Vitamin­mangel

Geschrieben am 11. Mai 2020 von Dr. Jan Höpker.

Max Rubner-Institut (MRI) – Bundes­for­schungs­in­stitut für Ernährung und Lebens­mittel. Eine Bundes­be­hörde der Bundes­re­pu­blik Deutsch­land im Geschäfts­be­reich des Bundes­mi­nis­te­riums für Ernährung und Land­wirt­schaft. Hauptsitz: Karlsruhe. Das MRI ist weiter unter­glie­dert. Ein unter­ge­ord­netes Institut ist das Institut für Ernäh­rungs­ver­halten, das seinen Sitz ebenfalls ins Karlsruhe hat.

Wie unab­hängig ist das MRI? Der erste Präsident des MRI hatte einen ehren­amt­li­chen Nebenjob am Inter­na­tional Life Science Institute (ILSI), das seine Finan­zie­rung größ­ten­teils von Konzernen wie Coca-Cola, McDonalds, Monsanto und Co. erhält. Auch der aktuelle Präsident war an Projekten des ILSI beteiligt (Quelle).

Zwischen November 2005 und Januar 2007 wurde die Nationale Verzehr­studie II (NVS II) durch­ge­führt. Es handelt sich um eine bundes­weite Erhebung zur Ernäh­rungs­si­tua­tion von Jugend­li­chen und Erwach­senen. Die Studie wurde vom Bundes­mi­nis­te­rium für Ernährung, Land­wirt­schaft und Verbrau­cher­schutz in Auftrag gegeben und vom MRI durch­ge­führt.

Im Rahmen der Studie wurden etwa 20.000 Teil­nehmer im Alter von 14 bis 80 Jahren befragt. Die Ergeb­nisse der NVS II wurden am 30. Januar 2008 veröf­fent­licht (Quelle). Zu den Ergeb­nissen der Studie heißt es bei Wikipedia:

»Der Median der deutschen Bevöl­ke­rung sei gut mit Vitaminen und Nähr­stoffen versorgt, mit Ausnahme von Vitamin D, Vitamin B9 (Folsäure) und Jod.«

Also einfach Vitamin D, Folsäure und Jod supple­men­tieren? Ganz so einfach ist es nicht. Für uns als Einzel­per­sonen ist die Versor­gung des Median wenig aufschluss­reich. Eine ausrei­chende Versor­gung des Median lässt lediglich darauf schließen, ob ein bestimmter Nährstoff im Nahrungs­mit­tel­an­gebot grund­sätz­lich in ausrei­chender Menge vorhanden ist, d.h. ob ein Mangel grund­sätz­lich vermeidbar wäre.

Die folgende Tabelle gibt an, wie viele Menschen bezüglich der Versor­gung des entspre­chenden Nähr­stoffes unter dem empfoh­lenen Refe­renz­wert bleiben. Was ist der Refe­renz­wert? Verein­facht ausge­drückt handelt es sich um die Empfeh­lung der Deutschen Gesell­schaft für Ernährung (DGE).

(Mehr Infos zum D‑A-CH-Refe­renz­wert).

  • Vitamin A: 15% der Männer und 10% der Frauen unter Ref.-Wert
  • Vitamin D: 82% der Männer und 91% der Frauen unter Ref.-Wert
  • Vitamin E: 48% der Männer und 49% der Frauen unter Ref.-Wert
  • Vitamin B1: 21% der Männer und 32% der Frauen unter Ref.-Wert
  • Vitamin B2: 20% der Männer und 26% der Frauen unter Ref.-Wert
  • Vitamin B3: 1% der Männer und 2% der Frauen unter Ref.-Wert
  • Vitamin B6: 12% der Männer und 13% der Frauen unter Ref.-Wert
  • Vitamin B9: 79% der Männer und 86% der Frauen unter Ref.-Wert
  • Vitamin B12: 8% der Männer und 26% der Frauen unter Ref.-Wert
  • Vitamin C: 32% der Männer und 29% der Frauen unter Ref.-Wert
  • Natrium: keine Mängel
  • Kalium: 4% der Männer und 8% der Frauen unter Ref.-Wert
  • Calcium: 46% der Männer und 55% der Frauen unter Ref.-Wert
  • Magnesium: 26% der Männer und 29% der Frauen unter Ref.-Wert
  • Eisen: 14% der Männer und 58% der Frauen unter Ref.-Wert
  • Iod(*): 28% der Männer und 53% der Frauen unter Ref.-Wert
  • Zink: 32% der Männer und 21% der Frauen unter Ref.-Wert

(*) Bei Verwen­dung von jodiertem Spei­se­salz. Wenn kein jodiertes Spei­se­salz verwendet wird, sind 96% der Männer und 97% der Frauen unter dem Refe­renz­wert für Jod.

Was lernen wir daraus? Viele Menschen nehmen über ihre Nahrung nicht die empfoh­lenen Mengen an Mikro­nähr­stoffen auf, weil sie sich nicht ausge­wogen ernähren. Würden sie sich ausge­wogen ernähren, würde es ihnen wahr­schein­lich nur an Vitamin D, Vitamin B9 und Iod mangeln.

Übrigens gibt es einige Nähr­stoffe, die in der Verzehr­studie gar nicht auftau­chen und zu denen die DGE keine Refe­renz­werte heraus­ge­geben hat: Selen, Biotin (Vitamin B7) und Panto­then­säure (Vitamin B5).

>