Vitamin D

Geschrieben am 11. Mai 2020 von Dr. Jan Höpker.

Das fettlösliche Vitamin D3 (Cholecalciferol) ist eigentlich kein Vitamin, sondern ein Hormon, das unser Organismus selbst herstellt, sofern wir unsere Haut der UV-Strahlung der Sonne aussetzen. Die Bezeichnung als Vitamin hat historische Gründe.

Etwas vereinfacht gesprochen, hat Vitamin D3 eine bestimmte Eigenschaft (es ist photolabil), die dafür sorgt, dass bei einer kurzen Exposition mit UV-Licht in etwa die gleichen Mengen Vitamin D3 entstehen, wie bei einer langen Exposition. Man spricht von einer »Selbstregulation der UV-induzierten Synthese«. Man muss sich also nicht stundenlang der Sonne aussetzen, um ausreichend viel Vitamin D3 zu »tanken« – ein paar Minuten reichen aus!

Die blasse Haut eines hellhäutigen jungen Erwachsenen stellt innerhalb von 24 Stunden eine Menge an Vitamin D her, die mit 10.000 bis 20.000 IE aus Nahrungsergänzungsmitteln vergleichbar ist. Dafür reicht es aus, wenn man die Haut an einem sonnigen Sommertag um die Mittagszeit 10 bis 12 Minuten der Sonne aussetzt. Es handelt sich um ein Vielfaches des Tagesbedarfs, der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung mit 800 IE angegeben wird. Tatsächlich könnte der Tagesbedarf um ein Vielfaches höher sein.

Laut NVS II sind 82% der Männer und 91% der Frauen unterversorgt.

Die Ergebnisse einer Studie deuten darauf hin, dass die Gabe von hochdosiertem Vitamin D älteren Menschen eher schadet als nutzt. Im Rahmen der Studie wurden Menschen über 70 (das Durchschnittsalter lag bei 78 Jahren), die im vergangenen Jahr mindestens einmal gestürzt waren, ein Jahr lang mit monatlich 24.000 IE (das entspricht 800 IE pro Tag) oder 60.000 IE (das entspricht 2.000 IE pro Tag) Vitamin D versorgt. Im Gegensatz zu den Probanden, die nur 24.000 IE Vitamin D erhalten hatten, konnten diejenigen, die 60.000 IE erhalten hatten, ihre Beine nach einem Jahr nicht besser bewegen. Außerdem waren sie öfters erneut gestürzt. Warum größere Mengen Vitamin D möglicherweise schädlich sind, konnte bisher (Stand 2019) nicht geklärt werden (Quelle).

Zwei Studien aus dem Jahr 2015 deuten darauf hin, dass sich die Knochenstruktur älterer Frauen durch die Gabe der in Deutschland empfohlenen Tagesdosis von 800 IE Vitamin D nicht verbessert (Quelle1 Quelle2).

Die Haut dunkelhäutiger Menschen benötigt dafür deutlich länger. Auch ältere Menschen brauchen länger, denn die Fähigkeit der Haut, Vitamin D3 zu bilden, nimmt mit zunehmendem Alter bis etwa um den Faktor 3 ab.

Im Winter ist der UV-Anteil des Sonnenlichts geringer, sodass fast gar kein Vitamin D synthetisiert werden kann. Im Winter zehrt man von den Vorräten, die der Körper im Sommer angelegt hat.

Auch Fensterscheiben und Sonnencremes unterbinden die Vitamin-D-Synthese nahezu vollständig.

Zwar kommt Vitamin D auch in einigen wenigen Nahrungsmitteln vor, zum Beispiel in Fettfischen, Leber und Eigelb, aber die in Nahrung enthaltenen Mengen reichen bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Durchschnittlich werden 80 bis 160 IE Vitamin D pro Tag über die Nahrung aufgenommen.

Über die Nahrung aufgenommenes und/oder von der Haut synthetisiertes Vitamin D wird über das Blut in die Leber transportiert und dort in Calcidiol, einer Speicherform, umgewandelt. Calcidiol wird wieder an das Blut abgegeben und hat dort eine Halbwertszeit von einigen Wochen. (Die aktive Form von Vitamin D3 ist Calcitriol).

Der Calcidiol-Spiegel im Blut spiegelt recht genau die Vitamin-D-Versorgung der letzten Monate wieder, während der Vitamin-D-Spiegel nur etwas über die Versorgung der letzten Stunden aussagt.

Wer heute damit anfängt Vitamin D zu supplementieren, wird erst nach Wochen bis Monaten beobachten können, dass sich der Calcidiol-Spiegel erhöht.

Vitamin D spielt u. A. eine Rolle bei der Regulierung des Calcium-Spiegels im Blut und damit indirekt beim Knochenaufbau. Vitamin D hält die Knochen und Zähne stabil.

Die Verbraucherzentrale klärt darüber auf, dass die Behauptung, eine verbesserte Versorgung mit Vitamin D würde vor Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erkrankungen des Nervensystems schützen, wissenschaftlich nicht bewiesen ist. Einzig, dass Vitamin D ältere Menschen vor Knochenbrüchen schützen kann (siehe oben), konnte gezeigt werden.

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