßen, sondern nach­fragen!

Wer sich an diesen Tipp hält, profi­tiert außerdem noch von einem positiver Neben­ef­fekt: Menschen reden gerne über sich selbst. Wenn wir unser Gegenüber befragen, geben wir ihm das Gefühl, dass er uns wichtig ist. Dadurch wird die Bindung noch weiter gestärkt.

#2 | Formu­liere Ich-Botschaften

Diese Methode kommt aus dem Buch Mitein­ander reden (*) von Frie­de­mann Schulz von Thun.

Mit Ich-Botschaften stress­frei Kritik üben

Die meisten Menschen beschränken sich beim Kriti­sieren und beim Mitteilen ihrer Bedürf­nisse und Gefühle auf Du-Botschaften.

Beispiele für Du-Botschaften

Du lässt immer deinen Müll rumliegen!

Du bist immer so gemein zu mir!

Du hörst mir nie zu!

Das Problem von Du-Botschaften ist, dass sich das Gegenüber angeklagt und in eine Ecke gedrängt fühlt.

Wenn man mit Du-Botschaften konfron­tiert wird, kann man oft gar nicht anders, als trotzig zu reagieren (Reaktanz).

Die Folge ist, dass die Beziehung Schaden nimmt, während das Problem weiterhin bestehen bleibt. Eine lose-lose-Situation.

Praxis­tipp #2: Ich-Botschaften

Beispiele für Ich-Botschaften

Es stört mich, dass hier Müll rumliegt.

Ich fühle mich ungerecht behandelt.

Es kommt mir so vor, als ob du mir nicht richtig zuhörst.

Durch das Formu­lieren von Ich-Botschaften macht man das Problem zu seinem eigenen Problem.

Der Andere wird nicht in eine Ecke gedrängt. Aus dieser Position heraus kann er der (impli­ziten) Hand­lungs­auf­for­de­rung der Ich-Botschaft nach­kommen, ohne sein Gesicht zu verlieren.

Wer Ich-Botschaften anstelle von Du-Botschaften formu­liert, wird um ein Viel­fa­ches öfters das bekommen, was er haben möchte, und zahlt gleich­zeitig auf das emotio­nale Konto des Gegen­übers ein. Eine win-win-Situation.

Mehr zum Thema Ich-Botschaften in einem ausführ­li­chen Artikel

Ich-Botschaften – Die #1 Regel für konstruk­tive Kritik

Ich-Botschaften sind eine Grund­vor­aus­set­zung für konstruk­tive Kritik und ein Meilen­stein der Persön­lich­keits­ent­wick­lung.

In diesem Artikel erfährst du, wie du mit Ich-Botschaften erfül­len­dere soziale Bezie­hungen führst und Menschen konstruktiv und stress­frei kriti­sierst.

#3 | Empa­thi­sches Zuhören ist Platin

Diese Methode stammt aus dem Buch Die 7 Wege zur Effek­ti­vität (*) von Stephen R. Covey.

Zuhören ist besser als reden

Die meisten Menschen reden zu viel von sich selbst, hören zu wenig zu und stellen zu wenige Fragen.

Viele Menschen hören anderen nicht zu

Während ihr Gesprächs­partner spricht, bereiten sie in Gedanken ihre eigene Rede vor.

Oder sie unter­bre­chen ihr Gegenüber bei bestimmten Stich­worten, um ihre eigenen Erleb­nisse und Erfah­rungen zum Thema mitzu­teilen.

Viele Menschen stellen zu wenige Fragen

Sie hören zwar zu, aber sie machen bereits Lösungs­vor­schläge, bevor sie das Problem richtig verstanden haben.

Reden zu dürfen ist besser als Tipps zu erhalten

Verein­facht gespro­chen werden Selbst­hei­lungs­kräfte aktiviert, wenn man sich Sorgen und Probleme von der Seele redet.

Nachdem man über die eigenen Probleme gespro­chen hat, geht es einem meist deutlich besser – auch wenn das Problem dadurch nicht gelöst wird.

Praxis­tipp #3: Zuhören

Noch besser als passives Zuhören ist das empa­thi­sche Zuhören. Wer empa­thisch zuhört, stellt gezielt Fragen, insbe­son­dere zu den Gefühlen des Gesprächs­part­ners.

Die Qualität von zwischen­mensch­li­chen Bezie­hungen steigt, wenn die Betei­ligten das Gefühl haben, verstanden zu werden.

#4 | Stref­freie Meta­kommuni­kation

Aus dem Buch Mitein­ander reden (*) von Frie­de­mann Schulz von Thun.

Meta­kom­mu­ni­ka­tion: über die Kommu­ni­ka­tion kommu­ni­zieren

Meta­kom­mu­ni­ka­tion heißt, die Kommu­ni­ka­tion selbst zum Gesprächs­thema zu machen.

In sozialen Bezie­hungen läuft die Kommu­ni­ka­tion nicht immer rund

Man redet anein­ander vorbei, oder eine Botschaft wird nicht so verstanden, wie sie gemeint war.

In diesem Fall kann es hilfreich sein, das Kommu­ni­ka­tion auf der Metaebene direkt anzu­spre­chen.

Anstatt auf die Metaebene zu wechseln, wieder­holen die meisten Menschen immer wieder nur das, was sie bereits gesagt haben.

Wenn auch das nicht hilft, werden lauter, und ihre Gereizt­heit ist nicht zu überhören.

Kommu­ni­ka­tion ist mehr als Austau­schen von Infor­ma­tionen

Wenn ihr Gegenüber nicht so reagiert, wie sie erwartet hatten, gehen die meisten Menschen davon aus, dass ihre Botschaft auf der Sachebene nicht verstanden wurde.

Das tatsäch­liche Problem ist meist ein ganz anderes.

Oft meinen wir es mit unseren Auffor­de­rungen und Appellen nur gut, aber durch die Art und Weise, wie wir diese kommu­ni­zieren, zwingen wir unser Gegenüber dazu, unsere Ratschläge nicht annehmen zu können, weil er sich uns unter­ordnen müsste.

Wir haben alle diese Erfahrung gemacht

Vater oder Mutter gaben uns den Befehl, eine Jacke anzu­ziehen, weil es draußen kalt war. Anstatt die Jack anzu­ziehen, was eine gute Idee gewesen wäre, waren wir innerlich blockiert: Wir konnten die Jacke einfach nicht anziehen, nicht nachdem wir in diesem Ton dazu aufge­for­dert wurden.

Praxis­tipp #4: Meta­kom­mu­ni­ka­tion

In dieser Situa­tionen kann man nur weiter­kommen, indem man seinem Gegenüber mitteilt, warum diese Art der Kommu­ni­ka­tion destruktiv ist.

Die Voraus­set­zung ist, dass man sich ein wenig mit Kommu­ni­ka­tion auskennt. Zu diesem Zweck empfehle ich das Buch Mitein­ander reden (Teil 1) (*) von Frie­de­mann Schulz von Thun.

#5 | Nach Win-Win-Möglich­keiten suchen

Aus dem Buch Die 7 Wege zur Effek­ti­vität (*) von Stephen R. Covey.

Kompro­misse sind nicht das best­mög­liche Ergebnis

Bei Meinungs­ver­schie­den­heiten suchen die meisten Menschen instinktiv nach Kompro­missen.

Bei Kompro­missen bekommt niemand was er möchte

Kompro­misse sind eine Art Mittel­wert: Jeder bekommt etwas, aber Niemand bekommt das, was er ursprüng­lich wollte.

Der Mann möchte ein blaues Auto, die Frau möchte ein gelbes Auto, und am Ende wird ein grünes Auto gekauft (die Misch­farbe).

Person A möchte in die Berge, und Person B möchte ans Meer. Am Ende fährt man an einen See mit kleinen Bergen in der Nähe. Wieder ein Durch­schnitts­wert.

Praxis­tipp #5: Win-Win statt Kompro­missen

Zum Beispiel könnte Person A das Urlaubs­ziel aussuchen, und Person B die Farbe des Autos. So hat jeder zumindest einmal genau das, was er sich gewünscht hat.

Win-win-Möglich­keiten zu finden, erfordert eine neue Denkweise

Da wir in dieser Denkweise (noch) nicht geübt sind, tun wir uns am Anfang schwer damit win-win-Möglich­keiten zu finden.

#6 | Auf emotio­nale Konten einzahlen

Aus dem Buch Die 7 Wege zur Effek­ti­vität (*) von Stephen R. Covey.

In jeder Beziehung gibt es 2 emotio­nale Konten

Immer wenn wir einen Menschen artge­recht behandeln, zum Beispiel indem wir die Tipps #1 bis #5 aus diesem Artikel beher­zigen, zahlen wir auf sein emotio­nales Konto ein.

Je besser dieses Konto gefüllt ist, umso eher kann man auch mal von diesem Konto abheben ohne, dass die Beziehung oder Freund­schaft darunter leidet.

Wenn das Konto hingegen leer ist, wird einem jede Klei­nig­keit übel genommen.

Praxis­tipp #6: Regel­mäßig einzahlen

Einfach die Tipps aus diesem Artikel anwenden!

Bücher für bessere Bezie­hungen

Ich wünsche dir viel Erfolg!
Jan Höpker

Dr. Jan Höpker - Foto Autorenbox

Über Dr. Jan Höpker

Eines Tages wachte ich auf und stellte fest, dass ich über viele spannende Themen nicht nur nichts wusste, sondern nicht einmal wusste, dass ich nichts über sie wusste (trotz Studium und Promotion). Seitdem lese ich viele schlaue Bücher und mache mir Gedanken, die ich auf dieser Webseite veröf­fent­liche.

Meine Artikel gehen in die Tiefe, weil ich für Ober­fläch­lich­keit keine Zeit habe. Warum die Seite HabitGym heißt? Weil es nicht darum geht, Dinge nur zu wissen, sondern Wissen auch anzu­wenden, was einiger Übung bedarf. Auch Geld ist nur ein Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger. Zurzeit arbeite ich übrigens an meiner zweiten Million – die erste Million hat leider nicht geklappt ;)

Schließe dich meinen rund 2.000 News­letter-Abon­nenten an, um mehr über mich und all die span­nenden Themen zu erfahren, von denen du viel­leicht noch nicht einmal weißt, dass du nichts über sie weißt ...

P.S.: Mitt­ler­weile bin ich selbst Autor mehrerer Bücher (siehe hier).

Meine Bücher

(*) Die mit Sternchen gekenn­zeich­neten Links sind soge­nannte Affiliate-Links. Wenn du auf einen Affiliate-Link klickst und anschlie­ßend bei Amazon einkaufst, erhalte ich eine geringe Provision, die einen Teil meiner Server­kosten deckt. Für dich verändert sich der Preis natürlich nicht. Keine Sorge, dies ist keine Verkaufs­seite. Ich empfehle nur Bücher, die ich wirklich gelesen habe und die mich weiter­ge­bracht haben.

Diesen Artikel weiter­emp­fehlen:

5/5 (13)

Dein Feedback hilft mir, diesen Artikel zu verbes­sern.

3 Antworten auf Soziale Bezie­hungen verbes­sern – 6 Tipps (einfach und wirkungs­voll)

  1. AvatarFrank sagt:

    Schöner Artikel mit sehr guten Tipps.
    Sehr zu empfehlen sind auch die Bücher von Marshall Rosenberg.
    Herzliche Grüße
    Frank

    • AvatarJan sagt:

      Hallo Frank,

      Danke für den Tipp. Marshall Rosenberg kannte ich noch gar nicht. Er hat sehr viele Bücher geschrieben. Gibt es eines, welches Du für den Einstieg besonders empfehlen würdest?

      Viele Grüße,
      Jan

      • AvatarFrank sagt:

        Im Gründe genommen sind sie alle sehr gut.
        Wie wäre es mit
        Konflikte lösen mit gewalt­freier Kommuni­kation?
        Weitere empfehlens­werte Bücher über Kommuni­kation habe ich hier gelistet.
        Liebe Grüße
        Frank

Schreibe einen Kommentar

Please use your real name instead of you company name or keyword spam.